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Wirtschaft

EU entscheidet, wo dein Geld liegen darf

4 Kommentare 25. August 2026 3 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Ab nächstem Jahr haben EU-Bürger weniger Auswahl bei ihrem Bankgeschäft. Bürger können kein Konto auf einer Bank außerhalb der EU mehr eröffnen. Wer sein Vermögen außerhalb der EU halten will, verliert einen wichtigen Weg.

Girokonto, Festgeldkonto, Kredite: Kernbankdienstleistungen gibt es für EU-Bürger nur noch innerhalb der EU. Der neue Artikel 21c der Richtlinie (EU) 2024/1619, bekannt als CRD VI (Capital Requirements Directive VI), legt fest, dass Banken außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ihre Dienste an EU-Ansässige nur noch anbieten dürfen, wenn sie in genau dem Mitgliedstaat des Kunden eine zugelassene Zweigstelle unterhalten.

Es ist also kein direktes Verbot an die Bürger, doch kommt es über eine Pflicht für die Geldinstitute auf dasselbe Ergebnis: Viele Drittstaatenbanken (Schweiz, Singapur, Dubai oder Konten in Steueroasen) werden EU-Kunden kündigen oder gar nicht erst annehmen, weil der Aufbau einer Zweigstelle pro Land – mit Kapital-, Liquiditäts- und Governance-Anforderungen – unwirtschaftlich ist.

Entscheidend ist die steuerliche Ansässigkeit und der Adressnachweis, nicht der Pass. Ein Deutscher in Paraguay fällt heraus, ein Brasilianer in Berlin hinein. Verträge, die vor dem 11. Juli 2026 geschlossen wurden, genießen grundsätzlich Bestandsschutz. Banken können jedoch jederzeit kündigen und stellen ihre Onboarding-Regeln schon jetzt um. Die Ausnahme der „Reverse Solicitation“ (Kunde wendet sich nachweislich aus eigener Initiative an die Bank) bleibt eng und wird streng überwacht – kaum ein Institut nimmt das Haftungsrisiko. Eine genauere Analyse zu den technischen und rechtlichen Fragen findet sich hier. 

Offiziell dient die Regelung der Finanzstabilität, der Schließung von Aufsichtslücken nach dem Brexit und der Harmonisierung der bisher fragmentierten nationalen Regeln.

Kritiker sehen darin einen tieferen Eingriff. Freedom Banking und ähnliche Portale betonen: Es geht nicht um mehr Transparenz (die gibt es bereits über den automatischen Informationsaustausch CRS), sondern darum, wo Vermögen physisch liegt. Geld soll im EU-Rechtsraum bleiben – erreichbar für Behörden, Abwicklungsregeln und mögliche künftige Instrumente wie den digitalen Euro.

Vor allem im Kontext der zunehmenden Digitalisierung der Identität könnte dieser Schritt zu verstehen sein. Eine umfassende Kontrolle des Geldverkehrs braucht, um erfolgreich zu sein, Grenzen. Andere Kritiker sprechen von einem „faktischen Verbot für grenzüberschreitendes Banking“.

Ähnlich skeptisch äußert sich Philippe May (IMI Daily): Die Regulierung werde eher vermögende Privatpersonen aus der EU treiben, als dass ausländische Banken massenhaft Zweigstellen eröffnen. Der Aufwand für Banken ist hoch, der für einen Wohnsitzwechsel nach Paraguay oder Uruguay vergleichsweise gering.

Die Financial Times berichtet von Bedenken der City of London und US-Banken: Die Regeln könnten den Zugang zu Dollar-Konten und internationalen Finanzierungen erschweren und die europäische Wettbewerbsfähigkeit schwächen – selbst bei Verteidigungsfinanzierung. Lobbygruppen sprechen von einem protektionistischen Schritt. Die Vorgabe aus Brüssel bringt einiges an Ironie: Gerade die EU betont (ideologisch) stets den Freihandel und kritisiert den „Trump-Protektionismus“. Wer aber ab 2027 Vermögen bewusst außerhalb der EU halten will, verliert ab 2027 einen wichtigen Weg – es sei denn, er verlagert den Wohnsitz oder nutzt Gesellschaftsstrukturen. Je reicher jemand ist, umso leichter wird er einen solchen Weg gehen können. Für viele andere hat die EU eine finanzielle Mauer errichtet.


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4 Kommentare

  1. Mausikatze
    Antworten

    In Zukunft kann man also nur noch ein Konto in einem Land eröffnen, wo das mit Gesetzen alles etwas lockerer gehandhabt wird, oder wo man über entsprechende Beziehungen verfügt, um diese Reglungen zu umgehen.

  2. Andreas_Sch.
    Antworten

    Wenn Millionen „Fachkräfte“ Wege finden, um „Geld nach Hause zu schicken“, werden sich auch Wege finden, um Geld i.e.S. außerhalb der entmannten „Union von Wasauchimmer“ zu bunkern. 🤗

  3. VerarmterAdel
    Antworten

    „EU entscheidet, wo dein Geld liegen darf“

    Und schon bald: EU entscheidet, wofür du dein digitales Geld liegen ausgeben darfst. Du willst doch weiter existieren?

  4. Stunning Greenhorn
    Antworten

    Vor zwei Wochen noch wollte mir eine „Kundenberaterin“ bei der Sparkasse Oberösterreich ein neues Konto aufschwätzen. Es sei doch alles so praktisch mit dem Smartphone zu bedienen (das rechtfertigt wohl die stetig zunehmenden Gebühren). Die dünne Maske der hauseigenen Rhetorikschulungen wird allerdings brüchig. Seit Jahren immer die gleichen Sprüche, nur hier und da mit einem neuen Schlagwort. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie selbst begriffen und aufgegeben haben; nun wollen sie so viele andere mitreißen als möglich.

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