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Politik

Große Seuche in Russland ausgebrochen?

5 Kommentare 5. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

In der sibirischen Stadt Schelechow ist eine 28-jährige Labortechnikerin gestorben. Sie arbeitete am Irkutsker Forschungsinstitut gegen die Lungenpest in einem Hochsicherheitsbiolabor. Antirussische Agitatoren fordern bereits, Russland völlig zu isolieren. Die Fakten bremsen die Panik aus.

Darja Schipilowa wurde am 29. September mit schwerer Lungenentzündung ins örtliche Krankenhaus eingeliefert, beatmet und starb in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober. So viel ist offiziell bekannt. Ob sie an der Lungenentzündung starb, ist offiziell schon nicht mehr geklärt. Auch sonst weiß man nicht viel. Die russische Aufsichtsbehörde Rospotrebnadzor spricht von einer „Lungenentzündung unbekannter Ätiologie“. Eine Tote mit Lungenentzündung reicht, um die Pandemiepropaganda loszutreten.

Grund ist wohl das Biolabor, in dem die Tote gearbeitet hat. Das Irkutsker Institut ist auf die Überwachung und Erforschung von Yersinia pestis (Lungenpest) und anderen Hochrisikoerregern spezialisiert. Offiziell heißt es aber: In Proben der Verstorbenen seien keine Mikroorganismen nachgewiesen worden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit zusammenhingen. Eine Biosicherheitskommission habe keinen Unfall mit pathogenen Erregern am Institut festgestellt. Freilich muss man behördliche Informationen immer mit einer gewissen Skepsis lesen, doch mehr ist bisher an dieser Meldung nicht dran. Die epidemiologische Lage in Irkutsk und der Region sei stabil.

Im Netz dreht die Geschichte bereits wilde Kreise, so wird etwa gefordert, alle Flüge von und nach Russland zu stoppen. Auch der Kreml äußerte sich bereits. Sprecher Dmitri Peskow verwies auf die offiziellen Mitteilungen und warnte vor Gerüchten. Der frühere Behördenleiter Gennadi Onischtschenko erklärte, es handele sich höchstwahrscheinlich nicht um die Pest; und selbst bei einer Bestätigung sei eine Ausbreitung unwahrscheinlich, zumal kaltes Wetter die Übertragung hemme.

Die Gerüchte dürften durch frühere und lokale Angaben befeuert worden sein. Der Gouverneur der benachbarten Republik Burjatien, Alexei Zydenow, schrieb am 3. Oktober, die Frau sei „möglicherweise an der Pest“ gestorben, betonte aber, in seiner Region gebe es keinen Ausbruch. Der Irkutsker Gouverneur Igor Kobsjew hatte zuvor von einem „Verdachtsfall einer besonders gefährlichen Infektionskrankheit“ gesprochen und die Chefin von Rospotrebnadzor, Anna Popowa, zu einer Sondersitzung der Anti-Epidemie-Kommission empfangen.

Unabhängige Regionalmedien, die von der kremlkritischen Moscow Times aufgegriffen wurden, schilderten einen Laborunfall: Schipilowa soll ein Reagenzglas mit Pestbakterien zerbrochen haben. Andere Versionen nannten eine Expedition nahe der mongolischen Grenze. Die Behörde weist beide Erklärungen zurück, hat aber Seuchenmaßnahmen ergriffen.Rund 190 bis 200 Kontaktpersonen wurden unter Beobachtung gestellt, die Mehrheit davon vorsorglich hospitalisiert — unter anderem in Krankenhäusern in Irkutsk und am Institut selbst. Nach Angaben der Behörde fielen bei den Getesteten zwei Covid-19- und zwei Rhinovirus-Fälle auf, aber keine Pest. Covid findet man eben immer …Außerdem seien mehr als 60 Institutsmitarbeiter zeitweise isoliert worden. Mehrere Kliniken, darunter nach lokalen Berichten auch eine Kinder- und eine Entbindungsklinik, schränkten Aufnahmen und Entlassungen ein oder standen unter Quarantäneauflagen. Am Aluminiumwerk in Schelechow galt kurzzeitig Maskenpflicht.

Die Autorin Annie Jacobsen, die den Fall auf X ausführlich dokumentierte, sprach von fünf unter Quarantäne stehenden Krankenhäusern und verwies auf die Beteiligung des Inlandsgeheimdienstes FSB bei Transporten. Doch nicht alles ist eindeutig bestätigt. Sie zog Parallelen zum Anthrax-Ausbruch von Swerdlowsk 1979, den die Sowjetunion zunächst auf verseuchtes Fleisch schob, obwohl er aus einem Biowaffenlabor stammte. Jacobsen ist keine explizite Putin-Gegnerin, allerdings kritisch gegenüber der russischen Staatskommunikation.

Auch das US-Außenministerium äußerte sich bereits und erklärte, man sei über Berichte eines tödlichen Verdachtsfalls von Lungenpest in der Oblast Irkutsk informiert und stimme sich mit den CDC ab. Man fordere russische Behörden auf, schnell und offen zu informieren. Die Pest sei mit gängigen Antibiotika behandelbar, vor allem bei frühem Beginn. Das Weiße Haus bestätigte gegenüber Axios, die Lage und die russischen Quarantänemaßnahmen zu verfolgen.

In Teilen Sibiriens zirkuliert der Lungenpest-Erreger endemisch in Nagetieren. Das Irkutsker Institut mit rund 95 Forschern überwacht genau solche Naturherde. Dass eine Mitarbeiterin eines Pestlabors an einer ungeklärten schweren Pneumonie stirbt und Behörden darauf mit großflächiger Beobachtung und Klinikbeschränkungen reagieren, erklärt die Aufmerksamkeit.Die öffentliche Bestätigung fehlt aber, offiziell wird dementiert. Von außen lässt sich nicht urteilen, ob es sich um einen Laborunfall, eine natürliche Lungenentzündung oder eine andere Ursache handelt. Das Internet hat indes bereits die große Seuche in Russland ausgerufen. Dafür reicht ein Toter.


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Razzia in spanischem Biolabor

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5 Kommentare

  1. Andreas_Sch.
    Antworten

    Interessant ist weniger die Meldung als solche, vielmehr die Existenz dieses „Institutes“ … Nur für solche, die immer nur in „Dichotomien“ denken können.

  2. cwsuisse
    Antworten

    Kennen wir schon alles: „Putin hat Angst“, „Putin springt bald mit seiner Familie aus dem Fenster“, „die russische Wirtschaft kollabiert“, „die Regale sind leer“, „Seuchen brditen sich aus“, die UK/UKR Propaganda ist sich für keinen Stuss zu schade.

  3. Jochen Mitschka
    Antworten

    Danke für die ausgewogene Berichterstattung!

  4. Jurgen
    Antworten

    Ob es nicht eher die Impfung war? Oder Schnee einschmelzen zum Trinken ohne vorher richtig aufzukochen?

    Ich sorge vor gegen sowas mit Mikrostrom im Blut und kolloidalem Silberwasser…

  5. 1150
    Antworten

    werden die russen beim überfall auf europa 2029 die oreschnik’s mit yersinia pestis beladen?
    wie die tartarischen reiterhorden einst bei der belagerung des genuesischen kaffa,
    heute feodossjja auf der krim, pesttote über die stadtmauern katapultierten?

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