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Wirtschaft

Spaniens Wohnungskrise explodiert und führt zu Straßenprotesten

1 Kommentare 29. September 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Zehntausende Menschen zogen durch Madrid wegen eine Wohnungsräumung. Hunderte Zelte stehen seit Tagen auf der Puerta del Sol.

Auslöser war die Räumung einer 87-jährigen behinderten Frau: Maricarmen Abascal, die mehr als 70 Jahre in derselben Wohnung gelebt hatte, wurde von der Polizei auf einer Trage aus dem Haus getragen. Das Bild ging viral und hat eine landesweite Empörung ausgelöst. Die Bank von Spanien schätzt den Wohnungsfehlbestand auf 550.000 bis 750.000 Einheiten. In Madrid, Barcelona, Málaga und den Balearen sind die Preise und Mieten weit über das hinausgegangen, was normale Löhne tragen können. Die Mieten haben sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt.

Hier eines der Videos:

Der Fall Maricarmen als Symbol

Abascal zahlte jahrelang 500 Euro Miete. Nach dem Verkauf des Hauses an einen Investmentfonds stieg die Miete zunächst auf 2.650 Euro, später „nur“ noch auf 1.650 Euro – bei einer Rente von rund 1.350 Euro. Der Kaufpreis von 247.000 Euro war für sie unerreichbar. Gerichte gaben dem Eigentümer recht. Die Räumung wurde zum Fanal. Demonstranten fordern Mietpreisbremsen, Enteignungen, Verbote für Investmentfonds und stärkere Kündigungsschutzregeln.

Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigt ein neues Wohnungsdekret an. Seine Koalitionspartner von Sumar verlangen sogar die Enteignung der Wohnung, damit die alte Dame zurückkehren kann. Was aber offenbar mittlerweile geschehen ist:

Die eigentlichen Ursachen

Spanien baut viel zu wenig. Vor der Finanzkrise 2008 entstanden jährlich rund 700.000 Wohnungen, heute sind es etwa 100.000 bis 120.000. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung durch Zuwanderung und Tourismus. Jeder zusätzliche Bewohner braucht Wohnraum. Touristische Kurzzeitvermietungen und ausländische Käufer verschärfen den Druck in den begehrten Regionen, sind aber nicht die alleinige Ursache. Die Grundgleichung bleibt: Die Nachfrage steigt, das Angebot stagniert.

Politiker reagieren, wie sie immer reagieren: Sie greifen die Symptome an. Mieten steigen? Mietpreisbremsen. Fonds kaufen Häuser? Verbote. Eine alte Frau wird geräumt? Enteignung. Jede Maßnahme, die das Bauen, Vermieten oder Besitz von Wohnungen unattraktiver macht, reduziert das Angebot weiter. Kapital flieht dorthin, wo es nicht bestraft wird.

Die zunehmende Umverteilung von Reichtum

Junge Menschen in Spanien und ganz Europa erleben denselben Schock: Ihre Eltern konnten mit einem normalen Gehalt Eigentum erwerben. Heute reicht Vollzeitarbeit oft nicht einmal für eine bescheidene Mietwohnung ohne Mitbewohner. Familiengründung wird verschoben. Die demographische Krise Europas verschärft sich.

Die Bilder von einer 87-jährigen Frau auf der Trage und Zelten auf der Puerta del Sol zerstören das Vertrauen in das politische System. Doch Enteignungen und Preisdeckel lösen den Mangel von Hunderttausenden Wohnungen nicht. Sie verteilen lediglich den bestehenden Bestand neu und bestrafen diejenigen, die Wohnungen bereitstellen könnten.

Spanien – und Europa – stehen vor der Wahl: Entweder die Bauwirtschaft entfesseln, Genehmigungen beschleunigen und Investitionsanreize schaffen – oder weiter über den Mangel streiten, während die Straßen voller Zelte und wütender Menschen sind. Die Preise sind keine Willkür. Sie sind die Botschaft, dass Angebot und Nachfrage massiv auseinanderklaffen. Wer die Botschaft unterdrückt, löst das Problem nicht.

Den größeren Zusammenhang hat Alex Krainer in seiner jüngsten Analyse dargestellt: Die Entwicklung hin zu Klassenkämpfen im Westen

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇

Bild: Screenshot aus Video in X

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1 Kommentar

  1. VerarmterAdel
    Antworten

    Na, ja, gibt ja bald keine Spanier mehr sondern nur noch Facharbeiter. Dann ist wieder Platz für alle. Im Rest des EU-Irrenhauses wird es nicht anders gehen.

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