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Politik

Referendum in Frankreich: Kinderschutz oder Einführung der digitalen ID?

4 Kommentare 17. August 2026 5 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Nach dem Verfassungsgerichtsurteil gegen das Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige fordert Gabriel Attal ein Referendum. Kritiker wittern dahinter den Vorstoß zur digitalen ID – Macron denkt angeblich sogar über ein Referendum dazu nach.

Der französische Verfassungsrat hat am 14. August 2026 den Kern des Gesetzes zum Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren gekippt. Die Richter stuften das pauschale Verbot als unverhältnismäßigen Eingriff in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit ein und kritisierten zudem die Altersverifikationspflichten als datenschutzrechtlich unzureichend abgesichert.

Daraufhin meldete sich der frühere Premierminister und Präsidentschaftskandidat Gabriel Attal zu Wort. In einem Beitrag auf X forderte er ein nationales Referendum, um „unsere Kinder zu schützen“. Die Franzosen seien seit über 20 Jahren nicht mehr direkt befragt worden – man solle ihnen das Wort zurückgeben:

Ich fordere ein Referendum, um unsere Kinder zu schützen.

Gestern hat der Verfassungsrat das Gesetz zur Verbot von sozialen Medien für unter 15-Jährige zensiert.

Ich respektiere diese Entscheidung, aber es gibt Dringlichkeit.

Denn die Zeit drängt: Jedes Jahr fallen Hunderte von Tausenden Jugendlicher in die Klauen der Sucht nach sozialen Medien.

Die Franzosen wurden seit mehr als 20 Jahren nicht direkt konsultiert.
Geben wir ihnen wieder das Wort.

Um die Ketten der öffentlichen Ohnmacht zu brechen.

Attal argumentiert mit Suchtgefahr, psychischen Problemen und dem Einfluss von Algorithmen auf Jugendliche. Gleichzeitig stellt er das Referendum als Mittel dar, die „Ohnmacht des Staates“ zu durchbrechen.

Der Verdacht der digitalen Kontrolle

Florian Philippot, Vorsitzender der Patriotes, sieht dahinter möglicherweise ein größeres Spiel. Er hält es für möglich, dass Präsident Macron das Thema nutzt, um ein Referendum über den „Pass numérique“ – also eine digitale Identitätslösung – auf den Weg zu bringen. Gründe: Macron könne sich als Herr der Uhren inszenieren, sich mit einem (auch bidon-artigen) Referendum schmücken und auf vermeintlich günstige Umfragen setzen. Gleichzeitig würde das RN in eine schwierige Lage gebracht.

Philippot macht seine Position klar: Nein zur Zensur, Ja zur Meinungsfreiheit – und damit Nein zu Macron und der EU-Agenda:

Es ist durchaus möglich, dass Macron sein Referendum über den digitalen Pass abhält, denn:
– Er würde zeigen, dass er immer noch der Herr der Uhren ist. Aus Narzissmus braucht er das…
– Er könnte sagen „Ich habe ein Referendum abgehalten“ (auch wenn es ein Schwindel ist)
– Er glaubt, er würde es gewinnen, indem er sich auf Umfragen verlässt (täuschend, da sie außerhalb der Debatte stattfinden)
– Die RN wäre in der schlimmsten Lage: eingekeilt zwischen ihrer Unterstützung für Macrons digitalen Pass inhaltlich, ihren Ja-Stimmen im Parlament und in Brüssel und ihrem Wählerstamm, der gegen Macron stimmen wollte…

➡️ Macron soll also sein Referendum abhalten! ER WIRD ES VERLIEREN!

Unsere Position ist von unserer Seite aus sehr klar und konstant seit Tag eins: Nein zur Zensur, ja zur Meinungsäußerungsfreiheit!

Und daher NEIN zu Macron und der EU!

Kinderschutz als Einfallstor?

Das gekippte Gesetz war ein Vorzeigeprojekt der Macron-Regierung. Es hätte Frankreich zum ersten EU-Land gemacht, das ein solches Verbot durchsetzt (ähnlich wie Australien). Altersverifikation und Kontosperrungen hätten jedoch faktisch eine flächendeckende Identifizierung der Nutzer erfordert – ein Schritt in Richtung digitaler ID und umfassender Online-Kontrolle.

Kritiker sehen hier ein bekanntes Muster: Unter dem Decmantel des Kinderschutzes werden Infrastrukturen für Überwachung und Zugangskontrollen im Netz geschaffen. Was als Schutzmaßnahme beginnt, endet häufig bei der allgemeinen digitalen Identitätsprüfung.

Macron hat bereits angeordnet, einen überarbeiteten Gesetzestext vorzubereiten. Attals Referendumsvorschlag könnte den Prozess beschleunigen – oder als Hebel für weitergehende digitale Kontrollinstrumente dienen.

Was kommt?

Ob es tatsächlich zu einem Referendum kommt und worüber genau abgestimmt würde – reines Social-Media-Verbot für Minderjährige oder die Einführung einer digitalen ID –, bleibt abzuwarten. Die Debatte zeigt jedoch erneut, wie schnell der Schutz der Jugend zum Argument für mehr staatliche Kontrolle über das Internet wird. In Frankreich wie in der gesamten EU.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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4 Kommentare

  1. Jurgen
    Antworten

    Eigentlich geht es wohl indirekt um Schonfrist für Kinder vor zu großer Mikrowellenbelastung. Man schaue dazu die schwedischen Studien, die zum Verbot der digitalen Medien in den Grundschulen und Kindergärten führten… völlig unbrauchbare Menschen für die aufrecht Haltung des Systems, ganze Jahrgänge fallen aus…

  2. Jan
    Antworten

    Man könnte auch ein vernünftiges, altersgerechtes Social-Media-Angebot schaffen – innerhalb oder außerhalb der bestehenden.

  3. Konrad Kugler
    Antworten

    Ganz klar ein Verbot für alle Kinder bis 12, 13, 14 Jahren, dessen Einhaltung den Eltern aufgetragen wird. Die können sich dann gegen die Wünsche wehren.
    Aber die Politik hat andere Interessen: Identifikation aller Teilnehmer.

  4. local.man
    Antworten

    Halte ich nicht viel von.
    Kinderschutz im Netz geht auf vielen Wegen, der einfachste Weg wäre der über die Eltern und entsprechende Konten. Das ist ja in Schulen die Internet-Unterricht anbieten auch nicht anders.
    Ich selbst habe vor ca. 9 Jahren, eine ganze Schule Unterstufe selbst komplett alleine das ganze Netz inkl. Server gespeicherten Konten/Profilen, Servern, Backups, Blacklists, Zugriff fürs Netz, Lehrkaft Freigaben und und und eingerichtet…
    Die Schüler Laptops, sowie die Zugriffe im Netz und auf die freigegebenen Ordner etc., ist wunderbar einfach zu regulieren und bei 1-4 Klässler hat man auch nicht die Gefahr hier irgendwelche IT Nerds aus der Mittelstufe zu haben, die dir permanent Ärger machen..

    Aber es geht ja nicht darum. Dieser Kinderschutz kümmert auch keinen, wenn es irgendwo in der Mine in Afrika Kinderarbeit gibt. Oder mit ca. 90 Milliarden der Welthunger beseitigt werden könnte.

    Der Kinderschutz hier ist, und das wissen ja die Leute alle mittlerweile, nur das bessere Wort für digitaler Einstieg in die eID.
    Darum geht es diesen Politikern, das ist ihr Auftrag es nur gut zu verkaufen, geplant ist dies alles längst und wichtig für die ganzen wahren Ziele im Anschluss daran.

    Daher ein wenig Puppentheater.

    Wenn sich diese Politiker auf eine Volksumfrage einlassen wollen, dann stinkt hier was gewaltig…
    Am Ende wird man dann eine verlorgene Abstimmung den Leuten wieder als „habt ihr selbst entschieden“ andrehen… Da kommst du dann gleich gar nicht mehr raus..
    Das ist so wie mit den bezahlten Demonstranten im Verbund mit den Medien, die daraus dann „alle sind für oder gegen was“ simulieren, damit der Rest, atomisiert wie die Gesellschaft ist, nicht merkt, dass eine winzige Minderheit über diesen Taschenspielertrick den Rest in ihre vorbereitete Falle zerrt…

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