Lokale Schülerproteste in Frankreich sind in wenigen Tagen zu einem politischen Konflikt eskaliert. Jugendliche (vorwiegend migrantisch) setzen Schulgebäude in Brand – auch im Zeichen „gegen Rechts“. Ein Vorgeschmack darauf, was passieren wird, wenn Le Pen die Wahlen gewinnt.
Es begann mit Protesten gegen überfüllte Klassen, baufällige Schulen und fehlende Lehrer. Mittlerweile zieren Palästina-Flaggen, Anti-Le-Pen-Rufe und Brände an Schulen die Proteste. Videos zeigen, wie Lehrer von einem Schülermob gejagt und geschlagen werden. Die Stimmung ist enorm zugespitzt und spiegelt den politischen Konflikt, in dem Frankreich steckt. Die linkspopulistische, pro-islamische Bewegung La France insoumise unterstützt die Proteste und spricht von einer legitimen Jugendbewegung. Rechtspolitiker lesen sie als Vorboten von Chaos, kulturellen Konflikten durch die Zuwanderung und nationalem Niedergang.
Die Mobilisierung startete in einem gesellschaftlichen Hotspot, in der Île-de-France, vor allem in Banlieues wie Saint-Denis. Die Gegenden sind berüchtigt für hohe Kriminalität, migrantische Parallelgesellschaften und kaum noch indigene Franzosen. Es begann damit, dass Schüler Eingänge blockierten. Offenbar, weil Stunden ausfielen, Vertretungen fehlten und Gebäude von Schimmel, Ratten oder extremen Temperaturen geprägt waren. Schnell verbreitete sich der Protest.
Bis Mittwoch waren nach Angaben des Innenministeriums 356 Lycées betroffen. Am Donnerstag schlossen sich Studierende an: Die Union étudiante meldete Blockaden an rund 30 Campussen, darunter in Paris, Lyon, Marseille, Strasbourg und Nanterre. Zugleich wurden die Proteste militanter.
Innenminister Laurent Nuñez sprach von 625 Festnahmen (vorwiegend Minderjährige) allein am Mittwoch und von 83 verletzten Polizisten und Gendarmen. Bildungsminister Édouard Geffray zählte seit Beginn 119 Verletzte unter Schülern und Personal, viele davon Schulleiter und Lehrer. Mülltonnen brannten, Mörser wurden abgefeuert, in Nantes griff ein Feuer auf das Lycée Nelson-Mandela über.
Bisher sieht es nicht so aus, als könnten die Proteste kurzfristig eingefangen werden. Und sie stehen zunehmend exemplarisch für den politischen Konflikt in Frankreich.
Jean-Luc Mélenchon, der trotzkistische Kopf der neuen populistischen links-islamischen Massenbewegung und Präsidentschaftskandidat, schrieb am 28. September auf X:„Die Schulen in Bewegung sind harmlos. Die Regierung Lecornu hat die Repression angeordnet. Diese Wildheit ist unverantwortlich und hat einen offenkundig rassistischen Beigeschmack. Finger weg von unseren Jugendlichen. Gewählte und Aktivisten der Insoumis, stellt euch überall dazwischen, wo ihr könnt.“
LFI-Mandatsträger erschienen vor Schulen und tanzten mit den Jugendlichen, oft neben gelegtem Feuer. Der Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, der gerne als „französischer Obama“ bezeichnet wird, legitimierte gewalttätige Ausschreitungen. Sie seien eine Reaktion auf Ohrfeigen des Systems. Gewalt, so der Bürgermeister, könne „teilweise legitim“ sein, allerdings gelte es, sie zu verhindern.
‼️🔥🇫🇷 𝗔𝗟𝗘𝗥𝗧𝗘 𝗜𝗡𝗙𝗢 — Le lycée Nelson-Mandela, à Nantes, est ravagé par les flammes à la suite d’un incendie volontaire survenu lors d’un blocus de l’établissement. pic.twitter.com/caVk3Hbxcq
— Bastion (@BastionMediaFR) October 1, 2026
Für die Partei geht es um unterfinanzierte Bildung in ärmeren Vierteln und um den Widerstand gegen geplante Sparmaßnahmen im Haushalt 2027. Premierminister Sébastien Lecornu und Präsident Emmanuel Macron verurteilten die Gewalt scharf; Bruno Retailleau stellte sogar die Frage nach einem Verbot von LFI.
Auf der anderen Seite steht die politische Rechte Frankreichs. Sie deutet die Proteste ganz anders, nämlich nicht als Bildungsproblem, sondern als eine Generalprobe für den Machtantritt der Linken. Zemmour formulierte das am Mittwoch so:
„Die Gewalt der letzten Tage in der Nähe der Lycées, in verlorenem Gebiet Frankreichs, ist nicht harmlos. Abgeordnete der extremen Linken unterstützen und entschuldigen sie. Man muss sie daher als das sehen, was sie sind: eine Generalprobe, ein Vorgeschmack in kleinem Maßstab auf das Chaos, das Mélenchon und LFI für Frankreich vorbereiten.
Mélenchon kennt die Geschichte. Er weiß, dass jede Revolution Agitatoren, nützliche Idioten und Schläger braucht, um den Terror im Land zu installieren, bis es schließlich nachgibt. Robespierre hatte seine Sansculotten, Lenin seine Roten Garden. Mélenchon hat seine Banden von Gesindel. Die Epoche ändert sich, aber die Methode ändert sich nicht.
Wir werden Frankreich nicht diesem Bündnis der extremen Linken und des Gesindels ausliefern. Wir werden sie unermüdlich bekämpfen, denn Frankreich hat sein letztes Wort noch nicht gesprochen.“
Politische Beobachter analysieren den Schulterschluss zwischen Jugend und LFI teilweise fasziniert. Die Jugendlichen danken mit Anti-Le-Pen-Gesängen und Palästina-Flaggen (LFI ist explizit und deutlich antizionistisch und pro-palästinensisch), doch was passiert, wenn Le Pen an die Macht kommt?
Philippot kommentierte den Brand in Nantes mit der Frage, ob die Regierung völlig überfordert sei oder das Chaos absichtlich suche. Im Lager Le Pens und des Rassemblement National wird die gleiche Linie vertreten: Die Blockaden seien eine Instrumentalisierung Minderjähriger durch die extreme Linke, die in den Vorstädten bereits verlorene Kontrolle sichtbar mache und sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl 2027 den Ausnahmezustand proben wolle.
🔴🔥 FLASH | L’entrée du lycée Alphonse Daudet de Nîmes (30) a été mise à feu, sur fond de slogans et tags anti-Israël. pic.twitter.com/Noxqysis2Z
— French Report (@french_report78) October 1, 2026
Die Faktenlage bleibt zweigeteilt. Die Klagen über Lehrermangel und marode Bausubstanz sind dokumentiert und werden selbst von der Bildungsministerin in Teilen als berechtigt anerkannt. Wie viel die Proteste aber noch mit der Situation an den Schulen zu tun haben, steht offensichtlich zur Frage.
Frankreich hat wohl seinen politischen Auftakt für das Wahljahr 2027 schon ein paar Wochen vor Silvester erlebt.
Bild KI
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