
Energiewende: Die EU und die geopolitische Realität
Die geopolitischen Erschütterungen hat die „Energiewende“ und den Boom von Erneuerbaren ausgebremst. Doch nur die EU hält an der Illusion fest, dass erneuerbare Energien allein kurzfristig Energiesicherheit garantieren können.
Erst der Ukraine-Krieg, dann der Krieg gegen den Iran, die Versorgungskrise und Ölpreise, die in die Höhe getrieben wurden. Das Jahr 2026 zeigte ganz deutlich, wie Abhängig die Weltwirtschaft weiterhin von fossilen Brennstoffen ist. Und so kommt es auch deutlich zu einer Rückbesinnung auf Öl und Gas – angefangen von den USA.
In den USA rüsten Schieferölproduzenten auf. Unternehmen wie Continental Resources erhöhen ihre Investitionen, nachdem die Preise gestiegen sind; die Produktion soll bis Ende 2026 Rekordwerte erreichen. Kanada profitiert von stabilen Reserven und besserer Infrastruktur wie der Trans-Mountain-Pipeline. Selbst Norwegen, das sich noch immer als großer Vorreiter der Klimapolitik gibt, öffnet stillgelegte Nordsee-Gasfelder wieder und investiert Milliarden in die Förderung. „Wir werden die Aktivität auf unserem Kontinentalschelf entwickeln, nicht abbauen“, erklärte Energieminister Terje Aasland.
Doch die Europäische Union geht einen anderen Weg. Trotz der Ukraine-Krise 2022 und der neueren Iran-Spannungen hält sie an ihrem Kurs fest und beschleunigt den Ausbau erneuerbarer Energien sogar. Der REPowerEU-Plan, ursprünglich als Antwort auf russische Gasabhängigkeit gestartet, hat die Ziele verschärft: Bis 2030 sollen erneuerbare Energien mindestens 42,5 Prozent des Energieverbrauchs decken. Im Stromsektor lag der Anteil der Erneuerbaren 2024 bereits bei 47 Prozent – gegenüber 34 Prozent 2019. Solar überholte erstmals Kohle, Wind und Sonne verdrängen zunehmend Gas.
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen betonte noch 2026 nach dem Iran-Schock: Es gebe „keine echte Diskussion“ darüber, ob mehr Erneuerbare nötig seien. Die Union werde nicht zurück zu russischem Gas und nicht von der Energiewende abweichen. Wind und Solar gelten als heimische, nicht erpressbare Quellen. Doch sie bleiben unsicher, abhängig vom Wetter und fordern die Netze heraus.
Das spiegelt sich in den Strompreisen. Sie belasten Industrie und Haushalte; Deutschland und Großbritannien gehören zu den teuersten Standorten. Dennoch bleibt das Ziel der Klimaneutralität 2050 und der massive Ausbau bestehen. Eine Debatte um Atomenergie gibt es in Deutschland und Österreich nach dem AKW-Ausstieg in Berlin weiterhin nicht – sie ist tabu.
Während die USA unter veränderter Politik fossile Produktion priorisieren und China sowie Indien zwar massiv Solar zubauen, aber weiter Kohle und Gas nutzen, geht die EU weiter den Weg von Solar und Wind.
Global wachsen die Erneuerbaren weiter – 2025 übertrafen sie erstmals Kohle im Strommix –, doch der absolute Verbrauch fossiler Energien steigt in vielen Schwellenländern noch.
Die geopolitische Realität hat den naiven Glauben an einen schnellen, reibungslosen Ausstieg aus fossilen Energien beendet. Öl und Gas bleiben vorerst unverzichtbar. Die EU jedoch interpretiert dieselbe Realität anders: Nicht als Grund zur Rückkehr zu fossilen Brennstoffen. Stattdessen sollen Wind und Solar noch schneller ausgebaut werden. XXL-Windräder der neuen Generation werden bald vielerorts zu sehen sein.
Nur die EU glaubt, dass dieser Weg politisch und wirtschaftlich nachhaltig ist. Die Welt geht den anderen Weg.
Nur die EU setzt wohl schon auf zukünftige Kernfusion, bevor irgend etwas davon realistisch als echtes Produkt existiert, um die Stromnetze opportunistisch vorab bis dahin vorzubereiten?