Nach US-Midterms: Staatsstreich à la 6. Januar? Netanyahus Groß-Israel und das Geschäft mit dem Blut von Kushner, Witkoff & Co.

28. August 2026von 6,4 Minuten Lesezeit

In einem ausführlichen Gespräch mit Oberstleutnund aD Daniel Davis (Daniel Davis Deep Dive) analysiert Colonel Lawrence Wilkerson, langjähriger Stabschef von Außenminister Colin Powell und Insider der höchsten US-Militär- und Außenpolitikkreise, die aktuellen Eskalationen.

Der interessanteste Ausschnitt dreht sich um die möglichen Entwicklungen nach den US-Midterm-Wahlen, einen möglichen innenpolitischen Coup und die Rolle Israels unter Netanyahu sowie der Geschäftemacher Jared Kushner und Steve Witkoff. Das vollständige Interview ist hier zu finden und am Ende des Artikels.

Wilkerson beschreibt zunächst die Kriegsstrategie im Iran-Konflikt: Trump wolle die kinetischen Operationen weitgehend verzögern, um die Streitkräfte zu regenerieren und Aufklärungsfähigkeiten (vor allem in Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien) wieder aufzubauen – alles mit Blick auf die Midterms. Nach einer erfolgreichen Wahl solle dann die „harte Kriegsführung“ wieder aufgenommen werden. Im Pentagon werde ernsthaft über den Einsatz von Atomwaffen diskutiert. Gleichzeitig sei die Lage in der Straße von Hormus chaotisch: Schiffe würden nachts ohne Transponder durchgeschleust, während die Iraner den südlichen Kanal weitgehend kontrollierten.

Kommt eine Putsch wie nach der Abwahl Trumps?

Entscheidend für die Innenpolitik ist jedoch Wilkersons Einschätzung der Wahlsituation. Er hält es für wahrscheinlich, dass Trump und sein Umfeld – Stephen Miller, Pete Hegseth und andere – bei drohender Niederlage oder einem demokratischen Repräsentantenhaus die Wahlen schlicht „abschalten“ würden.

Dabei solle die volle Staatsmacht eingesetzt werden, inklusive Militär. ICE fungiere bereits als „Praetorian Guard“ bzw. „Brown Shirts“. Hegseth habe gezielt Personen aus Listen rekrutiert, die unter Biden im Rahmen der Extremismus-Bekämpfung erstellt worden seien – oft unter dem Deckmantel christlicher Nationalismus und Gebetsgruppen. Diese Kräfte sollten in Schlüsselstaaten selektiv eingesetzt werden. Der 6. Januar 2021 sei ein Coup-Versuch gewesen, der nur an der Inkompetenz der Akteure gescheitert sei. Diesmal werde man denselben Fehler nicht wiederholen.

Wilkerson betont: Es brauche keine großen Truppenmassen. Eine kleine, loyale, aktive Komponente reiche aus, während der Rest der Streitkräfte stillhalte. Alte Gesetze aus der Nixon-Ära und davor stünden weiterhin zur Verfügung und würden dem Commander-in-Chief weitreichende Vollmachten geben. Der Kongress habe diese gefährlichen Instrumente sträflich vernachlässigt.

Israels Poltik: Noch mehr Kriege, Genozid und Geschäfte

Parallel dazu zeichnet Wilkerson ein düsteres Bild der israelischen Politik unter Netanyahu. Dieser verfolge das „Greater Israel“-Konzept – von der Türkei bis nach Afrika – und plane, bei Wiederwahl und weiterer Amtszeit Irak, Jordanien, Teile Ägyptens und den Libanon einzubeziehen. Die USA seien inzwischen „Israels Pudel“, nachdem das Verhältnis früher umgekehrt gewesen sei (Israel als US-Angriffshund in der Levante). Lindsey Graham habe das einst offen ausgesprochen: Wenn die Israelis die Palästinenser – Semiten im Gegensatz zu den israelischen Migranten aus der früheren Sowjetunion – nicht töteten, müssten die Amerikaner es selbst tun.

Besonders brisant ist Wilkersons Hinweis auf Jared Kushner und Steve Witkoff. Beide seien in die „Gaza Humanitarian Organization“ involviert und bereicherten sich persönlich – ebenso wie Ex-Briten Premier  Tony Blair. Kushner soll angeblich gesagt haben: „Go ahead and kill them. The more you kill, the better.“ Wilkerson verweist auf einen vernichtenden Artikel von Ian Williams (Präsident der Foreign Press Association) im Washington Report.

Währenddessen setze Netanyahu die Massenmorde in Gaza, Westbank und Syrien fort. 80 Prozent der israelischen jüdischen Bevölkerung unterstützten diese Politik; Oppositionskandidaten überböten Netanyahu sogar noch.

Die Analyse Wilkersons fügt sich in ein größeres Bild: Ein zunehmend autoritäres Washington, das innenpolitisch vor nichts zurückschreckt und außenpolitisch an der Seite eines expandierenden Israel steht, während die eigene Militärmacht in den Konflikten mit Iran und der Ukraine immer deutlicher an ihre Grenzen stößt. Die Midterms könnten zum entscheidenden Test werden – nicht nur für die Demokratie in den USA, sondern für die Glaubwürdigkeit der gesamten westlichen Ordnung.

Details zu Kriegsminister Hegseths Rekrutierungstaktiken

Colonel Lawrence Wilkerson beschreibt konkrete Taktiken zur Rekrutierung und Formierung loyaler Kräfte:

Hegseth greife gezielt auf Listen zurück, die unter der Biden-Administration im Rahmen der Extremismus-Bekämpfung im Militär erstellt wurden (unter Lloyd Austin, mit Beteiligung von FBI und anderen Behörden). Diese Listen erfassten Personen, die als extremistisch oder „patriot extremism“ eingestuft worden waren. Hegseth und Homeland Security hätten Teile dieser Listen genutzt, um Personen frühzeitig zu rekrutieren – sowohl in die aktiven Streitkräfte als auch in die Nationalgarde bestimmter Schlüsselstaaten und in ICE.

Als zentrales Instrument diene der christliche Nationalismus und Gebetsversammlungen (prayer meetings). Diese dienten nicht nur der Rekrutierung, sondern auch der Identifizierung geeigneter Kandidaten für „shock troops“ (Stoßtruppen). Wilkerson spricht in diesem Zusammenhang von ICE als „Prätorianer Garde“ bzw. „Braunhemden“.

Dokumentierte öffentliche Praktiken

Diese Aussagen passen zu öffentlich bekannten Maßnahmen Hegseths seit seiner Amtsübernahme 2025:

  • Monatliche christliche Gebets- und Gottesdienste im Pentagon: Seit Mai 2025 organisiert Hegseth regelmäßig (während der Arbeitszeit) evangelikale Worship-Services im Pentagon-Auditorium. Dazu lädt er Pastoren aus seinem Umfeld ein – insbesondere aus der Communion of Reformed Evangelical Churches (CREC) um Doug Wilson, der sich selbst als Christian Nationalist bezeichnet. Wilson und nahestehende Pastoren haben dort gepredigt. Einladungen gingen auch an Zivilbeschäftigte und zeitweise sogar an Defense Contractors.
  • Biblische und christlich-nationalistische Rekrutierungswerbung: Das Pentagon (unter Hegseth als „Department of War“) veröffentlicht Videos und Kampagnen mit Bibelzitaten (z. B. Psalm 18:37 – „I pursued my enemies and overtook them…“), dem Slogan „We Are One Nation Under God“ und Bildern von Fallschirmjägern und Soldaten im Kampfeinsatz. Kritiker sehen darin eine gezielte Ansprache christlich-nationalistischer Milieus.
  • Kultureller Umbau und Anti-DEI-Kurs: Hegseth beendet Diversity-Programme, transgender-inklusive Regelungen und „woke“ Elemente. Er betont „warrior ethos“, Fitness (u. a. Testosteron-Screenings, männliche Standards) und spricht offen von einer christlichen Nation. Beobachter wie Kristofer Goldsmith (Task Force Butler) warnen, dass dies verstärkt christliche Nationalisten anzieht, die später als toxische Führungskräfte wirken könnten.
  • Rekrutierungserfolge: Die US-Streitkräfte verzeichneten 2025/2026 starke Zuwächse (teils historische Zahlen). Hegseth führt das auf die neue Führung und den kulturellen Wandel zurück; unabhängige Analysen nennen auch Gehaltserhöhungen und wirtschaftliche Faktoren.

Quellen dazu:

Wilkersons Behauptung, gezielt von den früheren Extremismus-Listen rekrutiert zu werden, ist bislang nicht durch unabhängige Dokumente öffentlich belegt, sondern basiert auf seinen Quellen im Pentagon und im Umfeld. Öffentlich kritisiert Hegseth die früheren Extremismus-Screenings jedoch scharf als Angriff auf „Patrioten“ und „normale“ (oft weiß-christliche) Rekruten.

Zusammengefasst: Die dokumentierte Taktik verbindet religiös-ideologische Ansprache (Gebete, biblische Rhetorik, CREC-Netzwerk) mit einer kulturellen Neuausrichtung der Streitkräfte und ICE, um loyale, ideologisch konforme Kräfte zu gewinnen – genau das, was Wilkerson als Vorbereitung auf mögliche innenpolitische Einsätze nach den Midterms beschreibt.

Dass die Evangelikalen eine besonders radikale und rechtsextremistische Sektengruppe innerhalb der Christilichen sind, haben unter anderem Emmanuel Todd, der Schweizer Psychologe C.G. Jung oder die Trimondis dokumentiert

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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8 Kommentare

  1. therMOnukular 29. August 2026 um 0:40 Uhr - Antworten

    Ach wirklich? Der 6.1. war also doch ein Putsch-Versuch?…..;))

    Jo eh, PFM, nix für ungut.

    Die Spender brauchen keinen Putsch – denen gehört bereits alles und sie bestimmen auch alles. Es wird ein neuer Anstrich sein, der – nur den Spendern – neue Freiheiten eröffnen wird.

    Aber ich glaube nicht daran – weil diejenigen welchen es einfach nicht nötig haben. Noch nicht – hängt also davon ab, wie groß die Panik bereits ist und man Möglichkeiten der Gewaltanwendung (nach innen) schaffen/ausweiten muss/will.

  2. Jan 28. August 2026 um 22:06 Uhr - Antworten

    Wer dahinter nur Psychologie und Ideologie sieht: Hormus bleibt eine Schwachstelle für die Ölversorgung, ganz gleich wer sie nutzt. Es geht um 20-30% des weltweiten Öls und Gas. Abhilfe schafft nur ein diversifizierter Abtransport über Pipelines. Da wir weltweit eine Mangelage haben, die zunimmt, versuchen die Blöcke, „ihren Anteil“ durch Einflusszonen selbst zu sichern. Außerdem versuchen alle Blöcke mit Blick auf ihre eigenen Minderheiten, das Entstehen eines großen muslimischen Blocks zu verhindern, der sich auf 20% des Öls kommod einrichten ließe.

    Der Westen – nach meiner Vorhersage: Europa – hat Interesse am Gebiet Mittelmeer bis Zagros-Gebirge, samt irakischen, kuweitischen und saudischen Quellen. Pipelines von dort ans Mittelmeer oder über den Bosporus sollen nicht durch Souveränitätsansprüche authochtoner muslimischer Gruppen gestört werden oder durch muslimische Ordnungskämpfe. Ruhe ist unter diesen Voraussetzungen nur durch einen Terror verbreitenden Apartheidstaat zu schaffen.

    Wir alle im Westen sind mitschuldig, da wir (bald) dieses Öl verlangen und kaufen werden.

    Das ist keine Rechtfertigung für Menschenrechtsverbrechen, sondern ein Versuch, Interessen zu skizzieren, die dahinter stehen. Das Öl, das von dort nach Europa fließen wird, werden die Europäer an Amis und Israelis zahlen, nicht an authochtone Gruppen.

    Man sollte nicht erwarten, dass sich die Profiteure durch moralische Zurufe aus Meidling stoppen lassen.

  3. alter Mann 28. August 2026 um 21:45 Uhr - Antworten

    Thema wird hier schon seit geraumer Zeit teils heftig diskutiert. Gut, das es jetzt auch im DACH Bereich ankommt.

  4. lotus998dc2ac81f3 28. August 2026 um 18:46 Uhr - Antworten

    Der 6. Januar war falls flag ,die Andeutungen des strammen Demokraten W. Unsinn. Womit ich die handelnden Akteure keineswegs positiver darstellen mag.

    • Daisy 29. August 2026 um 3:55 Uhr - Antworten

      Ja, seh ich auch so. Man kann ja nie genug paranoid sein, sag ich alleeil, aber das ist zu viel…

    • Daisy 29. August 2026 um 3:58 Uhr - Antworten

      Teile davon könnten natürlich stimmen. So glaube ich auch, dass es nach den Midterms erst so richtig losgeht.

  5. Jochen Mitschka 28. August 2026 um 16:31 Uhr - Antworten

    Die USA und Israel werden oder sind sogar schon genau das, wovor sie uns im Fall des Irans gewarnt hatten. Komisch, dass so was immer häufiger der Fall ist.

  6. Waldgaengerin 28. August 2026 um 16:29 Uhr - Antworten

    Möglich wäre es. Trump traue ich alles zu und Netanjahu sowieso.

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