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Politik

9/11 und das Umschreiben der Geschichte

6 Kommentare 13. September 2026 6 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Derzeit erleben wir wieder, wie Politik und ihre Verbündeten, viele Massenmedien, die Geschichte neu erklären, diesmal ein Teil der Geschichte von 9/11 bzw. die Geschichte des Terrorismus. Alles um aktuelle Kriege zu rechtfertigen.

Der Iran leidet seit der Revolution von 1979 unter Wirtschaftskrieg, Attentaten, Cyber-War und von den USA angetriebenen Kriegen, wie den großen Angriffskrieg des Iraks zur Eroberung von Ölquellen, der den großen Teil einer Generation von jungen Männern im Iran kostete. Die USA unterstützte, was man  Terror nennt, wenn es gegen die eigene Besatzung gerichtet ist, gegen die Besatzungsmacht Sowjetunion in Afghanistan, ebenso wie Terror gegen die legitime Regierung in Syrien ebenso wie „Rebellen“, die gegen die Zentralregierung in Teheran kämpfen. Alles ganz offiziell in Dokumenten von Denkfabriken entwickelt. Und die Erfolge der Terroristen wurden in Washington bejubelt. Zuletzt einer, der sich nun Präsident Syriens nennt, im Weißen Haus empfangen worden.

Hegseths 9/11-Lüge: Wie Iran 2001 wirklich reagierte

Am 25. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 nutzte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nun die Gedenkfeier vor dem Pentagon, um den laufenden Krieg gegen Iran zu rechtfertigen. Wörtlich sagte er, die USA hätten es mit einer „islamischen Theokratie zu tun, die uns seit einem halben Jahrhundert den Tod gewünscht hat und die 9/11 bejubelt hat„. Präsident Trump ergänzte, man müsse dem „weltgrößten Sponsor des Terrors“ die Atombombe für immer verwehren, und rahmte damit den Iran-Krieg als direkte Fortsetzung des „War on Terror„.

Der iranische Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei reagierte scharf: Die Attentäter von 9/11 seien keine Iraner gewesen, sondern Leute, die die USA selbst über Jahrzehnte bewaffnet und aufgebaut hätten. Es sei „absurd„, den Jahrestag zu instrumentalisieren, um einen „rechtswidrigen Krieg“ zu legitimieren. Auch in den USA selbst wurde Hegseths Aussage als historisch falsch kritisiert, unter anderem von Common Dreams, das die Behauptung als bewussten Versuch beschrieb, eine unpopuläre Kriegspolitik nachträglich zu rechtfertigen. Aber der größte Teil der Medien verbreitete die Aussage ohne Kommentar.

Wieder soll Geschichte umgeschrieben werden

Die historische Faktenlage widerspricht Hegseths Darstellung deutlich. Schon am Abend des 11. September 2001 versammelten sich in Teheran rund 200 junge Menschen zu einer spontanen Mahnwache mit Kerzen, um Mitgefühl mit den USA auszudrücken – eine der wenigen pro-amerikanischen Kundgebungen in der islamischen Welt zu dieser Zeit. Die Polizei löste eine Folgeversammlung am nächsten Abend auf.

Wenige Tage später berichtete selbst das westliche Propaganda-Organ Radio Free Europe von rund 2.000 Teilnehmern einer weiteren Kerzenmahnwache in Teheran, die gegen Terrorismus demonstrierten und ihre Solidarität mit Amerika bekundeten. Bei einem WM-Qualifikationsspiel in Teheran hielten zudem rund 50.000 Zuschauer eine Schweigeminute für die Opfer ab (zitiert nach Common Dreams).

Auch auf offizieller Ebene fiel die Reaktion eindeutig aus. Der damalige Präsident Mohammed Khatami verurteilte die Anschläge noch am selben Tag im staatlichen Fernsehen als „Terroroperationen„, bei denen „eine große Zahl wehrloser amerikanischer Menschen“ ums Leben gekommen sei, und sprach den USA sein „tiefes Mitgefühl“ aus. Die Washington Post beschrieb damals, wie hartlinientreue Konservative ebenso wie moderate Reformer, Regierungsvertreter, Freitagsprediger und Bürger auf der Straße die Anschläge unisono verurteilten. Auch Ajatollah Chamenei erklärte laut Berichten, der Islam verurteile das „Massaker an Wehrlosen, ob Muslime, Christen oder andere„.

Und dies passt zu der stetigen Erklärung aller Politiker des Irans, dass sie unterscheiden zwischen der einfachen Bevölkerung der USA und der Führung.

Diese Sympathie blieb auch nicht auf Worte beschränkt: Ein Bericht des US-Außenministeriums von Mai 2002 – der Iran gleichzeitig weiterhin als „Sponsor des Terrorismus“ listete – hob hervor, dass Teheran den USA Unterstützung bei Such- und Rettungseinsätzen für abgeschossene Piloten anbot, bei der Bonner Afghanistan-Konferenz kooperierte und zusagte, flüchtende Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer an der Grenze aufzuhalten.

Die Sache mit der Jubel-Szene

Die tatsächlich dokumentierte Enthüllung einer gestellten Jubel-Szene stammt aus dem ARD-Magazin „Panorama„, das im Herbst 2001 – zusammen mit Recherchen von Spiegel und Stern – jenes berühmte CNN-Bildmaterial genauer untersuchte, das unmittelbar nach den Anschlägen jubelnde Menschen zeigte. Zu dem Zeitpunkt gab es noch solchen Journalismus. Das Ergebnis: Die Aufnahmen waren echt und stammten tatsächlich vom 11. September, zeigten aber lediglich eine Handvoll Personen vor der Kamera, während im Hintergrund die Straße ihrem Alltag nachging. Eine ältere Frau habe für ihren „Jubel“ sogar Süßigkeiten als Belohnung erhalten von der CNN-Crew erhalten.

ABER: Dieses Material stammte aus Ost-Jerusalem beziehungsweise dem Westjordanland – es zeigte Palästinenser, nicht Iraner (Metafilter, mit Verweis auf Stern/Panorama, OPE-L-Mailingliste, Zusammenfassung der Panorama-Recherche).

Material, das also eigentlich zur Dämonisierung von Palästinensern erstellt wurde, erlebte ein zweites Leben um Argumente gegen den Iran zu liefern.

Auch das American-Arab Anti-Discrimination Committee bestätigte, dass es solche kleinen Feiern in einigen Orten tatsächlich gab, kritisierte aber, dass sie tagelang in Dauerschleife gezeigt wurden, während viel größere Trauerkundgebungen und Mahnwachen von Palästinensern kaum Sendezeit bekamen. Gezeigt wurde, was ins Narrativ passte.

Die Gegenseite: Was Hegseths Behauptung nährt

Später entwickelte sich eine differenzierte Wahrnehmung: Unter Präsident Mahmud Ahmadinedschad rückte die offizielle iranische Linie deutlich ab von Khatamis Kondolenzbotschaft ab. Ahmadinedschad bezeichnete die Anschläge wiederholt als „inszeniertes Spiel“ der USA selbst, staatliche Medien wie Press TV und die Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten an späteren Jahrestagen aktiv, was im Westen als „9/11-Verschwörungstheorien“ angesehen wird. Diese ist gut dokumentiert und unterscheiden sich deutlich von der spontanen Trauer der iranischen Bevölkerung im September 2001 als Reaktion auf spätere Erkenntnisse. Richtet sich aber nicht gegen die Bevölkerung, sondern die Führung der USA.

Zusammenfassung

Die Behauptung, Iran habe 9/11 „bejubelt„, lässt sich für den unmittelbaren Zeitraum nach den Anschlägen nicht halten: Kerzenmahnwachen, eine Schweigeminute vor 50.000 Zuschauern, die persönliche Beileidsbekundung des Präsidenten und praktische Kooperation mit den US-Streitkräften stehen dem entgegen – gut dokumentiert von Washington Post, New York Times und dem eigenen US-Außenministerium.

Bild: Screenshot von Video über Hegseths Lüge

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6 Kommentare

  1. Waldgaengerin
    Antworten

    Wieviele Jahre braucht ihr in der Redaktion denn noch, meinen Kommentar von gestern frei zu schalten?

  2. Varus
    Antworten

    @„Die Behauptung, Iran habe 9/11 „bejubelt„, lässt sich für den unmittelbaren Zeitraum nach den Anschlägen nicht halten“

    Selbst wenn es so wäre – ob es das Bombardieren eines Landes samt ziviler Ziele rechtfertigen kann? Trump, Mileikowski & Co bejubeln ständig was – darf man dann diese zwei Länder beliebig bombardieren?

  3. Varus
    Antworten

    @„Präsident Trump ergänzte, man müsse dem „weltgrößten Sponsor des Terrors“ die Atombombe für immer verwehren“

    R-ö-p-e-er berichtete neulich, der übelste Terr@rstaat des Planeten beziehe 2/3 der Waffen aus den USA und 1/3 aus Schland. Soll jetzt die Atombombe den USA oder Isr für immer verwehrt werden?

    1. Hello
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      „Soll jetzt die Atombombe den USA oder Isr für immer verwehrt werden?“

      Sollte schon, geht aber leider nicht mehr.

  4. audiatur et altera pars
    Antworten

    Besser lässt sich die eigentliche Essenz dieses angeblich „alternativen“ und „unabhängigen“ Teils des Journalismus kaum selbst beschreiben. Zwei Böcke nehmen wechselseitig den Gärtner der Geschichte auf die Hörner und diskutieren über die Unterwäsche des Kaisers, der einem dauernd mit dem Penis ins Gemüt springt. Könnte man als lächerlich abtun. Wenn es nicht so traurig und der eigentliche Grund für die Möglichkeit nicht nur „Coronas“ wäre.

  5. VerarmterAdel
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    Falls sich jemand erinnert: 7 Länder in 5 Jahren.

    9/11 war der Vorwand.

    Guter Blog mit 9/11-Wahrheiten, die man anderswo vergeblich sucht:

    James Hill MD’s Newsletter – https://hillmd.substack.com/

    „If you understand who did 9/11 and aspects of how it was done, Covid bioweapon policies become clearer.

    It appears the same group is covering up and censoring the truth and spreading disinformation for both these operations.

    Leaders like Joe Biden and Donald Trump, who promote the official story of terrorist hijackers, are either duped or — in many cases — willfully going along with the plan.

    In any event, such leaders cannot be trusted on jabs, lockdowns, masks, climate change, digital IDs, vaccine passports, food and fuel shortages, or their excited plans for world governance.“

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