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Gesundheit

3D-gedrucktes Fake-Fleisch und -Fisch in US-Supermärkten

12 Kommentare 15. Oktober 2026 6 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Die israelische Food-Tech-Firma Steakholder Foods bringt unter der Marke Perfecta™ fünf Produkte in den Einzelhandel im Nordosten der USA – nach eigenen Angaben die erste kommerzielle Platzierung auf US-Ladenregalen überhaupt.

Die Produkte werden als „premium plant-based meat“ vermarktet, ohne auf der Verpackung das 3D-Druckverfahren zu nennen.  Das berichtet unter anderem Nicolas Hulscher auf The Focal Points. Die offizielle Ankündigung der Firma nennt die ersten kommerziellen Platzierungen auf US-Regalen, unterstützt durch den Distributor KeHE Distributors.

Die fünf Produkte sind: Plant-Based Marbled Steak, Filet Mignon, Chicken Breast, Salmon Patties und White Fish Patties. Es handelt sich nicht um im Labor gezüchtetes (cultivated/lab-grown) Fleisch aus tierischen Zellen, sondern um pflanzliche Pasten aus Soja- und Weizenprotein, Ölen und Bindemitteln, die schichtweise gedruckt werden, um Struktur und „Marmorierung“ nachzuahmen. Fact-Checks bestätigen die Einführung in nordöstlichen US-Stores und betonen den pflanzlichen Charakter.

Der entscheidende Punkt: In der Pressemitteilung ist an keiner Stelle von „3D-Druck“ auf der Verpackung die Rede. Vermarktet wird das Ganze als „Plant-Based Meat, Perfected!“ – als „next-generation plant-based protein platform“. Wer im Supermarktregal steht, erfährt nicht, dass sein „Filet Mignon“ aus einer Düse kam.

Zusammensetzung und Verarbeitung

Laut verfügbarer Zutatenlisten (z. B. Marbled Steak) stehen Wasser, Sojamehl, Rapsöl (Rapeseed/Canola), Kokosöl, Methylcellulose, natürliche Aromen, Salz, Rote-Bete-Pulver, modifizierte Maisstärke, Lebensmittelfarbe, Karamell, Xanthan, Johannisbrotkernmehl und Sonnenblumenlecithin an der Spitze.

Methylcellulose (E461) ist ein chemisch modifiziertes Cellulose-Derivat, das als Bindemittel und Stabilisator dient. Es kommt auch als Wirkstoff in Abführmitteln wie Citrucel zum Einsatz, weil es Wasser bindet und unverdaulich ist. Die Stiftung Warentest hat bereits auf die Verwendung in Fleischersatz hingewiesen und den Vergleich mit Tapetenkleister gezogen – ohne akute Gesundheitsgefahr bei üblichen Mengen, aber als Hinweis auf die starke Verarbeitung.

Die Produkte gelten als ultraverarbeitet (NOVA-Gruppe 4). Sie enthalten Soja und Weizen (Allergene) und Seed Oils. Eine Studie zu 3D-gedruckten pflanzlichen Burgern zeigte höhere Peroxid- und TBARS-Werte (Hinweise auf Oxidation) im Vergleich zu konventionell hergestellten, was mit der Porosität beim Drucken zusammenhängen kann.

Gesundheitliche Bewertung und Studienlage

Es gibt keine spezifischen Langzeitstudien zu diesen Perfecta-Produkten. Allgemein zeigen Kohortenstudien, dass der Verarbeitungsgrad wichtiger ist als das Label „pflanzlich“. Die NutriNet-Santé-Studie von Prioux et al. (The Lancet Regional Health – Europe, 2025) an über 63.000 Teilnehmern fand: Gesunde, minimal verarbeitete pflanzliche Lebensmittel senken das kardiovaskuläre Risiko deutlich (rund 40 % weniger koronare Herzkrankheit bei höchster Adhärenz).

Ultraverarbeitete pflanzliche Produkte – selbst bei besserer Nährstoffqualität – bringen diesen Vorteil nicht und können das Risiko erhöhen (bis zu 46 % höheres Risiko für koronare Herzkrankheit bei ungesunden ultraverarbeiteten pflanzlichen Diäten. Ähnliche Ergebnisse gab es zuvor zu pflanzlichen Ultra-Processed Foods und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das entspricht früheren TKP-Berichten: Pflanzliche Nahrung ist dann gesund, wenn sie möglichst wenig bearbeitet ist. Stark verarbeitete Fleischersatzprodukte und Fertiggerichte erhöhen das Risiko (). Echtes tierisches Protein zeigt in manchen Analysen sogar protektive Zusammenhänge, während Designerfood und stark verarbeitete Alternativen kritisch bewertet werden Echtes Fleisch schützt vor Krebs, aber Designerfood fördert ihn – Studie.

Methylcellulose selbst ist von Behörden (FDA, EFSA) als GRAS/sicher eingestuft, weil es unverdaulich ist und bei normalen Mengen keine negativen Effekte zeigt. In hohen Dosen wirkt es abführend. Die Kritik richtet sich gegen die Gesamtheit: Seed Oils, Soja, hohe Verarbeitung, Aromen, Farbstoffe und der Mangel an den Nährstoffen echter Fisch- und Fleischprodukte (z. B. Omega-3 in Fischimitaten).

Kennzeichnung und Transparenz

Es gibt keine generelle US-Vorschrift, die „3D-printed“ oder das Herstellungsverfahren auf der Verpackung verlangt. Das Verfahren gilt als Formgebungs-Methode vergleichbar mit Extrusion oder Formen. Die Packungen müssen „plant-based“ und die Zutatenliste ausweisen. Allrecipes und andere Berichte bestätigen, dass die Perfecta-Verpackungen das Druckverfahren nicht nennen. Für im Labor aus tierischen Zellen gezüchtetes Fleisch gelten strengere Kennzeichnungsregeln von FDA und USDA.

Kontext

Steakholder Foods (Nasdaq: STKH) positioniert sich als Anbieter von 3D-Drucktechnologie für pflanzliche Whole-Cuts. Die Firma entwickelt auch Premixe und hat zuvor Produkte in Israel eingeführt. Die Einführung passt in den breiteren Trend ultraverarbeiteter Alternativen, die unter Klima- und Tierschutzargumenten vorangetrieben werden – trotz der Studienlage, die minimal verarbeitete Lebensmittel bevorzugt. Ähnliche Produkte (Beyond, Impossible etc.) wurden bereits kritisch als hochverarbeitete Lebensmittel bewertet.

Wer echte Lebensmittel bevorzugt, achtet auf kurze Zutatenlisten, minimal verarbeitete Produkte und klare Kennzeichnung. Die Perfecta-Produkte sind technisch pflanzlich und reguliert wie andere Packaged Foods, aber sie sind Designerfood aus der Druckmaschine – mit den bekannten Einschränkungen ultraverarbeiteter Produkte.

Das Geschäftsmodell dahinter

Bei solchen Meldungen stellt sich immer dieselbe Frage: Cui bono?

  • Wer profitiert? Nicht der Konsument. Es profitiert die Firma, die ihr 3D-Druck-Patent monetarisieren will – und die Investoren, die auf „alternative Proteine“ gewettet haben. CEO Arik Kaufman spricht in der Mitteilung bemerkenswert offen vom „commercial journey“ und davon, dass „der Nordosten erst der Anfang“ sei. Das ist Investorensprache, nicht Konsumentenaufklärung.
  • Wer zahlt? Der Käufer im Supermarkt – mit Geld und mit dem Vertrauen, das er in ein Regal setzt, das er für neutral hält.

  • Wer schweigt? Die Aufsichtsbehörden, die die Kennzeichnung durchwinken, und die Medien, die es als „Innovation“ feiern statt als das, was es ist: ein Transparenz-Problem.

Das ist die klassische Drehtür: Die Regulierer, die das Labeling absegnen, kommen aus derselben Industrie, in die sie später zurückgehen.

Bkannte Vorgangsweisen

Das Muster wiederholt sich. Neue Technologie – alte Frage: Wem nützt die Intransparenz?

Bei Impfstoffen war es die Risiko-Kommunikation. Bei 5G die Sicherheitsprüfung. Bei industrieller Landwirtschaft die Boden- und Nährstofffrage. Bei ultra-verarbeiteten Lebensmitteln ist es jetzt die Herstellungsmethode.

Immer dasselbe Drehbuch:

  1. Produkt einführen mit einem positiven Narrativ („nachhaltig“, „clean“, „premium“).
  2. Kritische Fragen delegitimieren als „wissenschaftsfeindlich“ oder „rückwärtsgewandt“.
  3. Kennzeichnung minimieren, damit der Konsument nicht merkt, was er eigentlich kauft.

Dieses Drehbuch wird offenbar gerne wiederholt.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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12 Kommentare

  1. Charles M.
    Antworten

    Soylet Green kommt näher..

  2. 1150
    Antworten

    nichts neues,

    siehe brust oder keule von 1976 mit louis de funes

    was haben wir damals gelacht und als witzige spinnerei abgetan –

    heute hat uns die realität schon überholt …..

  3. LmaA
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    Die Politik arbeitet Hand in Hand mit der “ Lebens“mittelindustrie, der Pharmaindustrie, der Gesundheitsindustrie und der Bestattungsindustrie und füllen sich die Taschen.

  4. Jurgen
    Antworten

    Igitt! Alles mit Kleber zusammengehalten wie beim Formfleisch, nur viel mehr davon drin…

    Da warte ich lieber noch etwas länger auf die Direktsynthese aus Energie à la Traumschiff Ententeich…

  5. Jan
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    Dahinter steckt eine spirituelle Agenda. Diese Produkte sind das Gegenteil von „naturbelassen“ und „bio“, was die Voraussetzung für Reinheit als Vorbereitung zu magischen Tätigkeiten ist und schon sowieso für jene, die dies ablehnen.

  6. alter Mann
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    Nix Neues, ist der Plan das „Grünzeug“ komplett immer mehr in „vertical farming“ zu produzieren, was schon länger erfolgreich läuft und Keiner merkt es richtig. Wenn die Kritiker von der breiten Masse nicht mehr wahrgenommen werden, wird das synthetische Fleich / Wurst usw. auf den Markt kommen. Die Anlagen sind etwas komplexer (vergleichbar mit Reinraumanlagen Chipindustrie) und ja, auch in D gibt es schon so eine „Zuchtanlage“. Landwirtschaft in dem Sinn wird es dann nicht mehr geben. Die Agenden werden einfach umgesetzt und die Massen anderweitig beschäftigt. Alles zum Wohl des Planeten.

  7. Daisy
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    Das ist wieder das Richtige für die klimasektoiden Essgestörten. Solln sie nur. Das ist der reinste Sch…dreck.

  8. alex23550
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    Es ist wichtiger geworden denn je, auf die Zutatenliste von jedem Produkt zu schauen, bevor man es in den Einkaufswagen legt. In den meisten Fällen kann man es sich relativ einfach machen: Weniger = besser.

    1. Daisy
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      Ja, das ist eine gute Faustformel. Bei einem Steak gibts nur 1 Zutat. Und mein Sauerteigbrot besteht aus Wasser, Mehl und Salz.

      Tatsächlich gibt es auch schon Käse im Supermarkt, der auch lange Listen von Zutaten aufweist, zB Konservierungsmittel…Hände weg von Industriefraß.

      1. Jan

        In fast jedem Käse stecken Bill Pfizres Schimmelpilzkulturen aka „Mikrobielles Lab“.

      2. Daisy

        Ja, das ist auch im Bio-Käse drinnen, der sogar aus Rohmilch wäre, zB Bio-Bergkäse..

        Einzig verlässlich sind die Schweizer Rohmilch-Käseprodukte wie zB der Appenzeller.

      3. Der Zivilist

        In Schweden gibt’s Käse, dessen Fettanteil identisch ist mit seinem Palmölanteil, er ist also aus synthetischer Milch hergestellt, eine Emulsion, bei der Fett durch feine Düsen in Wasser gepreßt wird. Warum eigentlich nicht ? Nur: ist das Käse ?

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