Frankreich: Ausweispflicht im Internet mit Kinderschutz als  Vorwand für digitale Überwachung

22. Juli 2026von 3,4 Minuten Lesezeit

Frankreich hat als erstes EU-Land ein Gesetz verabschiedet, das sozialen Medien für unter 15-Jährige verbietet. Die Umsetzung sieht strenge Altersverifikation vor – per Ausweisdokument, FranceConnect-Login oder sogar Gesichtserkennung per Selfie. Ab September 2026 gilt dies für neue Accounts, ab Januar 2027 auch für bestehende. Gleichzeitig wird das Handyverbot an Schulen ausgeweitet.

Offiziell geht es um den Schutz von Kindern vor schädlichen Inhalten und übermäßiger Bildschirmzeit. In Wahrheit ist das ein weiterer großer Schritt in Richtung verpflichtender digitaler Identität im Internet. Wer künftig TikTok, Instagram oder ähnliche Plattformen nutzen will, muss sich ausweisen. Die Anonymität im Netz wird damit systematisch abgeschafft – zunächst nur für Minderjährige, aber die Infrastruktur ist geschaffen.

Der „Pass numérique“ – ein weiterer Baustein der Überwachung

Der französische Politiker Florian Philippot hat die Abstimmung scharf kritisiert. Macronisten, Les Républicains und sogar Teile des Rassemblement National hätten gemeinsam diesem „Texte de censure et de surveillance“ zugestimmt. Er warnt, dass Ursula von der Leyen das gleiche Modell nun auf EU-Ebene durchsetzen wolle, um auch widerstrebende Länder zu zwingen.

Philippot sieht darin zu Recht einen massiven Eingriff in die Freiheit. Was als Kinderschutz verkauft wird, ist in Wahrheit der Aufbau eines Systems, das es dem Staat erlaubt, jeden Internetnutzer zu identifizieren. Die technischen Voraussetzungen für eine flächendeckende Ausweispflicht im digitalen Raum sind damit geschaffen – und die EU-Kommission wird nicht zögern, diese Entwicklung zu nutzen und zu vereinheitlichen.

Das Muster ist bekannt

Solche Maßnahmen folgen einem bekannten Muster: Zuerst wird ein scheinbar unanfechtbares Ziel (Schutz der Kinder) vorgeschoben. Dann werden weitreichende technische und rechtliche Instrumente geschaffen. Am Ende steht eine Infrastruktur, die für ganz andere Zwecke genutzt werden kann – von der Durchsetzung von Zensur über die Kontrolle von Meinungsäußerungen bis hin zur lückenlosen Überwachung der Bürger.

Frankreich geht hier voran, aber der Weg ist klar vorgezeichnet. Die EU hat mit dem Digital Services Act und ähnlichen Vorhaben bereits die Grundlagen gelegt. Ein europaweiter „digitaler Pass“ für den Internetzugang wäre nur der logische nächste Schritt. Die Begründung wird dann nicht mehr nur „Kinderschutz“ lauten, sondern auch „Kampf gegen Desinformation“, „Schutz der Demokratie“ oder „Sicherheit“.

Freiheit oder Sicherheit – die falsche Alternative

Wer argumentiert, dass man für den Schutz von Kindern eben gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen müsse, verkennt die Dynamik. Solche Systeme werden nie wieder abgebaut. Sie werden erweitert. Die technische Möglichkeit, jeden Nutzer zu identifizieren, schafft die Voraussetzung für eine neue Qualität staatlicher Kontrolle über Kommunikation und Information.

Anstatt echte Probleme wie Suchtmechanismen in sozialen Medien, pornografische Inhalte oder algorithmische Manipulation an der Wurzel zu packen, wird wieder einmal der einfache Weg gewählt: mehr Kontrolle, mehr Identifizierung, mehr staatliche Macht. Die Bürger sollen dafür ihre Anonymität und damit ein Stück ihrer Freiheit opfern.

Auffällig ist, dass wie bei Covid zumindest im politischen Westen parallel die Freiheit des Internet abgeschafft wird. Überwachung ist eines der Themen aber es geht auch um die Schaffung von digitalen Zwillingen jedes Menschen. Dafür ist die digitale ID nötig um genau Zuordnung jeder Regung zu erreichen. Und dafür werden auch die riesigen Datenbank- und Rechenzentren geschaffen. In ihnen werden alle Daten inclusive der Überwachungsvideos aus dem Auto und den öffentlichen Kameras gespeichert und ausgewertet.

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2 Kommentare

  1. Thomas Moser 22. Juli 2026 um 12:30 Uhr - Antworten

    Impliziert eigentlich eine Altersverifikation die Offenlegung der Identität? Nein. Es gibt Zero Knowledge Zertifikate.

    Die App liest das Geburtsdatum aus dem Chip des Personalausweises, berechnet lokal das Alter und erzeugt daraus ein verblindetes Statement wie ≥ 13, ≥ 16, ≥ 18 oder ≥ 21. Der Staat sieht nur ein kryptografisch verblindetes Objekt, das aus einer zertifizierten App stammt, und signiert es blind. Die App entblindet die Signatur und erhält ein gültiges staatliches Alterszertifikat für die jeweilige Altersklasse. Eine Webseite prüft später nur die Signatur und erfährt ausschließlich die Altersklasse, nicht die Identität. Die Identität bleibt vollständig verborgen, weil der Staat nur ein verblindetes Statement signiert und die Webseite nur die Signatur prüft. Die Altersklassen sind lediglich verschiedene Zero Knowledge Statements, die alle nach demselben Prinzip funktionieren. Dahinter steckt natürlich ein mathematischer Beweis: Die entblindete Signatur ist dieselbe, als hätte der Staat das nicht verblindete Statement signiert.

    Staaten werden aber ein solches System nicht akzeptieren, obwohl es technisch perfekt funktioniert. Der Grund liegt nicht in der Kryptografie, sondern im politischen Interesse an Identifizierbarkeit. Ein Zero Knowledge System verhindert Profilbildung, verhindert die Zuordnung von Online Aktivitäten zu Personen und verhindert staatliches Tracking. Genau das widerspricht dem Ziel, Altersverifikation als Vehikel für digitale Identitätspflicht zu nutzen. Deshalb wird der Staat sich weigern, blind zu signieren, selbst wenn die App zertifiziert ist und die kryptografische Sicherheit perfekt wäre.

    Deshalb müssen wir auf die Straße gehen für ZERO KNOWLEDGE Protokolle, Privatsphäre mit zertifizierter Altersklasse. Oder: Zero Knowledge, statt Zero Covid, statt Zero CO2.

  2. VerarmterAdel 22. Juli 2026 um 10:57 Uhr - Antworten

    Aus meiner Sicht drehen die Polituhren immer mehr am Rad. Völlig irre! Wie unter Drogen.

    Wer jetzt immer noch nicht realisiert, dass die fast alle gekauft sind und nicht ansatzweise die Interessen der Wähler sondern ausschließlich ihre eigenen und die Interessen einer kleinen Gruppe von machtbesessenen, superreichen Psychopathen vertreten, dem ist echt nicht mehr zu helfen.

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