
Was versteht man unter „Krieg gegen die Drogen“?
Wie die meisten Kriege, so basierte auch der gegen Afghanistan auf eine Lüge. Schauen wir uns an, was dieser Krieg tatsächlich verursachte, um daraus Schlüsse auf aktuelle Vorgänge entwickeln zu können. Wenngleich auch jeder Krieg seine eigenen Hintergründe hat.
Am 15. August 2021 endete die 20 Jahre lange Besatzung Afghanistans durch die USA und ihre NATO-Verbündeten, darunter Deutschland. Offiziell war der Feldzug seit 2001 auch ein Krieg gegen den Terror und gegen jene Drogenökonomie, die angeblich die Taliban finanzierte. Die Zahlen der UN-Drogenbehörde UNODC erzählen jedoch eine andere Geschichte – eine, die dem offiziellen Narrativ fast diametral widerspricht.
Was die Zahlen sagen
Im Sommer 2000 verhängten die Taliban ein Anbauverbot für Schlafmohn, das sie mit religiösen Argumenten begründeten. Laut UNODC-Erhebungen brach die Opiumproduktion daraufhin von 3.276 Tonnen im Jahr 2000 auf nur noch 185 Tonnen im Jahr 2001 ein – ein Rückgang um mehr als 94 Prozent, den die UNODC selbst später als einen 20-fachen Preisanstieg begleitet beschrieb (UN-Pressemeldung 2003). Beobachter bezeichneten die Kampagne rückblickend als eine der wirksamsten Drogenbekämpfungsmaßnahmen der jüngeren Geschichte (Global Research).
Nur wenige Monate nach der US-geführten Invasion im Oktober 2001 kehrte sich dieser Trend um: Bereits 2002, unter der von Washington gestützten Übergangsregierung, stieg die Opiumproduktion wieder auf rund 3.400 Tonnen, 2003 auf 3.600 Tonnen (UN-Pressemeldung 2003). In den folgenden anderthalb Jahrzehnten der US-NATO-Präsenz wuchs der Anbau trotz Milliarden Dollar an sogenannten Anti-Drogen-Hilfen praktisch ungebremst weiter und erreichte 2017 mit rund 9.900 Tonnen einen historischen Höchststand (Modern War Institute, West Point). Afghanistan lieferte in diesen Jahren laut UNODC einen Großteil des weltweiten und rund 95 Prozent des europäischen Heroins (BBC).
Dann, im April 2022 – acht Monate nach der Machtrückkehr der Taliban und dem endgültigen Abzug der US-Truppen – verhängten die neuen Machthaber erneut ein Anbauverbot, diesmal deutlich rigoroser durchgesetzt. Der Effekt war laut UNODC dramatisch: 2023 brach der Mohnanbau um 95 Prozent ein (GlobalSecurity.org, Nov. 2023). Nach einem leichten Wiederanstieg 2024 (UNODC, Okt. 2024) sank die Erntemenge 2025 erneut, um weitere 32 Prozent auf nur noch 296 Tonnen – ein Bruchteil des einstigen Rekordniveaus (Euronews, Dez. 2025).
Kurz gesagt: Unter afghanischer Selbstverwaltung – ob unter den Taliban vor 2001 oder nach 2021 – brach die Opiumproduktion jeweils binnen weniger Monate ein. Unter westlicher Besatzung explodierte sie über zwei Jahrzehnte hinweg, trotz milliardenschwerer „Counter-Narcotics“-Programme.
Kollaborationsabkommen statt Feindschaft?
Wie lässt sich das erklären? Ein Teil der Antwort liegt in der eigentümlichen Beziehung zwischen Washington und genau jener Organisation, die es offiziell bekämpfte. 2018 ließ Pakistan auf ausdrückliche Bitte der US-Regierung unter Trump den heutigen Taliban-Chefunterhändler Abdul Ghani Baradar aus der Haft frei – als vertrauensbildenden Schritt für die beginnenden Verhandlungen, wie US-Sondergesandter Zalmay Khalilzad später selbst bestätigte (Politifact). Im Februar 2020 unterzeichneten Außenminister Mike Pompeo und Baradar in Doha das sogenannte Doha-Abkommen, das den vollständigen US-Abzug regelte und den Taliban de facto freie Hand für die spätere Machtwiederergreifung ließ (The Print).
Beim überstürzten Abzug im August 2021 blieb zudem laut einem Bericht des Pentagon-Generalinspekteurs Kriegsgerät im Wert von über 7 Milliarden US-Dollar zurück – darunter gepanzerte Fahrzeuge im Wert von 4,1 Milliarden Dollar, Black-Hawk-Hubschrauber und mehr als 300.000 Kleinwaffen (CNN). Weitgehend unversehrt! Die in sozialen Netzwerken kursierende Zahl von 80 Milliarden Dollar bezieht sich dagegen auf die gesamten US-Ausgaben für die afghanische Armee über 16 Jahre und nicht auf tatsächlich zurückgelassenes Material (Snopes).
Auch bei den Finanzflüssen nach der Machtwiederergreifung wird es diffus: Ein Bericht des US-Sonderinspekteurs für den Wiederaufbau Afghanistans (SIGAR) stellte 2024 fest, dass zwei Abteilungen des Außenministeriums für Hilfsgelder in Höhe von 293 Millionen Dollar keine ausreichenden Prüfnachweise vorlegen konnten – mit dem erhöhten Risiko, dass Gelder bei „terrornahen Akteuren“ gelandet sein könnten (Stars and Stripes). SIGAR wehrte sich später allerdings ausdrücklich gegen die verbreitete Zuspitzung, wonach 239 Millionen Dollar direkt an die Taliban geflossen seien – das habe der Bericht so nicht festgestellt (Snopes). Dokumentiert ist dagegen, dass US-Hilfsorganisationen seit 2021 mindestens 10,9 Millionen Dollar in Form von Steuern und Gebühren an die De-facto-Behörden zahlten (Hasht-e Subh).
Ob man das alles als Zufälle einer chaotischen Kriegsbeendigung liest oder als Beleg für eine bewusste Strategie, die Taliban seit den 1990er-Jahren als Instrument zu nutzen – eine These, die in Teilen der lateinamerikanischen und antiimperialistischen Öffentlichkeit kursiert –, bleibt eine weitergehende Interpretation, für die es keine belastbaren Primärquellen gibt, auch wenn sie sich auf reale, dokumentierte Einzelfakten stützt. Was sich dagegen nüchtern feststellen lässt, ist ein auffälliges Muster:
Zwei Jahrzehnte westlicher Militärpräsenz gingen mit explodierender Opiumproduktion einher, ihr Ende mit einem Kollaps.
Auf der anderen Seite: tote Fischer statt toter Kartelle
Während sich am Hindukusch die reale Bilanz westlicher Drogenpolitik als Fehlschlag erweist, führt Washington unter Trump seit September 2025 einen neuen, blutigeren „Krieg gegen Drogen“ – diesmal vor der Küste Venezuelas. Im Rahmen der „Operation Southern Spear“ hat das US-Militär seither dutzende Boote im Karibischen Meer und im östlichen Pazifik angegriffen, ohne vorherige Festnahme oder Gerichtsverfahren. Laut einer Anfang Juli 2026 veröffentlichten Untersuchung der Menschenrechtsorganisation WOLA wurden bei mindestens 63 Angriffen 221 Menschen getötet (WOLA-Bericht). Recherchen zeigen, dass unter den Opfern wiederholt einfache Fischer waren – etwa zwei Männer aus einem Fischerdorf in Trinidad, deren Familien inzwischen Klage gegen die US-Regierung eingereicht haben (NPR). Öffentliche Beweise für die Drogenschmuggel-Vorwürfe legte die US-Regierung bislang in keinem Einzelfall vor.
Was weitgehend in Politik und Medien verschwiegen wird
Wenn ausgerechnet jene Besatzungsmacht, unter der die afghanische Opiumproduktion historische Rekorde erreichte, sich heute als Vollstrecker eines gnadenlosen Kriegs gegen Drogen inszeniert – bis hin zu tödlichen Angriffen auf mutmaßlich unbewaffnete Fischerboote ohne rechtsstaatliches Verfahren –, drängt sich eine Frage auf:
- Wessen Interessen dient ein solcher Krieg tatsächlich? Geht es um die Reduktion von Drogenmengen, wie das afghanische Beispiel unter afghanischer Kontrolle in beiden Fällen binnen Monaten belegt hat?
- Oder dient die Rhetorik vom Drogenkrieg – wie Kritiker in Caracas und zunehmend auch im US-Kongress vermuten – anderen geopolitischen Zielen, während echte Erfolge im Kampf gegen den Drogenanbau ausgerechnet dort entstehen, wo Washington gerade keinen Einfluss mehr hat?
Bild: Screenshot eines Videos über „war on drugs„.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.
Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.
Laut Trump hat USA drei Boote in der Nähe von Venezuela bombardiert
Krieg gegen Drogen? Kolumbiens Präsident widerlegt die US-Darstellung
Mexikos mächtigster Drogenboss tot – Terrorwelle im Land
Die Fu..you’s, aber nicht nur die, lügen uns allen doch mit dem größten Blödsinn die Hucke voll um ihre Zündeleien und Kriege zu rechtfertigen.
20 Jahre Besatzung und nichts erreicht als das die Waffenindustrie fürstlich verdient hat.
Und wer finanziert es?
Der einfache Ami mit seinem dritten Nebenjob und die Junkies die bei der C.I.A. ihre Kohle abliefern. Wo auch immer die her ist.
Warum es gefährlich ist mit Drogen zu handeln? Weil der Staat keine Konkurrenz mag! 🤣
Komisch, dass bei allen Kämpfen/Kriegen gegen wasauchimmer meist das Gegenteil herauskommt … Wie wird man vor diesem Hintergrund bspw. Kinderschutz u.ä. zu bewerten haben? Wäre Mr Epstein nicht von der Bildfläche verschwunden (worden), wäre er wahrscheinlich der UN-Beauftragte dafür.
Als Kartellboss wüsste ich, was zu tun wäre!
Der „Kampf gegen Drogen“ ist sicher primär ein innenpolitisches Cover-up. Da Krieg nur mit Ermächtigung des Kongresses möglich ist, müssen Einsätze möglicherweise anders eingeordnet werden.
Drogenkartelle können allerdings auch gute Proxis sein, da ihre Mitglieder erpressbar sind und gewohnt, über Leichen zu gehen.
Nach meinen Informationen, hat das US-Militär selbst die Drogentransporte aus Afghanistan vorgenommen und die CIA bzw. der Deep State hat sich über Jahre damit finanziert! Somit haben die USA (inoffiziell) den Drogenanbau und die Vermarktung gefördert, um sich selbst daran zu bereichern! Offiziell wurde natürlich das Gegenteil behauptet.
Dem MIK ging es immer um Kontrolle des Drogenbiz, dabei gibt es genug Aktivitäten, die man der zahlenden Öffentlichkeit als ‚war on . .‘ verkaufen kann.
Drogen – die Haupteinnahmequelle für die USanischen Geheimdienste.
Kampf gegen Drogen? Vielleicht. Wenn dann aber nur gegen konkurrierende Kartelle. Dieses Geschäft lassen sich die USA nicht wegnehmen.
„Was versteht man unter „Krieg gegen die Drogen“?“
Was versteht man unter dem Kampf gegen den Klimawandel?
Hegelsche Dialektik.
Problem Reaktion Lösung.
Sie gehen immer gleich vor, aber die wenigsten schnallen es.