Durov warnt: Das Ende des freien Internets hat begonnen

17. Juni 2026von 4,5 Minuten Lesezeit

Telegram-Gründer Pavel Durov sieht hinter dem britischen Social-Media-Verbot einen digitalen Eisberg. Er wird das freie Internet zum Sinken bringen und bürgerliche Grundrechte mitreißen.

Auf der Bühne am Freedom Forum in Oslo mischte sich Telegram-Gründer Pavel Durov in die Debatte rund um das Social-Media-Verbot in Uk ein. TKP hat ausführlich berichtet: Zuerst kommt die „Altersverifikation“ und das „Verbot für unter 16 Jahre“, das eigentlich ein Verbot für alle ist. Nur wer sich ausweist – letztlich mittels digitaler ID – bekommt einen Zugang zum Netz. Durov malt ein dunkles Bild.

Er vergleicht die westlichen Gesellschaften mit der Titanic. Sie sind bereits auf einen Eisberg aufgelaufen sind und zu sinken begonnen haben – doch die meisten Bürger sitzen noch in ihren Kabinen und sind überzeugt, dass das Schiff der persönlichen Freiheiten unsinkbar ist.

Der Vorstoß in Großbritannien ist dabei der nächste Schritt. Zunächst in UK, sicherlich bald in der ganzen EU und der perfekte Vorwand für eine verpflichtende digitale ID, eine Überprüfung auf Geräteebene auf jedem Handy und die praktische Abschaffung anonymer Kommunikation im Internet. Bürgerliche Grundfreiheiten wie das Briefgeheimnis und Informationsfreiheit stehen dabei vor einer Abschaffung.

Die Maßnahme wird in der bekannten Sprache des Kinderschutzes verpackt. In der Praxis müssen jedoch alle großen Plattformen das Alter der Nutzer per Gesichtsscan, Pass oder Kreditkartendaten verifizieren. Was als Einschränkung für Minderjährige beginnt, entwickelt sich schnell zu einem landesweiten System von Internetpässen.

Verschlüsselte Messenger-Apps sind derzeit noch vom Verbot ausgenommen, doch das gleiche „Online Safety Act“-Gesetz enthält bereits die rechtlichen Hebel, um später Hintertüren zu erzwingen. Tech-Manager, die sich weigern, jedes Smartphone in einen staatlichen Überwachungsapparat zu verwandeln, drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Durov sprach aus zwei Jahrzehnten Erfahrung an der Spitze großer Plattformen und mit direktem staatlichem Druck aus Russland, der EU und Frankreich. Seine Kernbotschaft:

„Unser Schiff ist bereits auf den Eisberg aufgelaufen. Wir haben bereits zu sinken begonnen, ohne es überhaupt zu merken. Und ich spreche vom Schiff unserer persönlichen Freiheiten.

Die Passagiere der Titanic wollten das Schiff fast zwei Stunden nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg nicht verlassen. Die Leute hielten die Titanic für unsinkbar. Die Rettungsboote fuhren halb leer ab.

Erst in der letzten halben Stunde gerieten die Menschen in Panik – aber da war es bereits zu spät. Nicht genug Rettungsboote, nirgendwo zum Verstecken, nirgendwohin zu fliehen.“

Durov nannte konkrete Beispiele: Im Vereinigten Königreich werden jedes Jahr Tausende Menschen wegen Social-Media-Posts verhaftet. In Deutschland kann ein politisch unkorrekter Kommentar zu Geldstrafen oder sogar Gefängnis führen. Kinderschutz“-Rhetorik werde dabei verwendet, um jede Debatte sofort zu beenden:

„Sobald jemand ‚Kinderschutz‘ sagt, werden plötzlich sehr alte und tiefe Teile unseres Gehirns aktiviert. Wer wäre schon gegen den Schutz von Kindern? Es umgeht komplett Logik, Debatte und Rationalität.

Auf einmal sind die Menschen bereit, alles aufzugeben. Und autoritäre Regime haben es immer wieder geschafft, alle möglichen repressiven Gesetze unter dem Deckmantel des Kinderschutzes durchzusetzen.“

Er erinnerte daran, wie Russland erfolglos versucht hatte, Telegram zu verbieten. Die Behörden sperrten die App, doch 95 Prozent der russischen Teenager nutzten sie trotzdem weiter – viele über VPNs, die sie mit deutlich radikaleren und illegaleren Inhalten in Kontakt brachten als die ursprüngliche Plattform.

Starmer hatte das Verbot für unter 16-Jährige damit begründet, den Kindern „ihre Kindheit zurückzugeben“. Die dazugehörigen Regeln verlangen Altersverifizierung auf Snapchat, TikTok, YouTube, Instagram, Facebook, X und weiteren Plattformen. Zusätzlich gibt es Einschränkungen bei Livestreams, dem Schreiben mit Fremden in Spielen sowie Ausgangssperren und Scroll-Limits für unter 18-Jährige. Die Vorschriften sollen noch vor Weihnachten 2026 in Kraft treten und bis April 2027 vollständig durchgesetzt werden.

Big Brother Watch dazu:  Es handelt sich um flächendeckende Identitätsprüfungen für alle, die ein Handy, Tablet oder Laptop nutzen wollen. Dieselbe Regierung, die Kinder wiederholt vor Grooming-Gangs und ideologischer Indoktrination in Schulen nicht schützen konnte, stellt sich nun als einzige Instanz dar, die entscheiden darf, was online „sicher“ ist.

Das britische Modell beschleunigt einen weltweiten Trend, der bereits in Kanada, Australien und der EU sichtbar ist. Jedes Land nutzt etwas andere Begründungen, baut aber dieselbe Kernfähigkeit auf: eine verifizierte digitale Identität als Tor zum offenen Internet.

Sobald jeder Post, jede Suche, jede Nachricht und jede Transaktion eine staatlich verknüpfte Identität erfordert, wird Dissens, der früher schwer flächendeckend zu überwachen war, zur einfachen Verwaltungsmaßnahme. Eine ganze Generation wird mit permanenter Überwachung als Normalzustand aufwachsen.

Durovs Warnung aus Oslo: Das Schiff ist bereits auf den Eisberg aufgelaufen. Die einzige Frage ist, wie viele Passagiere noch unter Deck sein werden, wenn das Wasser ihre Kabinen erreicht.


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2 Kommentare

  1. VerarmterAdel 17. Juni 2026 um 18:59 Uhr - Antworten

    Soll jetzt eine Behörde, ein privates Unternehmen oder ein Kosortium privater Unternehmen Zugriff auf alle privaten und geschäftlichen Informationen der Benutzer in UK bekommen, Betriebsgeheimnisse eingeschlossen? Ich kapiere nicht, wie die mit so etwas durchkommen.

  2. Jakob 17. Juni 2026 um 17:59 Uhr - Antworten

    Das grausame Schicksal ist, dass auch viele Paasagiere, welche sehr wohl die Katastrophe rechtzeitig bemerkten, trotzdem mit dem Dampfer untergegangen sind.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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