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Politik

Benzin- und Dieselpreise auf absoluten Rekordhöhen

14 Kommentare 18. September 2026 5 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Diesel und Benzin steigen auf historische Höhen, und die Politik berät, obwohl die sofortige Erleicherung für die Verbraucher sich förmlich aufdrängt.

Diesel und Benzin kosten in den DACH-Staaten so viel wie nie zuvor. Am 16. September 2026 meldete der ADAC für Deutschland einen Tagesdurchschnitt von 2,422 Euro pro Liter Diesel und 2,300 Euro für Super E10 – nur einen Tag später knackte Diesel mit 2,453 Euro erneut die eigene Bestmarke. An manchen Tankstellen sollen Preise von über 3 Euro gesichtet worden sein.

Rekordpreise an der Zapfsäule: Warum die Politik an der Steuerschraube nicht rührt

In Österreich vermeldete der ÖAMTC mit 2,268 Euro pro Liter Diesel ebenfalls einen historischen Höchststand, während die Schweiz laut Touring Club Schweiz mit 2,26 Franken zumindest formal noch etwas darunter liegt. Ausgelöst wurde der jüngste Schub durch den Krieg zwischen Iran und USA/Israel Ende Februar 2026 und die damit verbundene Sperrung der Straße von Hormus, durch die der Weltmarktpreis für Rohöl um rund 30 Prozent stieg.

Die politischen Antworten: viel Symbolik, wenig Substanz

Die Bundesregierung reagierte im April mit einem Maßnahmenpaket. Kernstück war eine auf zwei Monate befristete Absenkung der Energiesteuer um rund 17 Cent pro Liter, in Kraft ab 1. Mai, finanziert mit rund 1,6 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt, wie die Bundesregierung selbst mitteilt. Ende Juni lief die Regelung planmäßig aus – Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte prompt einen erneuten Preisanstieg an, der auch eintrat. Ergänzt wurde das Paket durch eine „Spritpreisbremse„: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich, um 12 Uhr, erhöhen. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus – schon im April zog der ADAC eine kritische Zwischenbilanz und sprach von einem „zahnlosen“ Modell ohne hartes Eingreifen des Kartellamts.

In Österreich existiert ein ähnlicher Mechanismus: Über eine Verordnungsermächtigung soll die Mineralölsteuer automatisch um jene Mehreinnahmen gesenkt werden, die der Staat durch die höhere Mehrwertsteuer auf gestiegene Treibstoffpreise zusätzlich einnimmt. Das klingt nach einem cleveren Automatismus – ändert aber nichts am strukturellen Grundproblem, das im politischen Diskurs beider Länder auffällig unangetastet bleibt.

Das eigentliche Problem: der Staat als größter Profiteur

Denn ein Blick auf die Zusammensetzung des Literpreises zeigt, wer tatsächlich am meisten verdient. Laut ADAC-Berechnungen entfielen Anfang März 2026 rund 58 Prozent des Benzinpreises und 48 Prozent des Dieselpreises auf Steuern und Abgaben. Im Jahresmittel 2025 lag der staatliche Anteil sogar bei 64 Prozent bei Benzin und 56 Prozent bei Diesel. Konkret: Bei einem Literpreis von zwei Euro fließt rund ein Euro direkt an den Fiskus.

Die Struktur ist simpel, aber wirkungsvoll: Auf jeden Liter Benzin wird eine fixe Energiesteuer von 65,4 Cent fällig, auf Diesel 47,0 Cent. Dazu kommt die CO₂-Bepreisung, die zum Jahreswechsel 2026 von 55 auf bis zu 65 Euro pro Tonne gestiegen ist und damit den Liter um weitere 15 bis 18 Cent verteuert. Und schließlich schlägt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent nicht auf den reinen Warenwert auf, sondern auf den Bruttopreis inklusive Energiesteuer und CO₂-Abgabe – die vielzitierte „Steuer auf Steuer„. Genau dieser Mechanismus sorgt dafür, dass der Staat bei jedem Preisanstieg automatisch mitverdient, ganz ohne eigenes Zutun: Wie uniti in einer Analyse festhält, steigt mit jedem Cent Rohölpreis auch die absolute Mehrwertsteuersumme, die der Fiskus kassiert. Je teurer das Öl, desto voller die Staatskasse.

Warum die einfachste Lösung nicht kommt

Damit liegt die naheliegendste Entlastungsmaßnahme eigentlich auf der Hand: eine dauerhafte, spürbare Senkung von Energiesteuer und Mehrwertsteuersatz auf Kraftstoffe – technisch über Nacht umsetzbar, ohne neue Bürokratie, ohne Kartellrechtsnovellen, ohne Verhandlungen mit Mineralölkonzernen. Genau das aber bleibt aus. Was es stattdessen gab, waren zeitlich eng befristete Rabatte von zwei Monaten, verbunden mit der Ankündigung, dass die Preise danach „wieder auf Vorkrisenniveau“ zurückkehren würden – eine Formulierung, die das Finanzministerium bereits nach der Energiekrise 2022 verwendete, als ebenfalls nur befristet entlastet wurde.

Der Grund dafür liegt weniger in fehlender Wirksamkeit als in der Haushaltslogik. Der Bundeshaushalt 2026 steht unter erklärtem Konsolidierungsdruck, neue Ausgabenposten stehen unter Finanzierungsvorbehalt – eine dauerhafte Steuersenkung in Milliardenhöhe passt in dieses Bild nicht. Hinzu kommt ein politischer Zielkonflikt: Die CO₂-Bepreisung soll nach klimapolitischem Konsens Jahr für Jahr weiter steigen, nicht sinken – eine dauerhafte Entlastung bei den Kraftstoffsteuern liefe diesem Ziel unmittelbar zuwider. Die Energiesteuer wiederum ist eine der verlässlichsten und am einfachsten einzutreibenden Einnahmequellen des Staates überhaupt – ein Umstand, der sie politisch besonders unattraktiv für dauerhafte Kürzungen macht.

Wie teuer ist die Mobilität in anderen Regionen?

Hier ist die Übersicht der aktuellen Kraftstoffpreise für September 2026 in einen Ländern, für einen Liter bezogen und in Euro (€) umgerechnet (basierend auf den Daten von Plattformen wie GlobalPetrolPrices und dem ADAC):

Natürlich muss man dies unter Berücksichtigung der Einkommen beurteilen. Interessant ist jedoch die unterschiedliche Besteuerung bzw. Subventionierung, die hier offensichtlich stattfindet.

Zusammenfassung

Steuern scheinen die Drogen der Politik zu sein, und die Rückfallquote 100%. So bleibt es bei Symptombekämpfung: einer Preisbremse ohne Zähne, befristeten Rabatten, die exakt dann auslaufen, wenn die nächste Preisspitze ansteht, und einer Kartellrechtsdebatte, die von den Mineralölkonzernen postwendend zurückgewiesen wird. Die strukturelle Ursache – ein Steuersystem, das den Staat an jeder Krise automatisch mitverdienen lässt – bleibt unangetastet. Nicht, weil sie zu kompliziert wäre, sondern weil sie zu einträglich ist.

Bild: Screenshot von Video über explodierende Spritpreise

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14 Kommentare

  1. Tossa60
    Antworten

    Ihr zweiter Artikel nun zum Thema Spritpreise – ihre Analyse (Verfügbarkeit, Preiselastizität etc.) und Ihre Diktion ist sehr zurückhaltend! Respekt! Ich hab mir die Mühe gemacht Tankstellenpreise in D UND in USA zu vergleichen mit dem Crude Oil Preis, der nur ein „Marker“ ist, ich weiß – Auffallend ist jedenfalls – in USA folgen die Preise halbwegs den Crude Oil Preisen – in D gibt es keine plausible Korrelation (Lagerbestände und Einstandkosten max/min berücksichtigt, soweit möglich)! Die Schlussfolgerung ist eher trivial… zurückhaltend und freundlich gesagt – „Einfältige und zahnlose Kartell-Kontroll-Politik in EU und natürlich der BRD!!“

  2. lotus998dc2ac81f3
    Antworten

    Die Mineralölbevorratungsabgabe wurdenoch vergessen.
    Realer Preis in Russland aktuell eher 73 cents.
    Hier in Thailand 96 cent, Diesel 1,05.
    Und der schweizer Preis ist nicht geringfügig niedriger, sondern höher, da in Franken, als in Österreich.

  3. Glass Steagall Act
    Antworten

    Herr Mitschka hat bei der Steuerauflistung in Deutschland noch vergessen, dass Dieselmotoren eine deutlich höhere Grundbesteuerung per Hubraum und je nach Schadstoffklasse haben, als Benziner! Das machte den günstigeren Dieselpreis an der Tankstelle in der Vergangenheit teilweise zunichte, wenn man nicht eine bestimmte Mindestkilometergrenze pro Jahr erreicht hatte! Man musste schon mindestens 15 T – 20 T Kilometer fahren, um mit der Dieselbesteuerung dem Benziner gleichzuziehen! Jetzt, wo die Dieselpreise höher liegen als Benzin, ist das Fahren mit dem Diesel in den meisten Fällen noch kostspieliger! Die Regierung könnte die Besteuerung des Dieselmotors auf das niedrigere Niveau des Benziner bringen, will sie aber nicht! Denn Abkassieren wo es nur geht, ist das Motto der Regierung!

  4. Jurgen
    Antworten

    Wie gesagt, ich verlängere schon länger den getankten Diesel mit Fritierölabfall oder alle Arten abgelaufener Speiseöle, wie z.B. Sonnenblumenöl. Also vor dem Wegwerfen in den Tank damit, wenn man einen Diesel hat…

    1. Glass Steagall Act
      Antworten

      Es gibt alte Diesel die das vertragen! Aber nicht alle können das nutzen.

  5. local.man
    Antworten

    Der Iran hat gute Preise find ich…
    Eine 50 Liter Tankfüllung für ca. 1 € – 1,50 € würde mir auch gefallen.
    Die Einkommen müssen dort derbe schlecht sein.
    Wobei ja das Produkt gleich ist. Ein Brokkoli ist immer ein Brokkoli, ob das künstliche Konstrukt Geld nun dafür 0,30 Cent Gegenwert verlangt oder 130 €, ein Brokkoli bleibt immer ein Brokkoli. Der Brokkoli ist also der wahre Wert, das Geld ist die Fantasie..

    Wenn also hier der Literpreis Diesel fast nun das 2,5fache von dem kostet, was anderswo mehr als eine ganze Tankfüllung bedeutet, sollte man sich mal die Frage stellen, ob wir nicht doch in einer Matrix leben, also einer Shitshow Besitzender, die die Welt überall verarschen über ihre Niederhaltungsmittelchen und unsere Abhängigkeit ohne Kontrolle über das Wesentliche..

    Und was strebt diese Machtelite aktuell als Agenda an?

    1. Jurgen
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      Wurde doch vom WEF gesagt, Enteignung allen privaten Besitzes.

  6. OMS
    Antworten

    Kein Geld und Waffen mehr für die Ukraine und Israel. Kein Geld mehr für Krieg und Aufrüstung. Kein Geld mehr für NGO´s, usw. Das Sparpotential wäre enorm.
    Und schmeißt endlich die US-Armee aus Europa hinaus. Wir brauchen keine Kriegstreiber!

    1. Jurgen
      Antworten

      Das geht nicht über den Bundestag!

  7. triple-delta
    Antworten

    Der Staat als Profiteur?
    Wem gehört denn der Staat, wer steuert ihn?
    Also ist das Kapital der Profiteur. Der Staat kann die zusätzlichen Steuereinnahmen in Rüstung und Subventionen stecken, an denen das Kapital profitiert.

    1. Jurgen
      Antworten

      Oh Mann, wie oft muss man das noch sagen? Der BUND ist alliiertes Konstrukt zur Besatzung und Ausbeutung.

  8. Roellchen
    Antworten

    Ich halte es mit Laotse, der meinte: „Die beste Politik ist die, die nicht regiert“.

    Fassen wir mal zusammen, wes hat uns die Politik der letzten 3 Dekaden gebracht:

    gesteuerte unleistbare Massenmigration mit all ihren Folgen
    enorme Neuverschuldung
    sinnlose Geldabflüsse ins Ausland in mehrfacher Milliardenhöhe, insbesondere in die Ukraine
    Kündigung der günstigen russischen Gasverträge, die noch bis 2040 gegolten hätten
    Tausende Vereine, NGOs, Medien… deren Existenz am Steuertoof der Arbeitenden hängt
    Hohe Inflation, sinkende Sicherheit, marodes Bildungsystem und eine markantes 2 Klassen Gesundheitssystem.

  9. 1150
    Antworten

    man bekommt was man wählt oder wie sagte jemand treffend vor kurzem hier,
    kreuz nicht an bei denen, die dich ans kreuz nageln

    1. Jurgen
      Antworten

      Korrektur: Jeder der ankreuzt wird genagelt…

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