Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem hat am 14. September 2026 einen 245-seitigen Bericht mit dem Titel „The Elimination Project“ [das Projekt der Auslöschung] vorgelegt. Die zentrale These: Israel verfolge im Westjordanland kein Bündel isolierter Übergriffe, sondern ein zusammenhängendes politisches Projekt zur Auslöschung der Palästinenser als eigenständiges Volk. Grundlage sind mehr als 2.000 seit Oktober 2023 gesammelte Zeugenaussagen sowie drei Jahrzehnte eigener Dokumentationsarbeit.
B’Tselem ist eine renommierte israelische Menschenrechtsorganisation, die seit ihrer Gründung 1989 Menschenrechtsverletzungen in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten dokumentiert, um eine Zukunft in Freiheit und Würde zu fördern. Von der UN, der EU und internationalen Institutionen wird ihre Arbeit durch offizielle Einladungen zu Berichterstattungen, finanzielle Projektförderungen sowie prestigeträchtige Menschenrechtspreise – wie den der Französischen Republik – als fundierte Informationsquelle anerkannt.
Israels „Elimination Project“ gegen die Palästinenser
B’Tselem benennt fünf ineinandergreifende Mechanismen, die laut Exekutivdirektorin Yuli Novak gemeinsam darauf abzielen, „die Bedingungen zu zerstören, die Palästinenser brauchen, um hier weiter als Volk zu leben“: Gewalt und Einschüchterung, ethnische Säuberung samt Landnahme, Bewegungseinschränkungen, wirtschaftliche Strangulierung sowie soziale und politische Zerstörung.
Zu den im Bericht dokumentierten Zahlen zählen laut Al Jazeera unter anderem: 925 von der UN erfasste Bewegungshindernisse wie Straßensperren und Checkpoints, ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Westjordanland von 13,1 Prozent (2022) auf über 31 Prozent (2024) sowie mindestens 60 seit Oktober 2023 verhaftete palästinensische Journalisten.
Nach Angaben von The New Arab wurden seit dem 7. Oktober 2023 rund 200 neue Checkpoints im Westjordanland errichtet, etwa 18 Prozent der Fläche durch Siedlungen und Außenposten faktisch annektiert und 64 palästinensische Hirtengemeinschaften vollständig entvölkert. Die Zahl der seither getöteten Palästinenser im Westjordanland wird mit 1.087 bis 1.108 angegeben, darunter laut übereinstimmenden Angaben mehrere hundert Kinder.
„Was Palästinenser im Westjordanland durchleben, ist keine Reihe getrennter Vorfälle. Es ist ein einziges politisches Projekt, das in jeden Lebensbereich hineinreicht“,
zitiert The National Novak. Der Bericht ordnet die aktuelle Phase als Beschleunigung eines langfristigen, siedlerkolonialen Musters ein, das sich seit Ende 2022 und insbesondere nach dem 7. Oktober 2023 verschärft habe.
Die Reaktion Israels und seiner Unterstützer
Auffällig zurückhaltend fällt die Reaktion der israelischen Regierung aus: Nach Angaben von HuffPost reagierte das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu zunächst nicht auf eine Stellungnahme-Anfrage. Berichten zufolge weist die israelische Regierung B’Tselem grundsätzlich als voreingenommen zurück und stellt die Legitimität der Organisation infrage, ohne im aktuellen Fall auf einzelne Befunde einzugehen.
Westliche Rechtfertigungen für den Völkermord und die ethnische Säuberung Israels behaupten, die Frage, welche Rolle der Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 als Zäsur in der israelischen Innenpolitik spielt, bleibe ausgespart. Gerade so, als ob die Hamas für die Jahrzehnte der israelischen Politik verantwortlich sei. B’Tselem verortet die Beschleunigung des Projekts explizit vor diesem Datum – benennt den 7. Oktober also als Beschleuniger, nicht als Auslöser einer bereits bestehenden Struktur.
Laut Daily Sabah erklärte Novak, deren Ausgang werde „kaum Auswirkung“ auf das übergeordnete Projekt haben, da es sich um ein über Jahrzehnte gewachsenes System handle, das die aktuelle Regierung lediglich „schneller, gewalttätiger und institutionalisierter“ gemacht habe.
Es gäbe viele Fragen, hier nur die wichtigste
Warum blieben trotz jahrelanger, im Bericht selbst referenzierter Dokumentation greifbare diplomatische oder wirtschaftliche Sanktionen bislang aus?
Unberichtet
Der eigentliche blinde Fleck liegt nicht im Bericht selbst, sondern in seiner Einordnung durch die internationale Öffentlichkeit. In einem Meinungsbeitrag auf GV Wire beschreibt Novak, wie die eigene Organisation „rund ein Jahr lang“ nach Worten gesucht habe, um ein System zu benennen, das sich nicht in Einzelmeldungen fassen lässt – von Häuserzerstörungen über getötete Kinder bis zu systematischer Demütigung durch Siedler und Staat. Der Bericht zieht dabei explizit eine Linie zur Nakba von 1948 und behauptet damit historische Kontinuität statt eines neuen Phänomens.
Bemerkenswert ist zudem, dass B’Tselem selbst einräumt, dass der Begriff „Siedlerkolonialismus“ in Israel überwiegend als Angriff auf die jüdische Geschichte und Zugehörigkeit zum Land wahrgenommen wird – eine Wahrnehmung, die laut Novak „nicht zufällig“ sei, sondern selbst Teil der politischen Sprachbildung. Diese sprachpolitische Dimension, also wer mit welchen Begriffen über die Realität im Westjordanland sprechen darf, wird in der internationalen Berichterstattung kaum reflektiert – dabei entscheidet sie mit darüber, welche Reaktionen als legitim gelten und welche als einseitig abgetan werden.
Dass ausgerechnet eine israelische Organisation mit 37-jähriger Geschichte zu dieser Einordnung kommt, verschiebt die Beweislast: Wer den Bericht als antiisraelisch abtut, muss erklären, warum die von FMT zitierten Feldzahlen – etwa mehr als 900 Zufahrtssperren zu palästinensischen Ortschaften – falsch oder irrelevant sein sollten. Bislang liegt eine solche inhaltliche Widerlegung von israelischer Seite nicht vor.
Israeli rights group B’Tselem says Israel is pursuing a project to eliminate Palestinians as a distinct people, citing violence, ethnic cleansing, movement restrictions, economic strangulation and social and political destruction. pic.twitter.com/AyfLzgyznQ
— Middle East Eye (@MiddleEastEye) September 14, 2026
Bild: Screenshot von Video über den Bericht
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17 Kommentare
„B’Tselem: Israel will Palästinenser als Volk auslöschen“
Und was gibt’s heute im Fernsehen?
Paul Craig Roberts heute mit einem neuen Artikel – OK, vorwiegend mit bereits bekannten Thesen: “Der Weg zum Weltuntergang”. – “… Im gesamten 21. Jahrhundert kämpft Washington für ein Groß-Israel. … Die mächtige Israel-Lobby hat alle Wahrheiten, die der israelischen Expansion ungünstig sind, als antisemitisch definiert. Es sei denn, sie sind im Ruhestand, kein Professor, kein außenpolitischer Analyst, kein Regierungsbeamter oder Student können es überleben, als Antisemit abgestempelt zu werden. Die Macht der israelischen Selbstrechtfertigungen für Kriege und V@lkerm@rd ist außergewöhnlich. Es gibt nur 7,7 Millionen Juden in Israel; dennoch kontrollieren sie die Diskussion über die Gewalt, für die sie selbst verantwortlich sind. …” – Ob im Westen diese Übermacht gebrochen wird? Wenn man den anderen TKP-Artikeln glaubt, gerade begeben sich westliche Länder im Namen von Groß-Isr in eine heftige Energiekrise. Müsste man nicht endlich den Überlebensmodus einschalten?
Palästina ist nun ein grosses Konzentrationslager (KZ) und die Israelis sind die Schergen.
@“Bemerkenswert ist zudem, dass B’Tselem selbst einräumt, dass der Begriff „Siedlerkolonialismus“ in Israel überwiegend als Angriff auf die jüdische Geschichte und Zugehörigkeit zum Land wahrgenommen wird“
Es sind nun mal Siedler vorwiegend aus Osteuropa – Mileikowski Papa aus Warschau, Jabotinsky aus Odessa und so weiter. Die müssten noch weit mehr Macht ergreifen, um die Geschichte ganz beliebig wie in „1984“ umschreiben zu können. Auch wenn viele Medien in Westeuropa (auch manche vermeintlich alternative wie hier öfter zitierter „Einblick“) die Thematik unter einer Glasglocke halten.
Bei den Türken waren es die Armenier. Heute noch die Kurden. Bei Israel sind es die Palästinenser, weil man nicht genug Geld zum Landkauf hatte, wurde es militärisch immer weiter betrieben. In Großbritannien sind es die Jxden. Und die USA selbst sind das größte schiefgegangene Vielvölkerprojekt der Welt unter britischer Leitung.
Die Palis auslöschen zu wollen, ist antisemitisch…
punktgenau !
ob das aber auch alle antisemiten wirklich wissen?
Die übelsten Antisemiten sind die israelischen Zionisten und die Regierung. Dir Palästinenser sind Semiten, so wie alle Araber. Die Migranten, die aus Osteuropa, Turkmenistan etc nach Israel geschleust wurden, in der Regel aber nicht!
die afrikaner, syrer, afghanenen, tschetschenen, uvm.,
die nach zentraleuropa geschleust wurden, sind in der regel auch keine europäer.
aber das st ja eine andere geschichte
Die Gleichsetzung von Juden (Religion) mit Semiten (Ethnie) wurde insbesondere von den Nazis verwendet. Diese nicht.
somit geht es den zentraleuropäern bald wie den palästinensern,
vertreibung, terroranschläge, angiffe im öffentlichen raum,
was da unten abgeht, gibt es ja schon im kleinen in england, schweden, deutschland, frankreich,
aber schlaft nur weiter und kümmert euch nicht darum, bis es zu spät ist
@“Warum blieben trotz jahrelanger, im Bericht selbst referenzierter Dokumentation greifbare diplomatische oder wirtschaftliche Sanktionen bislang aus?“
Gute Frage. Sehr oft liest man, Isr würde zumindest die westliche Welt beherrschen – was angesichts der Ereignisse bzw. der westlichen Nicht-Reaktionen plausibel klingt. In den USA sagen manche MAGA-Leute schon mal, dass man erneut Unabhängigkeit erlangen müsse.
ich weiss bis heute nicht, was ein palästinenser ist
araber, jude, semite, brillenträger, diabetiker, ……..
In Mitteleuropa behauptet Hasbara gewöhnlich, Palästinenser seien eine „Spiegel-Erfindung“, daher könne es gar keine Probleme geben. Dass so etwas einst dem Minister Josef G. nicht eingefallen ist…
Wohl zum größten Teil Leute, die nach der „Zerstreuung“ vor Ort verblieben sind (wie die Samaritaner während des babylonischen „Exils“) zum Islam konvertierten und sich mit „Fremden“ vermischten … Das dürfte wohl beiden „Seiten“ nicht sonderlich gut schmecken. 🤔
wie am balkan,
da haben sich ein teil der serben wegen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen vorteilen
dem islam zugewandt, im osmanischen reich waren ausschliesslich moslems steuerbefreit und die ungläubigen durften die gesamte steuerleistung schultern, ferner waren sie auch nahezu rechtlos.
wie es heute in der eu peu a peu wegen der °°religionsfreiheit°°wieder schleichend praktiziert wird
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