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Politik

Die FlyDubai-Geschichte wird immer irrer je öfter Netanyahu sie erzählt

5 Kommentare 2. Oktober 2026 9 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Gerade als man dachte, Israels Behauptungen zur Notlandung eines FlyDubai-Fluges könnten nicht noch absurder werden … findet Netanjahu einen Weg! Er inszenierte sogar ein Foto-Shooting mit dem blutbefleckten israelischen Klempner, der seiner Aussage nach das Flugzeug übernommen und gelandet hatte.

Die flydubai-Maschine FZ1073 startete am 30. September 2026 gegen 7 Uhr Ortszeit in Dubai mit Ziel Tel Aviv. An Bord einer Boeing 737 Max 8 befanden sich 174 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder. Über jordanischem Luftraum verlor das Flugzeug nach den Daten von Flightradar24 innerhalb von etwa einer Minute rund 16.000 Fuß (ca 4900 m) Höhe, von knapp 33.000 auf etwa 17.000 Fuß. Es sendete zunächst den allgemeinen Notcode 7700, kurz darauf den Code 7500 für unrechtmäßige Einwirkung, kehrte später zu 7700 zurück und landete um 9.45 Uhr Ortszeit sicher in Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens.

Ein erheblicher Teil des Seitenruders war beschädigt oder abgerissen. Der frühere United-Airlines-Pilot und Flugsicherheitsexperte Steve Arroyo zeigte sich gegenüber der AP erstaunt, dass die Maschine unter diesen aerodynamischen Lasten nicht auseinanderbrach. Jeff Guzzetti, früher Unfallermittler bei NTSB und FAA, wies darauf hin, dass bei dieser Sinkrate schon wenige tausend Fuß weniger Ausgangshöhe möglicherweise nicht mehr gereicht hätten, um das Flugzeug abzufangen. Alle Insassen überlebten. Beide Piloten wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Was danach entstand, war keine geschlossene Rekonstruktion, sondern eine Abfolge sich überholender Geschichten. Jede neue Fassung korrigierte die vorherige nicht nur in Details, sondern tauschte Täter, Opfer, Nationalitäten und politische Bedeutung aus. Die deutschen Medien liefen der jeweils letzten israelischen Behauptung hinterher. Netanjahu lieferte parallel die Fassung, die sich am weitesten von den noch offenen Ermittlungen entfernte.

Die erste fertige Geschichte: Russe gegen Ukrainer

Am Morgen des 30. September verbreitete das israelische Portal N12, die digitale Seite des privaten Senders Channel 12, die Zuordnung, im Cockpit hätten sich ein russischer und ein ukrainischer Pilot geprügelt. Die Meldung war zu diesem Zeitpunkt eine Behauptung ohne offizielle Bestätigung. Sie genügte. Die dpa griff sie auf. Web.de veröffentlichte sie unter der Überschrift „Prügelei im Cockpit zwischen russischem und ukrainischem Piloten“. Im Text stand noch, N12 habe dies berichtet und eine Bestätigung fehle. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland titelte ähnlich, das Handelsblatt übernahm die Agenturlage. Die Einschränkung blieb im Fließtext, die Überschrift erklärte die Nationalitäten bereits zur Tatsache.

Die Stuttgarter Zeitung ging einen Schritt weiter. Dort hieß es wenig später, ein russischer Pilot habe offenbar versucht, sich das Leben zu nehmen, sein ukrainischer Copilot habe eingegriffen und wohl 174 Menschen gerettet. D

Beim Deutschlandfunk lässt sich die Unsicherheit besonders klar verfolgen. Eine frühe Meldung beschrieb den Piloten als möglichen Täter und den Copiloten als denjenigen, der ihn mit Unterstützung von Passagieren überwältigt und die Maschine sicher gelandet habe. Bei dem Kampf soll der Copilot eine Stichverletzung erlitten haben. Wenig später kehrte sich die Zuordnung um.

Noch am selben Tag verbreitete die dpa eine deutlich vorsichtigere Fassung unter der Überschrift „Was wir zur ‚Flydubai‘-Notlandung wissen – und was nicht“.

Die Umkehrung und die zweite Heldengeschichte

Der Fall bekam anschließend eine fast groteske Wendung. Israel Hayom berichtete, bei den zusätzlich an Bord befindlichen Piloten habe es sich ausgerechnet um einen Russen und einen Ukrainer gehandelt. Dieselben Nationalitäten, die Stunden zuvor als Gegner durch die Nachrichtenwelt liefen, wären nun gemeinsam zu Rettern geworden.

Die Pointe lag auf der Hand: Während Russland und die Ukraine Krieg führen, retten ein Russe und ein Ukrainer gemeinsam mehr als hundert Menschen. Dass weitere Piloten an Bord eingriffen, ist inzwischen gut dokumentiert. Reuters berichtete von zwei dienstfreien Piloten unter den Passagieren, die an der sicheren Landung beteiligt waren. Der Guardian beschreibt das Eingreifen zusätzlicher Piloten und mehrerer Passagiere. Namen und eine russisch-ukrainische Geschichte bestätigen diese Berichte nicht.

Was die Ermittlungen bisher hergeben

Nach Reuters und AP heißt der verletzte Kapitän Smit Machchhar und ist indischer Staatsbürger. Der mutmaßliche Angreifer ist nach Angaben israelischer Stellen ein omanischer Copilot. Passagiere und Besatzungsmitglieder griffen ein. Weitere an Bord befindliche Piloten halfen, die Maschine unter Kontrolle zu bringen. Flydubai selbst sprach von einer „Auseinandersetzung“ im Cockpit und davon, dass an Bord reisende Crewmitglieder das Flugzeug gesichert und nach Tabuk gebracht hätten. Die Allgemeine Zivilluftfahrtbehörde der Emirate bezeichnete den Vorgang offiziell zunächst als „Sicherheitsvorfall“.

Die Erklärung des saudischen Innenministeriums, wiedergegeben unter anderem von Al Jazeera und Gulf News, stellte nach vorläufigen Ermittlungen unter Beteiligung eines emiratischen Sicherheitsteams fest, der Erste Offizier habe den Kapitän angegriffen, beide hätten Verletzungen erlitten. Die Maschine sei um 9.45 Uhr mit 174 Passagieren und acht Besatzungsmitgliedern sicher gelandet. Passagiere setzten die Reise fort, die beiden Piloten kamen ins Krankenhaus und wurden später in die Emirate zurückgebracht.

Die emiratische Generalstaatsanwaltschaft ordnete eine Untersuchung an, die ausdrücklich klären soll, was den Vorfall auslöste, welches Motiv bestand, ob eine Verbindung zu terroristischer Aktivität vorlag und ob die Tat geplant oder gesteuert worden war. Der Generalstaatsanwalt rief zugleich dazu auf, Spekulationen und ungeprüfte Informationen zu vermeiden, solange die Ermittlungen laufen.

Netanjahus Fassung: Installateur, Blut und ein weiteres 9/11

Netanjahu wartete diese Klärung nicht ab. Bereits am 30. September erklärte er, einer der Piloten habe den anderen erstochen und offenbar versucht, das Flugzeug mit den Passagieren zum Absturz zu bringen. Der schwer verletzte indische Kapitän habe trotz der Verletzungen die Cockpittür geöffnet und damit Passagieren und Besatzung ermöglicht, den Angreifer zu überwältigen. Am 1. Oktober ergänzte er, nach ihm vorliegenden Informationen habe der Copilot eine radikalislamistische Indoktrinierung durchlaufen. Reuters hielt gleichzeitig fest, dass die Untersuchungen weiterliefen und die Emirate noch ermittelten, ob ein terroristischer Hintergrund oder vorherige Planung vorlagen.

Die Fassung, die Netanjahu in Interviews mit Fox News und CNN sowie im persönlichen Empfang ausbreitete, ging darüber hinaus. Im Mittelpunkt stand nicht mehr nur der verletzte Kapitän, sondern der israelische Passagier Yaniv Hayun, von Beruf Installateur. Netanjahu empfing ihn noch in der blutverschmierten Kleidung des Fluges, nannte ihn einen Helden und erklärte, Hayun habe mit kühlem Urteil und Mut „ein weiteres 9/11“ verhindert.

Trump wiederholte die Version: Der Copilot sei vielleicht ein Terrorist oder ein „whack-job“ gewesen, der Pilot habe die Tür öffnen können, ein israelischer Installateur habe eingegriffen. In der Begegnung, die gefilmt und verbreitet wurde, erzählte Hayun, er sei ins Cockpit gekommen, habe einen Piloten am Boden und den anderen über den Instrumenten gesehen, den Angreifer am Hals gepackt und nach hinten gezogen. Auf die Frage, ob er selbst an den Steuerknüppeln gezogen habe, antwortete er, ja, ganz nach hinten, er sehe die Serie „Air Crash Investigation“. Danach hätten die dienstfreien Piloten übernommen.

Netanjahu quittierte den Beruf des Mannes mit dem Satz, er habe diesmal einen besonders großen Stau beseitigt, und verglich den gesamten Vorgang mit Hollywood: so unglaublich, dass man ihn nicht für wahr halten würde, wäre er nicht geschehen.

In einer Fox-Fassung sprach Netanjahu davon, der Angreifer habe den Kapitän erstochen oder mit einer Axt getroffen; der Kapitän blute stark und kämpfe um sein Leben. Passagierberichte, die der Guardian wiedergab, nennen neben Hayun den Zahnarzt Shota Musayev, der den verletzten Kapitän versorgte, sowie weitere Passagiere, die den Angreifer festhielten.

Wie schwer die Verletzungen genau waren, bleibt offen. Berichte, die von nahezu abgetrennten Kopf- und Handverletzungen sprachen, stehen im Gegensatz zu der Darstellung, der Kapitän habe danach noch die Tür öffnen und den Angreifer mit überwältigen können. Die emiratische und die saudische Seite haben dazu keine medizinischen Details veröffentlicht.

Auffällig ist auch die Geschwindigkeit der politischen Einordnung. Netanjahu sprach von einem vereitelten Anschlag, von radikalischer Indoktrinierung und ließ die Frage nach iranischer Beteiligung im Raum. Die Ermittlungsbehörden der Emirate und Saudi-Arabiens sprachen zu diesem Zeitpunkt von einem Angriff im Cockpit und einer laufenden Untersuchung. Der Unterschied ist nicht semantisch. „Der Copilot hat den Kapitän angegriffen, Motiv unbekannt“ ist ein anderer Satz als „vereiteltes 9/11 durch islamistischen Attentäter, gestoppt vom israelischen Installateur“.

Die Parabel kommt vor dem Befund

Am 1. Oktober lieferte Brendan O’Neill, politischer Chefautor des britischen Magazins Spiked, die dritte Erzählung. Die Überschrift lautete: „Die Lehre aus Flydubai? Legt euch nicht mit Zionisten an.“ Die Unterzeile erklärte den Heldenmut an Bord zur Erinnerung daran, dass die jüdische Nation gekommen sei, um zu bleiben. O’Neill beschreibt die Intervention des verletzten Kapitäns Machchhar und mehrerer israelischer Passagiere ausführlich.

Wesentliche Teile dieser Rettungsgeschichte sind auch aus anderen Quellen bekannt. Er bleibt jedoch nicht bei den Handlungen. Die Passagiere verkörpern für ihn israelischen beziehungsweise zionistischen Lebenswillen. Ihre Gegenwehr wird zum Ausdruck einer Nation, die sich nicht unterwerfen lasse. Die Konfrontation beschreibt er als Gegensatz zwischen einer „Kultur des Todes“ und Menschen, die das Leben lieben. Die Rettung von FZ1073 wird damit zum Symbol israelischer Existenzbehauptung.

Physikalische Fragen

Die physische Notlage ist durch Flugdaten, die Landung in Tabuk und die Beschädigung des Seitenruders belegt. Dass Passagiere und weitere Piloten eingriffen und die Maschine stabilisiert wurde, ist ebenfalls dokumentiert. Offen bleiben Motiv, genaue Tathergänge im Cockpit, die Schwere der Verletzungen und die Frage, ob eine Planung vorlag.

Die saudischen und emiratischen Stellen haben genau diese Offenheit benannt und vor Spekulation gewarnt. Die politischen Erzählungen – vom russisch-ukrainischen Cockpitkampf über die gemeinsame Rettung durch Russe und Ukrainer bis zur zionistischen Parabel und dem blutverschmierten Installateur, der dank Fernsehserie ein weiteres 9/11 verhindert – waren früher fertig als die Ermittlung. Je öfter die Geschichte erzählt wurde, desto geschlossener wurde sie.

Die Tatsachen befanden sich noch im Anflug.

Vor allem ist der Sturzflug um knapp 5000 Meter interessant. Dass da Passagiere nach vorne gelaufen sein sollen auf einem vermutlich steil nach unten gerichteten Flugdeck und bei annähernder Schwerelosigkeit, wäre eine tolle Leistung. Wobei ein Installateur schafft das vielleicht …. um dann bei Netanyahu am Boden aufzuschlagen.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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5 Kommentare

  1. therMOnukular
    Antworten

    Es steht auch die Behauptung und Frage im Raum, dass/warum die Sauerstoffmasken nicht aktiviert wurden.
    Was die Physik betrifft, so würde ich sagen, der Sturzflug kam wohl vielleicht erst durch den Kampf, als sich alle Beteiligten bereits im/vor dem Cockpit befanden.
    Warum ausgerechnet das Heckruder abreißt, ist auch schleierhaft, da dazu eher Seitenkräfte nötig wären. Wenn der Sturzflug geradeaus erfolgte und der „Retter“ lediglich das Steuer nach hinten zog…..

    Nichts passt hier zusammen.

    Was war nochmal eines der häufigsten Probleme dieses Flugzeugtyps?……
    Könnte auch ein „simpler“ Flugnotfall durch Materialschaden sein, den man zur Heldensaga spinnt.
    Nur eines ist zu 100% gewiss: die offizielle Story ist falsch.

  2. VerarmterAdel
    Antworten

    ISrahell.Lügt.Immer.

  3. Varus
    Antworten

    @“Dass da Passagiere nach vorne gelaufen sein sollen auf einem vermutlich steil nach unten gerichteten Flugdeck und bei annähernder Schwerelosigkeit, wäre eine tolle Leistung. Wobei ein Installateur schafft das vielleicht …. um dann bei Netanyahu am Boden aufzuschlagen.“

    Wenn man vor 3800 Jahren von Jhw persönlich zum Welt-Besitzen auserwählt wurde, hat man natürlich Superkräfte, welche Gojims nicht haben. Auch auf dem Wasser ist schon mal einer gegangen. Spüre ich da etwa Neid? Schalom!

    1. therMOnukular
      Antworten

      Kennen Sie Fredl Fesl? Der besang vor vielen Jahren, wie es einst wirklich war….:

      „…und sie hobm eam gs’sehn rübergehen, übern See Genezareth
      und hobm eam g’frogt wia bist da umekumma –
      do hot er g’sogt i hob an Onlauf gnumma…..“

  4. Jurgen
    Antworten

    Wenn man seine Geschichte am Zielpublikum neu ausrichten muss, leidet schon mal der Inhalt unter Wahrheitsverbiegung. ODER der Alte ist schon dement und dadurch unter Zeitdruck.

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