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Wirtschaft

Wieder Bauernproteste in Brüssel: Widerstand gegen die EU-Politik der Einschnürung

7 Kommentare 18. August 2026 6 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Von der Leyen verspricht, die Landwirte stünden im Mittelpunkt – die Landwirte glauben ihr nicht mehr. Niederländische und belgische Landwirte legten erneut mit Traktoren die Straßen Brüssels lahm. Der Protest richtet sich gegen überbordende Regulierung, steigende Kosten und eine Politik, die Konzerne und Billigimporte begünstigt.

Wieder rollen die Traktoren durch das Brüsseler Europaviertel, wieder fliegen Kartoffeln und Eier Richtung Polizeibarrikaden, wieder setzt es Tränengas und Wasserwerfer. Die Bauernproteste gegen die EU-Politik der Einschnürung durch Regulierung sind längst kein punktuelles Aufbegehren mehr – sie sind zum Dauerzustand geworden. Und die Wut richtet sich nicht nur gegen einzelne Verordnungen, sondern gegen ein System, das den Landwirt zum Erfüllungsgehilfen von Bürokratie und Konzerninteressen degradiert hat.

Die aktuellen Bilder von der Protestwelle in Brüssel sind auf X dokumentiert. Der von Dejanira Silveira geteilte Beitrag zeigt erneut Traktorenkolonnen, Absperrungen und die Konfrontation mit der belgischen Polizei – ein Déjà-vu der Ereignisse, die Brüssel seit 2024 in Atem halten. (Link zum Beitrag)

Die doppelte Front: Regulierungswahn und Konzernförderung

Was die Brüsseler Technokraten als „Green Deal“ und „Nachhaltigkeitstransformation“ verkaufen, ist für den durchschnittlichen Familienbetrieb schlicht existenzgefährdend. Die Rechnung ist simpel und für jeden Landwirt nachvollziehbar:

  • EU-weit gelten die strengsten Auflagen der Welt – bei Pestiziden, Düngung, Tierhaltung, Flächenstilllegung.
  • Gleichzeitig öffnet dieselbe EU ihre Grenzen für Importe, die unter Bedingungen produziert werden, die in Europa verboten wären.
  • Das Ergebnis: Der europäische Bauer trägt die Kosten der Regulierung, während Konzerne und Handelsketten die Gewinne abschöpfen.
  • Landwirtschaftliche Geräte haben irre Regeln zu befolgen – Traktoren als Emissions-Maschinen mit angebautem Motor

Wie die Tagesschau bereits 2024 einräumen musste: Ein Großteil des riesigen Brüsseler Agrarbudgets fließt in die Taschen von Großgrundbesitzern und Konsortien, „die mit Landwirtschaft nichts zu tun haben“. Der aktive Landwirt, der das Land tatsächlich bestellt, geht leer aus – er zahlt Pacht und reicht die Subventionen an den Verpächter durch. (Tagesschau-Bericht)

Mercosur: Der Konzernpakt auf Kosten der Bauern

Der akute Auslöser der aktuellen Protestwelle ist das Mercosur-Abkommen – jener Freihandelspakt zwischen der EU und den südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Bolivien, der die größte Freihandelszone der Welt schaffen würde. Für die EU-Kommission ein geopolitisches Prestigeprojekt, für die Landwirte ein Todesstoß.

Der Kern des Problems liegt auf der Hand: Mercosur-Produkte – Rindfleisch, Geflügel, Zucker, Reis, Honig, Soja – werden unter Bedingungen erzeugt, die in der EU schlicht verboten sind. Pestizide, die europäische Bauern nicht einsetzen dürfen, sind in Brasilien und Argentinien Standard. Die Folge wären Billigimporte, gegen die kein europäischer Betrieb konkurrieren kann – bei gleichzeitig voller Aufrechterhaltung der heimischen Auflagen.

Die Proteste vom 18. Dezember 2025 zeigten, wie tief der Riss geht: Rund 7.000 bis 10.000 Landwirte blockierten das Europaviertel, warfen Kartoffeln und Eier, zündeten Reifen und Pyrotechnik. Ein belgischer Milchbauer brachte es gegenüber AFP auf den Punkt: „Es ist, als wäre Europa eine Diktatur geworden“ – gerichtet an Ursula von der Leyen, die den Deal „durchdrücken“ wolle.

Selbst in den etablierten Medien war die Botschaft unüberhörbar: Die Landwirte fühlen sich von einer Kommission verraten, die nach außen „Verlässlichkeit und Unterstützung“ verspricht, während sie parallel Verträge aushandelt, die genau diese Unterstützung zunichtemachen.

Der Brüsseler Reflex: Kosmetik statt Kurswechsel

Die Reaktion der Kommission folgt einem eingespielten Muster. Als im Februar 2024 die ersten großen Proteste Brüssel lahmlegten, zog von der Leyen eilig die Pestizidverordnung zurück und erklärte die Brachflächenpflicht für verzichtbar. Es war der klassische Brüsseler Reflex: kurzfristig zurückrudern, um den Druck abzulassen – ohne die strukturelle Schieflage anzutasten.

Wie Politico treffend analysierte: Brüssel habe „alles versucht, den Landwirten zu helfen – und die Traktoren kommen trotzdem wieder“. Selbst die von der Kommission vorgelegten „Vereinfachungen“ wurden vom Bauernverband Copa-Cogeca als bloße „kosmetische Änderungen“ abgetan.

Das Problem ist strukturell und nicht durch Symbolpolitik zu lösen:

  1. Die Regulierungslast steigt kontinuierlich, während die Erzeugerpreise stagnieren oder fallen.
  2. Die Marktmacht der Handelskonzerne – Aldi, Lidl, Carrefour, die großen Molkereien und Schlachthöfe – drückt die Preise systematisch unter die Produktionskosten.
  3. Die EU-Förderlogik belohnt Flächenbesitz statt Arbeit – wer viel Land besitzt, kassiert, wer es bewirtschaftet, zahlt drauf.
  4. Handelsabkommen priorisieren Industrieexporte und opfern dafür die Landwirtschaft als Verhandlungsmasse.

Der tiefere Konflikt: Ernährungsfreiheit gegen Zentralplanung

Hinter den konkreten Streitpunkten – Mercosur, Pestizidverbote, Flächenstilllegung – steht ein grundsätzlicher Konflikt: Soll die europäische Landwirtschaft von zentralen Planungsbehörden in Brüssel gesteuert werden, oder von den Menschen, die das Land tatsächlich bestellen?

Die EU-Agrarpolitik zielt darauf ab, die Landwirtschaft weitgehend einzuschränken und  stattdessen die Produktion in Fabriken zu verlegen, die multinationalen Großkonzernen gehören: Laborfleisch, Kunstbutte und Kunstmilch, Mehl aus Insekten und ähnliches ist das Ziel. Alles unter den Vorwand des „Klimaschutzes“. Tatsächlich um dem Finanzkapital neue Quellen für Profite zu verschaffen und den widerspenstigen Bauenrstand einzuschränken und möglichst zu beseitigen.

Dass dazu Konzerne gefördert werden, ist kein Zufall, sondern System: Große Agrarholdings und Handelsketten können sich Compliance-Abteilungen leisten, die den Regulierungsdschungel durchdringen. Der mittelständische Familienbetrieb kann das nicht. Jede neue Auflage verschiebt das Kräfteverhältnis weiter zugunsten der Konzentration – hin zu immer größeren Einheiten, die mit Landwirtschaft im eigentlichen Sinne immer weniger zu tun haben.

Die Botschaft der Bauern: Es reicht

Die Landwirte formulieren ihre Forderung seit Jahren unmissverständlich. Florian Poncelet vom belgischen Bauernverband FJA: „Wir protestieren seit 2024 in Frankreich, Belgien und anderswo. Wir möchten endlich gehört werden.“ (France 24)

Die Forderungen im Kern:

  • Stopp des Mercosur-Abkommens oder zumindest vollständige Angleichung der Produktionsstandards.
  • Ende der Regulierungsflut, die Betriebe administrativ erstickt.
  • Faire Erzeugerpreise durch wirksame Maßnahmen gegen die Marktmacht der Handelsketten.
  • Subventionen für aktive Landwirte statt für Flächenbesitzer und Konzerne.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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7 Kommentare

  1. LmaA
    Antworten

    Vielleicht sollten die Bauern einfach nicht mehr für die Großkonzerne produzieren,
    sondern sich organisieren und direkt an den Verbraucher verkaufen.

  2. Der Zivilist
    Antworten

    Man will den Südamerikanischen Markt für westeuropäische Industrieprodukte öffnen. Aber da gibt es mittlerweile Konkurrenz.

    ‚unsere Demokratie‘ ist einfach kein geeignetes Modell, um die Interessen der Menschen zu berücksichtigen.

  3. local.man
    Antworten

    Es steckt hinter dieser ganzen Nummer auch der Plan der Abhängigkeit der Menschen zu wenigen Besitzenden.
    Wenn die Bauern hier alss durch Subventionen gegen Auflage am Nasenring durch die Manege geführt werden, beutet man in Südamerika die Menschen und das Land aus, ist der Besitzer und macht Profite.
    Aber man hat auch die Kontrolle an sich gerissen.
    Wenn die Bauern hier nicht mehr die Versorgungssicherheit garantieren, bis ihr Land völlig abgegeben haben und es gegen WIndparks/Solarparks, Rechencentren getauscht wurde, oder brach liegen gelassen wird, sind die Menschen in Europa völlig abhängig von Besitzenden, die dies hinter Freihandelsblabla verstecken.
    Wenn der EU Bürger dann selbst in seinem Garten nicht mal mehr die Hecke verschneiden kann, wann er es will, geschweige denn sein Essen anbauen, dann wird es dadurch nur noch schlimmer als ohnehin schon.

    Am Ende dieses Weges lauert genau das Gegenteil, was wir brauchen.. Wenige Menschen beherrschen alles über Besitz und der Rest muss sich beugen und wird zum Spielball und lebt in Niederhaltung.
    Natürlich werden das die Systemmedien inkl. der Politikdarsteller wunderbar hinter Dauerpropaganda verbergen und Handlungen gegen diese Knechtschaft mit mörderischen Strafen versehen.

    Es schimmert wieder die eigentliche Agenda durch. Wenige besitzen, alle anderen stehen unter der Kontrolle. Diese 17 Nachhaltigkeitsziele der EU sind alles Teil von diesem perfiden Plänen der eine Weltregierung, sprich die paar Machtkreise und ihre organisierte Kriminalität werden zum Dauerzustand. Im Grunde ist das ja eh schon so, aber es wird auf alles ausgeweitet und immer schlimmer.. auch mittels Technik auf der anderen Seite dann zu einer permanenten Peitsche durch Überwachung und Bestrafung…

    Z.B. Organ“spende“ und Widerspruchslösung ist nichts weiter, als die Umkehr der Normalität und birgt zudem maximale Korruption. Dies zählt genauso zu dieser Verdrehung.. Als ob ein Mensch nicht mehr Herr über sich selbst ist..
    Machtausübung über andere die nicht nein sagen können, ist eines der größten Probleme der Menschen und das Ziel einer besitzenden Schicht die die Regeln macht.. Daher sind unsere Leben auch so merkwürdig fremdbestimmt.. Alles fühlt sich nicht frei an, sondern gesteuert…

  4. triple-delta
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    Man muss doch alle Aussagen westlicher Politiker nur um 180° drehen, dann weiß man, was sie meinen. Natürlich stehen die Bauern im Mittelpunkt – der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zerstörung durch die EU. Die Menschen im Osten haben nach 35 Jahren gelernt, was es heisst, wenn man von einer Wende spricht.

  5. Jan
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    Die meisten haben langsam begriffen, dass Kalle Nebenwirkungsfrei ihnen ein Ei gelegt hat und so verliert der sozialdemokratische Möchtegernfeldherr die Möglichkeit, in die Fußstapfen von Napoleon treten zu können.

    Cruella in Be könnte den Ausschlag bei den Konservativen geben.

    Ob die schon realisiert haben, dass die Energiekrise zu 50% aufs Konto des milliardengefütterten Pipelinsprengers geht?

    Wenn sie ihr Kinder nicht mehr ernähren können? Und ihre Eltern in eiskalten Wohnungen versterben?

    Lustig wirds werden, heissa hopsa!

    1. 1150
      Antworten

      wie, womit und mit welcher militärischen infrastruktur kann der kokser aus kiew weit entfernte russische raffinerien angreifen. die produzieren ja nicht nur für russland ….
      das ist ein puzzleteil des vernichtungsfeldzuges durch brüssel gegen europa

  6. VerarmterAdel
    Antworten

    Maar beste boeren, wees alstublieft redelijk. De EU redt immers het heilige klimaat door ons allemaal te laten verhongeren. Je kunt niet alles hebben. Kies bij twijfel voor het heilige klimaat.

    —

    Aber liebe Bauern, seid doch vernünftig. Schließlich rettet die EU doch das Heilige Klima dadurch, dass wir alle verhungern. Man kann eben nicht alles haben. Im Zweifel für das Heilige Klima.

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