Straße von Hormuz: Iran und Oman nahe an einer Einigung – Teheran gewinnt Kontrolle

6. August 2026von 6,8 Minuten Lesezeit

In Westasien zeichnet sich eine mögliche Entspannung an einem der strategisch wichtigsten Punkte der Welt ab. Iran und Oman stehen kurz vor einem Abkommen über die Schifffahrtswege durch die Straße von Hormuz.

Das berichten übereinstimmend Middle East Eye und Al Jazeera. Nach Angaben des iranischen Außenministeriums haben Teheran und Maskat die geografischen Koordinaten einer neuen Schifffahrtsroute vereinbart. Ein gemeinsames Statement befinde sich in der Endphase. Stellvertretender Außenminister Kazem Gharibabadi erklärte, das Abkommen stehe „kurz vor dem Abschluss“.

Wesentlicher Punkt: Schiffe, die in den Persischen Golf einfahren, sollen künftig durch iranische Gewässer geleitet werden. Der ausgehende Verkehr würde stärker über omanische Bereiche laufen. Damit erhielte Iran ein Maß an Kontrolle über den Seeweg, das vor dem Krieg nicht bestand. Die Regelung ist zunächst befristet – die Rede ist von zwei bis vier Monaten oder einem 60-Tage-Zeitraum –, in dem eine dauerhafte Lösung ausgehandelt werden soll.

Iranische Stellen betonen, dass keine klassischen Zölle erhoben würden, wohl aber mögliche „Servicegebühren“ für Sicherheit, Umwelt und Personal im Gespräch seien. Die USA lehnen Gebühren grundsätzlich ab.

Was tatsächlich verhandelt wird

Die Nachrichtenlage ist allerdings widersprüchlich. Al Jazeera berichtet im Liveblog vom 6. August, dass Iran und Oman sich auf die Koordinaten der Schifffahrtsrouten geeinigt haben und eine gemeinsame Erklärung „in den letzten Zügen“ sei. US-Außenminister Marco Rubio spricht von „Fortschritten“, Finanzminister Bessent orakelt, eine Vereinbarung könne „heute oder morgen“ stehen.

Doch Tasnim News — der IRGC-nahen Nachrichtenagentur — zufolge ist genau diese US-Einmischung der Grund, warum sich die Einigung verzögert: „Solange die US-Intervention und Trumps Drohungen andauern, wird das Abkommen verzögert bleiben.“ Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, bestätigte gegenüber Press TV, dass die Gespräche „positiv“ verlaufen — aber ausschließlich bilateral zwischen Teheran und Maskat, ohne irgendeine US-Beteiligung.

Das Narrativ, das Washington verkaufen will — „wir verhandeln mit Iran“ — entspricht schlicht nicht der Realität vor Ort. Iran verhandelt mit Oman.

Der Kernkonflikt: Souveränität vs. „Freiheit der Schifffahrt“

Was hier auf dem Spiel steht, geht weit über Schifffahrtsrouten hinaus. Es geht um die fundamentale Frage, wer im Persischen Golf das Sagen hat.

Die bisherige Ordnung — etabliert 1968 — sah vor, dass die Schifffahrtskorridore durch omanische Hoheitsgewässer verlaufen. Iran hatte das jahrzehntelang stillschweigend akzeptiert. Doch der Krieg hat die Karten neu gemischt. Teheran argumentiert jetzt, dass die Nutzung dieser Routen durch Washington und seine regionalen Verbündeten für militärische Zwecke die alte Vereinbarung obsolet gemacht hat.

Der von Press TV skizzierte Vorschlag sieht einen „mittleren Korridor“ vor, der die bisherigen nördlichen und südlichen Routen ersetzen soll. Iran würde eingehenden Schiffsverkehr kontrollieren, Oman den ausgehenden — mit gegenseitiger Benachrichtigung und ohne Vetorecht der USA.

Das ist nicht das, was Trump wollte. Der hatte sich vorgestellt, die Straße von Hormuz werde einfach wieder so geöffnet wie vor dem Krieg — als amerikanisch kontrollierte Autobahn für Öltanker. Doch die Realität hat diese Fantasie eingeholt.

Die Gebührenfrage — oder: Warum es auch ums Geld geht

Ein Detail, das in westlichen Berichten gern unter den Tisch fällt: Iran hat vorgeschlagen, Transitgebühren in Höhe von 5–7 Prozent des Ladungswerts zu erheben. Oman plädiert für niedrigere Sätze, Washington will gar keine Gebühren.

Dass Iran für die Nutzung seiner Hoheitsgewässer Gebühren verlangt, ist völkerrechtlich nicht ungewöhnlich — Ägypten kassiert am Suezkanal schließlich auch. Der Unterschied: Hier geht es um eine Wasserstraße, durch die in Friedenszeiten ein Fünftel des weltweiten Öls fließt. Wer die Gebühren kontrolliert, kontrolliert einen erheblichen Teil der globalen Energieinfrastruktur.

Die Gulf News analysiert treffend: „Der Deal, der Gestalt annimmt, ist nicht notwendigerweise der Deal, den Trump will.“ Und weiter: „Hormuz kann wieder geöffnet werden, ohne dass Trump alles bekommt, was er will. Und wenn Iran mit anerkannter Autorität über auch nur einen Teil des Verkehrs durch diesen maritimen Flaschenhals hervorgeht, könnte Teheran den Krieg mit etwas beenden, das es vorher nicht hatte: einen verhandelten Sitz am Tisch, der eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt kontrolliert.“

Die militärische Realität: Warum Washington verhandeln muss

Fars News berichtete am 4. August unter Berufung auf eine Quelle nahe dem iranischen Verhandlungsteam, dass selbst ein bilaterales Abkommen zwischen Iran und Oman nicht ausreichen würde, um die Straße von Hormuz wieder vollständig zu öffnen — solange die USA ihre Angriffe nicht einstellen und Teherans Bedingungen nicht erfüllen.

Gleichzeitig sickern aus dem Pentagon alarmierende Zahlen durch. CNN berichtete am 6. August, dass die US-Armee nahezu 80 Prozent ihrer THAAD-Abfangraketen im Iran-Krieg verbraucht hat. Die Hälfte der Patriot-Interceptoren ist verschossen. Ein Insider sagte, die Armee habe „praktisch alle“ hochpräzisen Langstrecken-Boden-Luft-Waffen aufgebraucht.

Trump selbst bestätigte indirekt die prekäre Lage, als er am 5. August in Las Vegas erklärte, er würde „lieber einen Deal mit Iran machen, weil ich keine Menschen töten will“ — und hinzufügte, die USA hätten sich darauf vorbereitet, „den größten Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg“ zu starten, bevor iranische Beamte um Verhandlungen baten.

Die Übersetzung aus dem Trump’schen: Die Munitionsdepots sind leer, und ein weiterer großer Schlag ist militärisch schlicht nicht machbar.

Oman: Der heimliche Architekt

Dass ausgerechnet Oman als Vermittler auftritt, ist kein Zufall. Das Sultanat unterhält seit Jahrzehnten gute Beziehungen sowohl zu Teheran als auch zu Washington — und hat ein existenzielles Interesse an einer Stabilisierung der Region. Maskat will weder einen dauerhaft geschlossenen Hormuz noch einen Iran, der die Wasserstraße einseitig kontrolliert.

Der omanische Vorschlag zielt auf ein regionales Management der Straße von Hormuz mit „freiwilligen“ statt verpflichtenden Transitgebühren — ein Kompromiss, der Iran eine Sicherheitsrolle einräumt, ohne ihm uneingeschränkte Autorität zu geben. Dass Muscat dabei auch von Katar und Pakistan unterstützt wird, zeigt, dass sich die regionalen Mächte längst auf eine post-amerikanische Ordnung im Golf einstellen.

Die Huthi-Frage: Ein Krieg, der nicht enden will

Während über Hormuz verhandelt wird, gehen die Angriffe der jemenitischen Huthi auf saudische Tanker weiter. Am 5. August meldete Middle East Eye einen Huthi-Angriff auf einen Öltanker vor der saudischen Küste. Gleichzeitig bombardiert Israel weiterhin den Südlibanon, obwohl die UN die Rückkehr von 800.000 vertriebenen Libanesen vermeldet.

Netanjahu erklärte am 6. August in einem Video, Israel habe dem von den USA unterstützten Gaza-Plan „nicht zugestimmt“ wie hier berichtet. Die israelische Armee setzt ihre Operationen im Westjordanland fort — Middle East Eye dokumentierte, wie israelische Soldaten einen Palästinenser im Flüchtlingslager Qalandiya schlugen.

Das ist der breitere Kontext: Ein Hormuz-Deal mag den Ölfluss wiederherstellen, aber er beendet keinen der parallelen Konflikte, die die Region zerreißen.

Was jetzt kommt

Drei Szenarien zeichnen sich ab:

1. Der Interim-Deal. Iran und Oman einigen sich auf einen mittleren Korridor mit geteilter Kontrolle. Die Straße von Hormuz wird teilweise wieder geöffnet, die Ölpreise stabilisieren sich. Trump verkauft es als Sieg, Iran als Souveränitätserfolg. Beide Seiten haben recht — und beide haben nicht das bekommen, was sie eigentlich wollten.

2. Der große Wurf. Das Hormuz-Abkommen wird in ein umfassenderes Friedensabkommen eingebettet, das auch Irans Nuklearprogramm, die Aufhebung der Sanktionen und eine Waffenstillstandsregelung für Gaza und den Libanon umfasst. Das wäre der „ultimative Deal“, von dem Rubio spricht — aber dafür müsste Netanjahu mitspielen, und der hat gerade öffentlich gemacht, dass er das nicht tut.

3. Der Kollaps. Die US-Drohungen, von Tasnim als Haupthindernis identifiziert, bringen die Verhandlungen zum Scheitern. Die Kämpfe flammen wieder auf. Die leeren US-Munitionsdepots werden zum strategischen Albtraum.

Die wahrscheinlichste Variante ist die erste — mit Elementen der zweiten, aber ohne Netanjahus Segen. Was das für die Langzeitstabilität bedeutet, steht auf einem anderen Blatt.

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8 Kommentare

  1. Jan 6. August 2026 um 8:11 Uhr - Antworten

    Im Suezkanal kassiert Ägypten umgerechnet bis zu 0,25% des Warenwertes, nicht 7%.

    Die geplante Besteuerung der Nachbarn und der Eingriff in deren souveräne Preisverhandlung, um sie mit den Geldern militärisch zu „schützen“, ist der Versuch einer Islamischen Union unter dem Primat Irans.

    Die Omanis sind echte Diplomaten mit Humor! Nun dürfen die Iraner ihre eigenen Einfuhren besteuern, während der Oman die Ausfuhren kontrolliert. Wenn die Preise steigen und die Bevölkerung ärgerlich wird, sind die Iraner schuld – von wegen Schutzmacht!

    Die Amis brauchen eine Lösung gegen Drohnen. Selbst wenn sie den Iran in die Steinzeit bombardieren, hat jeder gesehen, wie einfach man mit billigen Drohnen die Amis in die Knie zwingen kann. Die Russen haben ja ein ähnliches Problem mit dem Pipelinesprenger. Ich nehme an, dass man dazu eine Lösung präsentieren wird.

    • Daisy 6. August 2026 um 8:22 Uhr - Antworten

      Ich bin ziemlich sicher, dass es zu keiner Lösung kommt, aber Trump muss die Midterms irgendwie überstehen. Dazu braucht er auch die Isr.Lobby. Jetzt wird mal Zeit geschunden. Dann wird die Meerenge mit ein paar MOABs geweitet…

  2. Daisy 6. August 2026 um 7:49 Uhr - Antworten

    Also, ich bin nicht so pervers selbsthassend, dass ich mich darüber freue, wenn das Benzin teurer wird, sei es wegen der Raubrittergebühren oder wegen des Klimawahns oder weil die Raffinerien angezundet und die Pipelines gesprengt wurden…

    • 1150 6. August 2026 um 8:05 Uhr - Antworten

      @,
      die °°raubrittergebühren°° würde es ohne die infantile räuberbande aus übersee nicht geben.
      immerhin müssen die eingefrorenen guthaben, die kriegsschäden und jahrzehntelangen sanktionen
      des iran ausgeglichen werden und sie haben nun unverhofft die geschenkte möglichkeit dazu.
      das ägypten gebühren für den suezkanal erhebt ist eine gemeinheit,
      schliesslich haben die briten bekanntlich, als sie den kanal verwalteten, jeden bezahlt der durchfuhr ;-))

      • Daisy 6. August 2026 um 8:12 Uhr

        Ich freue mich nicht darüber, im Ggs.zu Ihnen??? Klar soweit?

      • 1150 6. August 2026 um 8:31 Uhr

        @,
        womit habe ich °°freude°° zum ausdruck gebracht?
        wenn die us-terroristen eine krieg anfangen, um angeblich die bevölkerung zu °°befreien°°
        und die sache dabei wieder einmal nicht rundläuft, freue ich mich,
        besonders, wenn sie regelmässig ihre grenzen kennenlernen, gib jedem narzissten eine chance ;-))
        gerade der europäer, der sich über steigende energiepreise alteriert,
        soll keine sprüche vom stapel lassen, wenn er mutwillig seinen jahrzehntelangen, günstigen anbieter wegen der °°haltung°° vor die tür setzt und noch sanktioniert.

      • Daisy 6. August 2026 um 9:11 Uhr

        Schaun Sie, es trifft ja die Armen. Mir persönlich kann es wurst sein, denn ich bin gstopft. Aber mir tun die Menschen leid, die nun hungern müssen. Das führt zu Unruhen, Chaos, Plünderungen. Dann werden Sie das bestimmt nicht mehr so lustig finden, 50er.

        Die Straße v.H. kommt frei. Wenn nicht jetzt, dann nach den Midterms. Und sobald das geschieht, werde ICH mich freuen!

      • Daisy 6. August 2026 um 9:19 Uhr

        „gerade der europäer, der sich über steigende energiepreise alteriert,
        soll keine sprüche vom stapel lassen, wenn er mutwillig seinen jahrzehntelangen, günstigen anbieter wegen der °°haltung°° vor die tür setzt und noch sanktioniert.“

        1150er, ich habe dem Iran nichts getan und viele andere, die nun verhungern müssen, auch nicht. Was soll das? Sie meinen, die Armen haben es sich ja selbst verdient, wenn sie nun aufgrund Dieselmangels bzw. der hohen Energiepreise darben müssen? Gehts noch?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

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