Wie „Unzuverlässige“ das Stromnetz in den Abgrund treiben

26. Juli 2026von 6,4 Minuten Lesezeit

Es dauerte fünf Sekunden. Fünf Sekunden, bis 60 Prozent der spanischen Stromversorgung kollabierten. Das Ergebnis: Zehn Stunden Dunkelheit — in Teilen von vier Ländern. Ein Albtraum. Und laut den zuständigen Behörden steht Amerika genau dasselbe Szenario bevor.

Nicht irgendein Kritiker sagt das. Sondern die Federal Energy Regulatory Commission (FERC) — die US-Bundesbehörde für Stromnetzregulierung. Deren Mitglieder traten 2023 vor einen Senatsausschuss und ließen eine Analyse vom Stapel, die man von Bürokraten normalerweise nicht hört.

„Die roten Lichter blinken“

FERC-Kommissar Mark Christie brachte das Problem auf vier Worte: „The math doesn’t work.“ Die Rechnung geht nicht auf.

Ein anderer Kommissar warnte vor einer „sehr katastrophalen Situation in Bezug auf die Zuverlässigkeit“ und fügte hinzu: „Dieses Problem kommt. Es kommt schnell. Die roten Lichter blinken.“

Das ist keine Panikmache. Es ist die nüchterne Analyse der Leute, die täglich die Stabilität eines der größten Stromnetze der Welt überwachen.

Die North American Electric Reliability Corporation (NERC) — zuständig für die Zuverlässigkeit des nordamerikanischen Stromnetzes — warnte 2026, dass fast die Hälfte der US-Bevölkerung in den nächsten Jahren einem hohen Risiko für rollierende Blackouts ausgesetzt sein wird. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird jede einzelne Region der USA und Kanadas mindestens ein erhöhtes Risiko aufweisen. Die einzige Ausnahme: Saskatchewan. Was daran liegt, dass Saskatchewan buchstäblich mehr Kühe als Menschen hat.

Kein Witz.

Die Mathematik des Kollapses

Nehmen wir PJM Interconnection, den größten Netzbetreiber des Landes — 65 Millionen Kunden in 13 Bundesstaaten. PJM prognostizierte 2023, dass es bis 2030 etwa 40 Gigawatt an Stromkapazität verlieren wird. Das ist mehr als 20 Prozent der gesamten Kapazität — durch Kraftwerksstilllegungen.

Kein Problem, könnte man meinen — baut man eben neue Kraftwerke. Macht PJM ja auch.

Nur: Die optimistischste Schätzung für neue Kapazität liegt bei etwas über 30 Gigawatt.

Man ersetze 40 durch 30.

Das ist die Rechnung, die nicht aufgeht.

Und dieses Muster wiederholt sich landesweit.

Das Kernproblem: Die „Unzuverlässigen“

Um zu verstehen, warum das passiert, muss man verstehen, wie der Strommarkt funktioniert — und warum er gerade von innen heraus zerstört wird.

Stromquellen sind nicht gleich Stromquellen:

  • Grundlastfähig („baseload“): Kernkraft, die meisten Kohlekraftwerke. Laufen praktisch rund um die Uhr.
  • Regelbar („dispatchable“): Gaskraftwerke. Können je nach Bedarf schnell an- und abgeschaltet werden.
  • Intermittierend („unreliables“): Wind und Solar. Produzieren nur, wenn das Wetter mitspielt.

2024 lag die durchschnittliche Kapazitätsauslastung von Wind bei etwa 33 Prozent, von Solar bei unter 25 Prozent. Erdgas kam auf rund 60 Prozent, Kernkraft auf 90 Prozent.

Wind- und Solarkraftwerke produzieren also die meiste Zeit buchstäblich keinen Strom.

Das wäre an sich kein Drama — wenn sie nicht den Markt zerstören würden.

Negative Preise: Wenn der Markt verrückt spielt

Weil Wind und Solar massiv subventioniert werden, können ihre Preise negativ werden. Das heißt: Die Betreiber zahlen den Netzbetreibern Geld dafür, dass sie ihren Strom abnehmen — und bleiben trotzdem im Geschäft, weil die Subventionen die Verluste mehr als ausgleichen.

Kein Kohlekraftwerk kann das. Kein Gaskraftwerk kann das. Kein Kernkraftwerk kann das.

Die Folge: Grundlastfähige und regelbare Kraftwerke werden unprofitabel. Also werden sie abgeschaltet.

Jene 40 Gigawatt, die PJM verliert? Fast ausschließlich Kohle und Erdgas. Die 30 Gigawatt, die sie ersetzen sollen? Überwiegend Wind und Solar.

Man schaltet also die Kraftwerke ab, die immer liefern können, und ersetzt sie durch Kraftwerke, die meistens nichts liefern.

Das ist kein Energiepolitik. Das ist kollektiver Wahnsinn mit bürokratischem Briefkopf.

Spanien als Warnschuss

Der spanische Blackout war kein Betriebsunfall. Er war die logische Konsequenz genau dieser Politik: Ein Stromnetz, das zunehmend auf intermittierende Quellen setzt, während grundlastfähige Kapazitäten abgebaut werden — bis irgendwann der Punkt kommt, an dem das Wetter nicht mitspielt und das gesamte Kartenhaus zusammenbricht.

Fünf Sekunden. Zehn Stunden Dunkelheit. Vier Länder betroffen.

Das ist keine hypothetische Zukunftsmusik. Das ist passiert.

Und die zuständigen US-Behörden sagen offen: Das kommt hier auch.

Die politische Dimension: Subventionen als Systemgift

Man muss sich klarmachen, was hier eigentlich passiert: Der Staat greift mit Milliardensubventionen in den Energiemarkt ein, verzerrt die Preise künstlich zugunsten unzuverlässiger Quellen, treibt grundlastfähige Kraftwerke aus dem Markt — und wundert sich dann, dass die Versorgungssicherheit kollabiert.

Das ist exakt dieselbe Logik, mit der Zentralbanken durch künstlich niedrige Zinsen Blasen aufpumpen und sich dann wundern, wenn sie platzen. Oder mit der Gesundheitsbehörden experimentelle mRNA-Plattformen durchwinken und sich dann wundern, wenn die Nebenwirkungsdaten aus dem Ruder laufen.

Systemisches Marktversagen durch regulatorische Manipulation — das Muster ist immer dasselbe. Die Bürokraten, die den Schaden anrichten, sind dieselben, die anschließend vor Untersuchungsausschüssen „Alarmstufe Rot“ ausrufen. Als hätten sie das Problem nicht selbst geschaffen.

Der Nachfrage-Tsunami kommt erst noch

Und während das Angebot schrumpft, explodiert die Nachfrage:

  • Rechenzentren für KI fressen Strom in nie dagewesenem Ausmaß. Ein einziges modernes KI-Rechenzentrum zieht so viel Strom wie eine Kleinstadt.
  • E-Mobilität: Jedes Elektroauto, das angesteckt wird, ist ein zusätzlicher Verbraucher im Netz — und zwar genau dann, wenn die Leute nach Hause kommen und die Sonne untergeht.
  • Elektrifizierung von Heizungen: Wärmepumpen brauchen Strom. Im Winter. Wenn Solaranlagen so gut wie nichts produzieren.

Die EIA meldete 2025, dass die USA 14-mal mehr Strom verbrauchen als 1950. Und der Trend zeigt steil nach oben.

Angebot runter, Nachfrage rauf. Die Mathematik wird nicht besser.

Was zu tun wäre — und was stattdessen passiert

Die Lösung wäre technisch trivial:

  1. Kernkraft ausbauen — die einzige grundlastfähige, emissionsarme Energiequelle, die rund um die Uhr läuft. Frankreich macht es vor, mit 70 Prozent Kernkraftanteil und stabilen Preisen.
  2. Erdgaskraftwerke als Brückentechnologie erhalten und ausbauen.
  3. Subventionen für Intermittierende streichen — oder zumindest so umbauen, dass sie Netzstabilität belohnen, nicht bloß installierte Leistung.
  4. Kapazitätsmärkte stärken, die grundlastfähige Kraftwerke für ihre bloße Verfügbarkeit bezahlen — nicht nur für den tatsächlich gelieferten Strom.

Stattdessen passiert das Gegenteil: Der Inflation Reduction Act pumpt Hunderte Milliarden in Wind, Solar und E-Mobilität, während Kohle- und Gaskraftwerke schließen. Die Subventionslogik beschleunigt exakt den Kollaps, vor dem die eigenen Beamten warnen.

Das ist, als würde die Feuerwehr Benzin ins brennende Haus kippen und sich dann beschweren, dass die Flammen höher schlagen.

Und Europa?

Spanien und Deutschland sind Vorreiter. Spanien rutschte in den Blackout, weil die von Photovoltaik-Anlagen produzierte Energie die Netzfrequenz so hochtrieb,, dass Anschaltungen unausweichlich wurden um massive Schäden wie das durchschmoren von Transformatoren zu verhindern und Umspannwerke nachhaltig zu schaden.

Ein Tiroler Dorf musst Leitungen um ein Million Euro ausbauen um die Ableitung des  durch übermä0igen Ausbau von Solaranlagen erzeugten Überschussstrom zu ermöglichen. Der pumpt dann Wasser in Stauseen hoch, das wieder runterläuft, sobald die Speicher voll sind.

Und Deutschland macht es vor indem sie für die Abnahme von Überschussstrom im Sommer hohe Beträge zahlen und im Winter bei Dunkelflaute aus Frankreich Atomstrom zum zig-fachen Normalpreis kaufen.

Nachdem die Gasspeicher um rund 15% weniger gefüllt sind als in den Vorjahren zu dieser Zeit, können wir uns für den nächsten Winter bereits auf massive Problem einstellen. Via Science Matters.

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2 Kommentare

  1. jilse2 26. Juli 2026 um 8:03 Uhr - Antworten

    Den meisten Ounkten stimme ich zu, bis auf den Punkt Kernkraft: jeder Tag Betrieb eines Kernkraftwerks vergroessert ein Problem, dass bereits besteht und seit mindestens 60 Jahren ungeloest ist, naemlich die radioaktiven Abfaelle. Man muesste den radioaktiven Muell aus den Atomkraftwerken mindestens 50.000 Jahre socher lagern, bis er ungefaehrlich wird. Aktuell ist sogar zweifelhaft, ob wir in auch nur 100 Jahre sicher lagern koennten. Und eine Moeglichkeit zur sicheren * *Endlgerung gibt es weltweit nicht, niente, nada. Es gibt noch nicht einmal wirklich funktionierende Ansaetze dazu. Wie katastropha die Versuche enden, das Zeug in einen Salzstock einzulagern, kann man anhand des Versuchslagers Asse 2 zumindest erahnen (obwohl da noch nicht einmal hochradioaktives Material eingelagert wurde). Einlagern in natuerliche Granit Formationen? Koennte funktionieren, wen jemand garantieren koennte, dass die Formation fuer Jahrtausende stabil und dicht bleibt, nur kann das *niemand+ garantieren …

    Bei realistischer Betrachtung muessen wir zugeben, dass das nicht nur ein bisher ungeloestes Problem ist, sondern noch nicht einmal die Spur eines Ansatzes einer verbuenftigen Loesung existiert. Ist es unter diesen Umstaenden vernueftig, weiter auf Kernkraft zu setzen? Wohl kaum …

    Wie koennte dann aber eine Loesung aussehen? Vielleicht die Kernfusion (bei der nicht die hochradioaktiven und hochgiftigen Isotope entstehen, mit denen wir es mit der bisjerigen Kernenergie zu tun haben, auch wenn vermutlich schwach radioaktive Isotope entstehen. Und bis die Kernfusion mrktreif ist, koennen die bewaehrten fossilen Energietraeger herhalten (die aktuell leider aufgrund der unbewiesen Annahme, sie wuerden das Klima in relevanter Weise beeinflussen, verteufelt werden).

  2. Leontinger 26. Juli 2026 um 7:57 Uhr - Antworten

    Wo ist hier im Bericht die Wasserkraft?
    In Österreich und Norwegen ist es doch der Hauptenergielieferer!

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