Trotz der ukrainischen Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur erzielt Moskau Rekord-Einnahmen aus dem seegestützten Ölhandel.
Trotz betrieblicher Probleme in den eigenen Raffinerien durch ukrainische Angriffe verzeichnete Russland vergangene Woche die höchsten geschätzten Einnahmen aus dem seegestützten Ölexport seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine. Grundlage dafür ist die unsichere Lage an der Straße von Hormus und der dazugehörige Rohölpreis von über 100 Dollar.
Am Weltmarkt wird intensiv nach zusätzlichen Rohölquellen gesucht. Das gilt auch für China, das zwar ordentlich Reserven aufgebaut hat, nun aber auch die Einkäufe aus der Russischen Föderation erhöht. Das führte insgesamt zu einem neuen Rekord für die russische Wirtschaft.
So haben die dortigen Ölunternehmen rund 3,99 Millionen Barrel Öl pro Tag auf ausländische Märkte verschifft. Angesichts der hohen Preise steigerte das den Wert der russischen Exporte deutlich. Bloomberg schätzt den Gesamtwert des aus russischen Häfen verschifften Öls in der vergangenen Woche auf etwa 2,75 Milliarden Dollar. Das sind rund 180 Millionen Dollar mehr als in der Vorwoche und der höchste Wochenwert seit Beginn des Russland-Ukraine-Krieges.
Das russische Öl ist auch deutlich teurer geworden als in den Monaten davor. Remix News fasst die Entwicklungen zusammen:
Der Kreml hat beschlossen, die Kraftstoffexporte zu begrenzen, um den Inlandsmarkt zu stützen. Das Diesel-Exportverbot für russische Produzenten wurde bis zum 30. September verlängert; Beschränkungen für den Export von Benzin und bestimmten Dieselsorten durch andere Exporteure bleiben weiterhin in Kraft.
Das Portal UA News weist darauf hin, dass dadurch eine besondere Lage entstanden sei: „Russland kann nicht mehr so viele Erdölprodukte exportieren wie zuvor, verfügt aber über einen Überschuss an Rohöl, den es im Inland nicht vollständig verarbeiten kann. Folglich wird der Ölüberschuss auf den Auslandsmarkt umgeleitet.“
Diese Situation erhöht das Volumen der Seeexporte. Russlands aktuelle Einnahmen liegen deutlich über dem Wert der Vorwoche. Um nicht nur auf einer einzelnen Woche basierende Schlussfolgerungen zu ziehen, hat die Agentur auch die durchschnittlichen Einnahmen über vier Wochen berechnet. Dieser Indikator ist weniger anfällig für starke kurzfristige Schwankungen bei Preisen und Mengen.
In den vergangenen vier Wochen lag der geschätzte durchschnittliche Wert des per Schiff exportierten russischen Öls bei rund 2,39 Milliarden Dollar pro Woche. Das sind etwa 290 Millionen Dollar mehr als im vorangegangenen Vierwochenzeitraum und der höchste Wert seit der zweiten Maihälfte.
Russland könnte weiterhin erhebliche Einnahmen aus dem Rohölverkauf erzielen. Solange der Brent-Preis über 100 Dollar pro Barrel bleibt und russisches Rohöl bei asiatischen Käufern gefragt ist, kann Moskau zusätzliche Erlöse generieren – selbst trotz betrieblicher Probleme in den eigenen Raffinerien.
Diese Lage könnte sich ändern, sobald die Lieferungen aus dem Nahen Osten schrittweise wieder anlaufen. Reuters berichtete, dass die Exporte aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten im September zugenommen hätten und nach den Angriffen mit dem Wiederaufbau eines Teils der Infrastruktur begonnen worden sei. Das könnte den Druck auf den Weltmarkt mindern und den Preis für russisches Öl beeinflussen – auch wenn erwartet wird, dass die Ölpreise 2026 und 2027 insgesamt erhöht bleiben.
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