Wer mit „Bauchproblemen“ ins Krankenhaus eingeliefert wird, erhält routinemäßig „Sono-Colo“, also auch eine Koloskopie/Darmspiegelung. Und diese wird unisono als eines der wichtigsten Werkzeuge im Kampf gegen das zunehmende Darmkrebsrisiko bezeichnet. Eine jüngere Studie dämpft nun die Euphorie, aber gerechtfertigt?
Die Darmspiegelung senkte das Darmkrebsrisiko – aber weniger stark als vielfach angenommen. Nach rund zehn Jahren lag das Risiko in der Gruppe, die zur Darmspiegelung eingeladen wurde, bei 0,98 % gegenüber 1,20 % in der Kontrollgruppe. Das entspricht einer relativen Reduktion von etwa 18 %.
Beim Darmkrebs-Tod zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Vorteil. Die entsprechende Rate lag bei 0,28 % gegenüber 0,31 %. Die Studie konnte damit nach zehn Jahren nicht nachweisen, dass die Einladung zur Koloskopie die Darmkrebssterblichkeit signifikant senkt.
Ein entscheidender Punkt: Nur 42 % der zur Untersuchung eingeladenen Personen nahmen die Koloskopie tatsächlich wahr. Die Studie untersucht im Hauptvergleich also vor allem die Wirkung einer Einladung zum Screening, nicht die Wirkung einer tatsächlich durchgeführten Darmspiegelung bei jedem Teilnehmer.
Genau hier liegt ein wichtiger Interpretationsspielraum. Analysen, die berücksichtigen, was passiert wäre, wenn die Teilnehmer die Untersuchung tatsächlich durchführen ließen, kommen auf deutlich größere mögliche Effekte. In einer Analyse wurden beispielsweise rund 31–41 % weniger Darmkrebsfälle geschätzt, abhängig von der verwendeten Methode.
Außerdem ist die Nachbeobachtungszeit von zehn Jahren möglicherweise zu kurz, um den Einfluss auf Todesfälle vollständig abzubilden. Eine 2025 veröffentlichte Vergleichsanalyse mit anderen Screening-Studien argumentiert, dass sich Unterschiede bei der Darmkrebssterblichkeit teilweise erst nach mehr als zehn Jahren deutlich zeigen.
Die Gegenposition
Es gibt zugleich eine interessante Gegenanalyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Sie zerlegt den Effekt in Verhinderung von Krebs durch Entfernung von Vorstufen und frühzeitige Erkennung bereits vorhandener Tumoren. Danach könnten bei tatsächlich untersuchten Personen etwa 34 % der erwarteten Fälle verhindert und weitere 40 % früh erkannt werden – zusammen ungefähr drei Viertel. Das ist allerdings eine nachträgliche Analyse der NordICC-Daten, nicht das ursprüngliche Ergebnis der randomisierten Studie.
Was ist die faire Schlussfolgerung?
Die Schlagzeile „Darmspiegelungen retten weniger Leben als gedacht“ ist nicht völlig falsch, aber sie kann zu weit führen. Die NordICC-Studie liefert tatsächlich überraschend wenig Evidenz für eine Senkung der Gesamt- bzw. Darmkrebssterblichkeit innerhalb der ersten zehn Jahre. Sie zeigt aber gleichzeitig eine signifikante Verringerung der Darmkrebsneuerkrankungen.
Der entscheidende Punkt ist daher: Die Studie widerlegt nicht, dass Koloskopien Darmkrebs verhindern oder früh erkennen können. Sie zeigt vielmehr, dass der tatsächliche Nutzen – insbesondere hinsichtlich der Sterblichkeit – anhand dieses konkreten Studiendesigns und des 10-Jahres-Zeitraums kleiner bzw. unsicherer ist, als frühere Beobachtungsstudien vermuten ließen.
Bild: Screenshot einer Werbung für Darmspiegelung
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3 Kommentare
Seit es möglich ist, jede erdenkliche Körperöffnung auszuleuchten und Instrumente in jeden verdächtigen Zentimeter zu stecken (siehe Biopsien zur Mammografie etc.), wird es auch bei jeder Gelegenheit gemacht. Auch deshalb, weil ganzheitliche Betrachtungen völlig „unnötig“ geworden sind.
Gerade bei Darmkrebs kann man dieses Risiko aufgrund der Ernährung bereits in der Kindheit ausmachen, wenn man 10 Jahre weiterdenkt. Dass die mRNA-„Impfungen“ mit dem Anstieg zu tun haben, ist wie bei allen Krebsarten eigentlich fast schon logisch, daher muss man rasch wieder bei jedem Bauchweh „durchleuchten und durchspülen“. Das ist keine Prävention, sondern dümmliche Neugier und dient wie überall der Panikmache. Technische Eingriffe sind gut bezahlt. Beim Arzt ist ja nicht einmal mehr einfaches Abtasten die Regel bei Bauchbeschwerden. Weil man damit sowieso nichts mehr anfangen könnte… lieber macht man die nächste Studie, was angeblich sinnvoll ist und was nicht. Es ist diese neue Linie „der Wissenschaft“, die mehr anrichtet, als sie jemals nützen wird, aber wer will das schon hören…
Darmspiegelung würde ich selbst nur machen lassen, wenn ich auf einmal unbegründete Angstzustände oder starke Depressionen entwickeln würde…
…und was würde Ihnen eine Koloskopie dann sagen? Mein weiß doch, wie der Darm mit dem Gemüt zusammenhängt und was es mit einer Dysbiose zu tun hat…. also anders essen. Dafür braucht keiner im Darm herumwühlen.
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