Straße von Hormus: Sie ist wieder offen, wenn die USA nicht wären

30. August 2026von 7,3 Minuten Lesezeit

Was in Westasien passiert, bestimmt maßgeblich die Inflation in Europa. Der Oman und der Iran haben sich auf ein Abkommen zur Straße von Hormus geeinigt. Theoretisch könnten ab sofort wieder alle Schiffe passieren, der Welthandel sich erholen und die Benzinpreise massiv sinken. Die tatsächliche Öffnung bleibt jedoch aus – und zwar nicht, weil der Verteidiger Iran blockiert, sondern weil der Aggressor USA seinen eigenen zugesagten Verpflichtungen bis heute nicht nachkommt.

Zur Erinnerung, was vor dem Angriffskrieg war: Vor dem 28. Februar 2026 war die Straße von Hormus eine normal befahrene, für rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels zentrale Route. Es gab keine Blockade, keinen Schiffsstau, keine Kriegsrisikoprämien. Erst die großangelegten Luftangriffe der USA und Israels auf iranisches Territorium – bei denen unter anderem der Oberste Führer Ali Chamenei sowie weitere hochrangige Militärs getötet wurden – haben diesen Zustand beendet und einen Angriffskrieg gegen ein souveränes Land ausgelöst, ohne UN-Mandat und ohne dass zuvor ein Angriff Irans stattgefunden hätte. Der Iran reagierte auf diesen Überfall, wie es das Völkerrecht jedem angegriffenen Staat zugesteht: mit Gegenschlägen auf Israel und auf US-Stützpunkte in der Region. Der Verteidiger blockierte in der Folge die Meerenge – als eines der wenigen wirksamen Druckmittel, das ihm gegen die überlegene Militärmacht der Angreifer überhaupt zur Verfügung stand.

Die neue Hormus-Regelung

Die neue Regelung, auf die sich Teheran und Muscat nun verständigt haben, sieht vor, dass der Handelsschiffsverkehr künftig über eine gemeinsam kontrollierte Route durch iranische und omanische Gewässer läuft, wobei dem Iran der größere Anteil an der Kontrolle zufällt. Kriegsschiffe sollen die Straße dauerhaft nicht mehr passieren dürfen. Doch – und das ist der entscheidende Punkt, den Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi am Samstag unmissverständlich klarstellte – dieses Verständnis tritt nicht automatisch in Kraft. Es hängt davon ab, dass die USA ihrerseits die im Juni zugesagten Verpflichtungen erfüllen:

  • Aufhebung der Sanktionen,
  • Beendigung der Seeblockade iranischer Häfen,
  • Freigabe der im Ausland eingefrorenen iranischen Vermögenswerte, wie bereits von Gerichten gefordert.

Genau diese Zusagen hat Washington bislang ignoriert.

Es ist nicht Sache von uns, den ersten Schritt zu unternehmen„, stellte Gharibabadi implizit klar. Es seien die Vereinigten Staaten gewesen, die ihre Verpflichtungen ausgesetzt haben. Sobald Washington liefere, sei auch der Iran zu seinen eigenen Schritten bereit – die Beweislast liege also, folgerichtig, bei dem Land, das den Krieg begonnen und die zugesagten Gegenleistungen verweigert hat.

Statt MoU der „totale Wirtschaftskrieg“ Sanktionsdrohungen gegen die ganze Welt

Dass die USA daran wenig Interesse zeigen, überrascht kaum: Als Nettoexporteur verdient Washington an den durch die Blockade hochgehaltenen Ölpreisen täglich prächtig – ein Frieden, der die Preise wieder sinken ließe, wäre für die eigene Bilanz schlicht unattraktiv. Allerdings steigen die Benzin- und Dieselpreise in den Vereinigten Staaten und sind die strategischen Ölreserven auf einem historischen Tiefstand. Hinzu kommt die außenpolitische Handlungsunfähigkeit eines Präsidenten, der sich in seiner zweiten Amtszeit zunehmend als unzuverlässig erweist und offenkundig nicht die Kraft aufbringt, sich aus der engen Bindung an Israels Kriegsinteressen zu lösen.

Reparationen stehen einem durch Angriffskrieg zerstörten Land zu

Damit bleibt die Kontrolle über die Meerenge für Teheran das einzig verbliebene wirksame Instrument, um jemals Reparationen für den Wiederaufbau der durch die Angriffe zerstörten Infrastruktur zu erhalten. Diplomatische und juristische Wege haben sich als stumpf erwiesen: Bereits 2025 hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag im Verfahren um eingefrorene iranische Vermögenswerte die USA zur Entschädigung Irans verurteilt – ein Urteil, dessen Umsetzung Washington bis heute schuldig bleibt.

Ein Muster, das sich fortsetzt: Verpflichtungen aus internationalen Verfahren werden von den USA regelmäßig ignoriert, sobald sie den eigenen Interessen zuwiderlaufen. Wirtschaftlicher Druck über die einzige Ausfahrt aus dem Persischen Golf ist unter diesen Bedingungen keine Erpressung, sondern schlicht der letzte verbliebene Hebel eines überfallenen Staates, überhaupt an eine Wiedergutmachung zu gelangen. Speziell im Fall von Reparationen kennt man das aus dem Fall Nicaragua vs USA, in dem die USA zu Reparationszahlungen verurteilt worden waren, aber natürlich niemals zahlten.

Die Region versucht sich von den USA zu lösen, aber das ist nicht einfach

Unterdessen ruft Außenminister Araghchi die muslimischen Länder zur Einheit auf. Kuwait – einst Urheber der berüchtigten „Brutkastenlüge“ – hat als erstes Land reagiert und seine Gespräche mit Teheran wieder aufgenommen. Der Irak kooperiert bereits seit Kriegsbeginn mit dem Iran, während China seine Verbindungen zu Teheran wiederholt bekräftigt und zu einer diplomatischen Lösung aufruft.

Die sogenannte „muslimische NATO“ hat sich im August 2026 durch ein neues Bündnis radikal neu erfunden, und Berichten zufolge könnte der Iran tatsächlich Teil dieser Allianz werden.

Damit soll offensichtlich eine Sicherheitsarchitektur geschaffen werden, da sich die USA unfähig gezeigt hatten, Sicherheit in der Region zu gewähren.

Lange Zeit galt das 2015 von Saudi-Arabien gegründete Antiterrortest-Bündnis (IMCTC) als die „islamische NATO“. Dieses war jedoch stark sunnitisch geprägt und schloss schiitische Staaten wie den Iran explizit aus. Angesichts des verheerenden Irankriegs und des schwindenden Vertrauens in die Sicherheitsgarantien der USA (insbesondere unter der Trump-Administration) hat sich die Lage jedoch grundlegend verschoben.

Berichten zufolge hat der Iran eine offizielle Einladung erhalten, dem Mekka-Verteidigungsbündnis beizutreten. Während Teheran die Existenz einer rein formalen Urkunde noch zurückhaltend kommentiert, bestätigen hochrangige iranische Parlamentsvertreter, dass das Angebot intensiv geprüft wird.

Was wurde aus dem von Bessent ausgerufenen „totalen Wirtschaftskrieg“ gegen jeden, der noch Handel mit dem Iran treibt?

Der von US-Finanzminister Scott Bessent angekündigte wirtschaftliche Frontalangriff gegen den Iran wird unter den offiziellen Bezeichnungen „Operation Economic Outcast“ und „Economic Fury“ rigoros in die Tat umgesetzt. Bessent, der die Kampagne als wirtschaftlichen „D-Day“ beschrieb, hat klargestellt, dass die USA jeden wirtschaftlichen Lebensnerv Teherans kappen wollen, bis das Regime isoliert dasteht. Es ist die Fortsetzung des Bombenangriffskriegs gegen den Iran mit anderen Mitteln, nur dass nun jeder „bombardiert“ wird, der sich den Befehlen der USA nicht fügt. Und Bessent droht jedem, der dem Ziel durch Wirtschaftsverbindungen mit dem Iran im Weg stehen sollte.

Die Folge war ein Währungskollaps: Der iranische Rial stürzte auf ein historisches Allzeittief von 100.000 Rial für einen US-Dollar ab.

  • Austrocknung der Öleinnahmen: Durch die verschärfte Hafen- und Seeblockade schrumpfen die iranischen Ölexporte massiv. Bessent kündigte an, dass die Lagerbestände auf der strategisch wichtigen Insel Charg bald vollends blockiert sein werden und Förderanlagen mangels Abnehmern heruntergefahren werden müssen.
  • Inländische Krise: Berichten zufolge leidet das Land unter massiven Versorgungsengpässen, unter anderem bei subventioniertem Kraftstoff, was zu kilometerlangen Schlangen an den Tankstellen führt. Zudem wird in westlichen Medien von angeblich ausbleibenden Soldzahlungen beim Militär und hoher Abwesenheit bei Sicherheitskräften berichtet.

China, Irak, Pakistan, Indien, Afghanistan und vermutlich andere Länder, haben die Drohungen der USA zurückgewiesen und erklärt, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran nicht einfach kappen zu wollen.

Die Ankündigung der „Operation Economic Outcast“ durch US-Finanzminister Scott Bessent hat zu einem massiven geopolitischen Schlagabtausch geführt. Während die USA ein striktes „Entweder ihr seid für uns oder gegen uns“ einfordern, reagieren die wichtigsten verbliebenen Handelspartner des Irans mit demonstrativem Widerstand.

Die Drohung der USA zeigt im Iran zwar vorläufig eine verheerende Wirkung (wie der Währungskollaps beweist), aber sie treibt den Iran gleichzeitig noch tiefer in eine wirtschaftliche Allianz mit Staaten, die sich von Washington nicht mehr isolieren lassen wollen. Aber die berühmten Märkte scheinen Sanktionen zum großen Teil zu ignorieren (Siehe Titelmotiv) und motiviert immer mehr Staaten, sich aus der Abhängigkeit von den USA zu befreien, und den Vertretern des Multipolarismus und einer Dollarunabhängigkeit zuzuwenden.

Zusammenfassung

Mit der Verzweiflungstat der USA wegen des vorerst verlorenen Krieges gegen den Iran, hat das Land den Trend weiter befeuert, mit dem Staaten versuchen, sich von der Möglichkeit zu befreien, durch Washington sanktioniert zu werden, wann immer der jeweilige Präsident es für sinnvoll erachtet. Kurzfristig mach dieser „totale Wirtschaftskrieg“ gegen die ganze Welt einen gewissen Erfolg erzielen und das Ego der Mächtigen in den USA unterstützen. Aber mittel- und langfristig beschleunigt es den Niedergang eines Imperium, auch wenn es noch viel Leid und Unglück über die Welt verbreiten kann.

Bild: Screenshot über Video zu den neuen tödlichsten aller Sanktionen

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