FIFA als Zensor

18. Juni 2026von 2,9 Minuten Lesezeit

Seit Beginn der WM hat die FIFA schon fast 400.000 Beiträge aus dem Internet löschen lassen -schon jetzt 100.000 Kommentare mehr als bei der ganzen WM 2022. Der niederländische TV-Experte stand wegen angeblichen „Rassismus“ zudem schon am Internetpranger. 

Im Vorfeld der WM 2014 in Brasilien schrieb ein südamerikanischer Wissenschaftler seine sozialwissenschaftliche Abschlussarbeit. Darin argumentierte er, dass man anhand der FIFA erkennen könne, wohin sich die kapitalistische Ordnung entwickle. Was die FIFA umsetze, werde einige Jahre später zur allgemein herrschenden Politik.

In seiner Arbeit ging es nicht um Zensur, sondern vor allem um Vertreibung. Im Vorfeld von Stadionprojekten in Brasilien kam es zu „zufälligen“ Bränden in Favelas, genau dort, wo später WM-Stadien gebaut wurden. Dies deute darauf hin, dass Vertreibungspolitik zu Zwecken der Kapitalverwertung bald schon normal sein werde. Mit Blick auf die Gegenwart könnte man hier recht einfach Beispiele finden. Das sei aber dem Leser überlassen.

Was die Arbeit nicht im Visier hatte (sie stammte von einem lateinamerikanischen radikalen Linken), war der Ideologie- und Zensurapparat, der schon bald nach 2014 eine gewisse linke Wende innerhalb der Ordnung durchsetzen sollte. Eine progressive Ordnung wurde zur dominanten Ideologie, und Zensur im Netz (gegen „Hass im Netz“) immer mehr zur willkommenen Praxis. Die FIFA kämpfte schon vor Jahren gegen „Rassismus, Sexismus und Homophobie“, als dies noch nicht Staatsräson war und als „Pride-Paraden“ noch keine Regierungsdemonstrationen waren. Wieder etwas, in dem der Fußball Pionier war.

Aber zur Gegenwart: Die FIFA teilte eine Woche nach Beginn des Turniers mit, dass man inzwischen 3,8 Millionen (!) Wortmeldungen auf „Hass im Netz“ überprüft habe und davon 388.000 entfernen ließ. Im Hintergrund läuft ein mächtiger Zensurapparat, den kaum jemand wahrnimmt. Um welche Beiträge es sich dabei handelt, kann nur gemutmaßt werden – vermutlich um Inhalte mit „Rassismus, Sexismus und Homophobie“. Der Zensurapparat wächst jedenfalls deutlich: Während der gesamten WM 2022 wurden nur 287.000 Beiträge und Kommentare gelöscht. Diesen Wert hat man bereits jetzt klar übertroffen. Wurden die Leute diskriminierender oder wurde der Rahmen des Sagbaren in den letzten vier Jahren enger gezogen? Letzteres ist wahrscheinlicher. Besonders brisant ist das in Verbindung mit der These, dass die FIFA als Vorreiter der herrschenden Ordnung agiert.

Auch Rafael van der Vaart, ehemaliger niederländischer Spitzenfußballer und heutiger TV-Experte, steht im Kreuzfeuer. Es bleibt abzuwarten, ob er seinen Job als Experte bis zum Ende behalten darf. Er stolperte über einen politisch inkorrekten Witz und sagte, dass die Japaner (der erste Gegner der Niederlande) alle gleich aussehen würden. Er betonte sogar ausdrücklich, dass er das nur als Witz gemeint habe. Doch es war bereits zu spät. Van der Vaart wurde eine „diskriminierende Aussage“ vorgeworfen und die Rassismuskeule geschwungen. Er hat sich mittlerweile öffentlich entschuldigt – quasi an den digitalen Pranger gestellt. Nun hat er wohl wieder die Chance, seinen Job weiterzumachen.

Man muss vorsichtig sein. In Österreich ist TV-Experte Helge Payer offenbar noch davongekommen. Er sprach beim Spiel Niederlande gegen Japan von „kleinen Asiaten“, was keinen Skandal auslöste. Spricht das für Österreich? Wer weiß. Jedenfalls ist es alles andere als politisch korrekt. Ob die FIFA so etwas bereits als „Hass im Netz“ überprüfen lassen würde, bleibt Spekulation.


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3 Kommentare

  1. Vortex 19. Juni 2026 um 22:42 Uhr - Antworten

    Ein spezieller Hype
    um die FIFA-WM für den 24. Juni 2026 in Miami geistert im Netz herum (tinyurl.com/mnnw4wmu), mal sehen, was dran ist …

  2. VerarmterAdel 18. Juni 2026 um 14:46 Uhr - Antworten

    Da gibt es nur eins: Lasst sie ihre Brot- und Spiele-Spiele doch allein spielen. Wenn niemand zuschaut, kommen sie vielleicht ans Denken.

  3. therMOnukular 18. Juni 2026 um 13:51 Uhr - Antworten

    Da gäbe es noch weitere Beispiele……:

    In jedem Fussball befindet sich ein kleiner Computer und etliche Sensoren, damit die Elektronik immer genau sagen kann, wo der Ball gerade ist.

    Ein System aus etlichen Kameras überwacht die Spieler, dass nur ja keiner unbemerkt im Abseits steht.

    In Stadien wird Gesichtserkennungssoftware eingesetzt, um die Fans zu überwachen.

    Verordnete Trinkpausen bei 24 Grad wegen des „Klimawandels“.

    „Rätselraten“ wie ein Fussballer 2 Mal innerhalb von 5 Jahren auf dem Feld einen Herzstillstand erleiden kann…….

    usw.

    Alles, was sich korrumpieren lässt, ist mittlerweile korrumpiert. Alles, was Geld in Bewegung setzt, ist für diese Clique interessant. Je größer der Haufen Geld, desto größer der Haufen Verbrecher rundherum. Die FIFA ist da nur ein Symptom von vielen.

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