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Politik

Krieg an der jemenitisch-saudischen Grenze eskaliert

0 Kommentare 1. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Seit dem Auslaufen der Waffenruhe von 2022 hatte sich der Jemen-Krieg in einem fragilen Patt befunden. Diese Phase ist im September 2026 zu Ende gegangen – und zwar spektakulär.  Ansar Allah (Huthis) rückt vor – Taiz und Aden sind nun im Fokus, die saudischen Verluste nehmen zu und Fatwa des saudischen Großmuftis soll anfeuern.

Seit Anfang September 2026 haben die von Ansar Allah (Huthis) geführten Kräfte in Jemen eine rasche Offensive entlang der Rotmeerküste geführt. Sie eroberten wie berichtet den Hafen Mocha, weitere Küstenabschnitte und Inseln am Bab al-Mandab und bedrohen nun die strategischen Höhen und Versorgungsrouten um Taiz. Die international anerkannte, von Saudi-Arabien unterstützte Regierung hält noch die südlichen Bevölkerungszentren Taiz und Aden. Analysten und Regierungsquellen bezeichnen den Fall dieser Städte als potenziell kriegsentscheidend.

Ansar Allah versucht, die kritische Verbindungsstraße zwischen Taiz und Aden (Hejat al-Abd / Hijat al-Abd) abzuschneiden. Eine erfolgreiche Einkreisung von Taiz würde die Versorgung der Regierungsstreitkräfte abschneiden und den Weg nach Aden öffnen. Regierungsnahe Kräfte melden, Angriffe abgewehrt zu haben; die Kämpfe in den Bergen und Tälern westlich und südwestlich von Taiz dauern an. Die WHO schätzte Ende September, dass seit der erneuten Eskalation im August mehr als 800 Menschen getötet und Tausende verletzt oder vertrieben wurden.

Saudische Verluste und Grenzlage

Ansar Allah meldet wiederholt schwere Schläge gegen saudische und verbündete Stellungen, unter anderem in Jazan und an der Grenze. Eine Aussage des Militärsprechers Yahya Sarea sprach von dutzenden ballistischen Raketen und Drohnen, die Hunderte Tote und Verletzte unter saudischen und alliierten Truppen (einschließlich jemenitischer und sudanesischer Kräfte) verursacht hätten. Unabhängige Bestätigungen der genauen Zahlen fehlen. Houthi-nahe und pro-Sanaa-Quellen berichten zudem von getöteten hochrangigen Offizieren pro-saudischer Brigaden in den Kahbub-Bergen und bei Taiz. Saudi-Arabien setzt verstärkt auf Luftschläge und meldet Abfangaktionen; gleichzeitig werden Verluste und die Abhängigkeit von Söldnern und lokalen Milizen sichtbar.

In saudischen Kreisen und in Analysen wird die Sorge geäußert, dass ein Zusammenbruch der Grenzverteidigung in Najran und Asir den Weg für weitere Vorstöße freimachen könnte. Beobachter und saudische Kommentatoren haben öffentlich von der Gefahr gesprochen, dass jemenitische Kräfte bis nach Mekka und Medina vorstoßen könnten – ein Szenario, das die Existenzgrundlage des Königreichs bedrohen würde. Solche Aussagen sind ungewöhnlich und deuten auf eine angespannte Lage hin.

Religiöse Mobilisierung

Der saudische Großmufti Scheich Saleh bin Fawzan Al-Fawzan rief in einer seltenen und scharf formulierten Erklärung die Grenztruppen auf, bereit zu sein, ihr Leben im Kampf gegen die Houthis zu opfern. Er bezeichnete die Gruppe als korrupte, ketzerische und kriminelle Bande, die die heiligen Stätten bedrohe, und forderte die Vernichtung der Houthis und ihrer Unterstützer. Die Erklärung wurde über die staatliche Nachrichtenagentur verbreitet und stützt sich auf Koranverse und Hadithe zu Dschihad und Grenzverteidigung.

Ausblick

Der erneute Ausbruch der Kämpfe ist eng mit dem größeren regionalen Konflikt um den Iran verknüpft. Ansar Allah hat die Kontrolle über den Bab al-Mandab und Teile der Rotmeerküste gefestigt und setzt die saudisch gestützten Kräfte unter Druck.

Die Regierungsseite und Riad versuchen, die Fronten zu stabilisieren, während die humanitäre Lage sich weiter verschlechtert. Die Fatwa des Großmuftis sieht er als Zeichen der Verzweiflung.

Die Entwicklung bleibt dynamisch. Ob Ansar Allah die verbliebenen Bevölkerungszentren einnehmen kann und wie Saudi-Arabien und seine Verbündeten reagieren, wird die nächsten Wochen und Monate bestimmen.

Der Jemen-Krieg ist kein Nebenschauplatz mehr. Er ist zur entscheidenden Front im Kampf um die Kontrolle des Roten Meeres und der globalen Energieflüsse geworden – und Saudi-Arabien verliert ihn.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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