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Politik

Xi in Washington: Der Drache bleibt unbeeindruckt – Trump produziert Pomp

1 Kommentare 25. September 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Chinas Präsident Xi Jinping ist zu einem Staatsbesuch in Washington eingetroffen und hat im Oval Office mit Donald Trump getagt. Trump redete von „wirklich großer Freundschaft“, rollte den roten Teppich aus und inszenierte eine aufwendige Show. Xi blieb kühl, setzte klare rote Linien und ließ sich von der Theatralik nicht beeindrucken.

Trump begrüßte Xi mit Militärparade, Flugshow der alten und B1-Bomber und pathosgeladenen Worten. „Seit meiner ersten Wahl 2016 haben Präsident Xi und ich eine Freundschaft geschmiedet, eine wirklich große Freundschaft, gebaut auf gegenseitigem Respekt und den vitalen Interessen unserer Völker“, erklärte der US-Präsident. Er verwies auf gemeinsame historische Interessen und erinnerte sogar daran, dass die USA und China im Zweiten Weltkrieg Verbündete gewesen seien.

Xi antwortete diplomatisch, aber bestimmt. Er forderte „gesunden Wettbewerb“ zwischen den beiden Mächten, der in Grenzen gehalten werden müsse. Die Interessen Chinas und der USA seien „tief verflochten“. Beide Seiten sollten friedlich koexistieren, die Kommunikation stärken und gemeinsame Interessen über Differenzen stellen. Gleichzeitig warnte er vor den Gefahren der „Thukydides-Falle“ – dem klassischen Muster, wonach eine aufsteigende Macht und eine etablierte Hegemonialmacht unweigerlich in Konflikt geraten.

Die Inszenierung selbst sprach Bände. Trump ließ einen B-1-Bomber in ohrenbetäubender Lautstärke überfliegen – ein Versuch, militärische Überlegenheit zu demonstrieren. Xi betrachtete die Szene steinern und unbeeindruckt. Während Trump nervös und bemüht wirkte, strahlte der chinesische Staatschef souveräne Gelassenheit aus. Die Optik war klar: Der Gastgeber versuchte zu beeindrucken, der Gast ließ sich nicht beeindrucken.

Taiwan: Die klare rote Linie

Im persönlichen Gespräch im Oval Office wurde Xi deutlicher. Laut der offiziellen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua drängte er Trump, die Taiwan-Frage „mit Umsicht“ zu behandeln und sich klar gegen „Taiwan-Unabhängigkeit“ zu stellen. Peking hoffe, dass die USA die „korrekte Position“ einnehmen und damit eine solide Grundlage für strategische Zusammenarbeit legen.

Taiwan bleibt für China das zentrale Kerninteresse. Die Trump-Administration hatte zuvor ein Rekord-Waffenpaket im Wert von rund 14 Milliarden Dollar für Taiwan als Verhandlungsmasse zurückgehalten. Trump selbst hatte die Lieferungen als „sehr guten Verhandlungs-Chip“ bezeichnet. Xi machte unmissverständlich klar, dass Peking hier keine Kompromisse duldet.

Seltene Erden – ein wirkungsvoller Hebel

Chinas Dominanz bei Seltenen Erden überschattete das gesamte Treffen. Die USA sind weiterhin massiv abhängig von chinesischen Magneten und Rohstoffen, die für die Militärindustrie, Elektrofahrzeuge, Windkraft und Hightech-Produktion unverzichtbar sind. Berichten zufolge weigerte sich Xi, bestimmte Lieferungen für das US-Militär freizugeben oder knüpfte sie an harte Bedingungen.

Die bestehende Handelswaffenruhe, die im November auslaufen sollte, wurde lediglich um zwei Monate verlängert. Keine echten Durchbrüche, sondern ein Aufschub. Peking demonstriert damit erneut, dass es über reale wirtschaftliche Machtmittel verfügt, während Washington vor allem mit Drohungen, Zöllen und Symbolik operiert. Die Abhängigkeit der amerikanischen Industrie von chinesischen Zulieferungen bleibt ein strategischer Schwachpunkt der USA.

Xi: Rückkehr zum MoU mit dem Iran vom Juni 2026

Besonders klar positionierte sich Xi beim Thema Iran. Laut chinesischen Staatsmedien unterstützte er ausdrücklich die Rückkehr zum Memorandum of Understanding (MoU) vom Juni 2026. Dieses Abkommen sollte den Krieg beenden, die Feindseligkeiten einstellen und die Straße von Hormus wieder öffnen. Xi forderte Trump auf, den Weg der Verhandlungen zu wählen und möglichst rasch zu einem umfassenden Abkommen zu kommen, das auch die Nuklearfrage abdeckt.

China positioniert sich damit als Stabilitätsfaktor und stellt klar, dass es den anhaltenden US-Krieg gegen den Iran nicht unterstützt. Gleichzeitig unterstreicht Peking seine Rolle als wichtiger Akteur in Westasien und signalisiert, dass es bereit ist, diplomatischen Druck auszuüben, um eine Eskalation zu begrenzen.

Fazit: Symbolik statt Substanz – und klare Machtverhältnisse

Das Treffen brachte vor allem symbolische Gesten und unverbindliche Formeln. Trump feierte die „große Freundschaft“ und präsentierte sich als großzügiger Gastgeber. Xi setzte die Bedingungen: Taiwan als rote Linie, Kontrolle über kritische Rohstoffe und die Forderung nach Diplomatie im Iran-Konflikt.

Die Inszenierung in Washington sollte Stärke und Partnerschaft ausstrahlen. Tatsächlich zeigte sie etwas anderes: China lässt sich weder durch Freundschaftsbekundungen noch durch Militärspektakel von seinen strategischen Interessen abbringen. Der Drache blieb unbeeindruckt – und machte deutlich, wer in dieser Beziehung zunehmend die stärkeren Karten hält.

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Bild: Xinhua/Wang Ye

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1 Kommentar

  1. Andreas_Sch.
    Antworten

    Wer Chinesen kennt, also ‚in echt – so reell –, kann sich denken, wie das „trumpelsche Gepolter“ gewirkt hat und was von der „großen Freundschaft“ zu halten ist … 🤗

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