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Politik

Selenskyj sanktioniert seine ehemalige Pressesprecherin

0 Kommentare 15. September 2026 4 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Iuliia Mendel, ehemalige Intima und Pressesprecherin von Selenskyj ist Kiew ein Dorn im Auge. Nun gibt es endgültig Sanktionen, nach einem Interview mit Tucker Carlson, in dem sie Kiew vorwirft, nicht an Frieden interessiert zu sein.

Die internationale Presse spricht von einem „beispiellosen“ Schritt, den der ukrainische Präsident unternommen habe, indem er Sanktionen gegen seine eigene ehemalige Pressesprecherin zu verhängt hat. Iuliia Mendel stellte sich bewusst in die Schusslinie, nachdem sie im Mai bei Tucker Carlson aufgetreten war.

Dort sagte sie über Selenskyj: „Es gibt jetzt keine Demokratie in der Ukraine.“ Laut einem einleitenden Abschnitt des Gesprächs mit Carlson: Während des Gesprächs erklärte Mendel, „der einzige Weg, die Ukraine heute zu unterstützen, bestehe darin, sie zu einem Friedensabkommen zu drängen.“ Gleichzeitig nannte sie Wladimir Putin „böse“, bezichtigte aber auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, „böse“ zu sein. Ihm zufolge „spiele Selenskyj vor der Kamera den Teddybären“, verwandle sich aber „in einen Grizzlybären, sobald das Licht ausgehe“ und „zerstöre Menschen“. Die Ukraine wartet seit Jahren auf Wahlen, Selenskyj regiert durch Kriegsrecht weit über seine eigentliche Amtszeit hinaus.

So nannte sie Selenskyj auch „Diktator“ und „größtes Hindernis für den Frieden“ versuchte, Fälle zu schildern, in denen er westlichen Kriegstreibern mehr Gehör schenkte als einigen seiner eigenen Beamten und so einen Weg zum Frieden vereitelte.

Mendel war von 2019 bis 2021 Pressesprecherin des Präsidenten. Sie war von Anfang an dabei, als Selenskyj im Mai 2019 sein Amt antrat.

Mendel ging sofort aber weiter in die Kritik: „Sanktionen gegen ukrainische Bürger sind verfassungswidrig, genau wie viele andere Entscheidungen Selenskyjs. Wolodymyr Selenskyj setzt sie gegen jeden ein, der sich für Frieden in der Ukraine einsetzt. Ich wusste, dass wegen meines Interviews mit Tucker Carlson Anklagen wegen ‚Hochverrats‘ vorbereitet wurden.“

Auf X schrieb Mendel ausführlich:

Heute nennen sie mich prorussisch. Morgen können sie dich genauso nennen.

Fast jeder, der über Frieden und Kompromisse gesprochen hat, wurde ohne Nuancen als „prorussisch“ gebrandmarkt — von der Regierung, ihren Medien und ihren Experten. Jeder realistische Vorschlag für Friedensbedingungen: „prorussisch“. Kritik an Selenskyj, an Korruption, an behördlicher Untätigkeit: ebenfalls „prorussisch“. Dann geht es um deine eigene Meinung. Dann um andere Parteien. Dann um ausländische Journalisten.

Tucker Carlson ist „prorussisch“, weil er Putin interviewt hat. Wenige wissen, dass er Selenskyj viel früher um ein Interview gebeten hat. Selenskyj will sich nicht mit ihm hinsetzen. Tucker ist unberechenbar. Man muss bereit sein zu diskutieren. Selenskyj will ein weiches Interview — ein warmes Bad.

Elon Musk hat humanitäre Korridore aus Mariupol geöffnet und stellt weiterhin Starlink an die Front bereit. Wenn er unbequem ist, ist er „prorussisch“. Wenn er nützlich ist, ist er wieder ein „Freund der Ukraine“. Trump hat eine Logik für das Ende des Krieges skizziert — und wurde überrannt. Der Präsident von Tschechien sagte, die Ukraine brauche Frieden — und wurde gejagt.

Dasselbe Drehbuch wurde bei einer ganzen Liste von Politikern und Ländern angewandt. Die einzige „richtige“ Position ist diese: Schweige über Korruption, eskalieren die Rhetorik und die Angriffe weiter und lasse Zivilisten fast schutzlos. Jage jeden, der aus der Reihe tanzt. Nach dieser Logik kann jeder „prorussisch“ werden.

Die harte Wahrheit ist einfacher. Früher oder später wird es ein Gespräch mit Russland geben müssen. Sonst gewinnt die Diplomatie nicht. Und ohne Luftabwehr für Zivilisten, im fünften Kriegsjahr, mit erdrückender Korruption, sind es die gewöhnlichen Ukrainer, die diesen Krieg weiterhin mit Blut bezahlen.“

Auch im Staatapparat der Ukraine rumort es wieder einmal: Ruslan Kravchenko, bisher Generalstaatsanwalt des Landes, hat die Ukraine wenige Tage nach seinem Rücktritt verlassen, der im Zuge einer Korruptionsuntersuchung erfolgte. Offenbar dürfte auch ein neuer größerer Konflikt zwischen Staatsanwälten und Antikorruptionsbehörden bevorstehen. Kravchenko war von Selenskyj suspendiert worden, direkt nachdem bekannt worden war, dass er das Land verlassen hatte.

Kravchenko habe die Grenze über Nacht überquert, so ukrainische Medien unter Berufung auf Strafverfolgungsquellen. Derselbe Bericht berichtet, dass die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) Kravchenkos Handeln als Teil eines sogenannten „systematischen Angriffs“ auf die unabhängigen Antikorruptionsinstitutionen der Ukraine bezeichneten.

Vermutlich gilt er bald als „prorussisch“….


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