Ungarn und Slowakei verlieren russisches Gas: Was das bedeutet

4. Juni 2026von 3,3 Minuten Lesezeit

Die Slowakei und Ungarn werden ihre Energieversorgung de-russifizieren. Dabei werden Polen und die Türkei, sowieso Aserbaidschan und die USA profitieren.

Der slowakische Vizepremierminister Tomas Taraba erklärte Mitte Mai bei einem Besuch in Baku, dass sein Land einen zehnjährigen Gasliefervertrag mit Aserbaidschan abschließen möchte. Wenige Tage zuvor hatte Bloomberg berichtet, dass die Türkei den Bau einer militärischen Treibstoff-Pipeline nach Rumänien über Bulgarien in Erwägung zieht. Eine parallele Pipeline für die zivile Versorgung wäre durchaus denkbar.

Die Dubrovnik-Erklärung, die dem jüngsten Gipfel der Drei-Meere-Initiative folgte, nennt den „Solidarity Ring“ neben mehreren anderen regionalen Vernetzungsprojekten als Priorität. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Pipeline, die die Slowakei mit Aserbaidschan verbinden soll – genau über die Route, die Bloomberg für die türkische Militär-Treibstoff-Pipeline genannt hat. Interessanterweise entspricht diese Strecke weitgehend der des vor Jahren gestoppten Nabucco-Projekts, das nun de facto wiederbelebt zu werden scheint.

Der eigentliche Grund, warum die Slowakei überhaupt teureres Gas aus dem fernen Aserbaidschan importieren will, ist die EU-Verordnung vom vergangenen Jahr, die allen Mitgliedstaaten – darunter auch Ländern mit langfristigen Verträgen wie der Slowakei – vorschreibt, die De-Russifizierung ihrer Energiewirtschaft bis spätestens 2028 abzuschließen. Polen positioniert sich dabei als zentrale Eintrittspforte für amerikanisches LNG nach Zentral- und Osteuropa, speziell für seine Visegrád-Partner Tschechien, Slowakei und Ungarn.

Noch Ende letzten Jahres lag der relativ neue Polen-Slowakei-Gas-Interkonnektor weitgehend brach, weil Bratislava weiter auf russisches Gas setzte. Das soll sich jedoch bald ändern, damit Polen vom Weitertransport von US-LNG in die Slowakei und von dort nach Ungarn profitieren kann. Ebenso wird das neue pro-europäische Ungarn voraussichtlich den Transport aserbaidschanischen Gases über den Solidarity Ring in die Slowakei ermöglichen. So werden amerikanisches und aserbaidschanisches Gas das russische Gas in beiden Ländern ersetzen, sobald die De-Russifizierung abgeschlossen ist.

Diese Lieferungen sind teurer als russisches Gas, doch die Slowakei hat kaum eine Wahl, wenn sie den EU-Vorgaben folgen muss – zumal russische Energieimporte über die Ukraine ohnehin unzuverlässig sind, seit Kiew seine Transit-Rolle bereits mehrfach als Waffe eingesetzt hat. Ein kleiner Trost ist, dass die Slowakei nun endlich den lange verzögerten Abschnitt der Karparten-Autobahn (Via Carpathia) fertigstellt. Diese Nord-Süd-Verbindung zwischen Ostsee und Schwarzem Meer wird den Handel zwischen den regionalen Wirtschaftsmächten Polen und Türkei erheblich erleichtern.

Zusätzlich plant Rumänien nun die Fertigstellung eines eigenen Teilstücks dieser Korridor-Autobahn (A3), das die Reisezeit zwischen Zentralrumänien und Ungarn verkürzen wird. Sobald die Projekte abgeschlossen sind, liegen die Slowakei und Ungarn genau im Zentrum des baltisch-schwarzmeerländischen Handelsraums. Gleichzeitig werden der Solidarity-Pipeline und die Öffnung des Polen-Slowakei-Interkonnektors beide Länder ins Zentrum des neuen amerikanisch-aserbaidschanischen Gas-Duopols nach dem Ende der russischen Lieferungen rücken.

Für Russland ist das alles eine schlechte Nachricht: Die Via Carpathia hat auch eine militärisch-logistische Doppelfunktion, und die Solidarity-Pipeline wird Russland endgültig aus dem EU-Gasmarkt verdrängen. Dennoch scheint Moskau kaum realistische Möglichkeiten zu haben, diese Entwicklungen zu stoppen. Gleiches gilt für die Slowakei und Ungarn: Sie profitieren zwar vom kommerziellen Aspekt der Via Carpathia, müssen aber deutlich mehr für amerikanisches und aserbaidschanisches Gas bezahlen. Die eigentlichen Gewinner sind Polen und die Türkei – ihre wachsenden Einflusssphären in der Region werden durch diese Projekte klar unterstrichen.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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7 Kommentare

  1. MDGerlach 5. Juni 2026 um 6:42 Uhr - Antworten

    Es ist einfach irre wie sich die Bevölkerung von vielen verschiedenen Ländern von verschiedenen Regierungen einfach nur ausnutzen lässt…wenn man sich den Globus anschaut, dann ist Russland auch Europa und damit eigentlich sinnvoll um Handel mit Öl und Gas usw zu machen….aber hier geht keiner mehr auf die Straße und protestiert gegen den Schwachsinn fracking Gas…klimaschädlicher geht’s fast nicht mehr…..wann wacht das ganze europäische Volk auf und schmeißt diese Politiker endlich raus….

  2. Michael Rosemeyer 4. Juni 2026 um 19:43 Uhr - Antworten

    Offener Brief von Jeffrey Sachs: „Lernen Sie Geschichte, Herr Bundeskanzler!“ zu Ukraine’
    2025_12_17
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/offener-brief-von-jeffrey-sachs-lernen-sie-geschichte-herr-bundeskanzler-li.10010628

    Jeffrey Sachs an Bundeskanzler Merz: Verhindern Sie offenen Krieg mit Russland!
    2026_05_27
    https://www.berliner-zeitung.de/article/jeffrey-sachs-an-bundeskanzler-merz-verhindern-sie-offenen-krieg-mit-russland-10038620

    There could be peace since May 2025 if Zelensky wanted to
    New York Post Trump gives Zelensky dire warning on Russia-Ukraine war — accept peace or risk ‚losing the whole country‘
    2025_04_23
    https://nypost.com/2025/04/23/us-news/trump-gives-zelensky-dire-warning-on-russiaukraine-war-accept-peace-or-risk-losing-the-whole-country/

    Wie seit 2014 bekannt
    ARD 2014
    https://t.co/d58CT67zUl
    https://www.deutschlandfunk.de/krim-referendum-95-prozent-stimmen-fuer-russlandbeitritt-100.html

    EILMELDUNG: Die USA werfen der EU Sabotage am Friedensprozess vor „Höhere Beamte des Weißen Hauses glauben, dass einige europäische Führer Präsident Trumps Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Krieges öffentlich unterstützen – während sie hinter den Kulissen versuchen, die Fortschritte seit dem Alaska-Gipfel rückgängig zu machen”, berichtet Axios.
    2025_09_01
    https://x.com/PolitRealist/status/1962454461097316835

    The Ukraine – Russian War Was Provoked!
    Explaned by Jeffrey Sachs, David Sacks, John Mearsheimer, Douglas Macgregor, Scott Ritter
    If you still believe that Russia started this conflict in 2022, then you are either corrupt, ignorant, or brainwashed.
    over 2 hours
    2025_03_10
    https://x.com/ivan_8848/status/1899194698448638397

    The Spy War: How the C.I.A. Secretly Helps Ukraine Fight Putin – The New York Times
    2024_02_25
    https://www.nytimes.com/2024/02/25/world/europe/cia-ukraine-intelligence-russiawar.
    html

  3. VerarmterAdel 4. Juni 2026 um 15:59 Uhr - Antworten

    Ach, Dummland wird helfen und gerne frieren und kaputtgehen.

  4. Leontinger 4. Juni 2026 um 15:32 Uhr - Antworten

    Sind die alle mRNA-gespritzt?
    Was soll daran gut sein, statt billigerem Russlandgas, das teurere und umweltschädlich geförderte US-LNG-Gas durch die Gegend zu leiten?
    Sind das schon die ersten Spikeschäden in den Gehirnen der Verantwortlichen?

    • rudifluegl 4. Juni 2026 um 16:43 Uhr - Antworten

      Die ersten gewiss nicht!
      Und zu hoffen, dass das die letzten sind verbietet die Mitmenschlichkeit!

    • Varus 4. Juni 2026 um 17:25 Uhr - Antworten

      Was soll daran gut sein, statt billigerem Russlandgas, das teurere und umweltschädlich geförderte US-LNG-Gas durch die Gegend zu leiten?

      Für US-Konzerne ist es gut und in Westeuropa haben sich alle nach dieser Interessenlage zu richten. So könnte man das Vasallentum definieren.

    • Jan 5. Juni 2026 um 1:46 Uhr - Antworten

      Die Amis können kein LNG liefern, da sie keines haben. Die großen Analysten verstehen das nicht: Wo nichts ist, kann auch nichts herkommen! Sie haben ja große Anteile des russischen Gases ersetzt, aber eben nicht alles.

      Allerdings ist es es so, dass das Natural Gas sehr wohl vorhanden ist und zwar als Nebenprodukt der Ölförderung. Vermutlich wirds abgefackelt. Es kann aber nicht verflüssigt und geliefert werden, weil die Anlagen dazu nicht ausreichen. Man muss erst welche bauen.

      Mittelfristig möchten die Amis LNG um 50% erhöhen. Das werden sie hinbekommen. In 5 Jahren. Bis dahin können sie es nicht und tkp wird dennoch täglich widerholen, wie entsetzlich die USA vom nichtgelieferten Gas profitieren. Wir werden es also noch 1800x lesen, bevor es stimmt.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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