Skip to content
Wirtschaft

Energiewende: Die EU und die geopolitische Realität

6 Kommentare 18. August 2026 3 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Die geopolitischen Erschütterungen hat die „Energiewende“ und den Boom von Erneuerbaren ausgebremst. Doch nur die EU hält an der Illusion fest, dass erneuerbare Energien allein kurzfristig Energiesicherheit garantieren können.

Erst der Ukraine-Krieg, dann der Krieg gegen den Iran, die Versorgungskrise und Ölpreise, die in die Höhe getrieben wurden. Das Jahr 2026 zeigte ganz deutlich, wie Abhängig die Weltwirtschaft weiterhin von fossilen Brennstoffen ist. Und so kommt es auch deutlich zu einer Rückbesinnung auf Öl und Gas – angefangen von den USA.

In den USA rüsten Schieferölproduzenten auf. Unternehmen wie Continental Resources erhöhen ihre Investitionen, nachdem die Preise gestiegen sind; die Produktion soll bis Ende 2026 Rekordwerte erreichen. Kanada profitiert von stabilen Reserven und besserer Infrastruktur wie der Trans-Mountain-Pipeline. Selbst Norwegen, das sich noch immer als großer Vorreiter der Klimapolitik gibt, öffnet stillgelegte Nordsee-Gasfelder wieder und investiert Milliarden in die Förderung. „Wir werden die Aktivität auf unserem Kontinentalschelf entwickeln, nicht abbauen“, erklärte Energieminister Terje Aasland.

Doch die Europäische Union geht einen anderen Weg. Trotz der Ukraine-Krise 2022 und der neueren Iran-Spannungen hält sie an ihrem Kurs fest und beschleunigt den Ausbau erneuerbarer Energien sogar. Der REPowerEU-Plan, ursprünglich als Antwort auf russische Gasabhängigkeit gestartet, hat die Ziele verschärft: Bis 2030 sollen erneuerbare Energien mindestens 42,5 Prozent des Energieverbrauchs decken. Im Stromsektor lag der Anteil der Erneuerbaren 2024 bereits bei 47 Prozent – gegenüber 34 Prozent 2019. Solar überholte erstmals Kohle, Wind und Sonne verdrängen zunehmend Gas.

EU-Energiekommissar Dan Jørgensen betonte noch 2026 nach dem Iran-Schock: Es gebe „keine echte Diskussion“ darüber, ob mehr Erneuerbare nötig seien. Die Union werde nicht zurück zu russischem Gas und nicht von der Energiewende abweichen. Wind und Solar gelten als heimische, nicht erpressbare Quellen. Doch sie bleiben unsicher, abhängig vom Wetter und fordern die Netze heraus.

Das spiegelt sich in den Strompreisen. Sie belasten Industrie und Haushalte; Deutschland und Großbritannien gehören zu den teuersten Standorten. Dennoch bleibt das Ziel der Klimaneutralität 2050 und der massive Ausbau bestehen. Eine Debatte um Atomenergie gibt es in Deutschland und Österreich nach dem AKW-Ausstieg in Berlin weiterhin nicht – sie ist tabu.

Während die USA unter veränderter Politik fossile Produktion priorisieren und China sowie Indien zwar massiv Solar zubauen, aber weiter Kohle und Gas nutzen, geht die EU weiter den Weg von Solar und Wind.

Global wachsen die Erneuerbaren weiter – 2025 übertrafen sie erstmals Kohle im Strommix –, doch der absolute Verbrauch fossiler Energien steigt in vielen Schwellenländern noch.

Die geopolitische Realität hat den naiven Glauben an einen schnellen, reibungslosen Ausstieg aus fossilen Energien beendet. Öl und Gas bleiben vorerst unverzichtbar. Die EU jedoch interpretiert dieselbe Realität anders: Nicht als Grund zur Rückkehr zu fossilen Brennstoffen. Stattdessen sollen Wind und Solar noch schneller ausgebaut werden. XXL-Windräder der neuen Generation werden bald vielerorts zu sehen sein.

Nur die EU glaubt, dass dieser Weg politisch und wirtschaftlich nachhaltig ist. Die Welt geht den anderen Weg.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇



Widerstand gegen Windkraft-Ideologie

Nutzen und Gefahren der Windkraft

Wie Behörden und Lobbyisten das Infraschall-Thema bei Windkraft ersticken

Teile diesen Artikel

6 Kommentare

  1. triple-delta
    Antworten

    Die EU ist ein Projekt des US-Finanzkapitals. Man braucht sich nur die Lebensläufe der wichtigsten Personen in der EU anzuschauen, dann wird das klar. Damit ist auch die Intention der EU klar. Kann man bei RAND nachlesen.
    Interessanter Weise wurde nie wissenschaftlich schlüssig begründet, warum Westeuropa eine Energiewende braucht. Es war von Anfang an ein rein politisches Projekt.
    1850 war Deutschland, bzw. der Deutsche Zollverein, klimaneutral, also ohne Strom, aber schon mit Dampfmaschinen. Damals lebten ca. 30 Millionen Menschen auf dem Gebiet des Deutschen Zollvereins. Kann sich jeder selbst überlegen, wie wir von 82 Mio auf diese Zahl zurückkommen werden.

  2. VerarmterAdel
    Antworten

    „Doch nur die EU hält an der Illusion fest, dass erneuerbare Energien allein kurzfristig Energiesicherheit garantieren können.“
    Weil die EU ein Ziel hat: EUropa komplett zu vernichten.

    1. Jurgen
      Antworten

      Eigentlich geht es nur um ehemals Deutschland, Verhinderung einer Neuaufstellung im Völkerrecht, aber um das zu verschleiern muss halt die ganze EU dran glauben…
      Und die gierigen Kräfte mit R und schwarze Steine wollen die Rückzahlung aller Kredite, dafür braucht es viele Zuziehende, die die Kosten später tragen…

  3. Jan
    Antworten

    „42,5 Prozent des Energieverbrauchs decken“

    Oysmüller geht in die übliche Falle der EU-Kommunikation. Er denkt, mit „42,5 Prozent des Energieverbrauchs“ sei gemeint, die EU wolle 42,5% des aktuellen Verbrauchs alternativ erzeugen. Dem ist nicht so. Das geht auch gar nicht. Das wies einem klar, indem man den aktuellen Gesamtenergieverbrauch durch die realistische Erzeugung durch ein Windrad teilt. Wir hätten sie Flächen nicht, um die aufzustellen.

    Die EU vermeldet auch stolz, dass es bisher trotz erheblicher Mindermengen bei Öl und Gas nicht zu Knappheiten gekommen sei. Wie gelingt das der EU? Ganz einfach: Sie senkt den Energieverbrauch, indem sie Stahl, Glas und Düngemittel abdreht und nimmt dann die Erzeugung von Cornflakes in die Berechnung der Industrieproduktion neu auf, damit es nicht so aufällt.

    Die 42,5% werden erreicht, weil Ihr nicht mehr essen, reisen, heizen, duschen oder sauberes Gewand tragen könnt!

  4. Jurgen
    Antworten

    Nur die EU setzt wohl schon auf zukünftige Kernfusion, bevor irgend etwas davon realistisch als echtes Produkt existiert, um die Stromnetze opportunistisch vorab bis dahin vorzubereiten?

    1. W. Baehring
      Antworten

      Auch wenn Ihr Kommentar nur Sarkasmus ist: ???

      Stromnetze müssen nur soweit „vorbereitet“ werden, dass sie dem tatsächlichen und zukünftigen BEDARF (z.B. Verbrauchsanforderung der Industrie und der Haushalte) gerecht werden.
      Da unterscheiden sich „Kernfusion“, „Erneuerbare“ und „Konventionelle“ bezüglich ihrer Verteilnetze nicht wesentlich voneinander. Da wo kein (Mehr-) Bedarf ist, muß auch nicht mehr hintransportiert werden.

      Da „Erneuerbare“ heutzutage sowieso schon im ganzen Land (on shore) verteilt errichtet werden, müssen über die Netze auch keine utopischen Leistungen mehr von „Pontius zu Pilatos“ transportiert werden.
      Und die Beschränkung auf wenige, zentrale, dafür aber gigantische Großkraftwerke wäre (bei evtl. Havarien) bezüglich der Energie- bzw. Blackout – Sicherheit sowieso kontraproduktiv.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.