Die klassische Politik eines Hegemons ist, seine Vasallen für sich arbeiten zu lassen, und als Gegenleistung den Eliten Privilegien zu gewähren. So die Analyse vieler Historiker. Dass dies auch im Fall der USA nun deutlich wird, behauptet ein Artikel, den wir in der Folge zusammenfassen.
In seiner jüngsten Analyse (Originalartikel auf X) argumentiert der Bangkoker Geopolitik-Analyst Brian Berletic, dass die US-amerikanische Nationale Sicherheitsstrategie 2025 keinen Rückzug Washingtons aus der Weltpolitik markiert, sondern deren Umbau: Statt selbst weltweit militärisch präsent zu bleiben, verlagern die USA Kosten und Risiken systematisch auf ihre Verbündeten — organisiert in einem, wie es im Strategiepapier heißt, „Lastenverteilungsnetzwerk“.
Der Inhalt des Strategiepapiers
Das 33-seitige Dokument spricht zwar nicht direkt von Russland und China, verwendet aber durchgehend Formulierungen wie „feindselige und subversive Einflüsse“, die laut Berletic exakt dieselbe außenpolitische Kontinuität bezeichnen. Zentral ist der Abschnitt „Lastenteilung und Lastenverlagerung“: Washington will demnach ein Netzwerk aufbauen, in dem es selbst als Initiator auftritt, während Partnerstaaten über wirtschaftliche Anreize und den Druck, „Reformen“ zu akzeptieren, enger an US-Ziele gebunden werden.
Als Blaupause führt Berletic die Forderung von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth vom Februar 2025 an, wonach Europa seine Verteidigungsausgaben von 2 auf 5 Prozent des BIP anheben müsse — eine Forderung, der Großbritannien, Deutschland und Frankreich prompt nachkamen. Dieselbe Logik erkennt er im Fall Saudi-Arabiens: Riads Krieg im Jemen werde faktisch mit US-Kampfjets, US-Wartung, US-Munition und US-Aufklärungsdaten geführt — nur eben unter saudischer Flagge, während Washington eine militärische Unterstützungsanfrage Riads öffentlich ablehnte, um genau dieses Bild der „Arbeitsteilung“ zu erzeugen.
Was laut Autor des Artikels verschwiegen werde
Das Strategiepapier selbst benenne nicht, dass die zur Rechtfertigung höherer Militärausgaben nötige „Bedrohung“ in weiten Teilen politisch konstruiert werden muss. Berletic macht das an Hegseths eigener Wortwahl fest: Dieser habe explizit gefordert, die Bevölkerung „offen“ über eine Bedrohung zu informieren, die — so die implizite Logik des Artikels — erst durch diese Kommunikation als hinreichend bedrohlich etabliert wird, um unpopuläre Ausgabenkürzungen bei Sozialprogrammen politisch durchsetzbar zu machen. Ebenso unerwähnt bleibt im Papier, dass der Ukraine-Krieg aus Sicht des Autors kein Konflikt ist, den die USA beenden oder verlassen, sondern weiterhin von einem US-Stützpunkt in Deutschland aus mitgeführt wird — inklusive Koordination von Drohnenangriffen auf russische Energieinfrastruktur.
Die offenen Fragen aus dem Strategiepapier
Wenn das Papier gleichzeitig für sich beansprucht, jede Nation dürfe legitim „ihre Interessen an erste Stelle setzen“ — warum wird dieses Prinzip dann faktisch nur für die USA selbst geltend gemacht, während Klientelstaaten zugleich zu höheren Ausgaben und außenpolitischer Gefolgschaft gedrängt werden? Und: Wie belastbar ist die These, dass die medial kolportierten „Spaltungen“ zwischen den USA und Europa, Kanada oder Saudi-Arabien tatsächlich politisches Theater sind — und nicht doch Ausdruck echter Interessengegensätze? Berletic stützt seine Lesart auf Fakten wie fortgesetzte US-Militärpräsenz und -lieferungen, doch die Frage bleibt, wie viel Eigenständigkeit europäischen oder arabischen Regierungen dabei tatsächlich verbleibt.
Was der Artikel nicht beachtet
Der Artikel liefert eine kohärente Struktur — von der Strategieschrift über Hegseths Europa-Direktive bis zu Jemen und Kanada —, stützt seine zentrale These der „künstlich erzeugten Bedrohung“ aber überwiegend auf Plausibilität und Analogieschlüsse, nicht auf direkte Belege dafür, dass die genannten Regierungen (europäische Hauptstädte, Riad, Ottawa) tatsächlich gegen ihre eigenen Interessen handeln. Das jedenfalls behaupten westliche Kritiker. Dass Sanktionen und ihre Folgen insbesondere die Klientelstaaten schädigen, ohne dass diese aufbegehren, am wenigsten die USA selbst, bleibt dabei unbeachtet.
Eigenständige sicherheitspolitische Erwägungen dieser Staaten — etwa reale russische oder jemenitische Bedrohungswahrnehmungen —, so westliche Analyse, würden im Text kaum als eigenständiger Faktor geprüft, sondern durchgehend als Instrument US-amerikanischer Interessenpolitik gedeutet. Was ein valider Einwand ist, aber eben unter dem Gesichtspunkt von „Huhn und Ei“ Problematik gesehen werden muss. Z.B. gab es zuerst die Osterweiterung der NATO, oder zuerst die „Bedrohung“ aus dem Osten?
Bild: Screenshot aus dem erwähnten Artikel von Berletic
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6 Kommentare
Solange die noch jemanden finden, der sich ihnen „unterwirft“ – understand?
Paul Craig Roberts am 16.09.26: „Trump im Weißen Haus zu haben, ist dasselbe wie Netanjahu im Weißen Haus zu haben“ – die integrierte US-Soldateska übergibt dem Nahost-Commando (früher separate Isr-Soldateska) 40.000 Tonnen Bomben, um in Gaza und Libanon für Great Eretz zu bomben. Roberts gibt als Republikaner (einst Reagans Minister) verzweifelte Wahlempfehlungen: „… Eine Stimme für einen Republikaner ist eine Stimme für Israels Eroberungskriege. Es ist eine Stimme für die Vernichtung weiterer Palästinenser und Libanesen und, wenn Israel es wagt, auch der Iraner. Behalte das im Hinterkopf, wenn du diesen Herbst abstimmst. … Die Republikaner gelten als bereit, das Leben anderer Menschen für die Gewinne des militärischen Sicherheitskomplexes zu opfern. Die USA und Europa sollten sich auf einen weiteren Zustrom von Flüchtlingen vorbereiten. …“
Besonders Letztes wird in Westeuropa gerne ausgeblendet – dass man zur Abladefläche für Nebenwirkungen des Great-Eretz-Projekts wurde.
Dass Regierungen gerne gegen nationale Interessen verstossen um die Amerikaner im Allerwertesten aufzusuchen wird nirgends besser demonstriert als in Deutschland, wo die Industrie auf Geheiss aus den USA demontiert wird.
Das nennt sich „späte Reparationen für Wk2″… Russland hatte damals vor 75 Jahren schon deindustrialisiert und die Restindustrie ins Ausland verfrachtet.
Zitat: «Z.B. gab es zuerst die Osterweiterung der NATO, oder zuerst die „Bedrohung“ aus dem Osten?»
Was soll das denn für eine „Bedrohung“ durch Russland 1999 (Polen, Tschechien und Ungarn) und 2004 ( Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Rumänien, Bulgarien und Slowenien) gewesen sein? 2001 wurde der russische Präsident im Deutschen Bundestag mit Standing Ovations gefeiert. Merkwürdige Bedrohung.
2001 ist lange her. Da war die CDU noch eine Partei der linken Mitte und die grünen Linkssozialisten befanden sich noch in der Embryonalphase.
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