Am 14. und 15. Oktober 2026 fiel in Istanbul lokal extrem viel Regen. Nach Angaben der Stadtverwaltung und des Gouverneursamts wurden in Beykoz Werte von über 240 mm bis zu 269–277 mm gemessen – je nach Station. Aufzeichnungen über solche Wetterereignisse gibt es seit dem Jahr 404 – mit und ohne Klimawandel.
Das entspricht dem Mehrfachen des Oktober-Mittelwerts von rund 66 mm und gehört zu den höchsten Tageswerten seit Beginn systematischer Aufzeichnungen. Schulen blieben geschlossen, Straßen und Unterführungen liefen voll, es gab Erdrutsche und über 1.000 Notrufe. Mindestens drei Menschen starben. Tausende Einsatzkräfte waren im Einsatz.
Das ist für die Betroffenen dramatisch. Wer die Geschichte der Stadt und die Niederschlagsdaten kennt, sieht jedoch ein bekanntes Muster, das nicht durch CO₂ oder den „Klimawandel“ erklärt wird. Istanbul liegt auf steilen Hügeln mit engen Tälern und Bächen (Kâğıthane, Ayamama, Alibeyköy und andere), die bei Starkregen schnell anschwellen. Es gibt keine großen durchfließenden Flüsse. Die Topografie war schon immer so.
Aber natürlich setzt sich die Geschichts- und Ahnungslosigkeit auch hier wieder durch, obwohl entsprechenden Chroniken mit wenig Mühe auffindbar sind: History of Istanbul: Fires and Floods in the Byzantine Era.
Hier ein Beispiel von Klimahysterie:
Hallo Herr @Markus_Soeder
schauen Sie sich die Bilder aus Istanbul an. Das sind Folgen des Klimawandels. Ganze Stadtteile wurden überschwemmt
Genau das wird München eines Tages auch passieren. Dann gibt es in Bayern 2 Mio. Klimaflüchtlinge.
Die fossile Politik der CSU ist falsch! https://t.co/4EVQHJmy7b— Dr. Michael Schaaf (@SchaafAmBerg) October 15, 2026
Historische Kontinuität seit der Spätantike
Schriftliche Belege beginnen in der Spätantike. Im September 404 gab es walnussgroßen Hagel, 407 extrem starken Regen mit Gewitter. Das erste als ernsthaft beschriebene Ereignis fällt auf 467–468. Der Historiker Priskos berichtet von drei bis vier Tagen ununterbrochenem Regen („wie Flüsse aus dem Himmel“). Die Stadt wurde verwüstet, es kam zu Erdrutschen.
Nach der osmanischen Eroberung 1453 werden die Berichte dichter: 1553 (Kâğıthane), 1563 (mehrtägiger Starkregen, Zerstörung von Aquädukten des Kırkçeşme-Systems von Mimar Sinan, Eyüp-Sultan-Moschee vollgelaufen), 1618, 1789 („zweiter Sintflut“, rund 64 Tote) und zahlreiche Ereignisse im 19. Jahrhundert. Sedimente füllten Bachbetten, Infrastruktur litt. Die Osmanen kannten die Risiken (History of Istanbul: The Impact of Floods on the Topography of Istanbul from 1453 to the Present, Fatma Şensoy).

Im 20. Jahrhundert setzte sich das fort: 1951, der Tagesrekord von 136,1 mm am 10. September 1981, der Şile-Wert von 199,3 mm 1985 und die Katastrophe vom 8.–9. September 2009 (Ayamama-Bach, rund 31–32 Tote in der Region, Autobahnen zu Flüssen, Bebauung in Bachbetten als Verstärker; Reuters).
Historische Berichte sind weit weniger vollständig als moderne Aufzeichnungen. Vor systematischen Messungen und dichter Medienberichterstattung wurden nur die schwersten Ereignisse festgehalten. Ein direkter Vergleich der „Häufigkeit“ überschätzt daher moderne Zunahmen. Das Grundproblem – intensive Konvektions- oder Frontenregen über steilem Gelände – besteht seit der Antike.
Die Daten: Keine wesentliche Zunahme durch CO₂
Lange instrumentelle Reihen zeigen für Istanbul keinen Anstieg der jährlichen Niederschläge oder der Extremwerte, der die historischen Überschwemmungsmuster erklären würde. Eine rekonstruierte Reihe von 1846 bis 2023 (einschließlich geretteter osmanischer Daten) ergibt einen statistisch signifikanten abnehmenden Trend der jährlichen Niederschläge (Mann-Kendall). Der Durchschnitt 1846–1936 lag bei etwa 695 mm/Jahr, 1937–2023 bei etwa 640 mm (Florya-Station): Rainy Ottoman Days, Geoscience Data Journal 2025.
Stationelle Analysen (z. B. fünf Stationen über Jahrzehnte) zeigen begrenzte und gemischte signifikante Trends bei Extremindizes. Positive Signale bei einzelnen Stationen (z. B. Rx1day an Kilyos/Sarıyer) stehen negativen oder insignifikanten gegenüber. Türkeiweite Studien finden regional eine Intensivierung der Tagesextreme in den letzten Jahrzehnten (besonders Magnitude und Beitrag, stärker im Sommer und in bestimmten Regionen), aber die Signale sind nicht flächendeckend und für Istanbul nicht dominant.
Ein wärmeres Klima kann die Feuchtigkeitskapazität der Luft erhöhen (Clausius-Clapeyron-Beziehung) und wärmere Meere (Schwarzes Meer) können Ereignisse speisen. Für Istanbul fehlt jedoch ein klarer, wesentlicher Einfluss auf Häufigkeit und Stärke der beobachteten Überschwemmungen, der die historische Kontinuität und die modernen Schäden erklärt.
Einzelne Ereignisse erfordern spezielle Attributionsstudien; pauschale Zuschreibungen an den „Klimawandel“ sind unzulässig. Modellprojektionen unter hohen Emissionsszenarien sagen künftige Intensivierungen voraus – die Modelle haben aber durchwegs den gravierenden Nachteil, keine Beobachtungen und Trends der Vergangenheit erklären zu können.
Der wesentliche Treiber: Urbanisierung und Landnutzung
Was die Schäden und die „Häufigkeit“ von Katastrophen in der Neuzeit steigert, ist die menschliche Nutzung. Versiegelte Flächen (Beton, Asphalt) lassen Wasser kaum versickern: Im Wald fließt 10–20 Prozent ab, auf Beton 80–95 Prozent. Derselbe Regen erzeugt ein Vielfaches an Oberflächenabfluss. Bäche wurden bebaut oder unterirdisch geführt, Überschwemmungsgebiete zugebaut, die Ableitung ist oft unzureichend. Die 2009er-Katastrophe und die 2026er-Ereignisse trafen besonders bebaute Gebiete; im bewaldeten Norden war die Wirkung geringer.
Der Meteorologe Mikdat Kadıoğlu (İTÜ) fasst es präzise zusammen: Der Regen ist die Gefahr, die Katastrophe entsteht, wenn sie auf eine unvorbereitete, falsch bebaute Stadt trifft. „Klimawandel vergrößert die Gefahr etwas, wir vergrößern die Katastrophe.“ Auch ohne Klimawandel würde ein Gebäude im Bachbett unter Wasser stehen. Regen ist natürlich, die Katastrophe menschengemacht. Studien zu Urbanisierung in Istanbul bestätigen den starken Anstieg des Risikos durch Bebauung und Versiegelung.
Der Physiker Richard Feynman formulierte es klar: Wenn eine Theorie nicht mit der Beobachtung übereinstimmt, ist sie falsch. Die Erzählung, CO₂ oder der Klimawandel seien der wesentliche Treiber der Häufigkeit und Stärke der Überschwemmungen in Istanbul, scheitert an der historischen Kontinuität, den unvollständigen Vergleichsdaten der Vergangenheit und dem messbaren Primat der Verstädterung. Die Topografie und die menschlichen Eingriffe in den Abfluss erklären das Bild weit besser. Wer nur auf CO₂ zeigt und die Bachbetten weiter zubaut, wiederholt die Fehler der Vergangenheit unter neuem Etikett.
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