Südkoreas Präsident Lee Jae-myung wirft der Ukraine vor, einen Krieg zwischen Süd- und Nordkorea anzustacheln, und stellt Forderungen gegenüber Kiew.
Es sind vor allem für die EU ungewöhnliche Töne, wo bedingungslose Solidarität mit der Ukraine gilt. Kritik an Kiew ist de facto verboten, egal worum es sich handelt. Der Nato-Alliierte Südkorea hält sich daran aber nicht. Der Präsident des asiatischen Staates hat die Ukraine scharf kritisiert und ihr sogar gedroht.
Dabei geht es um die Rückführung nordkoreanischer Kriegsgefangener. Dies dürfte unter Geheimhaltung gelaufen sein, Selenskyj hat die Vereinbarung aber gebrochen. Er sprach über die Überstellung von zwei nordkoreanischen Militärangehörigen nach Südkorea.
Seoul legte umgehend Protest ein, doch die Ukraine begann daraufhin, jegliche Vereinbarungen zu leugnen, stellte den südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung als Lügner dar und sprach schließlich sogar von einem unvermeidlichen Krieg zwischen Nord- und Südkorea.
Lee erklärte am Freitag auf X:
„Im Zusammenhang mit der Rückführung nordkoreanischer Kriegsgefangener forderte die ukrainische Seite Vertraulichkeit, wir einigten uns darauf, doch sie veröffentlichten es einseitig. Als der Präsident der Republik Korea höflicherweise Bedauern äußerte, leugneten sie die Existenz einer Vereinbarung und machten das Staatsoberhaupt des anderen Landes zum Lügner. Als wir sie aufforderten, die Vereinbarung anzuerkennen und sich zu entschuldigen, drohten sie stattdessen mit einem bevorstehenden militärischen Zusammenstoß zwischen Nord und Süd und hecken einen Krieg auf der Koreanischen Halbinsel aus – für diese Haltung der Ukraine äußern wir tiefe Besorgnis. Sollte die Anerkennung der Fakten und eine öffentliche Entschuldigung weiterhin verweigert werden, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen. Dies ist eine Angelegenheit der Ehre des koreanischen Volkes und des Staates, die wir nicht ignorieren können.“
Die Kontroverse begann am 23. September, als Selenskyj in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung erklärte, die Ukraine habe kürzlich zwei nordkoreanische Soldaten an Südkorea überstellt. Die beiden waren im Januar 2025 in der russischen Region Kursk gefangen genommen worden, während sie aufseiten Russlands kämpften.
Für die Koreanische Halbinsel war dies offensichtlich eine massive diplomatische Krise. Lee reagierte bereits am folgenden Tag mit Bedauern. Die Rückführung nordkoreanischer Gefangener sei ein hochsensibles Thema mit Auswirkungen auf Diplomatie, nationale Sicherheit und die Lage auf der Koreanischen Halbinsel. Eine Geheimhaltung sei in jeder Hinsicht angemessen gewesen und vereinbart worden, schrieb er.
Anfang der Woche forderte der Präsident eine offizielle Erklärung und Entschuldigung. Er warf Kiew vor, die Vereinbarung einseitig gebrochen und anschließend fälschlich geleugnet zu haben. Das Außenministerium bestellte den ukrainischen Botschafter ein und übermittelte die „ernste Position“ der Regierung. Gründe für die gewünschte Vertraulichkeit seien unter anderem der Schutz der Gefangenen und ihrer Familien in Nordkorea sowie die Vermeidung von Kritik an einem möglichen Verzicht auf einen Gefangenenaustausch gewesen.
Doch die Ukraine wies die Darstellung zurück. In Kiew kann man mit Kritik schwer umgehen, kommt sie doch nicht sehr häufig vor. Ein Kommunikationsberater Selenskyjs, Dmytro Lytwyn, erklärte am 25. September, eine solche Vertraulichkeitsvereinbarung habe nicht bestanden. Außenminister Andrij Sybiha sprach später von einem „diplomatischen Missverständnis“.
Lees jüngster öffentlicher Post bezieht sich zudem auf Äußerungen von Kyrylo Budanow, Leiter des ukrainischen Präsidialamts. Budanow hatte Ende September darauf hingewiesen, dass Nordkorea aus dem Krieg gegen die Ukraine lerne und aufrüste, und auf einen Zwischenfall an der Militärdemarkationslinie verwiesen – mutmaßlich die Explosion nordkoreanischer Minen in der entmilitarisierten Zone am 21. September, bei der drei südkoreanische Soldaten verletzt wurden. Die Lage verschlechtere sich täglich; es sei nur eine Frage der Zeit, bis ein Auslöser unkontrollierbare Folgen habe.
Diese Aussage, die Öl ins brodelnde Feuer von Korea gießt, dürfte Seoul erneut erzürnt haben. Man versteht sie offensichtlich als ukrainische Kriegstreiberei im fernen Asien. Südkorea hat Kriegshilfe an die Ukraine geleistet, allerdings kein schweres Kriegsgerät geliefert, obwohl Kiew Luftverteidigungssysteme erbeten hatte. Ob Seoul nun wirklich zu Sanktionen gegen die Ukraine greifen wird oder dies nur eine politische Drohung ist, ist bisher offen.
Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.
Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 
Ukraine plant Abschaffung der Bauernhöfe
Ukraine steht ohne Luftabwehr da
3 Kommentare
Wenn die USrael nicht freiwillig aus Südkorea gehen, kommt demnächst der neue Befreiungskrieg zur Wiedervereinigung.
Aber anders herum betrachtet, gibt es demnächst vielleicht Ost-Ukraine und West-Ukraine mit dem Dnjpr als Grenze? Ist ja ein altbekanntes Muster der Kolonialisten/Piraten.
Unter der Führung durch amerikanische Geheimdienste hat sich die Ukraine in einen „rogue state“ verwandelt.
Die hiesige NS bzw. Azow Regierung sieht ihre Felle davonschwimmen und versucht deshalb ihren Krieg gegen das russische Volk zu einem ausgewaschenen Atomkrieg zu eskalieren.
Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.
Sie müssen angemeldet sein um Kommentare zu posten. Noch kein Konto? Jetzt registrieren.