Seit Tagen wird über den wieder aufgeflammten Bodenkrieg Saudi-Arabiens gegen den Jemen berichtet, wobei Erfolge der Regierung in Sanaa oft übertrieben werden. Was im Jemen passiert, scheint weit weg zu sein, aber es könnte die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen Welt betreffen. Was ist wirklich im Jemen passiert? Welche Auswirkungen hat das für Europa?
Mehrere voneinander unabhängige Agenturen – Reuters, AP/The New Arab und Xinhua – melden übereinstimmend, dass die „international nicht anerkannte“ Regierung in Sanaa unter Führung der Ansarallah (kurz: die Sanaa-Regierung) am Donnerstag (10. September) die Kontrolle über Mokha übernommen hat. Kräfte der „international anerkannten“ Regierung zogen sich demnach Richtung Dhubab zurück, näher an die Meerenge selbst. Was hinter den beiden Begriffen steckt erklären wir weiter unten.
Einige Meldungen im Internet behaupteten, die Sanaa-Regierung habe bereits „in der Nacht“ die gesamte Küste einschließlich Mokhas eingenommen, kontrolliere Bab al-Mandab uneingeschränkt und könne die Meerenge „nach Belieben“ schließen; die saudisch gestützten Kräfte seien „total kollabiert“.
Was der Kriegsverlauf jetzt zeigt
Nach übereinstimmenden Reuters-Angaben (bestätigt von drei jemenitischen „Regierungsvertretern“) hat die Sanaa-Regierung Mokha eingenommen; vier weitere Militärquellen sprechen zudem von einer nahezu vollständigen Kontrolle über Dhubab, das direkt an der Meerenge liegt, sowie von Vorstößen auf die Inseln Zuqar und Hanish im Roten Meer.
Xinhua berichtete unter Berufung auf einen Militärvertreter vor Ort, Regierungstruppen seien nach stundenlangen Kämpfen Richtung Dhubab abgezogen; gleichzeitig habe die saudi-arabische Luftwaffe rund 40 Luftschläge auf Taiz, Hodeidah, Al-Jawf und Marib geflogen – ohne dass es dazu eine saudische Stellungnahme gab.
Nicht bestätigt ist bisher die „totale“, bereits vollzogene Kontrolle über die gesamte Meerenge selbst oder eine tatsächliche Sperrfähigkeit „nach Belieben“ – Dhubab wird sowohl in westlichen als auch neutralen Quellen Chinas oder Indiens als „nahe an“, nicht als vollständig eingenommen beschrieben. Jedoch melden auch ansonsten zuverlässige alternative Medien mit guten Quellen die „überwiegende“ Kontrolle. Selbst Nawfal titelt einen längeren Medienbeitrag mit „Iran und Houthis gewinnen deutlich„.

Weshalb man nicht wirklich sagen kann, ob die großartigen Gewinne nur aus Sensationsgründen existierten, oder interessierte Kreise ganz einfach versuchen, diese Gewinne im Nebel des Krieges so lange wie möglich zu verschleiern. Denn es gibt ja im Jemen auch andere Schlachten, als an der Küste.
Gestern Abend berichtete der Military Summary Channel, dass die Gebietsgewinne an der Küste durch die Kämpfer der Ansarallah so schnell gingen, dass die gegnerischen Kräfte sich Zeit erbaten, um abziehen zu können. Auch Insel seien inzwischen durch die Regierung in Sanaa in Besitz genommen worden, was einfach unglaublich erscheint, angesichts der fehlenden größeren Marineeinheiten und der Überlegenheit Saudi-Arabiens, auch durch deutsche Kriegsschiffe. Der Military Summary Channel vertritt die Meinung, dass diese Offensive anscheinend das Ziel hat, die Einfahrt zum Roten Mehr endgültig und komplett unter die Kontrolle von Sanaa zu bringen, um die Blockade durchsetzen zu können.

Die Nordfront: die andere Seite der Karte
Es ist noch unklar, ob die Invasion Saudi-Arabiens im Norden als Entlastung und gegen eine Eroberung der Küstenzone dienen sollte, oder der Auslöser dafür dafür war, dass Sanaa versucht, die Kontrolle und Blockade „dicht“ zu machen. Für den Jemen bzw. die Regierung in Sanaa ist dieses Aufflammen des Krieges in erster Linie motiviert worden durch die Verteidigung der Rechte der Menschen in Gaza bzw. Palästina. Weshalb Kritiker Saudi-Arabiens auch erklären, dass das Land den Krieg stellvertretend für Israel führt.
Wichtig für die Einordnung: Parallel zum Vorstoß der Sanaa-Regierung an der Westküste läuft im Norden und Zentrum des Landes eine Gegenoffensive der „international anerkannten Regierung“ (Präsidialrat, PLC) bzw. Saudi-Arabiens. Laut Al Jazeera hat der PLC erklärt, Sanaa zurückerobern zu wollen, und meldet Geländegewinne bei Yatma in der Provinz Al-Jawf sowie am Rand von Al-Bayda. Die dokumentierten Geländegewinne im Norden gehen aktuell auf das Konto der Regierung in Aden, nicht von Sanaa, sagen westliche Quellen.
Die Ölpreise stiegen wieder auf über 105 US-Dollar, und es wird erwartet, dass sie auf Grund dieser Entwicklungen noch weiter dramatisch steigen werden. Als Folge könnten die Auswirkungen nicht nur dramatisch für die Wirtschaft in der EU werden, sondern auch zum Zusammenbruch der Ukraine führen, während Russland durch die gestiegenen Ölpreise unerwartete Sondergewinne einfahren kann.
Die westliche Berichterstattung
In der westlichen Berichterstattung wird der Vorstoß der Sanaa-Regierung auch fast ausschließlich als Bedrohung der globalen Schifffahrt durch eine „iranisch unterstützte“ Kraft gerahmt. Ausgeblendet bleibt dabei meist, dass die „international anerkannte“ Gegenseite über keine demokratische Legitimation im eigenen Land verfügt, dass ihr seit 2022 amtierender Präsidialrat nicht gewählt, sondern von Saudi-Arabien und den VAE eingesetzt wurde, und dass die humanitäre Lage im ganzen Land nach über einem Jahrzehnt Krieg und Blockade katastrophal bleibt – unabhängig davon, wer welche Frontlinie hält.
Die Legitimationsfrage: Was am 13. August 2016 in Sanaa tatsächlich geschah
Die Frage, seit wann eine jemenitische Regierung nach Abdankung und Exilgang der Vorgängerregierung durch eine Wahl gewählter regionaler Vertreter legitimiert wurde, verweist auf die Parlamentssitzung vom 13. August 2016 in Sanaa. Ein chinesischer Reporter, der angeblich vor Ort war, berichtete in Xinhua, 142 von 275 verbliebenen Abgeordneten seien anwesend gewesen und hätten einstimmig der Bildung des „Hohen Politischen Rates“ zugestimmt – bei einem Quorum von 138 (50 % von 275). Dies unter konstanter Bombardierung der Hauptstadt durch Saudi-Arabien.
Westliche und eher neutrale Medien, die sich auf westliche Quellen stützten, bestätigten das nicht. Sie zeichnen ein anderes Bild.
- Nach AFP-Angaben, verbreitet über Rappler, nahmen 91 der 301 Abgeordneten teil – nicht 142.
- Nach einer separaten, über Middle East Eye dokumentierten Al-Arabiya-Zählung waren es 80 bis 85 Abgeordnete.
- Beide Quellen benennen das verfassungsmäßige Quorum übereinstimmend mit über 150 der 301 Sitze – nicht mit 138.
- Mehrere der abgedankten Regierung nahe stehenden Abgeordnete berichteten laut Asharq Al-Awsat, sie seien vom mit die Sanaa-Regierung verbündeten Ex-Präsidenten Saleh unter Androhung von Gewalt zur Teilnahme gezwungen worden; andere hätten versucht, aus Sanaa zu fliehen.
- Der im saudischen Exil amtierende Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi erklärte die Sitzung laut Rappler/AFP für verfassungswidrig und „ohne jede Rechtswirkung“. Nachdem er aber offiziell abgedankt hatte, und nach Saudi-Arabien ins Exil gegangen war, wo er dann überzeugt worden war, die Regierung im Exil zu betreiben.
Unabhängig von der Zählweise gilt: Die Sitzung fand im bereits 2003 gewählten, seither nicht erneuerten Parlament statt, in ihrer Beschlussfähigkeit „umstrittene“ – Abstimmung von Rest-Abgeordneten eines seit Jahren nicht mehr gewählten Gremiums.
Bis heute (Stand September 2026) hat kein UN-Mitgliedstaat die Sanaa-Regierung – weder den 2016 gebildeten Hohen Politischen Rat noch dessen Nachfolgeorgane – als Regierung des Jemen anerkannt.
Mit anderen Worten: Eine Regierung, die nach Abdankung und Exilgang der Vorgängerregierung durch eine tatsächliche Wahl gewählter regionaler Vertreter legitimiert worden wäre, hat es im Jemen seit 2015 auf keiner der beiden Kriegsparteien-Seiten gegeben, wenn man westlicher Argumentation folgt. Die 2016 verkündete „Bestätigung durch die Bewohner des Landes“ bezieht sich demnach zufolge auf eine Parlamentssitzung mit umstrittener Beschlussfähigkeit – nicht auf eine Wahl. Dies unter dem Eindruck, dass der Präsident im Exil auch nicht verfassungskonform gewählt worden war, weil er ohne Alternative zur Wahl angetreten war, und seine Amtszeit lange überschritten hatte, ohne eine Wahl durchzuführen. Aber trotzdem als „international legitimiert“ angesehen wird.
Zusammenfassung
Im Jemen findet auch ein Stellvertreterkrieg statt. Saudi-Arabien als Vertreter der alten Kolonialmächte gegen die revolutionäre jemenitische Regierung unter der Führung von AnsarAllah als Vertretung des globalen Südens, das sich in einem neuen antikolonialen Kampf sieht. Wieder unterstützt durch China, dem Nachfolger der Sowjetunion, Russland, und vor allen Dingen dem Iran.
Wie der Kampf ausgehen wird, ist noch unklar. Saudi-Arabien hatte sich offensichtlich auf die Seite Israels geschlagen, und, im weitesten Sinn, die Aufgabe übernommen, die Blockade des Roten Meeres durch Sanaa, als Spiegelmaßnahme gegen die Blockade Israels von Gaza, aufzuheben. Damit ist die vermutliche Vermittlung Chinas, die angeblich zu dem letzten Waffenstillstand führte, wieder hinfällig geworden. Für Saudi-Arabien ist dies ein heikles Unterfangen. Denn anders als in kleineren Staaten mit Diktaturen am Golf gibt es eine durchaus nicht mit der Regierungsführung einverstandene Gruppierung im Land. Sollte die Regierung in Sanaa nun beginnen die Ölförderanlagen Saudi-Arabiens noch stärker in den Fokus zu nehmen, könnte nicht nur die finanzielle Situation des Landes sich weiter verschlechtern, sondern auch die Unzufriedenheit in der Bevölkerung einen kritischen Schwellenwert erreichen. Es ist erstaunlich, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman dieses Risiko eingeht.
Es wird langsam klar, dass, begonnen mit dem vermutlichen Völkermord in Gaza und dann dem Angriffskrieg gegen den Iran, wie vorhergesagt, die ganze Region in Flammen aufgeht. Allerdings ist noch lange nicht klar, ob die Kolonialmächte und ihre Stellvertreter in der Region als Sieger daraus hervorgehen werden, und ihr Regime aufrecht erhalten werden können. Eins ist sicher: Unter den größten Verlierern werden die europäischen Staaten sein, die von Energielieferungen aus der Region abhängig sind, weil sie sich von Russland bewusst abgekoppelt hatten.
Bild: Screenshot von Video über den Krieg im Jemen
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6 Kommentare
Zitat:
Die Huthis haben demnach die Insel Perim eingenommen und damit die gesamte jemenitische Seite des Bab al-Mandeb in die Hand bekommen.
Mayun, wie die Jemeni sie nennen, liegt am engsten Punkt der Meerenge, 12 Meilen von Afrika entfernt.
Zusammen mit dem Dorf Murad würde das bedeuten, dass die Huthis nun demnach jeden Meilenabschnitt der jemenitischen Westküste kontrollieren.
CNN stand diese Woche mit der Regierungsgarnison auf dieser Insel, die eigentlich dafür sorgen sollte, sie zu halten.
Was der jemenitische Offizielle dort sagte, liest sich nun wie eine Vorhersage. Wenn die Huthis Perim einnehmen würden, bräuchten sie keine Langstreckenraketen mehr und könnten die Meerenge einfach verminen, so wie Iran den Hormuz.
Sein Vizepräsident warnte, es würde eine massive internationale Streitmacht und mehrere Marinen erfordern, um sie wieder herauszudrängen.
Washington hat 20 Kriegsschiffe auf Hormuz fixiert und nichts in Reserve.
Beide Ölknotenpunkte der Welt werden nun von Teheran und seinem engsten Verbündeten kontrolliert.
Quelle: @TabzLIVE
auf TG/ Autor: Daniel
die °°arabische nato°° , türkei, pakistan helfen ihren verbündeten saudi arabien auch nicht aus
der bredouille, vor allem nachdem grosse teile der regulären jemenitische armee mit unmengen an
us-amerikanischen militärmaterial zu den houti rebellen übergelaufen sind.
dort werden jetzt die karten neu gemischt und auf den wertewesten kommen harte zeiten zu.
Zitat:
MBS soll gestern zweimal bei Trump angerufen haben, um US-Schläge gegen die Huthis zu erbitten.
Die Huthis hatten gerade Mokha erobert und rückten näher an Bab al-Mandab heran, aber Trump sagte beide Male nein.
Seine Priorität ist es, die US-Streitkräfte auf den Iran und die Straße von Hormus fokussiert zu halten, nicht eine zweite Front im Jemen zu eröffnen.
Washington hilft immer noch. Die USA stellen Saudi-Arabien Aufklärungsinformationen und Zielkoordinaten zur Verfügung, wobei rund 200 amerikanisches Personal bereits vor Ort in nicht-kinetischen Rollen tätig ist.
Im Juli sagte Riad noch, es könne die Huthis allein bewältigen. Na ja, das war’s dann wohl…
Quelle: Axios / Autorin: Julie
mit europa’s hilfe hat der banderakokser die russischen raffinerien teilweise demoliert.
zur zeit scheinen weltweit die störung von raffinerien ganz oben in der agenda zu stehen,
die reserven gehen zu ende und die tanker werden dezimiert.
nächstes jahr wird spannend werden, energiemangel, düngermangel, gestörte lieferketten usw.
Zitat:
Also in 24 Stunden haben Ansar Allah, auch bekannt als die Huthis, 2 Städte, eine Insel erobert, Tausende von Soldaten getötet oder gefangen genommen, Besitz von Tausenden von US-Panzern und Waffen ergriffen, alle ehemaligen Huthi-Gefangenen befreit und wurden als Befreier begrüßt.
Vielen Dank, Herr Trump, für Ihre Aufmerksamkeit zu dieser Angelegenheit. OHNE SIE, DIE DEN IRAN-KRIEG BEGONNEN HABEN, WÄRE DAS NICHT PASSIERT.
Jetzt sind der Iran und der jemenitische Ansar Allah die zwei mächtigsten Länder in der Region. Darüber hinaus ist der Iran zu einer globalen Supermacht geworden. Gemeinsam kontrollieren sie die Schifffahrtsrouten von 30 % des globalen Energieangebots, für immer. Saudi-Arabien kann kein Öl mehr exportieren, es sei denn, sie erhalten die Erlaubnis von den Huthis.
Und wenn sie nicht bald einen Deal machen, werden sie nicht mehr in der Lage sein, überhaupt Öl zu produzieren, weil die Huthis ihre Pipelines, Häfen, Tanker-Schiffe, Ölfelder, Raffinerien und Ölstabilisierungsanlagen in nur ein paar Tagen zerstören können. Und niemand kann sie aufhalten.
Dann reden wir von einer globalen Katastrophe mit weit verbreiteter Hungersnot, Bürgerkriegen und einer globalen Depression.
Dieses Filmmaterial von Al Jazeera zeigt einiges von der Ausrüstung, die den Jemeniten in Mokha zum Erbeuten zurückgelassen wurde. Wenn sie wollten, könnten sie all diese neue Ausrüstung nutzen, um Saudi-Arabien zu invadieren. 🤯
https://x.com/TomthunkitsMind/status/2098076773372002802 (Interessante Bilder)
Es geht um GREATER ISRAHELL und nur um GREATER ISRAHELL. Das kleine massenmordende Drecksland will die Schaltstelle zwischen Afrika, Asien und EUropa kontrollieren.
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