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Wirtschaft

Geht Deutschland im Winter das Gas aus?

9 Kommentare 22. September 2026 5 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Mit den niedrigsten Gasspeicherständen der letzten 20 Jahre wird Deutschland in den Winter gehen. Bei einem kalten Winter wird es knapp, glaubt der RWE-Vorstandsvorsitzende.

Rechnet Deutschland damit, dass der „Klimawandel“ dafür sorgt, weniger Gas zu brauchen? Vermutlich ist ein milder Winter die Hoffnung, denn ein normaler Winter könnte Probleme bringen. Mehrere wichtige deutsche Industrieverbände und Energieanalysten warnen, dass Deutschland bei einem außergewöhnlich kalten Winter mit schweren Engpässen bei der Gasversorgung rechnen und seine Speicher möglicherweise vollständig leeren könnte. Aber kalte Winter gibt es laut Klimaexperten doch nicht mehr, oder?

Tatsächlich muss man vorsichtig sein, und auch Polemik hilft wenig weiter. Vorhersagen ob eines Gasmangels wurden in den letzten Wintern immer wieder gemacht, bisher ist Deutschland das Gas noch nie ausgegangen (allerdings wurde es deutlich teurer). Wie alarmistisch sind Warnungen also diesmal und wie realistisch ein tatsächlicher Gas- und Energieengpass diesmal ist?

Laut Regierung gibt es keinen Gasmangel und es werde auch keinen geben. Remix News blickt aus dem Ausland auf Deutschland:

Speicherbetreiber, Energievorstände und einige Ökonomen halten jedoch fest: Ein milder Winter sei zu bewältigen, ein brutaler Kältewinter könne aber so knapp werden, dass die Industrie die Produktion drosseln müsse und die Preise in die Höhe schießen.

Eine der deutlichsten Warnungen kommt von Markus Krebber, dem Vorstandsvorsitzenden von RWE, Deutschlands größtem Stromerzeuger. „Wenn wir einen milden Winter bekommen, ist alles in Ordnung“, sagte er im Interview mit Focus. „Wenn der Winter hart wird, kann es deutlich höhere Preise geben. Und es kann eng werden.“

Krebber sagte, Deutschland gehe in die Saison „mit den niedrigsten Gasspeicherständen der letzten 20 Jahre“ – sogar niedriger als 2022, als die russischen Pipeline-Lieferungen zusammenbrachen. „Das funktioniert, wenn wir einen normalen Winter haben. Wenn wir einen besonders kalten Winter bekommen, kann es knapp werden.“

Er hat außerdem gewarnt, dass es ohne zusätzliches Stromangebot „Verteilungskämpfe um Strom“ zwischen Industrie, Rechenzentren und der Elektrifizierung von Wärme und Verkehr geben werde.

Die Daten stützen Krebbers Bedenken. Die Initiative Energien Speichern (INES) warnt, dass Deutschland den September mit den niedrigsten Speicherständen seit 15 Jahren begonnen hat – bei rund 53 bis 56 Prozent. INES-Modelle zeigen: Bleiben die Auffüllungen schleppend und erlebt Deutschland einen extrem kalten Winter wie 2010, könnten die Reserven bereits im Januar oder Februar erschöpft sein. Dann drohen tägliche Versorgungslücken von bis zu 25 Prozent.

Die deutschen Untergrundspeicher liegen rund 20 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau und weit unter der saisonalen Norm. Berlins eigene Vorgaben sehen vor, dass die meisten Gasspeicher bis zum 1. November 80 Prozent erreichen sollen – damit rechnet inzwischen fast niemand mehr.

„Mittlerweile sind sich alle Experten einig: Diese 80 Prozent sind technisch schon jetzt nahezu unmöglich zu erreichen und auch nicht realistisch“, sagte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, in einem Phoenix-Interview. Speicher seien aber nicht das ganze Bild. „Wir haben mit vier Flüssigerdgas-Terminals eigene Kapazitäten geschaffen. Wir können Gas aus Norwegen, Belgien, Holland und Frankreich beziehen.“

Energieberatungen und Branchenanalysen weisen darauf hin, dass die schwachen Sommer-Auffüllungen – verursacht durch ungünstige Preisunterschiede zwischen Sommer- und Wintergas sowie Volatilität durch globale Konflikte – Deutschland von stetigen laufenden Importen abhängig gemacht haben. Kälte sei nicht der einzige Faktor: Pipeline-Ausfälle, reduzierte LNG-Lieferungen, eine Eskalation in der Ukraine oder im Nahen Osten und weitere Szenarien könnten die Lage verschärfen. All das zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschlands Puffer deutlich dünner ist als in den Vorjahren.

Nicht alle geraten in Panik. Die Bundesnetzagentur hat die niedrigen Speicherstände zwar eingeräumt, sieht darin aber derzeit keine unmittelbare Krise und keinen unvermeidlichen Engpass.

Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung betont, man müsse zwischen Knappheit und höheren Preisen unterscheiden. Ein akuter Mangel sei nicht ihr Basisszenario, doch die niedrigen Bestände machten das System anfälliger, wenn Kälte, hohe LNG-Preise und Lieferunterbrechungen gleichzeitig auftreten. Sich auf Last-Minute-Ladungen zu verlassen, sei „riskant und teuer“.

Historische Wetterdaten sprechen eher gegen extreme Gasmangel-Szenarien. Im Durchschnitt waren die vergangenen zehn Winter in Deutschland extrem mild – mit Ausnahme des vergangenen Winters, der außergewöhnlich kalt war. Wiederholt sich das oder wird es noch kälter, könnte Deutschland tatsächlich in eine Energiekrise geraten. Die Wahrscheinlichkeit spricht jedoch dagegen.

In der Zwischenzeit treffen Industrieunternehmen in Deutschland bereits Vorsichtsmaßnahmen. Ein schwerer Kälteeinbruch würde voraussichtlich zuerst industrielle Verbraucher zur Drosselung zwingen, um das verbleibende Gas bis Februar und März zu strecken und die Versorgung der Haushalte zu sichern.

Eine weitere gute Nachricht: Die Europäische Union insgesamt liegt bei den Gasspeichern bei knapp 70 Prozent – deutlich besser als Deutschland. Eine Krise würde daher unwahrscheinlich ganz Europa erfassen. Dennoch ist Deutschland die größte Volkswirtschaft Europas und ein zentraler Industriestandort. Jede Gas- oder Energiekrise im Land hätte weitreichende Folgen für ganz Europa.


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9 Kommentare

  1. lotus998dc2ac81f3
    Antworten

    Die Speicherstände fielen dieses Jahr auf 20,5%- ab 20% herrscht Gasmangellage, weil der Druck dann nicht mehr für alles reicht, wenn der Bedarf hoch ist.
    Jetzt geht man – auch Europaweit- mit viel weniger in den Winter.
    Ab 1. 1. gibt es kein russisches Gas mehr.
    Dieses Jahr waren das EU Weit noch 6%.
    Norwegen lieferte letzten Winter am Anschlag und muss in der kommenden Saison Wartungen machen.
    der Weltmarkt ist durch den Nahostkrieg um 15% auf der Angebotsseite geschrumpft.
    Der letzte Winter war keineswegs kalt, sondern insgesamt recht durchschnittlich.
    Das einzig „positive“ ist, dass die fortschreitende Deindustrialisierung den Verbrauch etwas dämpft. Eine Gasmangellage ist nur bei extrem netten Wetter zu vermeiden.
    Was die Bundesnetzagentur sagt, ist nachweislich irreführend.

    1. Glass Steagall Act
      Antworten

      Jedes Jahr haben wir eine größere Gasmangellage, aber irgendwann ist Schluss mit lustig! Es ist einfach unglaublich, dass die Bevölkerung der Sturheit der Politik geopfert werden soll! Russland hat genügend Gas, aber unsere Politik, also unsere Angestellten wollen dort nicht kaufen. Ich würde lieber die falschen Politiker rauswerfen, als auf russisches Gas zu verzichten

  2. Daisy
    Antworten

    Es empfiehlt sich, sich um andere Heizmöglichkeiten umzuschauen. Wer es kann, sollte sich einen Küchenherd anschließen lassen.

    Aber es geht bei der Sache ja nicht nur um die privaten Haushalte. Mit Kohle und Gas zB wird auch der Flatterstrom gesichert. Gelingt das nicht, wird es zu einem Blackout kommen. Und auch die Industrie braucht das Gas.

    Das alles ist natürlich Mörds und seinen Strippenziehern wurst. Denn es wird sowieso Krieg geben. Da geht eh keiner mehr zur Arbeit.

    Legt euch einen Notvorrat an.

  3. Glass Steagall Act
    Antworten

    Was viele Bürger vergessen haben, es gibt immer noch die funktionierende Nordstream-Pipeline, über die allein 40% der deutschen Haushalte mit Gas versorgt werden können! Aber die Politik hat ja die Rolle der Mutter übernommen und hat dem kleinen Jungen (der Bevölkerung) gesagt, du darfst nicht mit dem bösen Russen spielen, das hat der Onkel USA gesagt! Auf das Gas übertragen heißt das, der Bürger soll frieren, denn die Ideologie der Sanktionen der politischen Klasse geht vor!

  4. VerarmterAdel
    Antworten

    „Jede Gas- oder Energiekrise im Land hätte weitreichende Folgen für ganz Europa“, das vernichtet werden soll. Läuft doch alles nach Plan.

  5. Glass Steagall Act
    Antworten

    Auch an diesem Beispiel zeigt sich, wie egal die Bevölkerung der Politik ist! Wenn sie wirklich etwas FÜR die Bürger tun würde, dann doch zumindest, dass es genügend Reserven im Winter gibt! Aber es muss erst die Katastrophe kommen, damit ein Erwachen stattfindet.

    Eine weitere Möglichkeit ist, die Politik will Rationieren und dem Bürger schon mal darauf trainieren! Die staatliche Einteilung von Nahrung, Energie und Geld ist ja bekanntlich das nächste Ziel der selbsternannten Machteliten. Mit diesem Winter könnte es schon einmal mit Gas und Diesel beginnen und später kommen dann noch Lebensmittel-Rationierungen dazu. Abhängigkeit muss trainiert werden! Das digitale Zentralbankgeld steht auch schon in den Startlöchern, um das Bild abzurunden.

    1. Daisy
      Antworten

      Deutschland soll ruiniert werden, restlos. Ich denke, deswegen dauert auch der Ukr.-Krieg so lange. Es kommt jetzt zum Finale. Die Länder werden darauf vorbereitet, dass es heuer noch Krieg mit Russland geben wird. Sie wollen über Königsberg einfallen. Zuletzt hat sich auch Kroatien darauf eingestimmt.

      In Anbetracht dessen wird es sowieso zu einem großen Chaos kommen und es werden div. Notstandsverordnungen erlassen. Dabei geht die Gastknappheit total unter. Das ist ihnen wurst.

      Natürlich sind den erpressbaren geistgestörten Marionetten die Menschen absolut egal. Das ist ihre Haupteignung für den Job – die völlige Empathielosigkeit. Sie sind alle so. Sie hassen uns sogar.

      1. Glass Steagall Act

        Der Ukrainekrieg läuft deswegen, weiter, weil große Finanzinvestoren das Land bereits unter sich aufgeteilt haben! Wenn die Ukraine an Russland geht, sind ihre Investitionen futsch. Deswegen muss auch Europa in den Krieg eintreten, und auch deswegen, weil die gleichen Investoren auch an die russischen Ressourcen wollen!

      2. Daisy

        Da macht dann aber Putin auch mit, oder? Er könnte ja auzahn…wie wir hier in den Bergen zu sagen pflegen. Zah au, hopp-hopp, sunst wird uns no die Zeid zu knopp ;-)

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