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Politik

Saudi-Arabien eröffnete eine neue Front in Westasien

2 Kommentare 30. Juli 2026 6 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Wenn Saudi-Arabien den Krieg in Westasien anheizt hat das unmittelbare Folgen auf die Wirtschaft in Europa. Die Benzinpreise und Nahrungsmittelpreise steigen, die Lieferzeiten verlängern sich, Zulieferer können komplett unter die Räder kommen. Daher muss man genauer hinschauen, was in der Region passiert.

Gemeinsam mit den USA hat Saudi-Arabien den Irak bombardiert. Angeblich „iranische Proxies“ (Bezeichnung häufig verwendet in Berichten aus der Region), aber tatsächlich handelt es sich um irakische Nationalisten und Milizen, die zwar über den schiitischen Islam enge historische und religiöse Verbindungen zum Iran pflegen, jedoch eigene nationale Agenden verfolgen (siehe Berichte und Analysen aus dem Mittleren Osten und dem Globalen Süden). Viele dieser Gruppierungen sehen in den USA den unmittelbaren oder strukturellen Gegenspieler. Saudi-Arabien behauptete, diese Milizen hätten das Königreich angegriffen, obwohl ähnliche Angriffe von jemenitischen Kräften aus Sanaa (Ansarallah / Huthi) für sich beansprucht wurden (Berichte aus der Region widersprechen sich häufig).

Vergeltung gegen saudische Angriffe kommen sicher

Zusätzlich wurde behauptet, die irakische Regierung — an deren Spitze ein von den USA unterstützter Premierminister steht — hätte das OK für Angriffe auf Saudi-Arabien gegeben, was widersprüchlich wirkt. Kritiker erklären, Saudi-Arabien habe die Luftschläge auf US-Anforderung durchgeführt; offizielle Stellen dementierten öffentlich und warnten gleichzeitig vor Vergeltung. Da die muslimischen Pilgertage in Kerbala gerade enden, ist kurz darauf mit einer intensiven Reaktion aus dem Irak zu rechnen — religiöse Feiertage erhöhen die Spannung und Mobilisierungsbereitschaft in der Region erheblich. Und diese Vergeltungsschläge können den Krieg noch einmal ausweiten.

Was war passiert?

Zwischen der jemenitischen Regierung der Nationalen Einheit unter Führung der Ansarallah (im Westen häufig „Huthis“ genannt) vermittelte China einen Waffenstillstand, nachdem ein jahrelanger Bombenkrieg getobt hatte, in dem Saudi-Arabien mit Unterstützung westlicher Staaten Hunderttausende direkt und indirekt, z.B. durch Seuchen, tötete. Dieser Krieg zerstörte große Teile der Infrastruktur des ärmsten Landes der Region; Blockaden führten zu Hunger und Seuchen. Trotz Waffenstillstand übt Saudi-Arabien weiter Blockadedruck aus, wodurch die Lage fragile bleibt. Als ein iranisches Zivilflugzeug, das Trauernde einer Beerdigung mit iranischen Würdenträgern transportierte, anflog und in diesem Kontext Bombardierungen stattfanden, erklärten die jemenitischen Führungen, der Waffenstillstand sei damit beendet. Nun werde die Blockade mit einer Gegenblockade im Roten Meer beantwortet. Die Regierung, die seit 2016 im späteren Machtgefüge anerkannt wurde und die Revolutionsführung ablöste, sprach von Vergeltung — aber dann flogen saudische Bomben als Vergeltung für die Vergeltung gegen Ziele im Irak. Und eine neue Front war eröffnet worden.

Die Schäden in Saudi-Arabien

Die materiellen Schäden in Saudi-Arabien sind beträchtlich; Expertenschätzungen über den Ausfall der Ölproduktion schwanken stark (einige sprechen von nur wenigen Prozent, andere von zweistelligen Verlusten über Wochen bis Monate). Die Angriffe zeigen, dass selbst strategische Infrastruktur wie Pipelines und Raffinerien in modernen Konflikten angreifbar sind, nicht nur Schiffe und Hafenanlagen. Langfristig lässt sich Frieden nur durch regionale Sicherheitsarchitekturen, gegenseitigen Respekt und verlässliche Konfliktregelungsmechanismen sichern. Doch je mehr Staaten und nicht-staatliche Akteure neue Fronten eröffnen, desto schwieriger wird eine solche Integration — und man fragt sich, wer davon profitiert, dass dauerhafte Spannungen bestehen bleiben.

Verantwortlichkeit und Opfer

Weder der Iran noch die jemenitische Führung unter Ansarallah sind bislang für Luftschläge mit hohen zivilen Opferzahlen im Irak oder in Saudi-Arabien verantwortlich gemacht worden. Saudi-Arabien hingegen führt seit Jahren Luftangriffe durch, die nach Berichten in der Region tausende zivile Opfer forderten. Dabei bleibt die Debatte darüber, ob externe Mächte (u. a. die USA) militärische Eskalationen anregen oder zumindest tolerieren.

Wer dreht die Kochplatte hoch?

Die Situation wirft die Frage auf, wer neben Saudi-Arabien die Eskalation vorantreibt — welche ausländischen Akteure strategisch ein Interesse an steigender Instabilität in Westasien haben. Ebenso bleibt unklar, aus welchen Gründen die Ukraine in entfernteren Gewässern iranische Schiffe angegriffen hat, die Lebensmittel transportierten. Solche Vorfälle zeigen, wie lokale Konflikte weiträumige Verwerfungen und Verbündetenverflechtungen auslösen können.

Motivation der Milizen im Irak

Viele schiitische Milizen im Irak entstanden nach 2003 aus lokaler Sicherheitslogik, nach der Zerstörung der ursprünglichen staatlichen Sicherheit unter dem harten Regime der Baath-Partei, politischer Repräsentation und oft als Reaktion auf Besatzung durch die USA. Anschläge dieser Milizen hatten zum ersten vollständigen militärischem Abzug der USA aus dem Irak geführt, einfach weil die Verluste zu groß geworden waren. Erst dank dem Erstarken und Angriffen von al-Qaida (al-Kaid) und ISIS bezogen sie wieder Militärbasen im Irak. Daher auch die allererste Forderung der USA an den neuen Regierungschef, diese Milizen aufzulösen. Ihre Beziehungen zum Iran sind vielschichtig — religiös, politisch, materiell — aber nicht automatisch identisch mit direkten fremden Steuerungsbefehlen. Denn diese Milizen stehen weitgehend außerhalb der Einflussmöglichkeit von Washington.

Informationskrieg

Narrative werden international stark umkämpft. Westliche Medien und Regierungen betonen oft die Rolle des Iran als „Lenker“ schiitischer Milizen; Medien aus dem Globalen Süden und regionale Quellen heben häufiger lokale Dynamiken, historische Kontexte und die Verantwortung regionaler Mächte hervor. Viele Analysten im Globalen Süden erklären, dass es sich um den Endkampf eines Jahrhunderte langen Spiels „teile und herrsche“ durch die Großmächte handelt, Global Player, die alles, nur keine befriedete einheitliche und prosperierende Region wünschen.

Vorsicht bei Schuldzuweisungen

In einem Umfeld, in dem Desinformationen, verdeckte Operationen und strategische Narrative verbreitet werden, ist es wichtig, Anschuldigungen mit Vorsicht zu behandeln und lokale Quellen und Zeugnisse ernst zu nehmen. Wer erinnert sich nicht an die angeblichen zehntausenden Opfer der „mörderischen Mullahs“ während des von außen durchgeführten Gemetzels an Demonstranten, Zuschauern und Sicherheitskräften? Oder an die irakischen Massenvernichtungswaffen, die Brutkastenlüge, oder Gaddafis vergewaltigende „schwarzen Söldner“?


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2 Kommentare

  1. VerarmterAdel
    Antworten

    „Teil des Plans ist es, in dieser Region einen umfassenden Krieg zu führen und all diese Länder zu zerstören. Das Projekt „Greater ISrahell“ sieht beispielsweise die Zerstörung von Jordanien, Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und dem Irak vor – ja, die Zerstörung des Irak ist Teil dieses Projekts –, ebenso wie die des Libanon und Syriens, nicht wahr? Das ist tatsächlich Teil des Plans. Es wird nicht einmal verheimlicht. Es ist keine Ostereiersuche, bei der man erst graben muss, um fündig zu werden. Sie sagen offen, was sie vorhaben. Sie haben die entsprechenden Karten gezeichnet. Ich meine, es liegt alles offen auf dem Tisch. Und dennoch gibt es diese Analysten, die behaupten, das sei Unsinn. …

    Sie sagen: „Oh, hier geht es um Energie“ oder „es geht nicht nur um Energie“, richtig? Energie spielt zwar eine Rolle, aber es greift zu kurz, alles allein darauf zu reduzieren, denn es geht nicht nur um Energie. Es geht um Depolation, nicht wahr? Und um die Kontrolle der verbliebenen Bevölkerung. Auf der Ebene der großen Strategie betrachtet, geht es eben nicht bloß um Energie. Eine Drosselung der Energieversorgung würde jedoch die Bevölkerungszahl massiv verringern. Wenn man die Energieversorgung drastisch reduziert, sinkt auch die Bevölkerungszahl drastisch; diese Dinge sind untrennbar miteinander verknüpft. Das ist sozusagen fest einkalkuliert. Wenn man die Energieversorgung tatsächlich kappt – und genau das geschieht ja gerade; ich hatte schon oft vorhergesagt, dass die Zionisten beispielsweise die Straße von Hormus sperren und dem Iran die Schuld dafür geben würden, was sie dann auch getan haben –, dann hat das Folgen. Ich habe das auf meinem Substack im Juli 2025 geschrieben – also vor etwas mehr als einem Jahr. “

    — Michael Yon

    Report: WAR GROWING — Saudi Arabia/U.S. Attack Iraq – https://michaelyon.substack.com/p/report-war-growing-saudi-arabiaus

    1. Varus
      Antworten

      Das Projekt „Greater ISrahell“ sieht beispielsweise die Zerstörung von Jordanien, Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und dem Irak vor …, ebenso wie die des Libanon und Syriens

      Das erklärt nicht, wozu Saudi-Arabien jene bombardiert, die sich der Israhell-Agenda widersetzen. Eigentlich müssten es Verbündete sein.

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