Skip to content
Gesundheit

Studie zu Darmspiegelung mit unklarem Ergebnis

13 Kommentare 14. September 2026 3 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Wer mit „Bauchproblemen“ ins Krankenhaus eingeliefert wird, erhält routinemäßig „Sono-Colo“, also auch eine Koloskopie/Darmspiegelung. Und diese wird unisono als eines der wichtigsten Werkzeuge im Kampf gegen das zunehmende Darmkrebsrisiko bezeichnet. Eine jüngere Studie dämpft nun die Euphorie, aber gerechtfertigt?

Die Darmspiegelung senkte das Darmkrebsrisiko – aber weniger stark als vielfach angenommen. Nach rund zehn Jahren lag das Risiko in der Gruppe, die zur Darmspiegelung eingeladen wurde, bei 0,98 % gegenüber 1,20 % in der Kontrollgruppe. Das entspricht einer relativen Reduktion von etwa 18 %.

Beim Darmkrebs-Tod zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Vorteil. Die entsprechende Rate lag bei 0,28 % gegenüber 0,31 %. Die Studie konnte damit nach zehn Jahren nicht nachweisen, dass die Einladung zur Koloskopie die Darmkrebssterblichkeit signifikant senkt.

Ein entscheidender Punkt: Nur 42 % der zur Untersuchung eingeladenen Personen nahmen die Koloskopie tatsächlich wahr. Die Studie untersucht im Hauptvergleich also vor allem die Wirkung einer Einladung zum Screening, nicht die Wirkung einer tatsächlich durchgeführten Darmspiegelung bei jedem Teilnehmer.

Genau hier liegt ein wichtiger Interpretationsspielraum. Analysen, die berücksichtigen, was passiert wäre, wenn die Teilnehmer die Untersuchung tatsächlich durchführen ließen, kommen auf deutlich größere mögliche Effekte. In einer Analyse wurden beispielsweise rund 31–41 % weniger Darmkrebsfälle geschätzt, abhängig von der verwendeten Methode.

Außerdem ist die Nachbeobachtungszeit von zehn Jahren möglicherweise zu kurz, um den Einfluss auf Todesfälle vollständig abzubilden. Eine 2025 veröffentlichte Vergleichsanalyse mit anderen Screening-Studien argumentiert, dass sich Unterschiede bei der Darmkrebssterblichkeit teilweise erst nach mehr als zehn Jahren deutlich zeigen.

Die Gegenposition

Es gibt zugleich eine interessante Gegenanalyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Sie zerlegt den Effekt in Verhinderung von Krebs durch Entfernung von Vorstufen und frühzeitige Erkennung bereits vorhandener Tumoren. Danach könnten bei tatsächlich untersuchten Personen etwa 34 % der erwarteten Fälle verhindert und weitere 40 % früh erkannt werden – zusammen ungefähr drei Viertel. Das ist allerdings eine nachträgliche Analyse der NordICC-Daten, nicht das ursprüngliche Ergebnis der randomisierten Studie.

Was ist die faire Schlussfolgerung?

Die Schlagzeile „Darmspiegelungen retten weniger Leben als gedacht“ ist nicht völlig falsch, aber sie kann zu weit führen. Die NordICC-Studie liefert tatsächlich überraschend wenig Evidenz für eine Senkung der Gesamt- bzw. Darmkrebssterblichkeit innerhalb der ersten zehn Jahre. Sie zeigt aber gleichzeitig eine signifikante Verringerung der Darmkrebsneuerkrankungen.

Der entscheidende Punkt ist daher: Die Studie widerlegt nicht, dass Koloskopien Darmkrebs verhindern oder früh erkennen können. Sie zeigt vielmehr, dass der tatsächliche Nutzen – insbesondere hinsichtlich der Sterblichkeit – anhand dieses konkreten Studiendesigns und des 10-Jahres-Zeitraums kleiner bzw. unsicherer ist, als frühere Beobachtungsstudien vermuten ließen.

Bild: Screenshot einer Werbung für Darmspiegelung

Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇



Die Evolution der Bestechung in der Medizin: Vom Kugelschreiber zur systemischen Korruption

Pierre Kory und die Gefahr des absoluten Denkens in der Medizin

Teile diesen Artikel

13 Kommentare

  1. Eva Schumacher
    Antworten

    Es ist wie mit den Impfungen: Das erste was man bei den meisten Ärzten gefragt wird: „Sind Sie schon geimpft?“ Oder „Hatten Sie schon eine Darmspiegelung?“ Wenn ich dann antworte: „Nein, denn ich lasse mir doch keine Toxine einimpfen“, oder “ Eine Darmspiegelung kann die Darmwände perforieren und es können kleine Risse entstehen, die wiederum zu Polypen führen können!“, so habe ich dann wieder meine Ruhe!
    Medizin ist keine exakte Wissenschaft, aber ein permanenter und aufdringlicher Versuch das Unternehmen Medizin zu ständig mit neuen „Marktlücken“ erweitern und als etwas zu verkaufen, das keiner unbedingt will, es sei denn, man ist ernstlich erkrankt.
    Deshalb ist es so wichtig, Eigenverantwortung zu übernehmen. Denn die Medizin und ihre Vertreter*innen werden es nicht tun, denn sie leben von unseren Krankheiten!

    1. ibido
      Antworten

      Auf die mögliche „Nebenwirkung“ Perforation wollte ich auch schon eingehen. Brauch ich nicht mehr :-)
      Ergänzen möchte ich noch: Die Untersuchten wiegen sich in Sicherheit, die jedoch so sicher nicht ist. Heute wird bei der Untersuchung viel gespritzt, damit die Untersucher ihre Ruhe haben und nix erklären müssen, geschweige denn mit dem Untersuchten zusammenarbeiten (zu müssen)! Und dann wird ratzfatz rein und wieder rausgefahren. Früher nahm man sich wenigstens die Zeit ordentlich zu schauen.

  2. local.man
    Antworten

    Das eine Darmspiegelung eine Krankheit verhindert, ist so als wenn ein Regenschirm den Regen verhindert.
    Naja der Vergleich hinkt etwas, da eine Einsicht natürlich möglicherweise rechtzeitig das schlimmere verhindert.
    Aber der Auslöser der Darmprobleme liegt natürlich in dem was man sich oben reinstopft. Du kannst hunderte Darmspiegelungen machen lassen, das wird dich vor nichts schützen, wenn du die eigentliche Ursache nicht abstellst.
    Es ist wie mit der Versicherung. Sie schützt maximal vor den finanziellen Folgen, aber nicht vor einem Ereignis. Hunderte Versicherungen verhindern keinen Blitzschlag, oder den Unfall…
    Wo hier noch höhere Gewalt im Spiel ist, ist man beim Thema Darm nicht dem Zufall ausgesetzt.. Jeder kann sich selbst schützen.. esst vernünftig und führt sonst ein unschädliches Leben und bewegt euch lieber zu Fuß als das Auto zu nehmen… Wobei das schwer fällt bei den Giften um uns und im Essen, und der Dauer-Negativ-Propaganda mit dem passenden Ärger.. zugegeben..

  3. HelmutK
    Antworten

    Der so gut wie nicht vorhandener Nutzen ergibt sich aber nur wenn man die Schäden ausblendet. Schwere Komplikationen (Perforation, Blutungen) treten bei ca. 0,3% der Darmspiegelungen auf.

    Da ist das Risiko/Nutzen-Verhältnis wohl eher ungünstig.
    Ich sehe Darmspiegelungen daher eher, so wie Impfungen in Gruppen mit geringer Durchseuchung, als überflüssig oder gar gefährlich an.

    Aber das trifft wohl für die meisten der besonders propagierten Behandlungen und Vorsorgeuntersuchungen zu.

    Hypochonder sind die Goldesel der Medizin!

  4. bribrei
    Antworten

    Hippokrates sagte schon vor 2.500 Jahren: „Alle Krankheiten beginnen im Darm“. Sich das klarzumachen, halte ich für die wichigste Erkenntnis – selbst erfahren durch die schonendste Art, seinen Darm zu reinigen: „Die Darmreinigung nach Dr. med. F. X. Mayr“ (immer noch für wenige Euro erhältlich) – allerdings nur unter Aufsicht eines Heilpraktikers oder Naturheilmediziners. Diese etwas andere Darmkur, die nicht auf Pillen und/oder Koloskopie beruht, wirkt auf den gesamten Organismus und das seelische Befinden – eben ganzheitlich.
    Wichtig finde ich zudem das Buch, das auch immer noch erhältlich ist und an Aktualität nichts eingebüßt hat, aufgrund der meist unnötigen Eingriffe, die von Schulmedizinern zwecks Honorare nahegelegt werden: „Krankheit als Weg“ – Deutung und Be-Deutung der Krankheitsbilder von Thorwald Dethlefsen & Ruediger Dahlke.

    1. ibido
      Antworten

      „Krankheit als Weg“ – Deutung und Be-Deutung der Krankheitsbilder von Thorwald Dethlefsen & Ruediger Dahlke kann gute Hinweise und Anregungen liefern.
      Dethlefsens Weltbild ist jedoch – wie alles – mit Vorsicht zu betrachten und für sich zu prüfen.
      Er meint nämlich jedes Ereignis das einen trifft hat auch die Ursache bei einem selbst. Das stimmt mMn nicht. Es gibt sehrwohl Täter die Leid bei anderen auslösen, das die Betroffenen nicht selbst verursacht haben.

  5. Jan
    Antworten

    Bereits 1673 haben wir bei Molière gelernt, dass ständige Purgationen nicht gesund sein können! Seitdem hat sich offenbar nicht viel verändert: wer die „Einladung“ als Endpunkt nimmt und nicht die „Untersuchung“, kann zu keiner vernünftigen Aussage kommen. Wozu macht man sowas?

  6. federkiel
    Antworten

    Ich finde es schon leicht abartig, wo einem die heutigen Untersuchungsmethoden des mechanistischen Weltbildes etwas hinein stecken, bzw. wollen.
    Ein Grund für die Zunahme von Darmkrebserkrankungen liegt an der leichtfertigen Verordnung bzw. Einnahme von Antibiotika, denn die ruinieren die Darmflora. Aber wenn man schon Antibiotika nehmen „muß“, dann muß man die Darmflora wieder aufbauen.
    Z. B. mit Mitteln von Omnibiotic oder Med DarmRepair von Panaceo. Gibt sicher noch anderes. Und die Ernährung spielt natürlich für eine gesunde Darmflora auch eine Rolle.

  7. Gabriele
    Antworten

    Seit es möglich ist, jede erdenkliche Körperöffnung auszuleuchten und Instrumente in jeden verdächtigen Zentimeter zu stecken (siehe Biopsien zur Mammografie etc.), wird es auch bei jeder Gelegenheit gemacht. Auch deshalb, weil ganzheitliche Betrachtungen völlig „unnötig“ geworden sind.
    Gerade bei Darmkrebs kann man dieses Risiko aufgrund der Ernährung bereits in der Kindheit ausmachen, wenn man 10 Jahre weiterdenkt. Dass die mRNA-„Impfungen“ mit dem Anstieg zu tun haben, ist wie bei allen Krebsarten eigentlich fast schon logisch, daher muss man rasch wieder bei jedem Bauchweh „durchleuchten und durchspülen“. Das ist keine Prävention, sondern dümmliche Neugier und dient wie überall der Panikmache. Technische Eingriffe sind gut bezahlt. Beim Arzt ist ja nicht einmal mehr einfaches Abtasten die Regel bei Bauchbeschwerden. Weil man damit sowieso nichts mehr anfangen könnte… lieber macht man die nächste Studie, was angeblich sinnvoll ist und was nicht. Es ist diese neue Linie „der Wissenschaft“, die mehr anrichtet, als sie jemals nützen wird, aber wer will das schon hören…

  8. Jurgen
    Antworten

    Darmspiegelung würde ich selbst nur machen lassen, wenn ich auf einmal unbegründete Angstzustände oder starke Depressionen entwickeln würde…

    1. Gabriele
      Antworten

      …und was würde Ihnen eine Koloskopie dann sagen? Mein weiß doch, wie der Darm mit dem Gemüt zusammenhängt und was es mit einer Dysbiose zu tun hat…. also anders essen. Dafür braucht keiner im Darm herumwühlen.

      1. Jurgen

        Ist ganz einfach, dann kann es von einen Darmdurchbruch mit Luft im Bauchraum herrühren. Das muss man ausschließen. Ich kenne jemand, dem genau das passiert ist, bei 80 auf der Autobahn schon Angstzustände gehabt und dann ein paar Wochen später mit kollosalen Schmerzen ins Krankenhaus (zum Glück eins bei dem die Ärzte in der Notaufnahme nicht aufgaben nach der Ursache zu suchen, die sind mittlerweile sehr rar geworden). Und der aus dem Urlaub zurück gepfiffene Chirurg hat es noch in der gleichen Nacht gefixt. Wahrscheinlich Pfusch von einem Kaiserschnitt Jahre davor.

      2. Gabriele

        Wenn man bei jedem extremen Angstzustand – hervorgerufen durch die Weltlage – eine Koloskopie machen würde (wegen so eines Einzelfalls), dann machen die ihr Geschäft todsicher…
        Hier sind Sie selbst von Angst getrieben – merken Sie das?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.

Entdecke mehr von tkp.at

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen