
Israels anhaltende Kriege und Besatzungen – Gaza, Libanon, Westbank – und der prekäre Status zwischen USA und Iran
Während die diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran in einem Schwebezustand verharren, setzt Israel seine militärischen Operationen, den Genozid und die Kontrolle über besetzte Gebiete unvermindert fort. In Gaza, dem Libanon und dem Westjordanland bleibt die Gewalt Alltag – mit schweren Folgen für die Zivilbevölkerung.
Im Gazastreifen kontrollieren israelische Truppen nach eigenen Angaben weiterhin über 60 Prozent des Gebiets. Trotz US-gestützter Verhandlungen über eine Entwaffnung der Hamas und einen möglichen Rückzug lehnt Premierminister Benjamin Netanyahu einen Abzug ab, solange Hamas nicht „wirklich entwaffnet“ sei. Vereinzelte Luftangriffe gehen weiter, während eine US-Delegation unter Jared Kushner Gespräche über einen Friedensplan und den Wiederaufbau vorbereitet. Die humanitäre Lage bleibt katastrophal.
Israel hat nach Angaben des Middle East Eye inzwischen über 73.389 Menschen im Gazastreifen getötet – tausende weitere liegen noch unter den Trümmern, die niemand mehr zählt.
Der türkische Außenminister Hakan Fidan, immerhin NATO-Partner, erklärte:
„Netanjahu entwickelt Politiken, die die Menschenwürde mit Füßen treten.“
Fidan wirft Israel vor, alle Palästinenser aus Gaza vertreiben zu wollen, und kündigt an, dass die Türkei, Katar und Ägypten zu „radikalen Schritten“ gezwungen sein könnten, wenn Washington nicht endlich Druck auf Israel ausübt.
Siedler, Schüsse, „Sicherheitszonen“
Doch Gaza ist nur ein Schauplatz. In der Westbank läuft die Landnahme ungebremst weiter. Verteidigungsminister Israel Katz weihte am Donnerstag eine neue Siedlung im Raum Jenin ein – am selben Tag, an dem israelische Soldaten palästinensische Geschäfte und Eigentum zerstörten. Katz selbst räumt ein, dass die Siedlergewalt Israel „und seine Freunde kostet“ – ein bemerkenswertes Eingeständnis für einen, der gleichzeitig erklärt, man werde sich aus den „Sicherheitszonen“ in Südlibanon und Gaza nicht zurückziehen.
In Syrien eröffneten israelische Kräfte das Feuer auf Zivilisten in der Provinz Daraa und zwangen Bewohner des Dorfes Maariya zur Flucht.
Das Muster ist immer dasselbe: Erst die „Sicherheitszone“ ausrufen, dann die Fakten schaffen, dann den Rückzug verweigern. Der 26.-Juni-Vertrag, der Israels Abzug aus dem Libanon an die Entwaffnung der Hisbollah knüpft, ist damit faktisch tot – die Hisbollah ist nicht einmal Vertragspartei, lehnt die Entwaffnung ab, und Washington kritisiert Katz‘ Äußerungen als vertragswidrig.
Die neue Ausrichtung der USA
Militärisch ist nichts mehr zu holen und Vizepräsident JD Vance macht die Prioritäten Washingtons glasklar:
„Öl und Gas für die Amerikaner billig zu halten, ist jetzt Washingtons oberste Priorität.“
Und weiter: Man werde den Iran „wirtschaftlich isolieren wie nie zuvor in der Geschichte“ – kombiniert mit einer andauernden Blockade der Straße von Hormuz.
Finanzminister Scott Bessent tönt auf Newsmax sogar von Maßnahmen, die „noch nie in der Geschichte der wirtschaftlichen Isolierung eines Landes gesehen wurden“. Die Botschaft ist klar: Der Iran soll wirtschaftlich stranguliert werden, bis er aufgibt.
Hormuz: Blockade, Huthi-Raketen, brennende Tanker
Währenddessen eskaliert die Lage auf See. Die Huthi haben Raketen auf die Meerenge Bab el-Mandeb abgefeuert. Iran hat eine effektive Blockade der Straße von Hormuz verhängt und will offenbar Gebühren für die Durchfahrt erheben – was Washington „erbittert ablehnt“. Der Iran verhandelt mit Oman über die künftige Verwaltung der Meerenge.
Am Donnerstagabend wurden zwei Tanker der staatlichen ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) angegriffen – die Emirate verurteilen das aufs Schärfste. Eine Bergungsaktion für einen havarierten Tanker vor der omanischen Küste läuft.
Die USS Abraham Lincoln: Die Geschichte, die Centcom „entkräftet“
Um den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln ranken sich seit Tagen Berichte über Tote an Bord – sieben angeblich bei einer Schlägerei, dazu Meldungen über eine Welle von Suizidgedanken. Das US Central Command (Centcom) hat diese Berichte auf X als „FALSCH“ zurückgewiesen und betont, nur ein Matrose sei am 3. August über Bord gegangen und „schnell und sicher geborgen“ worden.
Interessant ist die Reaktion des demokratischen Senatsminderheitsführers Chuck Schumer, der Verteidigungsminister Pete Hegseth als „komplett inkompetent“ bezeichnet und seine sofortige Entlassung fordert:
„Als Pete Hegseth nominiert wurde, wusste jeder, dass er komplett inkompetent ist. Jetzt zahlen unsere tapferen Matrosen den Preis auf schreckliche und unergründliche Weise.“
Dass selbst aus dem Establishment solche Töne kommen, zeigt: Die Lage an Bord – und die Strategie insgesamt – ist offenbar desaströser, als die offiziellen Verlautbarungen zugeben wollen.
Was die iranischen Quellen sagen
Die iranischen Nachrichtenagenturen Fars News, Tasnim News, ISNA und der Staatssender PressTV liefern die iranische Sicht, die wohl auch immer mehr die des globalen Südens ist, die aber in unseren Medien schlicht fehlt:
- Fars News (farsnews.ir) – dem iranischen Revolutionsgarden-Umfeld zugerechnet, berichtet ausführlich über die Blockade von Hormuz und die Verhandlungen mit Oman.
- Tasnim News (tasnimnews.com) – ebenfalls IRGC-nah, liefert militärische Details und iranische Verlautbarungen zu den Angriffen.
- ISNA (isna.ir) – die halboffizielle Studentennachrichtenagentur, oft mit Innenperspektive auf die Verhandlungslinie Teherans.
- PressTV (presstv.ir) – der englischsprachige Staatssender, der die iranische Sicht international verbreitet.
Und in Wien spielt eine Fußballmannschaft aus Israel im „Europa“-Cup und in den TV-Übertragungen wird jeder Hinweis auf Kriegsverbrechen, Genozid und Krieg vermieden …..
Wie geht es weiter?
Was sich hier abzeichnet, ist ein Mehrfrontenkrieg ohne Kriegserklärung, betrieben von einer Koalition, deren erklärtes Ziel die dauerhafte Kontrolle von Energierouten und die Zerschlagung unliebsamer regionaler Mächte ist:
- Gaza: über 73.000 Tote, ethnische Säuberung in Zeitlupe, „Truppenabzug“ nur als Ankündigung.
- Westbank: Siedlungsbau, Schüsse auf Zivilisten, Zerstörung palästinensischen Eigentums.
- Libanon & Syrien: „Sicherheitszonen“ als Vorwand für dauerhafte Besatzung.
- Iran: Wirtschaftskrieg, Seeblockade, atomare Erpressungsrhetorik
In der Zwischenzeit gleitet die Wirtschaft im politischen Westen langsam in inflation oder Rezession.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Die Toleranz der meisten europäischen Staaten gegenüber den schweren israelisch-amerikanischen Kriegsverbrechen ist ein Alarmsignal. Ein faschistoider Trend hat eingesetzt, mit unabsehbaren Folgen für Rechtsstaatlichkeit, Gesellschaft und Wirtschaft.
Hier in Schland sollte man nachdenken – wohin wohl vertreiben? Möchte man hier wirklich zusätzliche Millionen Fachkräfte aus Gaza, aus dem Westjordanland, aus Libanon, aus Syrien…?