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Politik

Finanzialisierte „Friedensinitiative“ aus dem Stall von Witkoff und Kushner

1 Kommentare 16. Oktober 2026 6 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Alastair Crooke hat im Conflicts Forum eine schonungslose Analyse des jüngsten „Friedensplans“ vorgelegt, den Steve Witkoff und Jared Kushner hinter den Kulissen ausarbeiten. Sein Fazit: Es ist ein weiteres finanzialisiertes Friedensprojekt aus dem New Yorker Immobilien-Denken – ein Belohnungssystem für westliche Banken, Investoren und Politiker, das die Erträge des Krieges ohne das lästige Blutvergießen sichern soll.

Wer die aktuellen Vorschläge liest, erkennt das Muster sofort. Schon im Dezember 2025 hatte der US-Kommentator Sundance im Conservative Treehouse die „Money Diplomacy“ beschrieben: ein System, „das die westliche Möglichkeit finanzieller Vorteile fortbestehen lässt“. Territoriale Grenzen, Sicherheit und die NATO-Ausdehnung werden dabei zu bloßen „nachgelagerten Details“ degradiert – Nebensächlichkeiten gegenüber dem, „was wirklich zählt: dem Geld“.

Was Ignatius ausplaudert

David Ignatius hat den aktuellen Vier-Punkte-Plan in seiner Kolumne in der Washington Post skizziert. Demnach bewegen sich die USA und Europa auf einen gemeinsamen Vorschlag zu, der „der Ukraine und Russland finanzielle und sicherheitspolitische Vorteile als Grundlage für eine territoriale Regelung liefert, die hinter den Kriegszielen beider Seiten zurückbleibt“.

Die vier Säulen:

  • Wiederaufbau der Ukraine – die Weltbank und BlackRock sollen die Finanzierung designen, um zerstörte Regionen wiederaufzubauen, Soldatenfamilien zu unterstützen und die Wirtschaft neu zu starten. Kiew wurde aufgefordert, detaillierte Kostenschätzungen zu liefern – samt Garantien gegen die Plünderung des Geldes.
  • Sicherheitsgarantien für die Ukraine, gleichwertig mit NATO-Artikel 5.
  • Wirtschaftliche Integration von Russland, Ukraine und Europa über einen Energiedeal – eine Pipeline, die russisches Öl und Gas nach Europa bringt, wobei Ukraine und Russland die Profite teilen. Russland bekäme langfristigen Zugang zum europäischen Energiemarkt, dazu ein Fahrplan für die Aufhebung der Sanktionen.
  • Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinie bzw. der „Line of Control“.

Der Köder: Stoppt Kiew die Drohnenangriffe auf russische Raffinerien, dann „sind wir wieder im Geschäft und fahren nach Moskau“, so ein US-Beamter gegenüber Ignatius.

Die Zusammenfassung des Plans findet sich auch bei bne IntelliNews von Ben Aris.

Der Haken: Russland sitzt nicht am Verhandlungstisch

Crooke zerlegt den Plan mit kalter Präzision. Die USA und Europa verhandeln untereinander – und ignorieren geflissentlich die expliziten Erklärungen aus Moskau.

Die Vorstellung, Russland würde Öl und Gas an Europäer liefern, die ihre einst billige russische Versorgung freiwillig aufgegeben haben, die in ihren eigenen Fehlentscheidungen gefangen sind und Russland bei jeder Gelegenheit verunglimpfen – und dann noch die Profite mit der Ukraine „teilen“ – ist absurd.

Außenminister Lawrow hat bei der UN-Generalversammlung unmissverständlich klargestellt, dass es keinen Waffenstillstand in irgendeinem Format geben wird. Verhandlungen müssten also unter Beschuss stattfinden – und selbst dann würde Putin nach eigener Aussage „zweimal überlegen“, ob er überhaupt beginnt. Die TASS-Zusammenfassung seiner UNSC-Rede vom 23. September 2026 ist da eindeutig: „Wir werden die spezielle Militäroperation nicht für die Dauer von Verhandlungen in irgendeinem Format unterbrechen.“ Das vollständige Statement sowie die Pressekonferenz bei der UNGA81 sind beim russischen Außenministerium bzw. bei UNifeed dokumentiert.

Putins Sprecher Dmitry Peskov bestätigte erst letzte Woche, dass „stückweise Lösungen und Vereinbarungen“ einen umfassenden Friedensprozess verhindern würden. Ein „Einfrieren“ des Konflikts helfe ebenso wenig:

„[Die Ukraine] ist eine hochkomplexe Angelegenheit, und die Regelung muss umfassend sein … Wir brauchen eine Lösung für künftige Generationen – eine, die garantiert und gegen Rückschläge abgesichert ist.“

Die Koreanische Falle

Die Europäer haben offenbar nicht begriffen, dass ein Korea-Modell – eine Einstellung der Feindseligkeiten entlang einer Front, an der sich zwei Armeen gegenüberstehen, wie es General Kellogg argumentiert – genau das Rezept für keine Lösung ist. Seit 73 Jahren ist der Koreakrieg durch einen Waffenstillstand eingefroren. Geändert hat sich nichts.

Dieses Mantra vom Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie statt „Lösung zuerst, Waffenstillstand zuletzt“ schreit den Russen förmlich entgegen: Der Westen will die Ukraine in der Umkleidekabine behalten – für den Moment, in dem man von einer Plattform aus wieder Druck auf Russland aufbauen kann.

Munchau warnt: Eskalationsrisiko steigt

Wolfgang Munchau hat diese Woche in UnHerd vor einer Eskalation gewarnt, die durchaus plausibel ist:

„Wir sollten uns keinen Illusionen über einen Krieg mit Russland hingeben. Wir sind absolut nicht in der Lage zu gewinnen. Wessen Anleihemärkte werden zuerst in die Luft fliegen? Wem gehen zuerst die Abfangraketen aus? … In jeder Hinsicht – militärisch, energetisch, finanziell – ist Europa im Nachteil.“

Munchau geht weiter: Es gibt ein relativ plausibles Szenario, in dem Ukraine und Iran zu einem einzigen westeurasischen Krieg verschmelzen – und zum ultimativen Proxy-Konflikt zwischen den USA und China werden. Er verweist auf die Energieschocks: Der Iran-Krieg hat 17 Prozent der LNG-Produktion Katars ausgeschaltet, während Europa auf russisches Gas einen Importbann verhängt hat. Die europäische Diesel-Versorgung steht auf der Kippe – Trump hat sogar angedeutet, die Diesel-Lieferungen an Europa zu stoppen. „Die Wirtschaft würde zum Erliegen kommen.“ In einem früheren Beitrag hatte Munchau bereits die rhetorische Kriegsbereitschaft auf beiden Seiten des Atlantiks analysiert.

Und die Finanzen? Russland ist praktisch schuldenfrei. Der Westen dagegen ist anfällig für eine potenziell verheerende Finanzkrise – die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen erreichte zuletzt ein 21-Jahres-Hoch.

Kulturelle Taubheit: Geld versus Sicherheit

Der fatale Fehler dieser Initiative ist ihre kulturelle Taubheit. Für Witkoff und Kushner mag es „alles um das gehen, was wirklich zählt – Geld“. Für Russland ist das nicht der Fall.

Würde die Witkoff-Europa-Kombination die russische Geschichte kennen, verstünde sie, warum für Russland Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit an erster Stelle steht. Statt weiter auf die „Stakeholder“-Profitgier mit seinem Mechanismus zu setzen, der „die westliche Möglichkeit finanzieller Vorteile fortsetzt“, müsste man die Grundfragen des Konflikts adressieren: die tiefere Frage einer eurasischen Sicherheitsarchitektur und die Definition, wo genau die Grenze verläuft, die NATO-Sicherheitsinteressen von denen sino-russischer Interessen trennt.

Dann – vielleicht – fände man bei der nächsten Reise nach Moskau ein aufgeschlosseneres Publikum.

Doch die Eingrenzung der NATO-Ausdehnung ist, wie die Dinge stehen, nicht möglich.

Bild: Kremlin.ru, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

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1 Kommentar

  1. Sceeneshifter
    Antworten

    Putin wird diesem Plan nicht zustimmen.

    Die Haltbarkeit amerikanischer ( und israelischer ) Verträge liegt zwischen einigen Stunden und 4 Jahren. Wenn der nächste US-Präsident anderer Meinung ist und die Ukrainer ihre Waffenlager wieder voll haben, geht das Drama weiter. Eine dauerhafte Lösung sieht anders aus.

    Was muß getan werden ?

    – Volksabstimmungen in den historisch russischen Gebieten, ob sie zu Rußland oder zur Ukraine

    gehören wollen

    – Wiederinstandsetzung der früheren Vereinbarungen in der Verfassung der Ukraine ( Neutralität,

    keine Nuklearwaffen, Achtung der Minderheiten etc. )

    – Obergrenze für das ukrainische Militär von z.B. einhunderttausend Armeeangehörigen

    – Demokratisierung der Ukraine mit anschließenden Neuwahlen

    – Überwachung aller Maßnahmen durch eine UNABHÄNGIGE Institution mit weitreichenden

    Kontrollrechten

    Fakultiv könnten sich die us-amerikanischen und europäischen Rüstungsunternehmen

    ( Kriegsgewinnler ) mit einer Sondersteuer am Wiederaufbau der Ukraine beteiligen.

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