Die große Erdöl-Lüge Teil 2: Die abiogene Theorie – Beweise, Experimente, Feldevidenz

11. August 2026von 7 Minuten Lesezeit

Im ersten Teil ging es um die herrschende Lehre der Entstehung von Erdöl und Erdgas aus biologischen Fossilien. Im Teil 2 beleuchten wir nun die immer stärker werdenden Beweise für die abiogene Entstehung. vor allem in Nature sind in jüngster Zeit eine Reihe von neuen Studien dazu erschienen.

Der Kern der Theorie

Die abiogene Theorie besagt: Kohlenwasserstoffe sind primordialen (ursprünglichen) Ursprungs. Sie entstehen in großen Tiefen des Erdmantels unter hohen Drücken und Temperaturen durch anorganische chemische Prozesse und migrieren durch tiefe Störungszonen in die Erdkruste.

Die Theorie wurde über Jahrzehnte vor allem in Russland und der Ukraine entwickelt — von Wissenschaftlern wie Kudryavtsev, Porfir’ev und Krayushkin. Im Westen wurde sie besonders durch Thomas Gold von der Cornell University bekannt, der 1992 in den Proceedings of the National Academy of Sciences seine bahnbrechende Arbeit „The Deep, Hot Biosphere“ veröffentlichte. Bekannt ist sein Buch, das auf Deutsch hier erhältlich ist: Die Biosphäre der heißen Tiefe und der Mythos der fossilen Energieträger

Die experimentellen Beweise

Anders als oft behauptet, gibt es umfangreiche experimentelle Bestätigungen für die abiogene Synthese. Hier die wichtigsten Meilensteine:

Kenney et al. (2002, PNAS): Unter Mantelbedingungen (30–50 kbar, bis 1500 °C) wurde aus rein anorganischen Ausgangsstoffen — FeO, CaCO₃ und H₂O — eine komplette n-Alkan-Serie synthetisiert, inklusive flüssiger Kohlenwasserstoffe. Das ist die direkte experimentelle Reproduktion von Erdöl.

Scott et al. (2004, PNAS): Das Carnegie Institution-Team bestätigte die Methanogenese aus Karbonat-Reduktion bei 5–11 GPa und 500–1500 °C — mit In-situ-Beobachtung in der Diamantstempelzelle.

Kolesnikov, Kutcherov & Goncharov (2009, Nature Geoscience): Methan polymerisiert unter Mantelbedingungen zu Ethan, Propan und Butan — der „Methan-Pfad“ zu schwereren Kohlenwasserstoffen ist experimentell belegt.

Peña-Alvarez et al. (2021, Nature Communications): Der bislang spektakulärste Durchbruch. Diamant und Graphit reagieren mit reinem H₂ bereits bei 300 °C und 0,5 GPa zu Methan. Bei 500 °C+ entstehen Ethan und höhere Kohlenwasserstoffe. Kein Sauerstoff, kein Katalysator nötig. Kontrollexperimente mit Al₂O₃-Beschichtung und Deuterium schließen Kontamination aus.

Das Entscheidende: 300 °C und 0,5 GPa entsprechen nur 18 km Tiefe — obere Kruste, nicht mal oberer Mantel. Diese Bedingungen herrschen in jeder Subduktionszone. Überall dort, wo Graphit und H₂ koexistieren — und H₂-Unmischbarkeit in wässrigen Fluiden im Mantel ist seit Bali et al. (2013, Nature) nachgewiesen — entstehen abiotische Kohlenwasserstoffe. Das ist kein Randphänomen, das ist ein planetarer Standardprozess.

(Komplettes Quellenverzeichnis mit Links am Ende des Artikels.)

Die geologischen Feldbeweise

1. Kohlenwasserstoffe in Mantel-Xenolithen

In Mantel-Xenolithen — Gesteinsbrocken, die aus dem Erdmantel an die Oberfläche transportiert wurden — finden sich primäre Flüssigkeitseinschlüsse mit flüssigen Kohlenwasserstoffen. Diese Einschlüsse wurden unter Mantelbedingungen eingeschlossen. Dorthin ist niemals organisches Material gelangt.

2. Abiotisches Methan in präkambrischen Schilden

In den präkambrischen Schilden Kanadas (Kidd Creek) und Südafrikas (Witwatersrand) wurden Kohlenwasserstoffgase mit eindeutig abiogenen Isotopensignaturen gefunden — in Grundwässern mit Aufenthaltszeiten von 10–25 Millionen Jahren, die keinerlei Kontakt zur Biosphäre hatten.

3. Der ¹³C-¹³C-Clumping-Beweis (2022)

Die Arbeit von Taguchi et al. (2022, Nature Communications) lieferte einen methodischen Meilenstein: Die Δ¹³C¹³C-Clumping-Analyse von Ethan unterscheidet mechanistisch zwischen abiogener und thermogener Herkunft:

  • Thermogenes Ethan: Positives Δ¹³C¹³C (+0,2 bis +1,0‰) — durch C-C-Bindungsspaltung in organischen Vorläufern

  • Abiogenes Ethan: Negatives Δ¹³C¹³C (−0,3 bis −0,52‰) — durch Anti-Clumping bei CH₃-Radikal-Rekombination

Kidd Creek und das Dingo Gas Field (Australien) zeigen exakt die gleiche negative Signatur wie im Labor synthetisiertes abiogenes Ethan. Das ist kein „passt zu“, das ist ein positiver Identitätsnachweis.

4. Unmischbare H₂O–CH₄-Fluide in Subduktionszonen (2024)

Zhang et al. (2024, Communications Chemistry) dokumentierten in Eklogiten des chinesischen Tianshan-Gebirges zwei koexistierende Fluidtypen in denselben Wirtsmineralen:

  • Typ 1: H₂O-reich mit CH₄-Blasen

  • Typ 2: Reines CH₄-Gas, kein nachweisbares H₂O

Unter Bedingungen von 1,8–2,1 GPa und 480–590 °C — mitten in der Subduktionszone. Die δ¹³C-Werte des Methans (−29,7‰ bis −30,2‰) sind konsistent mit abiogenem Ursprung. Drei konkrete petrographische Reaktionspfade wurden identifiziert:

Graphit+Lawsonit/Chlorit/Aktinolith→Calcit+Epidot+CH4​+H2​O

Das sind keine Modelle — das sind direkt beobachtete Mineralreaktionen in natürlichen Gesteinen.

5. CH₄-getriebene Brekziierung und Erdbeben (2023)

Am Lanzo-Massiv in den italienischen Alpen wiesen Giuntoli, Vitale Brovarone & Menegon (2023, Nature Communications) nach, dass CH₄-H₂-reiche Fluide supralithostatischen Porendruck aufbauten und das Wirtsgestein bei 1–2 GPa sprengten. Mechanische Zwillinge im Omphazit belegen differentielle Spannungen von mehreren hundert MPa — konsistent mit seismischer Bruchauslösung.

Abiogenes Methan ist also nicht nur passiv vorhanden — es beeinflusst aktiv die Mechanik von Subduktionszonen.

6. Der Oman-Ophiolith: Aktive abiogene Produktion (2025)

Nothaft et al. (2025, Scientific Reports) wiesen im Samail-Ophiolith (Oman) CH₄ mit F¹⁴C-Werten von 0,0497 bis 0,304 nach. Das bedeutet: Bis zu 30% des Methans stammen aus atmosphärischem CO₂ der letzten 10.000 Jahre — der Rest ist ¹⁴C-frei und abiogen. Die Alkan-Verteilung (C₁–C₆) folgt der Anderson-Schulz-Flory-Verteilung, charakteristisch für Fischer-Tropsch-Synthese. Ethan und Propan sind stark ¹³C-angereichert und haben keine bekannte mikrobielle Quelle.

Die praktische Validierung: Exploration nach abiogener Theorie

Der härteste Test einer wissenschaftlichen Theorie ist ihre Vorhersagekraft. Die abiogene Theorie hat diesen Test bestanden:

  • Dnieper-Donets-Becken (Ukraine): 57% Erfolgsquote, über 50 Öl- und Gasfelder im kristallinen Grundgebirge entdeckt — in einem Gebiet, das nach biogenen Kriterien als hoffnungslos galt

  • Vietnamesisches Schelf (White Tiger Field): Riesiges Ölfeld im granitischen Grundgebirge — produziert seit 1988, über 200 Millionen Tonnen Öl gefördert. Nach biogener Theorie hätte dort nie gesucht werden dürfen

  • Russische Tiefbohrungen: Die Sowjetunion bohrte systematisch tiefer als der Westen — und fand Kohlenwasserstoffe in Tiefen und Gesteinen, die biogen nicht erklärbar sind

Die Beweislage im direkten Vergleich

Kriterium Biogene Theorie Abiogene Theorie
Experimentelle Reproduktion Nie gelungen — kein Labor hat aus Algen Erdöl gemacht Mehrfach reproduziert: Kenney (2002), Scott (2004), Kolesnikov (2009), Peña-Alvarez (2021)
Thermodynamische Konsistenz Verletzt 2. Hauptsatz bei Krustenbedingungen Thermodynamisch konsistent — Synthese bei Mantelbedingungen begünstigt
Öl im kristallinen Grundgebirge Keine Erklärung Zwanglose Erklärung durch Tiefenmigration
Nachfüllungs-Phänomene Keine Erklärung Erklärt durch kontinuierliche Mantelzufuhr
Kohlenwasserstoffe in Mantel-Xenolithen Keine Erklärung Direkter Beweis für Mantel-Herkunft
Isotopen-Diagnostik Korrelativ, oft mehrdeutig Δ¹³C¹³C-Clumping: mechanistischer Positivnachweis
Erfolgreiche Exploration Nur in Sedimentbecken (wo man sucht) 57% Erfolgsquote in Nicht-Sedimentbecken
Unmischbare CH₄-Fluide Kein Modell Direkt beobachtet in Eklogiten (Tianshan, 2024)

Das wahrscheinlichste Modell

Die Gesamtheit der Evidenz — experimentell, feldgeologisch, isotopenchemisch, thermodynamisch — schließt biogene Entstehung nicht endgültig aus, aber abiogener Dominanz ist immer stärker durch Studien belegt:

  1. Primordiale Kohlenwasserstoffe entstehen kontinuierlich im Erdmantel durch Reaktionen von H₂ mit Graphit, Diamant und Karbonaten — ein fortlaufender geologischer Prozess, kein einmaliges Ereignis vor Jahrmillionen

  2. Vertikale Migration entlang tiefer Krustenstörungen transportiert diese Fluide in die obere Kruste, wo sie in allen Gesteinstypen — sedimentär, kristallin, vulkanisch — Fallenstrukturen füllen

  3. Mikrobielle Überprägung in der Lagerstätte fügt biologische Moleküle hinzu und verändert Isotopensignaturen — was den falschen Eindruck einer rein biogenen Herkunft erweckt

  4. Thermogene Beiträge aus subduziertem organischem Material existieren, sind aber eine sekundäre, lokale Komponente, die den primordialen Fluss überlagert

  5. Die abiogene Komponente ist erneuerbar im geologischen Sinne — solange Mantelkonvektion und Plattentektonik H₂ und Kohlenstoff in Kontakt bringen, produziert die Erde Kohlenwasserstoffe

Thomas Gold brachte es 1985 auf den Punkt:

„Wenn Kohlenwasserstoff-Fluide über geologische Zeiträume durch die Kruste aufgestiegen sind und für die gewaltigen Mengen an Oberflächenkohlenstoff in allen Karbonatgesteinen verantwortlich waren, dann muss die Erde Mengen dieser Fluide enthalten haben — und vermutlich immer noch enthalten — die viele Größenordnungen über den Mengen in allen bekannten Öl- und Gasfeldern liegen.“

Die politische Komponente

Jedenfalls wird der Begriffe der „fossilen“ Brennstoffe auch politisch genützt, indem „fossil“ dem Behauptung der „erneuerbaren“ Energie entgegengesetzt wird, also alt versus neu. Nur – Energie ist nicht erneuerbar, so die Thermodynamik und die Erhaltungsgesetze der Physik.

Die Erde ist kein ausblutender fossiler Patient. Sie produziert kontinuierlich Kohlenwasserstoffe in Tiefen, die wir kaum zu erkunden begonnen haben. Dass die westliche Erdölgeologie diese Perspektive jahrzehntelang als „widerlegt“ abtat, während die russische Schule sie erfolgreich zur Exploration einsetzte, ist kein wissenschaftliches Urteil — es ist Institutionspolitik.

„Peak Oil“ war wohl nie mehr als ein Instrument zur Preissteuerung. Die abiogene Theorie sagt: Die Erde hat mehr Kohlenwasserstoffe, als wir je verbrauchen könnten. Wir müssen nur lernen, sie zu finden.

Hier geht es zum Teil 1: Fossile Brennstoffe? Die biogene Theorie wissenschaftlich am Ende – Teil 1 

Quellenverzeichnisse Erdöl-Lüge Teil 1 und 2

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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Fossile Brennstoffe? Die biogene Theorie wissenschaftlich am Ende – Teil 1 

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2 Kommentare

  1. Der Zivilist 11. August 2026 um 10:26 Uhr - Antworten

    Peak Oil fing mit Club of Rom’s ‚Grenzen des Wachstums‘ an und während die Berechnung der Reichweite bei anderen Bodenschätzen schon fragwürdig ist, ist sie beim Erdöl, das ja eine chemische VERBINDUNG ist, voll daneben, weil nicht nach den Bestandteilen und deren Verbinden gefragt wird. Alles in allem also Propaganda, um aus Scheiße Gold zu machen.

    Und die ‚erneuerbaren Energien‘ beinhalten ja noch eine weitere Lüge. Wenn es einen anthropogenen Klimawandel durch beschleunigtes Abfackeln von über Jahrmillionen gespeicherter Biomasse gäbe, müßte man eine nicht anthropogene Speicherung der aktuellen Biomasse betreiben, und sie nicht sofort abfackeln und ihre Bildung nicht durch Solarzellen verhindern.

    Das Problem der Kunststoffabfälle in den Meeren besteht eigentlich nur darin, daß sie nicht schwerer sind als Meerwasser und nicht auf den Ozeangrund absinken, wie andere Schwebstoffe, auch Biomasse, um die 500m mächtigen Sedimentkeile vor den Subduktionszonen zu bilden um dort untergezogen zu werden und wieder zu Kohlenwasserstoffen synthetisiert zu werden.

    Und noch ein Verdacht: Russland ist gar nicht so viel reicher an Ressourcen (welche die Begehrlichkeiten des Westens wecken), sondern die SU hat Exploration systematisch betrieben, während im Westen der kurzfristige Erfolg die Investitionen lenkt, man meistens dort bohrt, wo man bereits Erfolg hatte und ‚riskante‘ Projekte meidet.

  2. Siegfried der Drachenkoeter 11. August 2026 um 8:53 Uhr - Antworten

    Tja, der Westen (also wir) ist wiedermal das A-Loch. Hat es überhaupt jemals eine Zeit gegeben, in der wir uns nicht selbst bzw. unsere Politiker ihre Bürger besch*ssen haben? In den russischen Schulbüchern stand das früher genau so drin, wie es im Artikel aufgeführt ist. Aber natürlich weiß es der West-Kapitalismus besser, denn durch „Knappheit“ wird bekanntlich der Preis getrieben.

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