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Politik

Halloween-Riots in Deutschland?

0 Kommentare 27. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Am 31. Oktober soll es in ganz Deutschland zu Jugendprotesten kommen. Die Initiative „Gen Z regelt“ mobilisiert digital und lehnt sich an die französische Bewegung an. Das bringt eine Menge Sprengkraft mit sich.

In 23 deutschen Städten soll zu Halloween demonstriert werden. Seit Wochen mobilisiert man unter dem Hashtag #GenZregelt auf TikTok, Instagram und Telegram. Man beruft sich explizit auf die französische Bewegung, die von (gewaltbereiten) Schülerprotesten zu einer Massenbewegung wurde: bessere Bildung, gegen „kaputte Schulen“, Sozialkürzungen, steigende Lebenshaltungskosten, mehr Überwachung und die Wehrpflicht.

Ein orangefarbenes Eichhörnchen dient als Maskottchen. Die Kernorganisatoren – ein Kreis von etwa 20 bis 30 Personen, darunter der 18-jährige Akram Selo als Verantwortlicher im Impressum – betonen den friedlichen Charakter. Auf der Homepage und in Telegram-Kanälen heißt es explizit: Null Toleranz für Gewalt, Deeskalation, Distanz zu den Ausschreitungen in Frankreich.

Deutschland steht also vor einer legitimen Jugendrevolte, so klingt es. Doch die Sache ist nicht ungefährlich. Die Bewegung beruft sich ausdrücklich auf die französischen Schülerproteste. Schon vor der Eskalation am 17. Oktober brannten Schulen und Barrikaden. Am 17. Oktober kam es dann zu einer beispiellosen Eskalation: Während Massen friedlich demonstriert hatten, nutzten andere den Moment für Plünderungen, Brandstiftung und Chaos. Ähnliche Bilder gibt es auch aus Italien.

Neben der offiziellen Mobilisierung kursieren auch andere Videos und Aufrufe, Diskussionen zur Eskalation und Animationen, es den „Franzosen gleichzutun“. Werden aus dem Halloween-Aufstand etwa die Halloween-Riots? In einer Hannoveraner Organisationsgruppe wurde laut Berichten darüber fabuliert, den Schusswaffengebrauch der Polizei zu provozieren und in die niedersächsische Staatskanzlei einzusteigen.

Der Staat warnt bereits vor einer „Mobilisierung durch linksextremistische Spektren“ und „auslandsbezogenem Extremismus“ (Putin darf nie fehlen). Gegen einen „marodierenden Mob“ werde man „robust vorgehen“. Die Polizei rüstet sich in Berlin, Hamburg, Köln, München und anderswo auf Großeinsätze – trotz offizieller Anmeldungen im niedrigen Hunderterbereich, während Online-Zusagen in die Tausende gehen.

Spätestens hier wird es brisant. Auch in Frankreich kam nach dem 17. Oktober schnell die Frage auf, ob die Unruhen gewollt, zugelassen oder gar von Seiten des Staates forciert worden sind. Am Samstag kommt die Bewegung erstmals in Deutschland an. Die Absicht zur Nachahmung französischer Verhältnisse ist vielfach und öffentlich angekündigt worden: in Social-Media-Videos, Telegram-Chats, auf Plakaten und in Kommentaren, die die französischen Bilder als Blaupause feiern.

Sollte es also zu Plünderungen, Brandstiftung und Chaos kommen, dann darf keiner überrascht sein. Die deutschen Behörden wissen das seit Tagen. Während die Polizeigewerkschaft vor Instrumentalisierung warnt, gibt sich der Staat stark und präventiv. Was am Samstag dann wirklich passiert, wird sich erst zeigen.

Offizielle Distanzierungen der Kernorganisatoren ändern nichts daran, dass dezentrale Gruppen und radikale Mitläufer das Label nutzen und die Stimmung aufheizen. Auch in Frankreich liefen friedliche Demos und Krawalle zeitweise parallel ab. Frühere Halloween-Krawalle in Hamburg und Berlin zeigen, dass das Datum als Kulisse für Randale taugt.

Angekündigte Revolutionen finden in der Regel nicht statt. So dürfte es auch mit Krawallen sein. Sollte es aber dazu kommen, dann ist das kein unvorhersehbarer „Ausbruch“ frustrierter Jugendlicher. Es wäre eher ein Versagen des Staates, weil dieser die Pflicht hat, die öffentliche Ordnung zu schützen. Unruhen müsste man dann als staatlichen Vorsatz im Sinne bewusster Untätigkeit trotz Kenntnis der Absicht bewerten.

Friedlicher Protest ist ein Grundrecht, Versammlungsfreiheit eine der zentralen bürgerlichen Errungenschaften. Wie wird die „Gen Z“ also am Samstag demonstrieren? Es ist völlig offen, wie erfolgreich die Mobilisierung ist und ob es sich um ein reines Internetphänomen handelt. Am Samstag gibt es darauf die Antworten.


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