Brasiliens Präsidentschaftswahl geht in die Stichwahl, und es führt ein Name, vor dem der globale linksliberale Mainstream vor allem während Corona zitterte: Bolsonaro.
Senator Flávio Bolsonaro (PL), Sohn des politisch verfolgten und inhaftierten Ex-Präsidenten, hat die erste Runde der brasilianischen Wahl mit 47,05 Prozent vor Amtsinhaber Lula (45,1 Prozent) gewonnen. Er geht als klarer Favorit in die Stichwahl am 25. Oktober. Auch im Kongress verzeichnete die brasilianische Rechte einen Erdrutschsieg – man folgt dem südamerikanischen Trend, der den latino-sozialistischen Projekten überall zusetzt. Ein Politikwechsel, der ein jahrzehntealtes politisches Projekt begräbt und auch nach Europa schwappt.
Flávio Bolsonaro, 45, war bis vor wenigen Monaten ein wenig bekannter Senator. Doch mit der 27-jährigen Haftstrafe gegen Jair Bolsonaro wegen eines Putschversuchs übernahm er das Erbe seines Vaters, der 2022 knapp gegen Lula verloren hatte. Nun sammelte Flávio mehr Stimmen als der Vater im ersten Wahlgang 2022.Der fast 81-jährige Lula zeigte sich überrascht, erklärte aber, dass er in Entscheidungsrunden stark sei. Bisher ist es noch keinem Kandidaten gelungen, das Ergebnis der ersten Runde in der Stichwahl umzudrehen. Die etwa neun Millionen Stimmen der Ausgeschiedenen und die Enthaltungen von rund 21 Prozent dürften die Stichwahl entscheiden. Bolsonaro ist der Favorit.
Die Wahl zeigte wieder ein gespaltenes Land, wie schon 2022. Lula gewann im Nordosten, Bolsonaro holte den gesamten Süden, Südosten und Mittelwesten.
Der (erneute) brasilianische Rechtsruck kommt alles andere als überraschend, sondern führt einen Trend fort, der schon länger läuft. In Argentinien gewann Javier Milei, in Chile setzte sich José Antonio Kast gegen die kommunistische Kandidatin Jeannette Jara durch – der deutlichste Rechtsruck seit dem Ende der Militärdiktatur 1990.In Ecuador festigte Daniel Noboa seine Mehrheit. In Bolivien endete im Oktober 2025 nach fast zwei Jahrzehnten die Herrschaft der Sozialisten des MAS. Sollte Bolsonaro die Stichwahl gewinnen, werden die vier größten Volkswirtschaften der Region rechts regiert sein. Dies ging teilweise auch nicht friedlich über die Bühne.
Südamerika war vor allem für europäische Linke über Jahrzehnte, vor allem ab dem Zusammenbruch der Sowjetunion, für ihre Politik. Doch der lateinamerikanische Sozialismus kommt an sein Ende. Die Gründe sind vielschichtig. Während Linke gerne den Willen des Volkes infrage stellen, hinter jeder Wahl die CIA oder Wahlmanipulation vermuten, geben konservative Beobachter die üblichen Floskeln: Unsicherheit auf der Straße, schwaches Wachstum, Inflationserinnerung und Misstrauen gegen etablierte Parteien.
Vor allem die Trump-Administration hat ein Interesse an diesen Regimewechseln, sagt dies auch offen und mischt auch im Wahlkampf mit. Doch die Unzufriedenheit ist auch organisch gewachsen, das Politmodell hat die Völker in Südamerika offensichtlich nicht ausreichend befriedigt. Sonst gäbe es nicht einen so starken Willen nach Veränderung.
Dieselbe Mechanik arbeitet auch in Europa. Auch hier lösen rechte Parteien jene des alten Modells ab. Die Sozialdemokratie – oft verbündet mit den linken Bewegungen in Südamerika – liegt fast überall am Boden. Der Linksliberalismus geht seinem Ende zu. Der 80-jährige Lula, der seit dem Ende der 70er-Jahre eine zentrale Figur in Brasiliens Politik ist, personifiziert mit seinem Alter das Ende des politischen Paradigmas. Der (globalistische) Sozialismus, den er repräsentiert, stirbt.
Ob das schon mit der Stichwahl Ende Oktober geschieht, ist offen. Lula ist durchaus ein weiteres Comeback zuzutrauen. Doch den allgemeinen Trend würde er damit auch nicht stoppen. Gewinnt Bolsonaro, auch das sollte man festhalten, kommt der Sohn von einem der ganz wenigen damaligen Staatschefs an die Macht, der das Corona-Narrativ aktiv unterwanderte: Er lehnte Lockdowns, Masken und andere Maßnahmen entschieden ab, versuchte Impfstoffkäufe zu blockieren (konnte sie immerhin verzögern), bezeichnete Corona als „kleine Grippe“ und warb für andere Behandlungsmethoden. Lula dagegen steht für verpflichtende Impfungen und Pandemie-Paranoia. Der Konflikt Links gegen Rechts ist eben nicht nur symbolisch, sondern drückt sich in ganz konkreten politischen Inhalten aus.
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10 Kommentare
alle dienen den selben Herren, die nicht auf dem amerikanischen Kontinent sind, und halten mit dieser shit show die Mythen lebendig
Also Lateinamerika wird für mich, politisch gesehen, immer ein Buch mit sieben Siegeln bleiben … Das, was dort abläuft immer zu versuchen mit „Rinks-Lechz-Geschwafel“ einzuordnen funktioniert definitiv nicht! Ich finde Milei in Argentinien ist ein Lichtblick, auch und vielleicht gerade weil ich bestimmte Dinge bei ihm recht nebulös finde bzw. nicht wirklich einzuordnen verstehe, ihm aber in der Linie, die er nachweislich verfolgt, durchaus zustimme … Irgendwie wächst in mir der Wunsch, nahezu der Drang, mir das vor Ort einmal anzusehen und mit den Leuten dort zu sprechen. 🤔 Diese Region wird noch enorm wichtig werden für die Entwicklung auf der gesamten bewohnten Erde!
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Hoffentlich.
Lula ist im Globalen Süden eine echte Autorität. Zuhause hatte er es auch in den letzten Jahren sehr schwer, außer im Nordosten Brasiliens, wo er immer noch breite Zustimmung genießt.
Vieles, was Brasilien jetzt noch hat, könnte bei einem Sieg Bolsonaros bald weg sein.
Bolsonaro wird nicht zuletzt von der evangelikalen Bewegung forciert. Im Westen Rios z.b. gibt es irrsinnig viele neu erbaute Freikirchen, ähnlich viele wie Supermärkte.
In der „theologia da prosperidade“, dem Wohlstandsevangelium, wird materieller Reichtum in Aussicht gestellt. Wer Kirchen oder Predigern Geld gibt, wird noch in diesem Leben vielfachen finanziellen Segen erhalten. Das spricht viele Leichtgläubige mit Aufstiegshoffnungen an, die es nicht leicht haben.
Schon Anfang der 70er-Jahre waren die ersten Mega-Prediger aus den USA kommend im Maracana aufgetreten. Von diesem geschäftlichen Spirit profitiert natürlich Flavio Bolsonaro, der sich als der gemäßigtere Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten noch dazu stark Richtung Mitte orientiert.
Sehr leicht möglich, dass der Wohlstand – etwa in Form von Rohstoffen – vermehrt genau dort landet, von wo die geschäftstüchtigen Aposteln ausgesandt wurden.
Eine Frohe Botschaft für die Eliten in den USA, aber nicht für die vielen Armen und prekär Lebenden in Brasilien, wie das Evangelium ganz im Gegensatz dazu in der Befreiungstheologie ausgelegt wurde.
Aber wer weiß, in Brasilien ist im Grunde immer so ziemlich alles möglich.
Bolsonaros Sieg bedeutet das Ende der BRICS in seiner jetzigen Form und wäre damit ein brutaler Rückschlag für die multipolare Welt. Will TKP das?
Wieso, BRICS hat bereits ein paar Jahre mit Bolsonaro Senior überlebt.
Herr Oysmüller schwafelt genauso daher wie die Systemmedien und versucht, gesellschaftlichen Entwicklungen die Hüte „links“ oder „rechts“ überzustülpen. Das ist genau eine der Methoden, um das „Volk“ zu entzweien und von den politischen Hintergründen abzulenken.
Es gibt gute Politik, d.h. für das Volk, für den Frieden, für Gleichberechtigung der Nationen, gegen Völkermord und Apartheid, gegen Kolonialisierung und für die Umwelt ( und damit meine ich gegen Regenwaldabholzung, gegen Pestizide etc., gegen E-Autos, gegen Windkraft, gegen Schleppnetzfischerei, gegen den CO2-Klimaschwindel u.a. ), keine Staatsschulden.
Bolsonaro Senior hat den Corona-Faschismus abgelehnt ( positiv ) und hat den Schutz der Ureinwohner und damit den Schutz der Regenwälder zurückgefahren ( negativ ).
Lula da Silva hat das Gegenteil getan.
Beide hatten sowohl positive als auch verbrecherische Elemente in ihrer Politik.
Bei Bolsonaro Senior hat die Holz- und Agrarmafia gewonnen. Bei Lula da Silva hat die Pharmamafia gewonnen. Bei beiden Politikern hat Blackrock seinen Reibach gemacht.
Positive Länder: u.a. das ehemalige Libyen – deswegen wurde es zerstört. Das jetzige Weißrußland – da traut man sich nicht ran auf Grund der russischen Beistandsverpflichtung.
In Deutschland hat die Spaltung der Gesellschaft einen neuen Höhepunkt erreicht, um einen Krieg gegen Rußland zu provozieren.
Mich interessiert vor allem, ob Bolsonaro sich so wie Milei dem Trumpigsten und Mileikowski anbiedern wird? Seine Trumpigkeit hat laut Podoljaka die Organisation der Wahlen gelobt… in Indien: „… „Heute haben 125 Millionen Menschen in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Indien gewählt.“ … Aber es gibt eine Nuance. Die Wahlen fanden in Brasilien statt. Old Donnie hat einfach die Länder durcheinandergebracht. … Gestern sagte Donald, er habe einen „hohen IQ, einen der höchsten der Welt.“ …“
Wen hält Neo-Caligula für noch genialer als er? Ich rate – alle derartigen Genies sind beschnitten?
Jede dieser Personen zur Wahl des Präsidentenamts ist dem Kapital und Fiat-System verpflichtet. Es wird sich also höchstens nur marginal etwas ändern…
@“Vor allem die Trump-Administration hat ein Interesse an diesen Regimewechseln, sagt dies auch offen und mischt auch im Wahlkampf mit.“
Daher hoffe ich, dass Bolsonaro Junior nicht Trump dorthin kriecht, wo Seine Trumpigkeit die übrige Welt hat. Lieber sollte das USrael-Imperium immer schwächer werden (auch in der Neuen Welt) statt immer stärker.
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