Notstrom für 500-MW-Rechenzentrum Kronstorf: 140 Diesel-Generatoren, Tanks für 650.000 Liter Diesel

26. August 2026von 5,3 Minuten Lesezeit

Das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf (Oberösterreich) soll in der Endausbaustufe bis zu 500 MW Leistung erreichen. Das entspricht dem Stromverbrauch von hunderttausenden Haushalten. Für den Notstrombetrieb sind riesige Dieselgeneratoren vorgesehen – mit enormen Belastungen für die Umwelt, Lärm und Abgasen.

Während Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) im April noch mit einem „Googlhupf“ vor die Kameras trat und von Tradition und Innovation schwärmte, rollen in Kronstorf längst die Bagger. Auf 50 Hektar Ackerland entsteht Googles erste österreichische Serverfarm – im Vollausbau mit bis zu 500 Megawatt Leistung. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Leistung eines mittleren Donaukraftwerks. Nur dass dieses Kraftwerk eben keine Turbinen an der Donau hat, sondern Dieselgeneratoren als Rückgrat der Notstromversorgung.

Die Gewerbegenehmigung ist rechtskräftig, Beschwerden gab es – so verkündet es die Bezirkshauptmannschaft Linz-Land stolz – keine. Die Notstromversorgung wurde im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung gleich mitgenehmigt, und zwar in einer Dimension, die den Betrieb mit etwa doppelter Leistung der ersten Baustufe erlaubt. Man plant also von Anfang an den Vollausbau mit. Dass die Öffentlichkeit davon erst durch Nebensätze in Genehmigungsbescheiden erfuhr, gehört zur bewährten Praxis solcher Verfahren: erst genehmigen, dann informieren.

Krone.at berichtete über die rechtskräftige Genehmigung, nannte aber – wie alle etablierten Medien – keine einzige Zahl zum Dieselverbrauch.

Der Motor: Caterpillar C175-20

Das Arbeitspferd solcher Anlagen ist der Caterpillar C175-20, ein V20-Viertakt-Diesel mit 105,8 Litern Hubraum – ein Monstrum, das primär für Minen und kritische Infrastruktur gebaut wird. Die relevanten Daten laut Caterpillars offizieller Produktseite und den technischen Datenblättern des Herstellers:

Kenngröße Wert
Leistung (Standby, 60 Hz) bis zu 4.000 ekW (4 MW)
Hubraum 105,8 Liter
Zylinder V20, Viertakt, wassergekühlt
Drehzahl (60 Hz) 1.800 U/min
Drehzahl (50 Hz) 1.500 U/min
Verbrauch bei 100 % Last (60 Hz) ≈ 1.039 L/h
Verbrauch bei 75 % Last (60 Hz) ≈ 764 L/h
Verbrauch bei 100 % Last (50 Hz, 3.100 ekW) ≈ 829 L/h

Die genauen Verbrauchswerte stammen aus den technischen Spec-Sheets von Caterpillar. Wichtig: Das sind Verbrauchswerte mit Lüfter, also realistische Betriebsbedingungen, keine Schönwetter-Papierwerte.

Die Rechnung: 500 MW für 5 Stunden

Ein Rechenzentrum mit 500 MW Leistung braucht im Notstromfall die volle elektrische Leistung – Server, Kühlung, USV-Anlagen, Lüftung. Rechnet man mit den 4-MW-Aggregaten (60-Hz-Variante, da Googles Infrastruktur typischerweise US-Standards folgt):

Anzahl der Aggregate:

Aggregate=500 MW / 4 MW = 125 Stuck

Realistisch plant man Redundanz ein (N+1), also eher 140–150 Aggregate auf dem Gelände. Für die Verbrauchsrechnung genügen die 125 Stück bei Volllast.

Dieselverbrauch pro Stunde (Volllast):

125 × 1.039 L/h = 129.875 L/h ≈ 130 m³/h

Dieselverbrauch für 5 Stunden:

129.875 L/h × 5 h = 649.375 L ≈ 650 m³

Das sind 650.000 Liter Diesel – für einen einzigen fünfstündigen Notstrombetrieb.

Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Einfamilienhaus-Öltank fasst 3.000 Liter. Google bräuchte also den Inhalt von über 210 Einfamilienhaus-Öltanks für fünf Stunden Betrieb.

Die Logistik: Eine Tankwagen-Karawane

Ein Standard-Tankwagen (ADR-Tankfahrzeug) fasst typischerweise 30.000 bis 36.000 Liter Diesel. Rechnet man konservativ mit 33.000 Litern pro Fuhre:

Benötigte Tankwagenladungen für 5 Stunden:

649.375 L / 33.000 L/Fuhre ≈ 19,7 ≈ 20 Tankwagen

Das Problem: Diese 20 Tankwagen müssten während der fünf Stunden eintreffen, denn denn wenn die 650 m³ Diesel weg sind soll der Betrieb ja weiter lufen. Realistisch bedeutet das:

  • Ein Tankwagen alle 15 Minuten, rund um die Uhr, solange der Notstrom läuft

  • Bei längerem Betrieb (mehrtägiger Blackout) setzt sich diese Frequenz fort: 96 Tankwagen pro Tag

  • Die Zufahrt erfolgt über die Steyrer Straße – eine Landesstraße, keine Autobahnlogistik

Tanklager vor Ort: Üblich sind Tanks mit 50.000–100.000 Litern Gesamtkapazität pro Rechenzentrumsabschnitt. Bei 500 MW bräuchte man für nur 5 Stunden Autonomie bereits 12 Großtanks á 50.000 Liter. Die Realität sieht anders aus: Die Branche setzt auf Just-in-time-Belieferung – man verlässt sich darauf, dass im Notfall schon rechtzeitig Diesel kommt. Dass im echten Blackout die Tankwagen selbst im Stau stehen, Tankstellen nicht pumpen können und die Logistikkette zusammenbricht, ist in keiner UVP abgebildet.

Die Umweltbelastung: Was 125 laufende V20-Diesel bedeuten

Lärm

Ein einzelnes C175-20-Aggregat erzeugt im Betrieb einen Schalldruckpegel von typischerweise 105–115 dB(A) in unmittelbarer Nähe (Herstellerangaben für ungekapselte Ausführung). 125 davon summieren sich nicht linear, aber selbst mit Schallschutzhauben (üblich: Reduktion auf ~75–85 dB(A) pro Aggregat) ergibt sich eine Flächenschallquelle von enormer Ausdehnung. Für Anrainer in Kronstorf bedeutet der Notstromtest – der regelmäßig durchgeführt wird, meist monatlich – einen Lärmpegel, der nachts deutlich über den Immissionsrichtwerten für Wohngebiete (40–45 dB(A)) liegen wird. Der genehmigenden Behörde offenbar egal-

Abgase

Die Emissionswerte laut Caterpillar Spec-Sheet pro Aggregat bei

Nennlast:

Schadstoff Pro Aggregat Bei 125 Aggregaten
NOx ≈ 2.654 mg/Nm³ (5,7 g/hp-hr) ≈ 332 g/Nm³ kumuliert
CO ≈ 150 mg/Nm³ ≈ 18,7 g/Nm³ kumuliert
Partikel (PM) ≈ 15 mg/Nm³ ≈ 1,9 g/Nm³ kumuliert
Abgasvolumenstrom ≈ 870 m³/min ≈ 108.750 m³/min

108.750 Kubikmeter Abgas pro Minute – das ist der Abgasstrom von 125 gleichzeitig laufenden Großdieseln. In fünf Stunden sind das 32,6 Millionen Kubikmeter Abgas, direkt über die Region geblasen. Die NOx-Fracht allein summiert sich auf mehrere Tonnen.

Hinzu kommt: Diese Aggregate laufen bei Mission Critical Standby mit bis zu 500 Stunden pro Jahr – nicht nur im echten Notfall, sondern bei jedem der regelmäßigen Testläufe, die die Behörden vorschreiben und die Google selbstverständlich durchführen wird. Lärm und Abgase sind also kein theoretisches Blackout-Szenario, sondern monatlich wiederkehrender Regelbetrieb.

Was in den Genehmigungsunterlagen fehlt

Was in keiner der öffentlich zugänglichen Unterlagen auftaucht, ist die Gesamtrechnung: 650.000 Liter Diesel pro 5-Stunden-Ereignis, 20 Tankwagen in 5 Stunden, ein Tankwagen alle Viertelstunden, 32,6 Millionen m³ Abgas. Die UVP behandelt die Notstromaggregate als untergeordnete Nebenanlage – ein klassisches Muster: Man genehmigt das Rechenzentrum als „Gewerbebetrieb“, die Notstromversorgung läuft als Anhängsel ebenso mit wie die Kühltürme, und die kumulierten Belastungen für die Anrainer werden nie als Gesamtbild präsentiert.

Dass die Germanic News brav melden, die Abwärme werde „unentgeltlich für die Region genutzt“, klingt nach Wohltat. Dass dieselbe Anlage im Notstromfall die Region in eine Dieselabgas-Wolke hüllt und die Steyrer Straße in eine Tankwagen-Rennstrecke verwandelt, steht in keinem Pressetext.

Fazit

Die Notstromversorgung eines 500-MW-Rechenzentrums ist kein technisches Detail, sondern eine industrielle Großanlage für sich. Hunderttausende Liter Diesel, Dauer-LKW-Verkehr, Lärm und Abgase belasten die Region zusätzlich zum ohnehin enormen Strom- und Wasserverbrauch. Während Google von „grüner“ Digitalisierung spricht, zeigt die Realität: Im Ernstfall wird mit Diesel und massiven Umweltkosten überbrückt.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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4 Kommentare

  1. hes@gmx.de 26. August 2026 um 8:30 Uhr - Antworten

    Es geht beim Betrieb immer um Wahrscheinlichkeiten. Ist es wahrscheinlicher, dass der Strom für weniger Minuten/Stunden ausfällt oder für Tage? In der Regel wird ein Rechenzentrum über mehrere vollständig getrennt Stromzuleitungen versorgt. Kurzfristig werden Ausfälle über Batterien abgefedert – allein bis die Diesel starten.
    In jedem Rechenzentrum werden die Anwendungen danach klassifiziert, wie kritisch diese sind.
    Wenn man Ausfälle von mehreren Stunden/Tagen erwartet, wird man alle nicht kritischen Anwendungen und Server herunterfahren und braucht nur einen Teil der berechneten Menge. Geschätzt ca 1/3. Ein Tanklaster alle 45 Minuten ist doch realistisch. Wenn dies nicht gelingt, dann gibt es ganz andere Probleme als den Betrieb des Rechenzentrums

  2. VerarmterAdel 26. August 2026 um 8:25 Uhr - Antworten

    Nicht zu vergessen:

    „Nach etwa 6 bis 12 Monaten beginnt sich der Kraftstoff zu zersetzen. Der Hauptgrund dafür ist der Biodiesel-Anteil, der Bakterien anzieht und zu sogenannter Dieselpest führt.“

    • Daisy 26. August 2026 um 8:28 Uhr - Antworten

      Aha, und dann muss er erneuert werden.
      Auch das noch!

  3. Daisy 26. August 2026 um 8:24 Uhr - Antworten

    Gruselig! Die haben gewaltige Angst vor einem Blackout.

    Das heißt, diese S@tanisten wollen ihren HAL 2001 solange am „Leben“ halten, bis alle Menschen schon eingegangen sind. Spitäler und Altersheime haben nicht mal Klimaanlagen, damit es mehr MIT Hitze Verstxrbene gibt, und schon gar nicht Notstromgeneratoren dieses Ausmaßes. Dies bedeutet, Menschen können krepieren, aber nur nicht die Hl. KI und ihre vielen vielen Daten, die sie zwecks totaler Kontrolle von uns gesammelt hat. I mecht speim…

    Der Diesel wird zudem dringend in der Landwirtschaft gebraucht. Und dank der hirnôden Sanktionen kommt es immer öfter zu Engpässen und rapiden Preissteigerungen..wie menschenverachtend!

    Die brauchen die KI nur zu unseren totalen Versklavung.

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