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Politik

Trumps „Halb-Verhandlungen“ mit Iran und die anderen Kriege in der Region

3 Kommentare 10. August 2026 8 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Die Lage im Nahen Osten gleicht einem Pulverfass, an dem mehrere Zündschnüre gleichzeitig brennen. Während Trump von „semi-negotiations“ mit Teheran spricht, lehnt Netanjahu den 15-Punkte-Friedensplan für Gaza kategorisch ab. Am Persischen Golf eskaliert die Blockade, in Saudi Arabien schlagen Houthi-Drohnen ein, und im Libanon gehen die israelischen Angriffe weiter. Ein Blick hinter die Kulissen des organisierten Chaos.

Persischer Golf: Die Hormuz-Blockade als Wirtschaftswaffe

Die strategische Wasserstraße bleibt der entscheidende Hebel im Konflikt zwischen Washington und Teheran. US-Präsident Trump erklärte am Wochenende, man verhandle nur „halb“ mit Iran und werde warten, bis der wirtschaftliche Druck auf Teheran weiter steigt. Die Live-Berichterstattung von Al Jazeera zur angespannten Lage dokumentiert Trumps Äußerungen zur „low-key“-Strategie.

Die Realität sieht anders aus: Irans Außenminister Abbas Araghchi stellte bei einer Pressekonferenz in Teheran unmissverständlich klar, dass es keine direkten Gespräche mit den USA gibt. Die Straße von Hormuz werde erst wieder geöffnet, wenn Washington Teherans Forderungen erfüllt – insbesondere die Aufhebung der Marinablockade. Middle East Eye berichtete live von Araghchis Pressekonferenz, bei der er erklärte, die Verhandlungen mit Oman über eine „temporäre Route“ seien „sehr nahe an einem Abschluss“.

Das US Central Command meldete unterdessen, 55 Handelsschiffe im Rahmen der „strikten Durchsetzung“ der Blockade umgeleitet zu haben. Zwei weitere Schiffe wurden außer Gefecht gesetzt, zwei weitere geentert, um „Compliance sicherzustellen“ – laut MEE-Liveblog. Übersetzt: Die US-Marine betreibt weiterhin Seepiraterie.

Irans Präsident Masoud Pezeshkian machte bei derselben Pressekonferenz eine bemerkenswerte Aussage: „Verstöße kommen in jedem Memorandum of Understanding vor. Ein Team hätte gebildet werden müssen, um Verstöße zu adressieren, anstatt zu kämpfen.“ Eine kaum verhüllte Kritik an der Eskalationsspirale – und ein Hinweis darauf, dass in Teheran durchaus Fraktionen an einer Deeskalation interessiert sind. MEE dokumentierte Pezeshkians Äußerungen samt Video der Pressekonferenz.

Ein hochrangiger iranischer Beamter erklärte zudem laut Al Jazeera, man werde die Straße von Hormuz „um jeden Preis“ verteidigen. Die Botschaft an Washington: Diese Blockade wird nicht durch bloßen ökonomischen Druck gebrochen.

Jemen & Bab el-Mandeb: Die vergessene Front

Während der Fokus auf Hormuz liegt, eskaliert die Lage am Bab el-Mandeb. Heute, am Montagmorgen, gab es einen Houthi-Angriff auf die Hafenstadt Mocha am Roten Meer. Sieben Tote – Militärangehörige und Zivilisten – sowie 30 Verwundete sind die Bilanz. MEE berichtete über die elf abgefangenen Houthi-Drohnen und den parallelen Angriff auf eine saudische Raffinerie.

Die strategische Bedeutung liegt auf der Hand: Wer das Bab el-Mandeb kontrolliert, kontrolliert den Zugang zum Suezkanal und damit eine der vitalsten Handelsrouten der Welt. Die Houthi verfügen über iranische Drohnentechnologie und haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie Ziele in Saudi-Arabien, Israel und zunehmend auch maritime Ziele präzise treffen können.

Dass dieser Kriegsschauplatz in den westlichen Medien weitgehend unter dem Radar fliegt, ist bezeichnend. Es geht hier um einen schon lange schwelenden Krieg von Saudi-Arabien gegen die Houthis und den Großteile der jemenitischen Bevölkerung. Iranische Quellen wie PressTV, Fars News und Tasnim News berichten regelmäßig detailliert über die jemenitische Front – eine Perspektive, die in westlichen Medien systematisch ausgeblendet wird.

Gaza: Netanjahu torpediert Trumps Friedensplan

Die große diplomatische Bombe platzte am Sonntag: Israels Premierminister Benjamin Netanjahu lehnte Trumps 15-Punkte-Plan für Gaza kategorisch und offenbar endgültig ab. Sowohl Al Jazeera als auch Middle East Eye dokumentierten Netanjahus Erklärung bei der Kabinettssitzung: „Israel lehnt das 15-Punkte-Dokument ab. Das israelische Militär wird keinen Rückzug durchführen, bis die Hamas wirklich entwaffnet ist.“

Das „Board of Peace“ unter Trumps Führung hatte vergangenen Monat einen Durchbruch verkündet. Israel und Hamas hätten dem Plan zugestimmt, beginnend mit einem Waffenstillstand. Die Realität: Israel führt seit der angeblichen Zustimmung zum Waffenstillstand im Oktober 2025 weiterhin nahezu täglich Angriffe auf Gaza durch.

Besonders bemerkenswert: Der Direktor des Board of Peace, Nikolay Mladenov, widersprach sich innerhalb weniger Stunden selbst. Gegenüber Israels Channel 12 erklärte er zunächst, Israel müsse sich nicht zurückziehen, bevor palästinensische Gruppen ihre Waffen abgegeben hätten. Später korrigierte er seine Position – nur um dann zu präzisieren, dass jeder Rückzug „verifizierten Schritten vor Ort“ folgen müsse. MEE dokumentierte Mladenovs wechselnde Aussagen im Detail.

Trump selbst reagierte auf Netanjahus Ablehnung, indem er einen Meinungsartikel von Hillary Clinton auf Truth Social teilte. Die ehemalige Außenministerin und erklärte Trump-Gegnerin hatte im Juni geschrieben: „Die Welt mag Trumps Gaza-Plan nicht mögen – aber es gibt keine Alternative. Wenn selbst ich, eine unerbittliche Gegnerin des Präsidenten, dies als beste Option akzeptieren kann, dann können das andere sicher auch.“ MEE berichtete über Trumps Truth-Social-Post und die skurrile Allianz zwischen Trump und Clinton in dieser Frage.

Dass Trump ausgerechnet Clinton zitiert, um Netanjahu unter Druck zu setzen, zeigt die Absurdität der Lage. Der israelische Sender Channel 13 berichtete zudem von wachsenden Spannungen zwischen Israel und den USA. CENTCOM-Chef Brad Cooper habe bei einem Besuch in Israel am Wochenende die Botschaft überbracht, Washington wolle „die drei Fronten schließen“ – Gaza, Libanon und Iran. Al Jazeera und MEE berichteten übereinstimmend über die wachsenden Spannungen.

Die Palästinensische Journalistengewerkschaft dokumentierte unterdessen 108 Angriffe der israelischen Besatzungsmacht auf palästinensische Journalisten allein im Juli: Verhaftungen, Schläge, Verhöre, Blendgranaten, Tränengas, Siedlergewalt, Razzien in Wohnungen und Redaktionen, Beschlagnahmung von Ausrüstung. MEE veröffentlichte die Dokumentation dieser systematischen Unterdrückung der Berichterstattung.

Palästinensische Westbank: Annexion im Schatten des Krieges

Während die Aufmerksamkeit auf Gaza gerichtet ist, schreitet die schleichende Annexion der Westbank unvermindert voran. Siedlungsausbau, militärische Razzien, administrative Maßnahmen – die Mechanismen der Landnahme funktionieren geräuschlos und effizient.

Die ägyptische Regierung unterstrich in einem Telefonat zwischen Außenminister Badr Abdelatty und Mladenov, dass Kairo auf einem vollständigen israelischen Rückzug und ungehindertem humanitärem Zugang besteht. Ägypten lehnt jede Vertreibung von Palästinensern aus Gaza oder eine dauerhafte israelische Kontrolle ab. MEE berichtete über das Telefonat und die ägyptische Position.

Doch Netanjahus kategorische Ablehnung des 15-Punkte-Plans macht deutlich: Israel denkt nicht daran, irgendeinen substanziellen Rückzug durchzuführen – weder aus Gaza noch aus der Westbank. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtet kontinuierlich über die Lage in den besetzten Gebieten und dokumentiert Menschenrechtsverletzungen, die in westlichen Medien kaum Erwähnung finden.

Libanon: Verhandlungen unter Bombenhagel

Die libanesische Regierung hat ihre Teilnahme an der nächsten Verhandlungsrunde mit Israel, geplant für Anfang September, an Bedingungen geknüpft. Laut L’Orient-Le Jour verlangt Beirut einen vollständigen Waffenstillstand und ein Ende der „Zerstörung und Erdarbeiten“ durch die israelische Armee. MEE zitierte die Quelle: „Es wird keine neuen Verhandlungen geben, wenn Israel nicht die Bedingungen des Libanon akzeptiert.“

Währenddessen gehen die israelischen Angriffe weiter: Artilleriebeschuss auf Mansouri und Nabatieh al-Fawqa, eine „große Bombardierung“ in Kfar Tebnit, so die staatliche Nachrichtenagentur NNA.

Seit Anfang März 2026 wurden bei israelischen Angriffen auf den Libanon mindestens 4.333 Menschen getötet und 12.250 weitere verwundet. Verhandelt wird also unter anhaltendem Bombenhagel – eine klassische israelische Taktik: militärischen Druck aufrechterhalten, während man diplomatische Zugeständnisse fordert.

Iran: Khamenei ernennt IRGC-Veteran an die Spitze des Sicherheitsrats

In einer bedeutsamen Personalentscheidung ernannte Irans Oberster Führer Mojtaba Khamenei den ehemaligen IRGC-Kommandeur Mohsen Rezaee zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats. Die Ernennung gab Khamenei selbst auf X bekannt.

Rezaee, ein Veteran des Iran-Irak-Krieges der 1980er Jahre, wird zugleich Khameneis Vertreter in diesem Gremium sein – womit er ins Zentrum der sicherheitspolitischen Entscheidungsfindung rückt. Er folgt auf Mohammad Bagher Zolghadr, der das Amt nach der Ermordung von Ali Larijani durch US-israelische Angriffe im März 2026 übernommen hatte.

Die Ernennung signalisiert eine weitere Verhärtung der Einstellung der iranischen Führungsstruktur. Rezaee ist ein Hardliner, der die IRGC von innen kennt und tief in den Netzwerken des Sicherheitsapparats verwurzelt ist. Wer auf eine gemäßigte Wende in Teheran gehofft hatte, wird enttäuscht. Iranische Medien wie Fars News und Tasnim News feierten die Ernennung als Stärkung der „Widerstandsachse“, während PressTV Rezaees militärische Verdienste im Iran-Irak-Krieg hervorhob.

Irak: Die stille Eskalation

Der Irak bleibt in der gegenwärtigen Berichterstattung auffällig unterbelichtet. Dabei ist das Land ein zentraler Schauplatz des iranisch-amerikanischen Konflikts. Schiitische aber nationalistische Milizen kontrollieren weite Teile des Sicherheitsapparats, während US-Truppen weiterhin im Land stationiert sind. Die türkische Anadolu Agency berichtet regelmäßig über irakische Entwicklungen, insbesondere über türkische Militäroperationen gegen die PKK in Nordirak.

Die irakische Regierung laviert zwischen den Fronten: wirtschaftlich abhängig vom Iran, sicherheitspolitisch durchsetzt von pro-iranischen Kräften, aber gleichzeitig auf westliche Finanzhilfe und technische Unterstützung angewiesen. Die Hormuz-Blockade trifft den Irak besonders hart, da ein Großteil der Ölexporte über den Golf verschifft wird.

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3 Kommentare

  1. 1150
    Antworten

    der iran verhandelt nicht, er stellt forderungen
    aus politico, gut unterichtetes us-amerikanisches nachrichtenportal vom 09.08.2026, auszugsweise :
    beendigungun der us drohungen und beleidigungen
    dauerhaftes ende von kriegshandlungen gegen den iran, irak, libanon, syrien, jemens huthi,
    aufhebung der seeblockaden und aufgabe aller us-stützpunkte im nahen und mittleren osten
    300 milliarden dollar entschädigung für die kriegsschäden im iran
    freigabe aller eingefrorenen iranischen guthaben
    ende der aller sanktionen gegen den iran
    und noch einiges mehr
    so verhält sich kein geschlagener kriegsgegner, sondern jemand,
    der weiss, dass die zeit für ihn arbeitet
    es scheint, dass sich das zeitalter des hegemons dem ende zuneigt …..

  2. Jurgen
    Antworten

    Wenn man sich die hemdsärmelige Politik und Hintenrum-Verarsxhe der USrael so anschaut, kann man nur die Frage stellen, wer von diesen beiden Politkaspern auf Karl den Großen (Sachsenschlächter) macht. Würde mich so ganz und gar nicht wundern, wenn einer von beiden den Karlspreis aus Deutschland verliehen bekäme… oder den Friedensnobelpreis, der definitiv weder Frieden beinhaltet, noch nobel ist, aber seinen Preis hat… warum ist eigentlich das Wort Preis so nah verwurzelt am Preuß?

  3. Varus
    Antworten

    lehnt Netanjahu den 15-Punkte-Friedensplan für Gaza kategorisch ab

    Seine Trumpigkeit wird seinen Chef vermutlich nicht dazu bewegen, Great Eretz und ethnische Säub@rung@n aufzugeben? Reagan hätte es getan, wie TKP mal zitierte.

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