Politische Prominenz hat entdeckt, was Krypto-Händler seit Jahren wissen: Ein Token ohne inneren Wert lebt von Namen, Hype und dem Glauben der eigenen Anhänger.
Ben Norton nennt das auf Geopolitical Economy Report beim Namen: Meme-Coin-Maschen, bei denen Unterstützer das Verlustrisiko tragen und Familien das Geld. Die Größenordnungen sind nicht symmetrisch. Auf der einen Seite steht ein amtierender Präsident mit Milliarden aus Token-Geschäften. Auf der anderen der Sohn eines Ex-Präsidenten, dessen $LAPTOP binnen Stunden fast alles verlor. Gemeinsam ist das Muster: Ruhm als Köder, Spekulation als Produkt, der Kleine als Liquidität.
Trump: Gebühren sicher, Kursverluste den anderen
Drei Tage vor der Amtseinführung, am 17. Januar 2025, ging $TRUMP an den Markt. Zwei Tage später lag der Preis nahe 72 bis 74 Dollar. Seither ist er auf rund zwei Dollar gefallen – ein Minus von mehr als 97 Prozent. Melanias Token startete am 19. Januar, kletterte Richtung 11 bis 14 Dollar und notiert um die 10 Cent. Das steht in der New York Times und bei Coin-Trackern.
Trump selbst verdient nicht in erster Linie am gehaltenen Coin, sondern an Lizenz- und Verkaufsgebühren. In der jüngsten Finanzoffenlegung erscheinen rund 636 Millionen Dollar aus dem Meme-Coin, so die NYT. Public Citizen summiert Verluste der Anleger über mehrere Trump-Krypto-Produkte auf mindestens 4,7 Milliarden Dollar, davon allein bei $TRUMP etwa 3,2 Milliarden. Reuters-Zahlen, die Norton übernimmt, setzen für November 2024 bis April 2026 rund 2,3 Milliarden Dollar Familieneinnahmen aus Krypto-Ventures gegen 2,25 Milliarden Anlegerverluste. Chainalysis, von der Times zitiert: Hunderttausende Wallets im Minus, eine kleine Zahl früher Käufer mit Milliardengewinn.
Dazu kommt World Liberty Financial, mit Söhnen Trumps und der Witkoffs, Token-Verkäufe, Stablecoin USD1, Beteiligung aus Abu Dhabi. Die Familie kassiert nach Berichtslage den Löwenanteil der Nettoerlöse. Der Präsident lockert zugleich die Aufsicht über genau diese Branche, begnadigt Krypto-Größen, spricht von Amerika als „crypto capital of the world“. Wer die Regeln setzt und am Token verdient, braucht keine Verschwörungstheorie. Das ist Interessenkonflikt in Reinform.
Hunter Biden: Kritik, dann derselbe Markt
Hunter Biden nannte $TRUMP öffentlich einen „Betrug“. Stunden später bewarb er $LAPTOP als Symbol von „Resilienz, Wiedergutmachung und Genesung“ und versprach unter anderem Zuweisungen an Leute, die mit $TRUMP Geld verloren haben – so WSJ und Cointelegraph. Start am 9. September 2026 auf Base (Coinbase-Ledger). Laut NYT und Forbes: Handel um 37 Dollar, Spike über 222 Dollar, binnen Stunden unter 2 Dollar, später gegen 1,30 Dollar. Fast 99 Prozent weg.
Biden schrieb auf X, er persönlich habe „keinen einzigen Dollar verdient“, Schuld seien technische Probleme und räuberische „Sniper“. Yahoo Finance berichtet von rund 12.000 Wallets im Verlust und einem Wallet mit mehr als einer Million Dollar Gewinn. Norton zitiert den Einwand, Market Maker hätten nach dem Start verkauft – im Widerspruch zur Botschaft, das Team-Kontingent sei gesperrt. Das ist der klassische Memecoin-Ablauf: dünnes Orderbuch, Bots in der ersten Sekunde, der Rest hält die Tasche.
Die Moralpredigt gegen Trump ändert an der Mechanik nichts. Wer denselben Hebel bedient – Prominame, Token ohne Cashflow, Charity-Rhetorik – spielt dasselbe Spiel, nur kleiner und ungeschickter. Eric Trump höhnte, Hunter solle wieder malen. Das trifft die Peinlichkeit, nicht das System.
Dasselbe Skript in New York und Buenos Aires
Im Januar 2026 brach der NYC-Token zusammen, der mit Ex-Bürgermeister Eric Adams verknüpft wurde. Der Guardian sprach von Rug-Pull-Vorwürfen; der Schöpfer soll Stunden nach dem Start Millionen abgezogen haben, ein Teil floss später zurück. Adams bestritt Fehlverhalten.
In Argentinien bewarb Präsident Javier Milei 2025 den Token LIBRA. Bloomberg: 86 Prozent der Trader im Verlust, insgesamt rund 251 Millionen Dollar. Reuters: Acht mit den Machern verknüpfte Wallets zogen 99 Millionen Dollar ab. Die Opposition forderte ein Amtsenthebungsverfahren. Arkham verknüpfte On-Chain-Adressen, die sowohl beim $TRUMP-Start als auch bei LIBRA früh zugriffen. Ob das dieselbe Crew oder nur dasselbe Handwerk ist, ändert wenig am Ergebnis: Wer zuerst drin ist, verkauft an die Fans des Politikers.
Kein Volkseigentum, eine Transfermaschine
Meme-Coins sind keine Währung und kein Anteil an einem Unternehmen. Sie sind Wettscheine mit Gesicht. Steigt der Kurs, weil der Name Trump, Biden, Milei oder Adams draufsteht, fließt Geld von Späteinsteigern zu frühen Wallets, Gebührenkassierern und Lizenznehmern. Fällt er, bleibt die Story: „technische Probleme“, „Sniper“, „der Markt“.
Besonders betrügerisch wird das, wenn derselbe Clan die Aufsicht über die Branche mitbestimmt. Unter Biden gab es schärfere SEC-Linien gegen Teile des Kryptomarkts. Unter Trump wird dereguliert, während die Familie an WLFI, $TRUMP und verwandten Vehikeln verdient. Hunter Bidens Token ist dagegen dilettantische Oppositionskultur – und trotzdem dasselbe Angebot an Leute, die schon einmal verbrannt wurden.
Die Blockchain speichert das in riesigen Rechenzentren. Die Anleger zahlen es.
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