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Wirtschaft

Knappheit als Ausrede: Diesel so teuer wie nie

4 Kommentare 17. September 2026 3 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

In Österreich wurde am Donnerstag der Höchstwert beim Diesel erreicht. Knappheit gibt es keine, Angebot ist ausreichend vorhanden, die Versorgung gesichert, trotzdem werden Autofahrer, Landwirte und Industrie ausgenommen, der Staat kassiert.

Es hat nur wenige Monate gedauert, um den letzten Höchstpreis zu überbieten. Im März 2026 lag der Diesel bei 2,245 Euro. Ein halbes Jahr später melden ÖAMTC und E-Control einen neuen Rekord: 2,268 Euro je Liter Diesel im Tagesschnitt am Mittwoch. Konzerne argumentieren mit Krieg und angespannter Versorgung. Vor allem durch die Mineralölsteuer (aber auch durch die Klima-CO2-Steuer) kassiert dabei der Staat kräftig mit. Doch es gibt keine Dieselknappheit.

Die Lager sind in Österreich weiter voll. Es gibt keine Dieselknappheit. Auch die Importe sind weiterhin nicht eingebrochen, die Raffinerie in Schwechat werkt ebenfalls. Der ÖAMTC meldet am Donnerstag bei Ö1 eindeutig: „Es gibt keinen Indikator, dass wir in Österreich wirklich zu wenig Diesel hätten. Die Versorgungslage ist gesichert“, sagt Verkehrswirtschaftsexperte Martin Grasslober.

Tatsächlich sei eine Entkopplung von Rohölpreisen und Preisen an den Zapfsäulen zu erkennen, nicht erst seit dem Angriff der Huthi auf die saudi-arabische Pipeline. Da sei die EU-Kommission gefordert. Er fordert eine kritische Untersuchung und stärkere Reglementierung der internationalen Preisnotierungen für Diesel und Super.

Die Kommission könnte freilich noch viel mehr tun: Mineralölsteuer und Klimasteuer sind EU-Vorgaben, die die jeweiligen Staaten umzusetzen haben. Manche Staaten – wie etwa Österreich – setzen die Mineralölsteuer aber dann noch höher an, als von der EU vorgegeben. Auch die Klimasteuer könnte national aktuell noch ausgesetzt werden.

TKP hat über diesen doppelten Betrug bereits im Frühjahr geschrieben. Es ist ein Doppelpass zwischen Ölkonzernen und Staat: Je mehr die Konzerne aufschlagen, umso mehr kassiert der Staat, weil die Steuerquote steigt. Argumentiert wird dies mit Krieg und Krise, was wiederum der langfristigen politischen Agenda dient. Je teurer der Diesel wird, umso stärker gerät individuelle Mobilität unter Druck und umso eher erzeugt das – etwa in der Lebensmittelbranche – eine neue Krise.

Nun beginnen wieder die Diskussionen in der Politik. Bis man sich zu einer Einigung durchringt, wird vermutlich noch ein paar Mal ein neuer Höchstwert erreicht. Die FPÖ verlangt die Abschaffung der CO2-Steuer und eine Halbierung der Mineralölsteuer. Darauf konnte man sich schon im Frühjahr nicht einigen. Zu stark ist die Lobby in der Politik, die lieber weniger privaten Verbrauch sieht als weniger Steuereinnahmen.

Der ÖAMTC rät: vormittags tanken, Autobahnstationen meiden, Preise in der App vergleichen, vorausschauend fahren. Das mindert den Schaden. Doch es ändert nichts. Die Geldbörse wird leerer und leerer, die Preise steigen, die Tanks sind aber voll. Eine Knappheit ist zumindest aktuell eine reine Propaganda, mit der die Spritpreis-Eskalation verkauft wird. Die Tanks sind voll, die Versorgung ist weiterhin gesichert.

Bild „Tankstelle“ by schoschie is licensed under CC BY 2.0.

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Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇



Der Betrug an der Tankstelle

Spritpreisbetrug: Warum Österreich teurer ist als Slowenien

Klimasteuer an der Zapfsäule: EU-Vorgabe nimmt die Bürger aus

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4 Kommentare

  1. cb56
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    Es kann ja sein, dass die Lager in Österreich derzeit noch voll sind, aber ingesamt ist insbesondere Diesel wohl schon wirklich knapp, wie Larry Johnsons Artikel vom 17.9.2026 und auch die dortigen Bilder amerikanischer Tankstellen zeigt: https://sonar21.com/judgment-day-for-the-middle-of-the-barrel-karl-millers-warning-that-diesel-has-stopped-meeting-demand/ . Vor diesem Hintergrund ist es schon verfnünftig die Preise für Diesel an zu heben um den Verbrauch zu reduzieren, so dass zumindest für die essentiellsten Verbrauchsgruppen noch genug Diesel vorhanden ist. Siehe dazu auch das Buch „When the Trucks stopp running“ von Alice Friedemann.

  2. lotus998dc2ac81f3
    Antworten

    Was machen eigentlich/ weltweil/ Kartellbehörden. In Russland gibt es beim Benzin (nicht Diesel) aktuell echte Knappheit hier und da, aber keine steigenden Preise. Warum- ganz einfach, wer die Preise in der Lieferkette erhöht, ohne entsprechende Kostensteigerung nachweisen zu können, kommt ins Gefängnis.

  3. Glass Steagall Act
    Antworten

    Die Regierungen in Deutschland und Österreich machen eine Milchmädchenrechnung auf. Sie denken, mit höheren Steuern kommt mehr in ihren Topf. Allerdings ist die Annahme nicht nur dumm, sondern dümmer als dumm! Denn wenn die Bürger mehr für den Energiesektor ausgeben müssen, sparen sie dafür an anderen Bereichen, bei denen der Staat weniger Steuern einnehmen wird! Die Gehälter und Einkommen der Bürger folgen nunmal nicht den ständig steigenden Steuereinnahmen, also wird woanders gespart! Während die Regierungen meinen, sie würden mehr bekommen, werden sie auf lange Sicht genau das Gegenteil erreichen! Die Kostenspirale wird in Zukunft deutlich weniger Steuern für den Staat einbringen und Pleitewellen im Gewerbe und der Industrie mit zunehmender Arbeitslosigkeit, werden die staatliche Geldquelle noch schneller versiegen lassen!

    Die einzige Lösung wäre, dem Bürger mehr Geld zu lassen, damit die Wirtschaft weiter läuft! Einfache ökonomische Regel! Bei ansteigenden Preisen auch noch die Steuern zu erhöhen, führt definitiv in den wirtschaftlichen Abgrund!

    1. Nurmalso
      Antworten

      In unserer deutschen Bundesregierung rechnen nun mal Leute, die keinen Abschluß haben. Es sind durchweg Pfeifen.

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