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Politik

USA machen Weltraumwaffen offiziell

9 Kommentare 18. September 2026 7 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

1967 war eine Rüstungsbeschränkungs-Vereinbarung geschlossen worden, welche versuchte, die Verbreitung von Waffen im Weltraum einzuschränken. Die USA erklärten nun offiziell, dass diese Vereinbarung auch eben nur Papier ist.

Am 14. September 2026 hat der US-Luftwaffenminister Troy Meink auf der jährlichen Konferenz der Air & Space Forces Association in National Harbor (Maryland) erstmals offiziell bestätigt, dass die Space Force „Orbitalwaffen zur Kontrolle des Weltraums“ im Orbit stationiert hat. Es handle sich um Fähigkeiten, mit denen die „Joint Force“ gegen „feindliches gegnerisches Handeln“ verteidigt werden könne, so Meink wörtlich in seiner Keynote.

Washington bricht also das Schweigen: Die USA räumen offiziell Waffen im Weltraum ein

Details zu Art, Anzahl oder Zeitpunkt der Stationierung nannte Meink nicht – weder ob es sich um kinetische oder nicht-kinetische Systeme handelt, noch seit wann sie im Orbit sind. Nach eigener Aussage sei die Formulierung „sehr wohl überlegt“ gewesen – ein bewusster Bruch mit der bisherigen Geheimhaltungspraxis, den Meink selbst als abschreckungspolitisch motiviert bezeichnete.

Ein Sprecher der Space Force ergänzte gegenüber ABC News, die Fähigkeiten könnten „sowohl offensiv als auch defensiv“ eingesetzt werden – eine Formulierung, die über reine Verteidigung deutlich hinausgeht. Laut CNBC berichteten US-Beamte zudem, die Systeme könnten gegnerische Satelliten direkt zerstören oder außer Gefecht setzen. Eingebettet ist die Ankündigung in das „Golden Dome“-Raketenabwehrprogramm der Trump-Administration, für das laut Breaking Defense bereits „flugbereite“ weltraumgestützte Abfangsysteme existieren.

Die Reaktion aus Moskau folgte prompt: Außenamtssprecherin Maria Sacharowa erklärte, Meinks Äußerung sei der erste offizielle Beweis dafür, dass Washington seine „eigennützigen Interessen“ über die Stabilität des erdnahen Orbits stelle, und erneuerte die russische Forderung nach einem multilateralen, rechtsverbindlichen Verbot der Stationierung und des Einsatzes von Waffen im Weltraum.

Aber ist USA nur ehrlicher als andere Großmächte?

Die Meldung erweckt den Eindruck eines plötzlichen, einseitigen Tabubruchs. Tatsächlich ist die militärische Nutzung des Orbits kein neues Phänomen – neu ist lediglich das offene Eingeständnis der USA, dass es sich dabei nicht mehr um bloße Aufklärungs- oder Navigationssatelliten, sondern um Waffensysteme handelt.

Russland selbst hat bereits im November 2021 offiziell den Test einer Anti-Satelliten-Rakete bestätigt, bei dem ein eigener, ausgemusterter Satellit zerstört und eine Trümmerwolke von über 1.500 Objekten erzeugt wurde – nach eigenen Angaben des Verteidigungsministeriums. Zwar wird dies zwar von westlichen Experten immer wieder als Beweis herangezogen „die auch“, allerdings wird übersehen, dass es sich um eine Raketenabwehr vom Boden aus handelt, und nicht um eine Stationierung von Waffen im Orbit.

China wiederum räumte bereits 2007 ein, mit einer SC-19-Rakete einen eigenen Wettersatelliten zerstört zu haben – der Sprecher des chinesischen Außenministeriums betonte damals allerdings, Peking beteilige sich nicht an einem Rüstungswettlauf im All. Was ebenfalls in die Irre führt, da auch dies keine Stationierung von Waffen im Orbit ist.

Auch die USA selbst sind hier nicht unbeschrieben: Bereits das Weltraumkommando der USA hatte 2020 russische Tests einer ko-orbitalen Anti-Satelliten-Waffe dokumentiert, und 2024 bestätigte das Weiße Haus öffentlich, Russland verfüge über eine „beunruhigende“ neue Anti-Satelliten-Fähigkeit – Berichten zufolge mit nuklearem Bezug, wenn auch ohne direkte physische Zerstörungswirkung auf der Erde. Das eigentlich Neue an Meinks Aussage ist also nicht die Existenz von „Weltraumwaffen“ an sich, sondern die erstmalige, gezielte öffentliche Bestätigung einer laufenden, aktiven US-Stationierung offensiver Systeme im Orbit – ohne begleitenden Waffentest, ohne äußeren Anlass zur Offenlegung.

Unklar bleibt zudem, was „Waffen zur Kontrolle des Weltraums“ überhaupt rechtlich bedeutet. Das Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums (Weltraumvertrag) von 1967 verbietet in Artikel IV ausdrücklich nur die Stationierung von Massenvernichtungswaffen im Erdorbit sowie militärische Basen auf Himmelskörpern – konventionelle Waffen, darunter Antisatelliten-Systeme, sind vom Wortlaut des Vertrags nicht erfasst. Und bekannterweise suchen Staaten stets nach Lücken, nicht nach dem Geist von Abrüstungsvereinbarungen. Meinks Ankündigung mag also politisch brisant sein – ein eindeutiger Völkerrechtsbruch ist sie, jedenfalls nach dem engen Wortlaut des Vertrags von 1967, nicht zwingend.

Auch hier drängen sich unbeantwortete Fragen auf

  • Warum jetzt? Meink selbst nannte die Formulierung „sehr wohl überlegt“ – die Offenlegung erfolgte also nicht aus Versehen, sondern als kalkulierter politischer Akt. Wem genau soll die Botschaft gelten, und welchem innenpolitischen oder bündnispolitischen Zweck dient die öffentliche Zurschaustellung militärischer Stärke im All zu diesem Zeitpunkt?
  • Wieso wird ausgerechnet jetzt, parallel zur Eröffnung des „Golden Dome“-Programms, eine bislang geheim gehaltene Fähigkeit publik gemacht? Dient die Ankündigung der Legitimierung weiterer Haushaltsmittel für die Space Force und die Rüstungsindustrie, oder handelt es sich um eine tatsächliche sicherheitspolitische Reaktion auf russische und chinesische Fähigkeiten?
  • Wenn „offensive und defensive“ Nutzung ausdrücklich eingeschlossen ist, wie sie der Sprecher der Space Force gegenüber ABC News formulierte – wo verläuft dann noch die Grenze zwischen „Kontrolle des Weltraums“ und einer aktiven Erstschlagfähigkeit gegen fremde Satelliteninfrastruktur, von der zivile Kommunikation, GPS-Navigation und Frühwarnsysteme abhängen?
  • Welche Fristen und Verifikationsmechanismen sieht der von Russland seit Jahren vorgeschlagene multilaterale Vertrag zum Verbot von Weltraumwaffen vor – und warum wurde dieser Vorschlag, den Russland und China bereits 2008 gemeinsam bei der Genfer Abrüstungskonferenz einbrachten, von den USA bislang nicht ernsthaft verhandelt?

Was man in den Medien vergeblich sucht

In der westlichen Berichterstattung wird Meinks Ankündigung fast durchgehend als reaktive, defensive Maßnahme gegenüber angeblich aggressiven russischen und chinesischen Weltraumaktivitäten gerahmt – so etwa, wenn ein Sprecher der Space Force gegenüber ABC News erklärt, „offene Kommunikation stärke die Abschreckung“ und „normalisiere“ Weltraumoperationen. Diese Rahmung blendet aus, dass die USA selbst seit Jahrzehnten führend in der militärischen Nutzung des Orbits sind, über das mit Abstand größte und teuerste Militärbudget der Welt verfügen und nun als erste Nation überhaupt eine aktive, einsatzbereite Bewaffnung des Orbits offiziell einräumen – nicht Russland, nicht China.

Für Länder des Globalen Südens, die selbst kaum über eigene Weltraumfähigkeiten verfügen und deren zivile Infrastruktur – Wetterdaten, Telekommunikation, Katastrophenschutz – zunehmend von Satelliten der Großmächte abhängt, bedeutet eine faktische Bewaffnung des erdnahen Orbits vor allem eines: eine weitere Verschiebung geopolitischer Handlungsfähigkeit hin zu den wenigen Staaten mit eigener Weltraumtechnologie. Die „regelbasierte Ordnung“, auf die sich Washington in anderen Zusammenhängen gerne beruft, wird hier durch genau jenen Akteur unterlaufen, der sie am lautesten einfordert –

während Moskaus Ruf nach einem verbindlichen multilateralen Vertrag, so instrumentell er im aktuellen Kontext auch vorgetragen sein mag, in der westlichen Berichterstattung fast durchweg als bloße Propaganda abgetan wird, obwohl der zugrunde liegende Vorschlag bereits seit 2008 auf dem Tisch liegt.

Zusammenfassung

Die Tatsache, dass die USA über Angriffs- und Verteidigungswaffen verfügen, welche im Orbit stationiert sind, hat eine andere Qualität als die Abwehr von Bedrohungen aus dem Orbit durch Raketen von der Erde aus. Die Frage, ob Russland oder China auch „Weltraumwaffen“ besitzen ist nicht das wichtigste Thema. Der Knackpunkt liegt darin, dass ausgerechnet die Macht, die den erdnahen Orbit am stärksten militärisch dominiert und nun als erste offen zugibt, ihn aktiv bewaffnet zu haben, in der eigenen Öffentlichkeit weiterhin als bloße Reagierende auf fremde Bedrohungen dargestellt wird – und nicht als das, was sie in diesem Moment faktisch ist: die Partei, die einen neuen, offiziell bestätigten Rüstungswettlauf im All eröffnet hat.

Bild: Screenshot von Bericht über US-Weltraum-Waffen

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Die Militarisierung des Weltraums durch die Großmächte

Überholt China die USA auch in Weltraumwettlauf?

WK III erstaunlich wahrscheinlich … Könnte er im Weltraum ausgetragen werden?

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9 Kommentare

  1. Andreas_Sch.
    Antworten

    Echt ey? „Space Force“? 🤣 Eine Pleitenation rüstet zum „Space War“? Schon die Uniform … Ohje! „KI/AI“, überlegene Waffen, full spectrum dominance … Blablabla Wie viele Kriege haben die gewonnen? Die „Show“ ist super! Keine Frage. Wirkt aber allmählich albern … Auf den ganzen Quatsch fällt doch nur herein, wer darauf hereinfallen will. Ggf., weil man ein neues „Wettrüsten“ ganz reizvoll findet … auch auf Seiten der feindlichen Gegner oder gegnerischen Feinde, wie auch immer. Meine Fresse, haben die alle einen Dachschaden! Denk ich an SDI in der Nacht …

  2. lotus998dc2ac81f3
    Antworten

    Dass Kesslersyndrom rückt unerbittlich näher. Behaltet Eure Landkarten.

  3. Jan
    Antworten

    Wenn es eine ganze Waffengattung jenseits der öffentlichen Wahrnehmung gibt, dann sind sämtliche Spekulationen über militärische Überlegenheit hinsichtlich Nahost und Ukraine hinfällig.

  4. therMOnukular
    Antworten

    Jo eh!

    Erschtens san de Amis sogar do hintn noch.
    Drittens sogn de Amis vüh wenn da Tog long is….
    (so ist zb der Pilot, der im Iran heldenhaft gerettet worden sein soll, angeblich mit 100-150kmh auf dem Boden aufgeschlagen, bevor er mit gebrochenem Rücken, Schulter, Bein einen 2000m-Berg in Rekordzeit erklomm, um gerettet zu werden….laut „60 Minutes“…..jo eh)

  5. 1150
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    eigentlich ist es verständlich, das die usa waffen im orbit lagern müssen.
    auf der erde gibt es ja keine sicheren plätze mehr dafür,
    mittlerweile kann ja jede sandalenhorde, wann und wo sie es will, die so schöne, geputzte operettenarmee mit ihren teuren und glänzenden spielzeugen in einen schrotthaufen verwandeln

    1. 1150
      Antworten

      ergänzend:
      ……. sandalenhorde mit alten, zerlumpten und rostigen toyota’s …….

  6. Glass Steagall Act
    Antworten

    Was der Mensch seit seiner Existenz eigentlich von all den Kriegen und dem Leid gelernt? Im Prinzip nichts gutes, sondern stattdessen wie man noch mehr Krieg provozieren kann, welche Waffen man noch erfinden kann und welche Orte man noch nicht mit Waffen ausgerüstet hat! Und da sich immer noch genügend Dummköpfe finden lassen, die warum auch immer diese Waffen gern bedienen wollen, hört das Veranstalten von Kriegen einfach nicht auf! Würde man das ganze Geld und die Kraft stattdessen in das Gute stecken, hätten wir heute eine viel bessere Welt!

  7. VerarmterAdel
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    Was bedeutet es, dass das kleine Dercksland diese Waffen nutzt?

    Video:

    The $40 Trillion Cost Of Assisted Genocide And The Controlled Demolition Of An Empire: The Golden Age of America (ab 13:27)

  8. Jurgen
    Antworten

    Atombomben o.ä. im Weltraum gibt es mindestens schon seit Reagan…

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