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Wissenschaft

Neue Dokumente über Fehlverhalten bei Pfizers Covid-19-Impfstoffstudie in Argentinien 

6 Kommentare 14. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Bereits 2022 zeigten FDA-Dokumente höchst Eigenartiges aus der Pfizer-Zulassungsstudie. Nun legt die Investigativjournalistin Maryanne Demasi weitere, bislang unveröffentlichte Unterlagen vor, die schwere Mängel an einem der größten Studienzentren in Argentinien offenlegen.

Standort 1231 in Buenos Aires, geleitet von Dr. Fernando Polack, rekrutierte fast 5.800 Freiwillige – etwa 13 Prozent der gesamten Phase-III-Studie. Die neuen Dokumente enthüllen Dosierungsfehler, umstrittene Sicherheitsaufzeichnungen und ethische Verstöße. Schon damals fiel auf, dass dieser eine Standort massiv zur Wirksamkeit beitrug und dass die FDA nur einen Bruchteil der internationalen Zentren inspiziert hatte. Polack fungierte noch dazu als Leadautor der Studie.

Demasi hatte bereits 2022 im BMJ die unzureichende Aufsicht kritisiert: In ihrer Investigativrecherche zeigte sie, dass die FDA vor der Zulassung des Pfizer-Impfstoffs lediglich 9 von 153 Studienzentren inspiziert hatte – und das ausschließlich in den USA. Sie fasste die Ergebnisse auch auf ihrem Substack zusammen. Die argentinischen Behörden dokumentierten nun 20 Nicht-Konformitäten – doch die europäische Arzneimittelbehörde EMA zitierte dieselben Inspektionsberichte später als Beleg für die Einhaltung internationaler Standards.

Dosierungsfehler und Protokoll-Chaos

Am 11. August 2020 erhielt ein Placebo-Teilnehmer irrtümlich den Impfstoff. Der Fehler wurde erst Wochen später vollständig aufgeklärt. Schwerwiegender: Am 23. August verdünnten Apothekenmitarbeiter den Impfstoff falsch. 52 Freiwillige erhielten etwa 58 Mikrogramm mRNA statt der vorgesehenen 30 Mikrogramm – nahezu die doppelte Dosis. Pfizer sprach von menschlichem Versagen und setzte die Rekrutierung nur kurz aus. Argentiniens Arzneimittelbehörde ANMAT ordnete eine erneute Aussetzung an und verlangte eine Ergänzung der Einwilligungserklärungen.

Bei der Inspektion zwischen dem 11. und 23. September 2020 fanden die Behörden 20 Verstöße: abgelaufene Berufslizenzen, inkonsistente Einwilligungen, vorbereitete medizinische Vorlagen und mangelhafte Meldung schwerer Nebenwirkungen. ANMAT verhängte eine „Official Action Indicated“ gegen Polack und Pfizers lokalen Vertreter und forderte monatliche Berichte sowie neue Standardverfahren.

Der Fall Augusto Roux und widersprüchliche Bewertungen

Der 36-jährige Anwalt Augusto Roux erhielt seine zweite Dosis am 9. September 2020 und entwickelte Fieber, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. Im Krankenhaus wurde eine „adverse reaction to coronavirus vaccine (high probability)“ diagnostiziert, der PCR-Test war negativ. In den Studienunterlagen tauchte die Hospitalisierung jedoch als bilaterale Pneumonie auf, die als nicht impfstoffbezogen eingestuft wurde.

Polack und Pfizer änderten die Klassifikation mehrfach und weigerten sich, die Behandlungskosten zu übernehmen – obwohl die Einwilligung eine Kostenübernahme für impfstoffbedingte Verletzungen versprochen hatte. ANMAT forderte eine Neubewertung der Kausalität, doch Pfizer und Polack blieben bei ihrer Einschätzung.

Ethikkommission mit Interessenkonflikten

Auch die Ethikkommission CIREC geriet ins Visier. Zwei Mitglieder waren gleichzeitig Co-Investigatoren der Studie und hatten ihre Interessenkonflikte verspätet deklariert. Polack selbst war Präsident von iTrials, einem Unternehmen, das Zahlungen für die Durchführung der Studie erhielt.

Die Behörden stellten fest, dass Berichte über schwere Nebenwirkungen und Protokollabweichungen „empfangen, aber nicht analysiert“ wurden. Die Regierung von Buenos Aires stufte mehrere Mängel als „GRAVE“ (schwerwiegend) ein und entzog der Kommission vorübergehend die Akkreditierung.

Diese Enthüllungen ergänzen die bereits 2022 bekannten Auffälligkeiten. In den FDA-Dokumenten, über die TKP damals berichtete, war Standort 1231 unter Polack als mit Abstand größter Rekrutierer aufgefallen: Tausende Probanden in kürzester Zeit, darunter weitere mit speziellen ID-Nummern. Polack war zudem Erstautor der NEJM-Publikation der Studie wie TKP berichtete: FDA-Dokumente zeigen höchst Eigenartiges aus Pfizer-Zulassungsstudie

Die neuen Dokumente aus Argentinien zeigen, dass die Probleme nicht auf die bekannten problematischen Texas-Standorte beschränkt waren. Ein Standort, der einen erheblichen Anteil der Fälle und der Wirksamkeit trug, wies dokumentierte Dosierungsfehler, unvollständige Sicherheitsaufzeichnungen und ethische Defizite auf. Die Aufsichtsbehörden in Argentinien handelten, die internationalen Zulassungsbehörden und Pfizer reagierten zurückhaltend. Die Integrität der Zulassungsstudie bleibt damit weiter belastet.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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6 Kommentare

  1. triple-delta
    Antworten

    Ist dochn schon ein Fortschritt, dass man sich überhaupt bemühte, irgendwas mit Zulassungsstudien zusammen zu schustern. Die Nazis haben Zyklon B einfach so verwendet.

  2. W. Baehring
    Antworten

    Wundert sich wirklich noch irgend jemand, wenn der Name Pfizer im Zusammenhang mit unethischen, kriminellen Machenschaften bezüglich Medikamententests und Korruption auftaucht?

    Für diejenigen, die noch an Pfizer und seine Produkte glauben, deshalb ein Blick auf die kriminelle Vita des Pharmaunternehmen (Quelle:  https://apolut.net/pfizer-eine-kriminelle-organisation-von-uwe-g-kranz/):

    Zitat:

    „1994    Pfizer zahlte freiwillig 19,75 Mio. $, um die Vorwürfe des Justizministeriums beizulegen, dass der Konzern gelogen hätte, um die staatliche Zulassung für eine mechanische Herzklappe zu erhalten; in der Folge seien dann Sicherheitsbedenken vertuscht worden, obwohl das Gerät Patienten tötete.

    1996    Pfizer verabreichte 200 nigerianischen Kindern das Antibiotikum TROVAN, ohne zuvor die Eltern darüber informiert zu haben, dass es sich um ein medizinisches Experiment handelte oder um Erlaubnis gefragt zu haben; 11 Kinder starben, viele erlitten Nebenwirkungen (Gehirnschäden, Organversagen, Erblindung, Taubheit). Zunächst einigte sich Pfizer mit vielen Klägern außergerichtlich auf eine Entschädigung in Höhe von 75 Mio.$. Das Geld sollte zu einem Teil in einen von Pfizer eingerichteten Meningitis-Fonds fließen, aus dem die Opfer und deren Familien entschädigt wurden und zu einem anderen Teil in Gesundheitsinitiativen im Staat Kano, 10 Mio. $ gingen für die Gerichtskosten drauf.  Inzwischen sind 186 Klagen noch in der Schwebe, die Rede ist von vor US-Gerichten eingeforderten Entschädigungen in Höhe von sieben Milliarden US-Dollar.

    2008    NEUROTIN-Skandal: Pfizer soll negative Studien verzögert veröffentlicht und den Fluss klinischer Forschungsdaten kontrolliert haben; Negative Daten wurden in ein positives Licht gerückt

    (NYT: „Experten folgern, dass Pfizer Studien manipuliert hat“)

    2009    Pfizer zahlt 2,3 Mrd.$ Strafe und gesteht, das Schmerzmittel BEXTRA in betrügerischer Absicht oder mit der Absicht der Irreführung falsch gekennzeichnet, Schmiergelder an willfährige Ärzte gezahlt und auch für andere Medikamente illegal geworben zu haben.

    2009    Pfizer zahlt 750 Mio. $. um 35.000 Klagen beizulegen, weil sein Medikament REZULIN für 63 Todesfälle und Dutzende Leberversagen verantwortlich gewesen sei; Die FDA stellte sich dennoch hinter das Medikament, obwohl die Zahl der Todesfälle zunahm und kein lebensrettender Nutzen nachgewiesen werden konnte.

    2010    Pfizer wurde zur Zahlung von 142,1 Mio. $ Schadensersatz verurteilt, weil es durch den betrügerischen Verkauf und die Vermarktung von NEUROTIN für nicht von der FDA zugelassene Verwendungszwecke gegen Bundesgesetze zur Bekämpfung von Betrug verstoßen hatte.

    2010 Pfizer musste eingestehen, dass es in den letzten 6 Monaten des Jahres 2009 mit rund 20 Mio. $ 4.500 Ärzte und andere medizinische Fachkräfte geschmiert hatte. Mit diesem öffentlichen Eingeständnis konnte Pfizer eine Bundesuntersuchung wegen illegaler Arzneimittelwerbung verhindern.

    2010    Pfizer wurde vom Blue Cross verklagt, weil es angeblich 5.000 Ärzte mit üppigen Karibikurlauben, Massagen und anderen Freizeitaktivitäten illegal bestochen habe, um das Medikament BEXTRA off-label einzusetzen.

    2012    Pfizer wurde von der SEC (die US-amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission) verklagt, wegen Verstoßes gegen den Foreign Corrupt Practices Act, da seine Tochtergesellschaften ausländische Regierungsärzte in Bulgarien, China, Kroatien, der Tschechischen Republik, Italien, Kasachstan, Russland und Serbien bestachen, um Aufträge zu erhalten.

    2012    Pfizer hatte bis zu diesem Jahr schon 1,2 Mrd. $ bezahlt, um die Klagen von fast 10.000 Frauen abzuwenden, die der Ansicht waren, dass das von Pfizer vertriebene Medikament PREMPRO bei ihnen Brustkrebs verursachte; Dazu gehörte auch ein Schadensersatz für die Zurückhaltung von Informationen über das Brustkrebsrisiko furch den Arzneimittelhersteller.

    2013     Pfizer zahlte bis dahin 55 Mio.$, um die strafrechtlichen Vorwürfe zu klären, Patienten und Ärzte nicht vor den Risiken von Nierenerkrankungen, Nierenschäden, Nierenversagen und akuter interstitieller Nephritis zu warnen, die durch den von Pfizer produzierten Protonenpumpenhemmer PROTONIX verursacht werden.

    2013    Pfizer zahlte 288 Mio. $, um die Klagen von 2.700 Personen beizulegen, denen zufolge das Medikament CHANTIX bei ihnen Selbstmordgedanken und schwere psychische Störungen verursacht habe.

    2021 ff Pfizer unterdrückte schon vor der Zulassung bei den klinischen Studien für Comirnaty für Kinder im Alter von 12 bis 15 Jahren (Teilnehmer 1.131 Kinder) schwere Schäden, die von Pfizer z.B. als Bauschmerzen abgetan wurden, obwohl es sich um schwere Lähmungen handelte (z.B. Fall Maddie de Garay).“

    Das Schlimmste daran aber ist:

    ALLE diejenigen „Gesundheitswächter“ , also WHO, FDA, CDC, EMA, RKI, PEI, STIKO usw., deren OBERSTE Pflicht es gewesen wäre, im Interesse der Gesundheit der Menschen ganz genau hinzuschauen, als Pfizer sich mit seiner neuen „Impf“-Technologie als Retter der Menschheit ins Rampenlicht drängte, haben weggeschaut. Sie haben sich damit zu MITSCHULDIGEN Handlangern dieses kriminellen Unternehmens selbst degradiert und sollten bei der (Welt-) Bevölkerung JEGLICHES VERTRAUEN AUF EWIG VERSPIELT haben.

  3. alter Mann
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    Na, mit dem neuem Pandemievertrag sind diese Diskussionen und Beiträge hinfällig. Ob dies auch für die Vergangenheit gilt? Wenn es die Menschen so wollen……

  4. maxstirner
    Antworten

    Das wohl grösste Verbrechen der Medizinindustrie seit den „Pockenimpfungen“ im 19. Jhdt

  5. Jurgen
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    Die Firma Pfizer hat bis heute immer noch nicht alle Daten zu den Produkten und Sicherheitsstudien abgeliefert… Das ist das größte Fehlverhalten überhaupt und ist Bourla persönlich zuzurechnen.

  6. cwsuisse
    Antworten

    Wenn es ums Geldverdienen geht, werden aus Ärzten, Wissenschaftlern und kaufmännischen Leitern offenbar „kleine Schweinchen“.

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