Wer die Produkte von Meta wie Facebook oder Instagram meidet, ist längst nicht aus dem Radar. Der neue KI-Assistent Muse des Konzerns legt nach internen Anweisungen detaillierte Profile über Personen an, die den Dienst selbst nie verwendet haben.
Das geht aus Untersuchungen von Forschern und Berichten von TIME, Wired und anderen hervor. Man kann Meta vermeiden – Meta vermeidet einen nicht. Muse wurde im September 2026 als persönlicher KI-Agent eingeführt und stieg rasch in die Download-Charts. Der Assistent soll Aufgaben erledigen, E-Mails lesen, Termine organisieren und aus Gesprächen lernen. Doch die internen Instruktionen gehen deutlich weiter.
Stündliche Dossiers über das gesamte Umfeld
Forscher wie Karan Joshi und Teams der University of St. Gallen haben die internen Anweisungen von Muse extrahiert. Demnach legt das System „eine Seite für jede Person im Leben des Nutzers“ an – Familie, Partner, Freunde, Kollegen, sogar Personen, denen man nur auf Social Media folgt. Diese Profile werden stündlich aktualisiert. Sie enthalten Namen, Beziehungsgeschichte, gemeinsame Interessen, Streitpunkte, „Spannungen und Allianzen“, Geburtstage, Wohnorte, Berufe und sogar unausgesprochene Ziele. Das berichten unter anderem Tom’s Guide und die Auswertung des TIME-Berichts bei NeoTeo.
Die Informationen stammen aus Chats, Nachrichten, E-Mails und verbundenen Apps des Nutzers. Wer Muse nutzt und über Dritte spricht oder deren Daten freigibt, liefert dem System Material über Menschen, die nie zugestimmt haben und von der Profilierung nichts wissen.
Keine Einwilligung, keine Kontrolle für Nicht-Nutzer
Genau hier liegt das zentrale Problem. Die profilierten Personen haben keinen Account, keinen Opt-out und keine Möglichkeit, die über sie gespeicherten Daten einzusehen, zu korrigieren oder zu löschen. Meta argumentiert, dass Muse nur öffentliche Informationen und von Nutzern freiwillig geteilte Daten verwende und dass jedes Muse in einer isolierten virtuellen Maschine laufe. Das ändert nichts daran, dass Dritte ohne jede Zustimmung in detaillierten Beziehungskarten landen. Siehe dazu Cybernews und Gadget Review.
Das erinnert stark an die klassischen Facebook-Schattenprofile, die schon vor Jahren für Empörung sorgten: Daten über Nicht-Nutzer wurden aus Kontaktlisten und anderen Quellen zusammengetragen. Muse treibt dieses Prinzip mit KI-gestützter, stündlicher Aktualisierung und Beziehungsanalyse auf die Spitze.
Meta und die Kontinuität der Überwachung
Meta betont, Muse diene dem Nutzen der Nutzer und brauche Kontext über deren soziales Umfeld. Gleichzeitig trainiert das System standardmäßig auf den Interaktionen mit – ein Opt-out ist zwar möglich, aber der Standard ist Datensammlung. Für die Betroffenen der Dossiers bleibt selbst dieser Opt-out unerreichbar.
Die Enthüllungen zeigen erneut, wie Tech-Konzerne die Grenzen der Einwilligung systematisch ausweiten. Wer heute glaubt, sich durch Verzicht auf Meta-Dienste schützen zu können, unterschätzt die Reichweite der neuen KI-Agenten. Solange Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen Muse nutzen und über einen sprechen, entsteht ein digitales Dossier – ohne Wissen und ohne Widerspruchsmöglichkeit. Die Privatsphäre Dritter wird zum Kollateralschaden eines „hilfreichen“ Assistenten.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
1 Kommentar
Meta ist genauso eine KI Blase. Der Suckerborg hat zuviel Virtual Reality (der Film) geschaut.
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