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Wirtschaft

Verschiebung der Hormus-Friedens-Gespräche

3 Kommentare 14. September 2026 5 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Haben US-Drohungen gewirkt? Am 14. September 2026 sollte in Salalah Geschichte geschrieben werden: Erstmals seit Beginn des US-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran am 28. Februar 2026 wollten alle acht Anrainerstaaten des Persischen Golfs gemeinsam mit Teheran ein Modell für die Straße von Hormus vorstellen – ohne die USA am Tisch. Wenige Stunden vor Beginn wurde das Treffen abgesagt.

Omans Außenminister Badr al-Busaidi teilte am späten Sonntagabend auf X mit, das für Montag in Salalah geplante Regionaltreffen sei „im Interesse des Konsenses“ verschoben worden – ohne neuen Termin zu nennen. Eingeladen waren die Außenminister Bahrains, Iraks, Kuwaits, Katars, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate, Omans und des Iran.

Verschobene Hormus-Gespräche: Regionale Ordnung ohne Washington – und ohne Ergebnis

Inhalt des Treffens sollte laut Irans Außenminister Abbas Araghtschi ein bereits fertig ausgehandeltes Abkommen mit Oman sein – inklusive Karten und gemeinsamer Erklärung zum künftigen Betrieb der Meerenge. Araghtschi betonte gegenüber dem Londoner Sender Al-Araby Al-Jadeed, die Vereinbarung bedeute „keinesfalls“ eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus im alten Sinne. Irans Staatsmedium Press TV zitierte den Leiter der Golf-Abteilung im Außenministerium, Mohammad Alibek, wonach die Verschiebung „auf Wunsch einiger Länder der Region“ und in gemeinsamer Absprache mit Oman erfolgt sei; Teheran bleibe einer „inklusiven regionalen Dialogarchitektur ohne äußere Einmischung“ verpflichtet.

Öffentlich sichtbarster Grund für das Scheitern: Bahrain hatte bereits am Vortag erklärt, an dem Treffen nicht teilzunehmen. Manama begründete dies mit Sicherheitsbedenken und der Forderung, Hormus müsse „ohne Diskriminierung, Gebühren oder Genehmigungen“ offen sein – eine direkte Spitze gegen die von Iran und Oman diskutierten Transitgebühren.

Was in den Meldungen vermisst wird

Westliche Agenturen wie CNN vermerken die Abwesenheit Washingtons am Rande, als bloße Randnotiz. Dabei war genau das der eigentliche Kern des Treffens: Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn sollten die Golfstaaten – gemeinsam mit Iran, ohne die Vereinigten Staaten als Vermittler oder Vetomacht – ein Sicherheitsarrangement für eine der wichtigsten Energie-Handelsrouten der Welt festschreiben. Vor dem Krieg liefen rund ein Fünftel der weltweiten Ölexporte sowie erhebliche Mengen Flüssiggas und Dünger durch die Meerenge.

Unerwähnt bleibt in den meisten Berichten auch, dass das im Juni 2026 unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran eine Öffnung der Straße von Hormus binnen 60 Tagen vorsah – ein Zeitplan, der längst verstrichen ist, ohne dass eine dauerhafte Lösung stünde. Stattdessen wechseln sich seit Monaten Gesprächsrunden zwischen Iran und Oman, kurzzeitige Eskalationen und neue Verhandlungsanläufe ab. Die Meerenge gilt de facto weiterhin als von Iran kontrolliert, während die USA ihrerseits eine Gegenblockade errichtet haben.

Fragen, die nicht gestellt werden

  • Bahrain beherbergt die 5. Flotte der US-Marine und gilt als einer der engsten Verbündeten Washingtons am Golf. Dass ausgerechnet dieser Staat öffentlich den Boykott erklärt und damit ein Treffen zu Fall bringt, das die USA explizit außen vor gelassen hätte, wirft eine naheliegende Frage auf: Handelte Manama aus eigenständigem Sicherheitsinteresse – oder im Windschatten einer Washingtoner Position, die ein von Teheran und Muskat mitgestaltetes Sicherheitsregime für Hormus grundsätzlich ablehnt, insbesondere die darin vorgesehenen Transitgebühren?
  • Welche Rolle spielt die Tatsache, dass Bahrain eines der für eine Farbrevolution am meisten gefährdete Monarchie bzw. Diktatur am Golf ist? Schließlich konnte schon einmal ein Aufstand der Bevölkerung nur mit Hilfe saudischen Militärs niedergeschlagen werden.
  • Weiter zu fragen wäre: Warum bekundeten laut Berichten zunächst keine der acht eingeladenen Golfstaaten öffentlich ihre Teilnahme, obwohl der Iran seit Tagen von einem fertigen Abkommen sprach?
  • Und: Wer genau sind die „einigen Länder der Region“, auf deren Wunsch laut Teheran verschoben wurde – und decken sich deren Interessen mit denen der USA oder Israels, deren Kriegsführung gegen den Iran den gesamten Konflikt um Hormus überhaupt erst ausgelöst hat?

Was verhinderte den Frieden?

Der eigentliche Nachrichtenwert liegt nicht in der Verschiebung selbst, sondern in dem, was sie verhindert hat: einen ersten Versuch der Anrainerstaaten, regionale Sicherheitsarchitektur ohne externe Vormacht zu organisieren. Dass ein solcher Versuch – trotz eines nach iranischer Darstellung bereits ausverhandelten Abkommens mit Oman – im letzten Moment an einem öffentlichkeitswirksamen Boykott eines US-nahen Kleinstaates scheitert, passt in ein Muster, das seit Kriegsbeginn im Februar 2026 zu beobachten ist:

Sobald sich am Golf eine Lösung ohne Washingtons Segen abzuzeichnen beginnt, formiert sich Widerstand aus dem eigenen Lager.

In der internationalen Berichterstattung wird dies kaum als strukturelles Muster benannt, sondern als isoliertes diplomatisches Scheitern behandelt. Für den Globalen Süden – und insbesondere für die Anrainerstaaten selbst, die täglich die wirtschaftlichen Folgen der blockierten Meerenge tragen – stellt sich die Frage jedoch grundsätzlicher: ob eine dauerhafte Regelung für Hormus überhaupt erreichbar ist, solange die Vereinigten Staaten ein Vetorecht über jede Lösung beanspruchen, die sie nicht selbst mitgestaltet haben.

Damit bleiben die Aussichten für eine wirtschaftliche Besserung für Europa weiter ohne Aussicht auf Realisierung, und Ölpreise, Inflation und Mangelversorgung das große Risiko der kommenden Monate.

Bild: Screenshot von Bericht über die Verschiebung der Friedensgespräche

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3 Kommentare

  1. Jan
    Antworten

    Ressourcen- und Rentierstaaten haben das Problem, dass sich Staaten, die von den Ressourcen abhängig sind, einmischen. Das Völkerrecht kennt dazu keine kluge Lösung.

    In Nahost liegen 20% bis 30% der weltweiten Ölreserven. Der Iran möchte auf diesem Gebiet eine Muslimische Union mit 1,5 Mrd Bürgern errichten und fremde Einmischung ausschließen. Die Ölmärkte sind in Verkäufermärkte umgeschwungen, dh der Verkäufer kann bestimmen, wer kaufen darf.

    Die Käufer, die es sich leisten können, möchten Nahost daher aufteilen wie eine Torte und eine Union verhindern. Sie möchten sicher sein, dass sie ihr Kuchenstück bekommen.

    Die Sperre von Hormus führt dazu, dass der asiatische Tiger kürzer springen muss und die dortige Wirtschaft nicht überhitzt. Sie führt dazu, dass die Golfmonarchien Kredite in den USA in Dollar aufnehmen müssen. Und sie führt dazu, dass der europäische Arm der US-Demokraten von der Macht vertrieben wird.

    Warum sollte Trump sich einen derartigen Trumpf entgehen lassen?

    De facto sperren die USA Hormus und schieben es dem Iran in die Schuhe – lustig, wenn es nicht so entsetzlich wäre.

    Europa steht dadurch vor der größten Energiekrise seit den 70ern – mit einem erheblich schlimmeren Potential.

  2. Jurgen
    Antworten

    Das Geld der USA verliert immer mehr seine Macht auf besagte Anrainer… insbesondere die Kopplung mit heftigem, ballistischem Niederschlag auf Fremdbesatzungsenklaven… Bahrain, Kuwait und Katar werden sich schon bald wünschen, offener gewesen zu sein… die Zionisten haben bereits verloren, schweben längst über dem Abgrund, aber die Beine rennen immer noch…

  3. VerarmterAdel
    Antworten

    Und das arme, kleine, hilflose, ewige Opfer wird einfach so übergangen? Schnell das Tränenfläschchen für ISrahell.
    Sind denn überhaupt noch sog. Semiten in ISrahell, oder sind inzwischen alle in der Ukraine, New ISrahell.
    Hat jemand auch nur die blasseste Ahnung, was das für Europa bedeutet?
    Und kapieren die Leute langsam, warum Billionen in der Ukraine verfrachtet werden?

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