Die EU installiert Fahrer-Kameras in Autos

4. Mai 2026von 3,9 Minuten Lesezeit

Ab Juli dieses Jahres muss jedes in der Europäischen Union zugelassene Fahrzeug mit Fahrer-Überwachungskameras ausgestattet sein. Es geht dabei nicht nur um Neuwagen.

Die EU will bis 2050 alle verkehrsbedingten Todesfälle beseitigen, erklärt die politische Agenda. Deshalb sollen die Kameras für die „Erweiterte Warnung vor Fahrerablenkung“ (Advanced Driver Distraction Warning – ADDW) das Verhalten des Fahrers auf Anzeichen potenzieller Ablenkung überwachen und bei Erkennung solcher Anzeichen eine Warnung auslösen. Geht es dabei um sicheren Verkehr oder um etwas anderes?

Die Fahrer-Überwachungskameras können nämlich andere Nebenwirkungen haben – etwa bei Versicherungsansprüchen. Momente, in denen der Fahrer an einer Ampel kurz aufs Handy geschaut hat, seine Hände kurz nicht mehr in der 10-vor-2-Position waren oder sein Blick vom Spiegelsensor nicht richtig erfasst wurde, könnten genutzt werden, um die Schuld an einem Schaden zuzuschieben.

Die Unfallstatistik kann sich so auch dramatisch ändern: „Fahrerfehler“ wird plötzlich zur Ursache für praktisch alles, was auf der Straße schiefgeht. Das wiederum könnte schnell eine neue Kampagne anstoßen: „Die Menschen fahren gefährlich.“

Und so könnten die Kameras schnell ein neues Problem erschaffen: „Daten der ADDW-Kameras zeigen: 80 % von uns fahren womöglich rücksichtsloser, als wir glauben“ oder „Selbst erfahrene Fahrer verfallen in schlechte Gewohnheiten, zeigen Berichte“. Auf das neue Problem kann dann schnell eine politische „Lösung“ folgen: neue Gesetze. Neue Fahrtauglichkeitsrichtlinien. Neue Führerscheinprüfungen.

Dafür hat man bereits gesorgt. Nach neuen EU-Plänen, die bereits vor wenigen Monaten verabschiedet worden sind, muss jeder Fahrer alle 15 Jahre erneut zertifiziert werden und erhält einen neuen Führerschein. Der britische Journalist Kit Knightly spekuliert: Es wäre ein kleiner Schritt, dieser Regelung den Zusatz „oder nach Y Anzahl aufgezeichneter Ablenkungswarnungen“ hinzuzufügen. Die neuen Führerscheine werden digital sein und biometrische Daten enthalten. Es ist durchaus möglich, dass neue Autos ohne Scan Ihres biometrischen Führerscheins nicht mehr fahrbereit sind.

Die Daten Ihres Autos werden natürlich in eine Datenbank hochgeladen. Das wird passieren. …eigentlich passiert es schon jetzt.

Schöne neue Autowelt. Denn die Fahrerüberwachungsdaten werden nicht einfach so liegen bleiben. Vermutlich werden die Daten von einer KI auf Fehler gescannt werden. Vielleicht gibt es dann auch Führerschein-Punkte, wenn die KI ausreichend Fehler gefunden hat. Dann muss man zu einer neuen Fahrsicherheitsübung. Die wieder Geld kostet. Oder anders:

„Sie können Berufung einlegen und während des Verfahrens weiterfahren. Aber die Berufungsgebühr wird höher sein als die Gebühr für die Neuzertifizierung. Verlieren Sie, kommen zusätzliche Gerichtskosten hinzu und Sie erhalten ein verlängertes Fahrverbot. In den Medien wird das als durchweg gute Sache dargestellt werden.

Einige Jahre später kann dann ein Rückgang an Verkehrstoten gefeiert werden und gleichzeitig unbegründet behauptet werden, die geringere Anzahl privater Fahrzeuge auf den Straßen habe „die Luftqualität in den Innenstädten verbessert“.

Kit Knightly über die große Agenda dahinter:

Das Endziel ist es, eine generell auto-feindliche Stimmung zu schaffen, in der es schon etwas altmodisch wirkt, wenn man überhaupt Auto fahren kann oder will.

Mittelschichtseltern werden in sozialen Medien damit prahlen: „Ich wollte nie, dass meine Jacinda Autofahren lernt!“ und dafür von Bots befeuerten Applaus erhalten. Unglaubwürdige selbstbeweihräuchernde Anekdoten wie „Mein achtjähriger Sohn hat mir gerade gesagt, er will nicht Auto fahren, weil das schlecht für den Planeten ist! Kinder sind so weise!“ werden viral gehen.

Denn die einfachste Art, Menschen in die Falle zu locken, ist, Freiheit uncool zu machen.

Das mag nach viel Spekulation auf Basis weniger Informationen klingen, und in gewisser Weise ist es das auch. Aber Mustererkennung ist wichtig. Es ist viel leichter, ein Feuer zu löschen, bevor es ausgebrochen ist. Und wir wissen, dass sie alles niederbrennen wollen.

Wir wissen, dass sie den privaten Pkw-Besitz beenden wollen – sie haben es wiederholt gesagt. Genau so machen sie es. Stück für Stück, indem sie Stimmungen und Umgebungen schaffen. Scheinbar willkürliche Regeln und Vorschriften mit „unvorhergesehenen Konsequenzen“. So gehen sie heute vor: Sie kommen seitlich mit langsam reifenden langfristigen Täuschungsmanövern, weil sie sich keine offenen Frontalangriffe mehr leisten können – nicht nach Covid.

Solche Dinge mögen klein wirken – ein nebensächliches Thema im Vergleich zu Krieg oder dem Ölpreis. Aber die Mächte, die nicht sein sollten, blicken beim Setzen kleiner Schritte immer auf den fernen Horizont. Wir sollten darauf achten, wohin sie uns führen wollen.


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11 Kommentare

  1. Thomas Moser 4. Mai 2026 um 21:05 Uhr - Antworten

    @audiatur et altera pars
    ADDW (Advanced Driver Distraction Warning) abzuschalten ist letztlich nur begrenzt hilfreich. Wenn man lediglich die Warnmeldungen deaktiviert, bedeutet das nicht, dass die Überwachung im Hintergrund stoppt, denn die Blickerkennung läuft weiter, damit das System überhaupt feststellen kann, wann es warnen müsste. Auch das vollständige Abschalten von ADDW ist nur temporär möglich; beim nächsten Motorstart ist das System automatisch wieder aktiv, weil die EU‑Verordnung eine dauerhafte Deaktivierung ausdrücklich ausschließt.
    Für mich ist deshalb ein anderer Punkt entscheidend: ob kamera- oder blickbasierte Auswertungen, die auf den Fahrer zurückgeführt werden können, lokal oder remote gespeichert oder später per Diagnose oder Remote‑Zugriff ausgelesen werden könnten, etwa für Auswertung oder Sanktionierung. Genau dazu enthält die ADDW‑Verordnung (EU) 2023/2590 eine zentrale Datenschutzbestimmung. In Anhang I, „Privacy and data protection“ heißt es wörtlich: “The system shall not store or transmit any data that would allow the driver to be identified or that would allow conclusions to be drawn about the driver’s behaviour or state.” Dieser Satz ist das faktische Speicher‑ und Übertragungsverbot. Wenn er korrekt und ohne Hintertür umgesetzt wird, bedeutet das konkret: keine Speicherung von Blickdaten, keine Speicherung von Ablenkungsmetriken, keine Speicherung von Videoframes, keine Speicherung biometrischer Merkmale und keine Übertragung solcher Daten an Hersteller, Cloud‑Dienste oder Behörden. Genau das ist der Kern der Datenschutzarchitektur von ADDW – und hoffentlich wird dieser Passus in der Praxis genauso strikt eingehalten, wie er formuliert ist.

  2. local.man 4. Mai 2026 um 16:13 Uhr - Antworten

    Interessant, dass es auch alle nicht Neuwagen betreffen soll.
    Also Adé dem Gedanke, sich eher ein älteres Modell zuzulegen und bis zum Sankt Nimmerleinstag zu pflegen.
    Und natürlich wird es per Zwang umgesetzt werden. Der nächste TÜV steht an.. Oh sie haben dies nicht, ist Verpflichtend von „Oben“ durchgegeben.. Kann ich so nicht zulassen. Frist 2 Wochen.. Nachprüfung, sonst rauß aus dem Autoverkehr!

    Wir sehen wiedermal.. Die Kontrolle liegt nicht bei uns, wir sollen nur den Wünschen der Machtsekte gehorchen und biste du nicht willig, dann brauch ich Gewalt in allen möglichen Formen, auch die Moderne über Struktur und völlig undemokratisch „entschiedenen“ Dünnschi..

  3. 1150 4. Mai 2026 um 16:11 Uhr - Antworten

    dann werd ich eben rettungsfahrer.
    um 07h30 mit einem dialysepatienten mit blaulicht und folgetonhorn zum wöchentlichen termin in der rushhour durch die stadt. heia, dass ist ein spass …….

  4. Glass Steagall Act 4. Mai 2026 um 13:01 Uhr - Antworten

    Dann verlange ich auch eine Kamera und Videoaufzeichnung in jedem Büro und jeder Sitzung der Politiker plus eine Ortung, wo sie sich derzeit befinden! Auch eine Totalüberwachung der Handys sämtlicher vom Steuerzahler finanzierten Staatsbediensteten! Schließlich sind das unsere Angestellten! Auch Frau von der Leyens Handy muss 24h über das Internet online abrufbar sein!

    • local.man 4. Mai 2026 um 16:07 Uhr - Antworten

      Was durchaus als nahe an der Normalität sehen würde, wenn diese Leute unsere Dienstleister sind und die macht vom Volke ausgeht.
      Hätte damit keine so großen Probleme, eher würde mich das freuen und die Sache wäre hier um 180° zu unseren Gunsten gedreht.
      Überwachung der 0,irgendwas an Dienstleistern an der Gesellschaft und nicht andersrum, die Überwachung der 99,x Prozent für die Herrschaft der maximalen Großvebrecher.

  5. audiatur et altera pars 4. Mai 2026 um 12:14 Uhr - Antworten

    Was Ritt Ritterlich und der abschreibende Autor weglassen, ist zB:
    Punkt 3.1.2. der VO:

    „Der Fahrer muss die Möglichkeit haben, entweder die Warnmeldung des ADDW oder das ADDW als Ganzes manuell zu deaktivieren, je nachdem, welche der beiden Möglichkeiten (oder beide) der Fahrzeughersteller vorsieht.“

    Aber mei, das passt halt nicht so in den Spin der Schreckensmeldung. Und deshalb lassen wir’s einfach weg. Woher kenne ich das bloß?

  6. Daisy 4. Mai 2026 um 12:05 Uhr - Antworten

    OK, ich überhole manchmal mit Turbotaste und bei Gegenverkehr, was ich mir aber ausrechnen kann, weil mein Bolide sehr schnell beschleunigt… Als mich mal ein Kieberer anhielt, redete ich mich auf die unerwartet rasche Beschleunigung raus. Er lachte, mir kann keiner bös sein :-) Auf der Autobahn ûberhole ich ab und an rechts, wenn ein Lahmarsch die linke Spur blockiert…mir wird des öfteren der Vogel gezeigt, was bei mir hxllische Lachkrämpfe verursacht. Wer mit mir mitfährt ist im Anschluss kreidebleich und zittrig. Mein Cousin krallt sich gar an der Armlehne fest, weswegen ich ihn schon als Tussi beschimpft habe….

    Und nun kommts, auf dem Heimweg trinke ich gerne ein oder zwei Fertigspritzer…das beschwingt…
    Weiters: Ich fahre ca. 15.000 km im Jahr und ich hatte noch nie einen Unfall. Ca. alle drei Jahre erwischt mich mal ein Kieberer beim Schnellfahren, was aber nie Raserei ist, mal 70 im Ortsbereich, wo eh jeder 100 fährt…

    Wie komme ich dazu, mich beim Autofahren filmen zu lassen? Und wenn dann was klingelt, erschreckts mich womöglich, dass ich dann wirklich mal einen Unfall bau. Solche Arschlôcher!!!

    • Gabriele 4. Mai 2026 um 13:45 Uhr - Antworten

      Na, Sie leben aber gefährlich…. in jeder Hinsicht. :-)

    • LmaA 5. Mai 2026 um 10:36 Uhr - Antworten

      Für Daisy :
      Das Sie sich beim oder im Verkehr selbst gefährten ist ja ihre eigene Sache.
      Aber das Sie dadurch auch ihre Partner oder gar Unbeteiligte gefährden
      das geht mal schon garnicht. Vielleicht hat sollte man Sie in ein arabisches Land zwagsverhairaten. Dann sind Sie zumindest keine Gefahr mehr beim Verkehr.

  7. Der Zivilist 4. Mai 2026 um 11:13 Uhr - Antworten

    Selbst fahren ist doch total out, von vorgestern, laß doch das Auto den Job machen. Und 3% Nutzung (10.000 km p.a. mit durchschnittlich 50 Km/h) ist eine Katastrophe, 97% stehen die PKWs rum, meist auf öffentlichem Straßenland. Also, auch der Privatbesitz von PKWs ist Blödsinn. Aber was sagt die Autoindustrie zu viel weniger, viel effizienter genutzten Autos? Die baut Panzer, da ist der Verbrauch, die Nachfrage, garantiert !

  8. Jan 4. Mai 2026 um 10:59 Uhr - Antworten

    Die Regierende Inkompetenz in Brüssel legt ein Ei nach dem anderen! Während man darüber diskutieren kann, ob wirklich jeder ein eigenes Auto benötigt, das vor sich hinrostet und ob niederschwellige Sharing-Modelle nicht sinnvoller sind, ist auf der anderen Seite der Führerschein in vielen Berufen eine Eintrittsvoraussetzung. Dabei gehts gar nicht uns tägliche Fahren als vielmehr um Kundenbesuche, schnell etwas abholen, Einspringen bei Krankenstand. Führerschein sollte in der Schule und beim AMS gemacht werden!

    Solange aber die Konservativen – auf deren Ticket Leyen sitzt – meinen, dies sei Wirtschaftspolitik, muss man sie eben impfen, bis sie den Stift nicht mehr halten können, um ihr Kreuz wieder bei Verderben und Tod zu machen. Impf, Baby, impf!

    Minus 7% sind die aktuellen BIP-Hochrechnungen, sollte die Hormussperre länger andauern. Aber die Babler-Sozialdemokraten werden vermutlich „Nichtwählen von Leyen“ und „Publikation ungeschönter Wirtschaftsdaten“ auch noch als Spionage-Straftatbestand definieren?

    Wenn die Logistikketten für Halbleiter einbrechen, wird die Auflage sowieso niemand erfüllen können.

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