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Politik

ORF-Report: Windkraftkritiker als Wandercircus vorgeführt und Wissenschaft verschwiegen

6 Kommentare 27. Oktober 2026 8 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Es ist eine Sendung, die den Anspruch erhebt, aufzuklären. „Report“ am 20. Oktober 2026, ein Beitrag mit dem Titel „Wie Windkraftgegner durch Österreich touren“. Im Kern Propaganda für Windkraft, einfache Physik nicht verstanden oder geleugnet.

Die Botschaft ist klar: Da zieht eine Gruppe von Leuten durchs Land, die aus der Corona-Protestszene stammt, die Stimmung macht gegen Windkraft, die Ängste schürt vor einem „Infraschall“, den die Wissenschaft längst als harmlos entlarvt hat. Der Beitrag ist handwerklich gut gemacht. Er ist auch ein Musterbeispiel für das, was man in der Medienwissenschaft Framing durch Asymmetrie nennt und das im ORF TV-Programm.

Eine detaillierte Analyse des Beitrags – siehe Anlage – zeigt, wie systematisch hier vorgegangen wurde. Von insgesamt 1.655 gesprochenen Wörtern entfallen 1.474 Wörter (89,1 Prozent) auf die Redaktion, Windkraftbefürworter und den „Faktenchecker“ von Mimikama. Den Kritikern – einem pensionierten Arzt und dem Obmann einer Bürgerinitiative – bleiben 181 Wörter (10,9 Prozent). Das ist ein Verhältnis von mehr als acht zu eins.

Doch die Wortzahl ist nur das äußere Symptom. Entscheidend ist, wie die Kritiker ins Bild gesetzt werden.

Die Inszenierung der Lächerlichkeit

Der Beitrag beginnt mit einem Zitat von Florian Maringer von der IG Windkraft: „Es gibt mittlerweile schon Gruppen, die wie ein Wandercircus sozusagen funktionieren und durch die Gegend fahren“ [ORF Report, 20.10.2026]. Das Wort „Wandercircus“ ist keine neutrale Beschreibung. Es ist eine Delegitimierung durch Metapher. Wer im Circus auftritt, ist kein Experte. Er ist eine Attraktion.

Dann die Bilder. Während die Kritiker sprechen, schneidet die Kamera auf Biergläser, Schuhe, volle Tische. Eine „Klamauk-Musik“ im Stil einer Zirkus- oder Slapstick-Melodie unterlegt die Aussagen von Manfred Maier, einem pensionierten Allgemeinmediziner und gerichtlich beeideten Sachverständigen, der über Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz spricht. Im Kontrast dazu steht Hanns Moshammer von der MedUni Wien: im weißen Arztkittel, im ruhigen universitären Umfeld, ohne Musik, mit der Botschaft: „Da haben wir sehr strenge Regeln, die mit Sicherheit ausschließen, dass es zu gesundheitlichen Schäden kommt.“

Das ist keine neutrale Berichterstattung. Das ist visuelle Rhetorik. Der eine wird als Autorität inszeniert, der andere als Stammtischredner. Und die Musik sagt dem Zuschauer, noch bevor er ein Wort verstanden hat: Das hier ist nicht ernst zu nehmen.

Die Wissenschaft, die verschwiegen wird

Und dann ist da die eigentliche Frage: Was sagt die Wissenschaft tatsächlich?

Der ORF-Beitrag behauptet, „wissenschaftliche Studien“ würden „keinerlei Gefahren“ durch Infraschall feststellen. Diese Aussage ist falsch. Sie ist nicht „zugespitzt“, nicht „vereinfacht“. Sie ist faktisch unzutreffend.

Sogar Mainstream-Medien wie der ORF oder der Guardian berichten nun über diese Zusammenhänge –  weiß der ORF Report aber offenbar nicht. Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung, dass das Thema Infraschall plötzlich salonfähig wird, nachdem es jahrelang von der Industrie als „Einbildung“ oder „Verschwörungstheorie“ abgetan wurde. Über die entsprechende wissenschaftlich Studie hat TKP hier berichtet.

Eine im Februar 2026 im Fachjournal Applied Sciences veröffentlichte Übersichtsarbeit – verfasst von Maryam Dastan, Ursula Bellut-Staeck und Kollegen – hat Hunderte Studien aus Zellbiologie, Tiermodellen und Humanexperimenten ausgewertet. Das Ergebnis: Infraschall aktiviert mechanosensitive Ionenkanäle wie PIEZO1 und TRPV4, führt zu Calcium-Einstrom in die Zellen, oxidativem Stress und in höheren Dosen zu Apoptose – siehe dazu TKP 3. Mai 2026.

Die Mainzer Arbeitsgruppe um Christian-Friedrich Vahl hat auf dem 132. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin im April 2026 eine epidemiologische Studie vorgestellt, die in Gemeinden mit massivem Windkraftausbau eine hochsignifikant erhöhte Inzidenz von Herzinsuffizienz und bedrohlichen Herzrhythmusstörungen fand (p < 0,0001). Die Steigerung lag in Borchen zwischen 21 und 51 Prozent, in Lichtenau zwischen 20 und 68 Prozent von Vahl 2026, veröffentlicht in Proceedings of the INNERE MEDIZIN; SPRINGER MEDIZIN VERLAG Vol. 67, pp. S169–S169. Siehe auch Herzschäden durch Infraschall von Windrädern: Mainzer Studie jetzt offiziell im Springer-Fachorgan

Eine Studie der renommierten Berliner Charité stellte sogar im Gehirn Veränderungen durch Infraschall fest. Sie fanden neuronale Aktivitätsänderungen in mehreren Hirnregionen – darunter Gebiete der auditorischen Verarbeitung sowie Schlüsselregionen der emotionalen und autonomen Kontrolle.

Inzwischen haben Gerichte in Belgien und Frankreich Anrainern Schadenersatz wegen gesundheitlicher Schäden durch Windräder zugesprochen.

Das alles fehlt im ORF-Beitrag. Nicht weil es unbekannt wäre. Sondern weil es nicht ins Narrativ passt.

Der Beitrag erwähnt die Mainzer Studie mit keinem Wort. Er erwähnt die fMRI-Studien der Charité nicht, die zeigen, dass unhörbarer Infraschall Stressareale im Gehirn aktiviert. Die Charité-Forscher haben nicht subjektive Beschwerden gesammelt, sondern objektive Veränderungen der Hirnkonnektivität mittels fMRI gemesssen. Nennt sich übrigens Naturwissenschaft. Er erwähnt die Arbeiten von Salt und Hullar zur Innenohr-Mechanik nicht. Er erwähnt nicht, dass die A-Bewertung in Lärmgutachten – dB(A) – tiefe Frequenzen systematisch ausblendet: Bei 10 Hz werden 70,4 dB abgezogen. Der Infraschall verschwindet rechnerisch aus dem Gutachten, bevor er überhaupt gemessen wird.

Stattdessen kommt Hanns Moshammer mit einem Vergleich, der physikalisch unhaltbar ist: Infraschall im Auto sei vergleichbar mit Infraschall von Windrädern. Moshammer beweist damit seine komplette Ahnungslosigkeit über Grundlagen der Physik. Der Vergleich ignoriert Dauer, Signalform und Impulshaftigkeit. Ein Auto erzeugt chaotisches Strömungsrauschen mit völlig anderen Schallfrequenezen im hörbaren Bereich.

Ein Windrad erzeugt periodische Druckimpulse mit der Frequenz, die vom Nervensystem anders verarbeitet werden. Das Frequenzspektrum reicht von 0,1 bis 0,8 Hz, die Druckwelle verbreitet sich nicht nur durch die Luft, sondern auch über den Boden als seismische Welle über viele Kilometer. Die seismische Welle eines Erdbebens dauert Sekunden, die eines Windrades Stunden oder Tage, solange eben wie sich das Windrad dreht.

Die Mainzer In-vitro-Studie zeigte, dass bereits eine Stunde Exposition bei 110 dBz die Kontraktionskraft menschlichen Herzmuskelgewebes um 11 Prozent reduziert TKP 10. Mai 2026.

Die erwähnten wissenschaftlichen Erkenntnisse und noch viel mehr finden Sie im neuen TKP Buch:

Das Muster ist bekannt

Es ist nicht das erste Mal, dass der ORF bei der Windkraft einseitig berichtet. Im April 2026 reichte die MFG Oberösterreich eine Beschwerde bei der KommAustria ein, weil sie in zwei von drei ORF-Berichten zur Windkraftdebatte im Landtag vollständig ausgeblendet wurde – obwohl sie im Landtag vertreten ist und an der Aktuellen Stunde teilgenommen hatte – siehe MFG OÖ, Beschwerde. Die Beschwerde argumentiert eine Verletzung des Objektivitätsgebots nach § 4 Abs. 5 ORF-G.

Die Rechtslage ist klar. Das ORF-Gesetz verlangt in § 4 Abs. 5, dass die Information „umfassend, unabhängig, unparteilich und objektiv“ zu sein hat. Nach der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofs ist dabei der Gesamteindruck entscheidend, den ein Durchschnittsbetrachter gewinnt – siehe VfGH E2281/2020. Und dieser Gesamteindruck ist im „Report“-Beitrag eindeutig: Windkraftkritiker sind unseriös, die Wissenschaft ist auf Seiten der Befürworter, wer zweifelt, ist ein Schwurbler.

Die Analyse der Sendung zeigt: Die Kritiker kommen nur als Stichwortgeber zu Wort. Ihre Aussagen werden in kurze Schnipsel zerlegt, auf die sofort die „entkräftende“ Reaktion folgt. Der Arzt sagt 52 Wörter über Herzinsuffizienz – und die Kamera schwenkt auf Schuhe. Der Obmann der Bürgerinitiative sagt 41 Wörter – und seine Warnung vor dem „Schwurblereck“ wird zum Framing des gesamten Beitrags. Am Ende steht ein 162-Wörter-Block der Befürworter. Das letzte Wort gehört der Redaktion.

Was das bedeutet

Der ORF wird durch Zwangsbeiträge finanziert – durch die Gebühren, die jeder Haushalt mit einem Empfangsgerät zahlt. Er hat einen öffentlich-rechtlichen Auftrag: umfassende, unabhängige, unparteiliche Information. Wenn dieser Auftrag systematisch verletzt wird, ist das keine Frage des journalistischen Geschmacks. Es ist eine Frage der demokratischen Legitimation.

Die Windkraft ist ein Thema, bei dem es um Gesundheit, um Eigentum, um Landschaft und um Milliarden an Subventionen durch Steuergeld geht. Die Bürger, die in Königswiesen saßen und zuhörten, haben ein Recht darauf, die Argumente beider Seiten zu hören – nicht die Karikatur einer Seite. Sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, dass es eine Mainzer Studie gibt, die einen statistischen Zusammenhang zwischen Windkraft und Herzerkrankungen zeigt. Sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, dass Gerichte in Frankreich und Belgien Anrainern Schadenersatz zugesprochen haben. Sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, dass die A-Bewertung den Infraschall rechnerisch ausblendet.

Stattdessen bekamen sie Biergläser und Zirkusmusik.

Quellen und Verweise:

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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6 Kommentare

  1. Peter Ruzsicska
    Antworten

    A propos „Biergläser und Zirkusmusik“:
    Zwergerlfrage, wer wird wohl diesen Sondermüll einst wieder wegräumen???

    Übrigens, das FPÖ-Gulasch gestern hinter’m Parlament war echt gut – Auch dem Herbert haben wieder vom heftigen Zwiebelschneiden die Augen g’wassat: „Ohne Mampf kein Kampf“
    Na, ja „wir“ werden dann wieder sämtliche Hosen wie gewohnt runterlassen dürfen und alles was noch kreucht und fleucht darf am Wiederaufbau mitmachen dürfen…

    Schlichteste Abmoderation des Gesamtpolitischen Systems auf Österreichisch – Falls es noch überhaupt in der Operettenrepublik zu Wahlen kommen sollte, wie sieht die Neutralität selbiger dann noch aus?
    Zu viele Fragen und immer zu wenige als auch zu einfachste Antworten.

    Der gewitzte Insasse beantwortet sich sämtliche Fragen selbst im Rahmen realistischer Nachbarschaftshilfe…

  2. Peter Ruzsicska
    Antworten

    Selbst wenn der Staatsfunk zur Gänze abgeschafft sein worden würde, heißt das schlicht, daß selbiger lediglich totalausgelagert sowie anderweitig längstens ersetzt geworden war.

    Jedwede Empörungstourettierungen im fürderhin selbstprisonierendsten Spaltungsrahmen selbstverzerkrudenden Lagerinsassenmeuten vollgänzlichst aller Art, dienen bloß der Selbstzermürbung von Insassenmassen zu Gunsten jedweder Gospoderie – nicht mahr als auch schon keinstenfalls weniger.

    Das Häf’n bleibt – Wärter gab, gibts als auch hatte es sie allerlängstens immer schon gegeben.

    Herrschaft ist einfach – Liebe und Hasse Deine Feinde gleichzeitiglichst als auch Schände schindlichst Deinen Nächsten als Dich selbst.

  3. Peter Ruzsicska
    Antworten

    Der ORF gehört vollständig abgeschafft bei gleichzeitig fristloser Entlassung der gesamten Belegschaft – Wird leider nicht passieren, weil der Staat gemäß dessen Funktion als Herrschaftliches Gewaltdispositiv diesen fundamentalen Propagandahebel grundsätzlichst grundfunktional benötigt, benötigt hat als auch fürderhin benötigen wird.
    Völlig gleichgültig, welches politisches System am anscheinlichen Ruder ist.

    Gefängniswärter wechseln, das Häf’n bleibt.

    Herrschaft ist einfach – friß oder stirb.

    1. 1150
      Antworten

      @,

      ich hab seit ~ 25 jahren keinen volksempfänger mehr und auch keine reichsfunkkarte dazu.

      aber die zwangsgebühr soll ich aber trotzdem zahlen, um eine degenerierte masse an nutzlosen fressern durchzufüttern, die genauso obsolet, wie das bundesheer uva. ist.

  4. Daisy
    Antworten

    Das darf nicht wundern, denn der von Zwangsgebühren lebend Staatfunk ist linksgrünversifft. Für die Geschützten in ihrer Blase ist daher das Windrad ein Heiligtum…koste es, was es wolle. Das geht ins Religiöse und hat daher mit Wissenschaft nichts zu tun. Außer Kritiker und ihre berechtigten Einwände zu desavouieren, fällt ihnen daher auch nix ein.

    1. Peter Ruzsicska
      Antworten

      Selbst wenn der Staatsfunk zur Gänze abgeschafft sein worden würde, heißt das schlicht, daß selbiger lediglich totalausgelagert sowie anderweitig längstens ersetzt geworden war.

      Jedwede Empörungstourettierungen im fürderhin selbstprisonierendsten Spaltungsrahmen von selbstverzerkrudenden Lagerinsassenmeuten vollgänzlichst aller Art, dienen bloß der Selbstzermürbung von Insassenmassen zu Gunsten jedweder Gospoderie – nicht mehr als auch schon keinstenfalls weniger.

      Das Häf’n bleibt – Wärter wechseln.

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