Italien hat die Geduld verloren. Verteidigungsminister Guido Crosetto sagte in La Spezia, man werde nicht warten, bis EUNAVFOR Aspides entscheide, ob italienische Schiffe durch die Meerenge dürfen.
Die Fregatte Carlo Bergamini eskortierte den Frachter Jolly Oro wie Euractiv berichtet. Das Schiff lag zuvor in Dschibuti, gebunden an Lagebeurteilungen des griechischen Kommandos. Reeder hatten gemeldet: Franzosen fahren mit eigener Begleitung durch, Italiener warten, so ANSA. Crosetto nannte Aspides keinen Betriebsausflug. Wer die Handelsroute unterbricht, liefert verspätet, treibt Kosten und Preise für Familien und Betriebe.
Wer die Last trägt
Laut Il Sole 24 Ore dienen 269 italienische Soldaten unter EU-Flagge – 167 auf der Bergamini, je 51 auf den Minenräumern Rimini und Crotone. Das strategische Kommando in Larissa mit Konteradmiral Vasileios Gryparis sollte Einsätze koordinieren. Italien sitzt derzeit nicht in der C2-Kette. Griechenland und Italien stellen die Kernschiffe seit Missionsstart im Februar 2024; Deutschland, Frankreich, Spanien, Niederlande, Belgien kamen und gingen. Verlängert wurde der Einsatz bis Februar 2027. Drei Schiffe für Rote Meer plus den Golf von Aden – Crosetto will fünf oder sechs, berichtet la Repubblica.
Houthis kontrollieren die Meerenge – EU zögert
In den letzten Wochen haben die Huthis die Kontrolle über weite Teile der Bab-el-Mandeb-Straße ausgeweitet. Die strategische Wasserstraße, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, ist für den internationalen Handel von zentraler Bedeutung. Etwa 40 Prozent des italienischen Seehandels und 60 Prozent der Exporte nach Asien laufen über diese Route.
Aspides (EUNAVFOR Aspides) wurde im Februar 2024 als defensive EU-Mission gestartet, um Handelsschiffe vor Angriffen zu schützen. Die Mission verfügt über keine eigenen Schiffe – die Streitkräfte stellen die Mitgliedstaaten. Derzeit trägt Italien die Hauptlast
Nationale Interessen vor EU-Kommando
Das Verteidigungsministerium hat den Generalstabschef angewiesen, einen Plan auszuarbeiten, der den freien Transit italienischer Schiffe garantiert. Dabei wird geprüft, ob bereits unter Aspides eingesetzte Einheiten vorübergehend dem nationalen Kommando unterstellt werden können – statt neue Kräfte zu entsenden. Die Carlo Bergamini hat inzwischen bereits das italienische Handelsschiff Jolly Oro durch die Meerenge eskortiert.
Gleichzeitig drängt Rom auf eine Verstärkung der Mission. Crosetto schrieb an EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und forderte mehr Schiffe und finanzielle Beteiligung anderer Mitgliedstaaten. Italien sei bereit, eine zweite Fregatte zu stellen – aber nur, wenn die Partner mitziehen. Bisher tragen vor allem Italien und Griechenland die Last, während andere Länder sich weitgehend zurückhalten.
Bürokratie statt Handlungsfähigkeit
Crosettos Kritik trifft den Kern der EU-Sicherheitsarchitektur: Eine Mission, die von den Mitgliedstaaten abhängt, aber von Brüsseler Entscheidungsprozessen gebremst wird. Während die Huthis Fakten schaffen und die Wirtschaft leidet, debattiert man in den EU-Gremien über Verstärkungen. Kallas hat inzwischen die Mitgliedstaaten aufgefordert, mehr Schiffe und Flugzeuge bereitzustellen – doch die Realität zeigt, dass nationale Interessen schneller handeln als die gemeinsame europäische Struktur.
Italien zeigt damit,: Wenn es ernst wird, zählt die nationale Handlungsfähigkeit mehr als die bürokratische EU-Kommandostruktur. Die „gemeinsame europäische Verteidigung“ erweist sich einmal mehr als Papier-Tiger, sobald reale Bedrohungen und wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel stehen
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