„Daten sind das neue Gold“, sagte Oberösterreichs Wirtschaftslandesrat beim Spatenstich für Googles Rechenzentrum in Kronstorf. Für wen, sagte er nicht. Ein Faktencheck dazu, wie Hyperscaler-Rechenzentren in Österreich verkauft werden.
Im April 2026 setzte Google in Kronstorf den Spaten an. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner sagte dabei: „Daten sind das neue Gold.“ Zudem erwartete er sich von einem Rechenzentrum im Land mehr Datensouveränität. Und wie so oft heißt es: Wir brauchen Rechenzentren für die künstliche Intelligenz (KI). Dass Verwaltung und Wirtschaft Rechenzentren brauchen, bestreitet niemand. Die Frage ist, welche. Dieser erste Teil einer dreiteiligen Serie prüft zwei Fragen: Für wessen Bedarf wird hier gebaut? Und bringt ein Google-Rechenzentrum Österreich tatsächlich mehr Datensouveränität?
Wer braucht was?
Wofür Kronstorf gebaut wird, sagt Google selbst: „um der wachsenden Nachfrage nach Googles digitalen Diensten und KI-Angeboten gerecht zu werden“. Österreich kommt darin als Markt vor: Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Internetnutzer in ganz Österreich erhielten „einen noch besseren Zugang zu unserer Technologie“, so Google-Österreich-Chefin Christine Antlanger-Winter.
Schon die erste Ausbaustufe in Kronstorf soll so viel Strom brauchen wie 375.000 Haushalte. Im Vollausbau könnten es bis zu 4,4 Terawattstunden im Jahr sein – mehr als dreimal so viel wie alle rund 50 Rechenzentren Österreichs zusammen. Diese kommen laut einer Studie, die der Branchenverband selbst in Auftrag gab, auf gut 1,4 Terawattstunden.
Achleitner warb auch damit, ein Rechenzentrum im Land verkürze die Wartezeiten im Netz. Selbst Faruk Bajramovic, Partner der Beratungsfirma PwC, der Unternehmen und Verwaltung bei KI- und Datenstrategien berät, widerspricht: Kronstorf sei „kein österreichisches Datenzentrum“, sondern „in seiner Dimension global“. Und: „Es ist nicht für den Otto-Normal-Verbraucher gedacht. Das Rechenzentrum macht das Internet nicht schneller.“
Und Kronstorf ist erst der Anfang. Beim Übertragungsnetzbetreiber APG sind 2.500 Megawatt für Rechenzentren angefragt, bei den Verteilnetzbetreibern noch einmal ähnlich viel. In Leopoldsdorf bei Wien plant der Entwickler CloudHQ einen Campus um rund eine Milliarde Euro. Die Gemeinde erhält einmalig 9 Millionen – weniger als ein Prozent der angekündigten Investition. Gefragt, wer dort einmal rechnen wird, antwortete CloudHQ-Country-Manager Andreas Graf-Matzner: „Das darf ich nicht sagen.“ Im burgenländischen Nickelsdorf liegt laut TKP ein weiteres Großprojekt „im Nebel der Intransparenz“: kein genannter Betreiber, kein unterschriebener Vertrag – aber vorbereitet.
Google baut für Googles Nachfrage. In Leopoldsdorf darf man nicht einmal sagen, für wen. Liegt es auf der Hand, dass es in beiden Fällen nicht der Bedarf Österreichs ist?
Datensouverän mit Google?
Ein US-Gesetz, der CLOUD Act, verpflichtet US-Konzerne, Daten auf Anordnung an US-Behörden herauszugeben – auch wenn diese Daten in Europa liegen. Was das bedeutet, hat Microsoft im Juni 2025 vor dem französischen Senat eingeräumt. Gefragt, ob er unter Eid garantieren könne, dass Daten französischer Bürger nicht auf US-Anordnung übermittelt werden, antwortete Anton Carniaux, Direktor für öffentliche und rechtliche Angelegenheiten bei Microsoft France: „Non, je ne peux pas le garantir.“ – „Nein, das kann ich nicht garantieren.“ Vorgekommen sei das bisher nie, fügte er hinzu – belegt allein durch die eigenen Transparenzberichte des Konzerns, die niemand extern überprüft, wie der Ausschussvorsitzende anmerkte.
Der CLOUD Act gilt für alle US-Anbieter, also auch für Google. In Googles Presseaussendung ist von Datensouveränität keine Rede, ebenso wenig in der offiziellen Presseinformation des Landes zum Spatenstich.
Ein Rechenzentrum in Österreich ist damit noch lange kein österreichisches Rechenzentrum.
Rechenzentren ja – aber welche?
Es geht auch anders. Die LINZ AG, zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt, eröffnete 2025 ein kleines Rechenzentrum für Unternehmen der Region und warb dafür mit dem Satz: „Gut zu wissen, wo die eigenen Daten liegen!“ In Leopoldsdorf heißt es: „Das darf ich nicht sagen.“
Zwischen diesen beiden Sätzen liegen Welten. Ein Hyperscale-Rechenzentrum ist kein Rechenzentrum. Es ist eine andere Kategorie.
Finnland stoppt. Österreich winkt durch.
In Finnland hat die Aufsichtsbehörde die Bauarbeiten an zwei geplanten Google-Rechenzentren gestoppt, bis die Umweltprüfung abgeschlossen ist, wie TKP berichtete. Google räumte ein, bei den Vorarbeiten hinter den eigenen hohen Ansprüchen zurückgeblieben zu sein.
In Kronstorf wird weitergebaut – ohne Umweltverträglichkeitsprüfung. Die unabhängige Umweltanwaltschaft sah schon 2020 eine UVP-Pflicht und wurde von der Landesbehörde überstimmt. Die Neuprüfung, die Umweltlandesrat Stefan Kaineder im September 2026 veranlasste, nannte Achleitner eine „politische Inszenierung“. Ergebnis der Prüfung: Der Bescheid von 2020 ist rechtskräftig, auch für den Vollausbau. Eine eigene UVP-Regel für Rechenzentren gibt es bis heute nicht, sie liegt erst als Entwurf in Begutachtung. Rechtskräftig heißt also nur: genehmigt nach Regeln, die nie für Anlagen dieser Größe gemacht wurden. Ob ein solches Projekt gefährlich ist, sagt das nicht. Hier kommt ein Spieler in nie dagewesener Dimension ins Land – und gespielt wird nach den Regeln von gestern.
Als Achleitner, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung im September 2026 ihre Erwartungen an Kronstorf verkündeten, wurden weder Investitionssumme noch Beschäftigungseffekte oder Zeitplan genannt. Und selbst eine UVP prüft nur, wie sich ein Vorhaben auf Menschen, Tiere und Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Klima, Landschaft sowie Sach- und Kulturgüter auswirkt. Wofür gerechnet wird, wer auf die Daten zugreift und was das für die Neutralität bedeutet, prüft kein Genehmigungsverfahren.
Dabei wäre gerade die Frage nach dem Zweck dringend. Google arbeitet auch für das Militär: 2025 erhielt Google Public Sector vom US-Verteidigungsministerium einen KI-Auftrag über bis zu 200 Millionen Dollar. Ob in Kronstorf militärisch gerechnet wird, ist nicht bekannt. Ausgeschlossen ist es nicht.
„Daten sind das neue Gold.“ Was damit gemeint ist, wer das Gold bekommt und was davon konkret geprüft wurde, bleibt bislang ungeklärt.
Teil II dieser Serie fragt, ob damit möglicherweise die Arbeitsplätze und die Wertschöpfung gemeint waren. Teil III, wofür in Kronstorf gerechnet wird.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Andreas S., aufmerksamer Bürger, unabhängiger Autor und Rechercheur*
2 Kommentare
in den usa gibt es mittlerweile massiven widerstand gegen rechenzentren in der bevölkerung,
dass sich auch die politmarionetten dagegen aussprechen um am trog zu bleiben zu können.
in europa wurden mittlerweile so viele bedrohungen und fronten aufgemacht,
dass man mittlerweile nicht mehr weiss, welche prioritäten man setzen soll.
Wenn man das alles durchdenkt, samt den Folgen, kann man nicht „respektvoll“ bleiben mit dem, was man dazu sagen möchte…. daher sage ich es nicht.
Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.
Sie müssen angemeldet sein um Kommentare zu posten. Noch kein Konto? Jetzt registrieren.