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Politik

Bewegt sich die EU Richtung Crash?

14 Kommentare 19. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Die Bilder der Flammen, die das Rathaus von Limoges umhüllen, mit dem einstürzenden Campanile, gehen um die Welt. Die Verurteilung solcher Akte und der begleitenden Plünderungen ist selbstverständlich.

Wer sich jedoch darauf beschränkt, die Predigt über brennende Autos und eingeworfene Schaufenster zu halten, ohne weiterzugehen, betreibt nur die übliche kleinbürgerlich-konservative Kurzsichtigkeit – wie etwa Reuters zum Brand des Rathauses von Limoges. Was sich in Frankreich abspielt – und in anderen Formen längst in Spanien, Portugal, Albanien, Belgien und seit dem Wochenende auch in Italien – ist alles andere als ein irrationales Ereignis. Es gibt historische Vorgänge, die dem lokalen Blick irrational erscheinen, aber aus der Höhe eine klare Rationalität besitzen. Rational heißt nicht schmerzlos und nicht frei von Ungerechtigkeiten, so ein Artikel von Andrea Zhok, ursprünglich auf Italienisch in seinem Telegram-Kanal veröffentlicht.

Zwei Ebenen gleichzeitig festhalten

Man muss den Blick trainieren, zwei Ebenen gleichzeitig festzuhalten, so Zhok: Diejenige, auf der spezifische Akte und Subjekte als barbarisch, unzivilisiert oder vandalisch zu beurteilen sind,. Und diejenige, auf der man verstehen muss, dass die Geschichte ein Fluss ist, in dem Trümmer und Leichen treiben, der sich aber nicht durch Predigten aufhalten lässt.

Was geschieht, folgt einer harten kollektiven Logik, auch wenn viele Teilnehmer sie nur begrenzt oder gar nicht verstehen. Die Erfahrung, die europäische Bevölkerungen seit Jahren mit ihren Führungsschichten machen, ist die eines anonymen technokratischen Apparats – eines beweglichen Gummiwalls, der auf Autopilot läuft und den Bedürfnissen der Bevölkerung gleichgültig gegenübersteht.

Der technokratische Autopilot

Die Wette dieser an die Finanzmärkte gebundenen Eliten lautete: Die Gewissen mit dem heutigen Opium der Völker – Entertainment und Infotainment – einzuschläfern und die Widerspenstigen mit restriktiven Maßnahmen zu bändigen (hier ein Schlagstock, dort eine Kontosperrung, hier ein Wahlgesetz, dort die Annullierung einer Wahl).

Die stillschweigende Grundannahme der europäischen Führungen lautet: Mit dem Pöbel redet man nicht. Man wechselt einfach zwischen Zuckerbrot und Peitsche. Alles, was öffentlich gesagt wird, ist instrumentelle Lüge – außer in den Zufällen, in denen eine Wahrheit selbst instrumentalisiert werden kann. Der öffentliche Diskurs ist zu einer endlosen Aufführung verkommen, der es immer weniger um Glaubwürdigkeit geht.

Niemand mit klarem Verstand glaubt ernsthaft, Russland stehe kurz vor einer Invasion. Das hindert Heerscharen institutioneller Schwätzer nicht daran, diese Märchen mit ernster Miene täglich zu wiederholen. Und die ganze Welt weiß: In diesem Spiel aufgeblasener Zeitungslegenden ist der stabile Angelpunkt die willkürliche Verwaltung öffentlicher Ressourcen zugunsten privater Interessen.

Die Bestie wird unruhig

Seit langem haben sich die Führungsschichten daran gewöhnt, die Bevölkerung wie ein dummes Lasttier zu behandeln: selektive Schmeicheleien und gezielte Privilegien hier, systematische Entmachtung dort. Dieser Mechanismus funktioniert lange. Bis er nicht mehr funktioniert.

Er funktioniert nicht mehr an dem Tag, an dem zu viele Menschen zu viel verlieren, um im Zustand der Betäubung bleiben zu können. „Zu viel verlieren“ meint in einer modernen Gesellschaft nicht erst den Hungertod. Schon der Verlust der Möglichkeit, Auto oder Internet zu nutzen, bedeutet für die Mehrheit den Ausschluss aus Arbeit, Sozialität und dem Leben selbst. Was früher Luxus war, ist heute die Schwelle zur Teilhabe.

Pöbel, der wie Lasttiere gehalten und gelegentlich mit Brot und Spielen, miesen Jobs und Fernsehberieselung abgespeist wird, wird an dem Tag, an dem dieses Spiel stockt, nicht mehr empfänglich sein für die Gründe des öffentlichen Anstands, des Eigentumsschutzes oder der Ehrfurcht vor Denkmälern.

Diejenigen, die Autos, historische Gebäude und Geschäfte anzünden, sind kulturell und moralisch verarmt. Die eigentlichen Verantwortlichen, die zur Rechenschaft gezogen werden müssten, sind jedoch jene Spitzen der Gesellschaft, die diese Verarmung bewusst kultiviert und gewollt haben, weil sie ihnen nützlich schien.

Heute steht der Druckkessel kurz vor dem Platzen. Auch wenn diese Welle zurückgeht – das ist erst der Anfang. Denn die europäischen Führungsschichten sind weder materiell noch kulturell in der Lage, den Kurs zu korrigieren.

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14 Kommentare

  1. Andreas_Sch.
    Antworten

    Die EU „bewegt“ sich nicht Richtung Crash, – sie ist mitten drin, statt nur dabei! 😁

  2. lotus998dc2ac81f3
    Antworten

    Hä? Natürlich geht die EU ihrem Ende entgegen.

    Und natürlich zünden nicht die unterdrückten und Ausgebeuteten Nationaldenkmäler an. Hier wird eben nicht die Bastille sondern Geschäfte gestürmt. Von den Hilfskräften der Unterdrücker. Sorry , scheint mir ein Fall von suizidaler Empathie zu sein, dieser Beitrag.

  3. cwsuisse
    Antworten

    Wirtschaftlich hat die EU den Crash schon hinter sich, denn die Spirale der De-Industrialisierung dreht sich unaufhaltsam weiter. Gesellschaftlich crashed die EU aktuell. Fehlt der politische Crash. Er tritt ein, wenn die EU zerbricht und die Bevölkerung Haftbefehle gegen die Nichtgewählten fordert.

  4. Daisy
    Antworten

    Crash oder Krieg….

    Hoffentlich wird dann mal endlich der Zinseszins abgeschafft und die Staatsverschuldung soll nicht mehr so ausufern…übrigens auch die private nicht!

    Ich machs so..ich lebe sparsam, mache jede Drecksarbeit selbst (weshalb ich unnatürlich superfit bin), gönn mir keinen Urlaub usw. …doch dann kauf ich mir ab und an was sehr Großes – ohne Kredit, einfach so, zahl auch keine Zinsen…

    ZZt liebäugle ich mit einem Jeep. Andererseits bleib ich wohl bei meiner Krawallkugel, denn a) ist sie nicht gedrosselt (geht locker über 200) und b) hats kein WLAN…ich fahr damit, bis es auseinanderfällt, aber son Jeep tät mich schon sehr reizen…….dennmein jetziges hat viel zu wenig Bodenabstand. Ich kann damit leider nicht über Stock und Stein fahren…was ich hier aber bräuchte. Ich brauche einen Offroader!

    1. Varus
      Antworten

      @“Crash oder Krieg….“

      Der Weltkrieg gegen Russland wäre sicherlich viel verheerender. Bei den Krawallen interessieren vermutlich keinen mehr Fake-News über angebliche russische Drohnen überall in Westeuropa?

      1. Jan

        Guter Punkt!

      2. Daisy

        Ich halte nichts von bezahltem Diebsgesindel, das mxrdend und brandschatzend alles, was andere sich mit Fleiß und Anstand erschaffen haben, zerstört und stiehlt. Dieser Abschaum rettet nicht das Abendland, er zerstört es im Auftrag von Rothshild & Co. zwecks Errichtung einer Diktatur á la Sowjetunion mit moderneren Mitteln der Unterdrückung wie KI…

        Es ist zudem bestätigt. Es wird ein Treffen – Putin, Xi und Trump geben. Davon halte ich viel mehr als von dem randalierenden Mob. Ich hoffe einfach darauf, dass man den Wahnsinn doch noch abwenden kann.

        Mit Crash meine ich den Börsencrash. Er wird wohl kommen. Lieber Währungsreform als Krieg…

    2. 1150
      Antworten

      @,

      über diverse kleinanzeigen z.b. einen lada taiga aus der ukraine besorgen –

      keine versicherung, keine steuern, kein pickerl, keine parkgebühren ……..

      bei einer kontrolle ist es von einem bekannten geliehen,

      natürlich mit seiner schriftlichen bestätigung in cyrillischer schrift :-)))

  5. alter Mann
    Antworten

    Gibt es einen Spruch: „Ruhig Brauner“. Die Zeit ist noch nicht reif, also bitte Gedult. Es ist noch im Aufbau begriffen – bedeutet aber nicht, das ungeplante Ereignisse zu nicht beabsichtigten Eskalationen führen können.

  6. Peter Ruzsicska
    Antworten

    „Bewegt sich die EU Richtung Crash?“

    Na wos denn sunst

  7. Hello
    Antworten

    „Diejenigen, die Autos, historische Gebäude und Geschäfte anzünden, sind kulturell und moralisch verarmt.“

    Das Traurige dabei ist aber, dass verschiedene Gesellschaftsschichten fast keine andere Wahl mehr haben, um sich Gehör zu verschaffen.

    Oder gehen vielleicht Bilder oder Berichte über Haftbedingungn von Reiner Füllmich, Johanna Findeisen in die Schlagzeilen von „Qualitätsmedien“ ein? Oder Berichte über Sanktionen gegen Alina Lipp, Thomas Röper, Hüseyin Doğru, Jacques Baud und vermutlich noch weitere? Wenn nicht etwas brennt, dann gibt es keine Schlagzeilen, dann gibt es auch kein Aufsehen.

    Die Spitzen der Gesellschaft (inklusive Medien) haben diese Verarmung nicht nur bewusst kultiviert und gewollt. Sie sind selbst moralisch und kukturell verarmt.

  8. 1150
    Antworten

    der brandschatzende und marodierende pöbel ist einfach nur dumm

    wenn es wenigstens im bobo- oder villenviertel brennen würde ……

    1. palman
      Antworten

      @1150 et al. – tja – DA sind wohl Polizei und andere Sicherheits-Kräfte „eingespannt“ !?! – denn an den Krawall-Orten habe Ich – auf etlichen Videos – keinen einzigen entdecken können … ;-)))

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